Bei der Weltmeisterschaft 2010 war die chilenische Nationalmannschaft einer der Hingucker, sowohl taktisch als auch spielerisch. 2014 findet die Weltmeisterschaft in Brasilien statt, weswegen... Kolumbien – Die gefährliche Unbekannte für die WM 2014!

Bei der Weltmeisterschaft 2010 war die chilenische Nationalmannschaft einer der Hingucker, sowohl taktisch als auch spielerisch. 2014 findet die Weltmeisterschaft in Brasilien statt, weswegen die südamerikanischen Mannschaften einen weiteren Vorteil haben könnten. Auf eine Mannschaft sollte man bereits jetzt achten, da sie bei diesem Großereignis womöglich eine größere Rolle spielen könnte, als ihr viele zutrauen.

Im Juni 2011 waren sie noch auf Platz 54 abgerutscht, seitdem konnten sie sich stetig verbessern und liegen zurzeit auf dem 22. Rang, der höchsten Platzierung seit 2008. Bei der Copa America 2011 beendeten sie die Gruppe gar ohne Gegentor auf Platz 1 vor Lionel Messis Argentinien, schieden aber dann mit viel Pech gegen Peru aus. Falcao verfehlte gegen Ende der regulären Spielzeit einen Elfmeter, danach sorgte ein individueller Fehler von Yepes für die Niederlage in der Verlängerung.

In ihrer Qualifikationsgruppe liegen sie aktuell auf Platz drei, punktgleich mit den Zweitplatzierten aus Ekuador hinter Argentinien. Trainer Jose Pekerman löste Leonel Alvarez nach nur drei Monaten ab, da diesem die Unterstützung von Medien und Verband fehlte. Bislang verloren sie in der Qualifikation nur knapp gegen Argentinien durch Tore von Messi und Agüero sowie auswärts gegen Ekuador in Quito. Allerdings keine Schande für die Los Cafeteros, denn Ekuador ist traditionell wegen der hochgelegenen Stadien ungemein heimstark. Die letzten Qualifikationsspiele gegen Uruguay und Chile gewannen sie mit 4:0 beziehungsweise auswärts mit 3:1.

Pekerman, ein unterschätzter Coach

Nur wenigen ist José Pekerman ein Begriff. Einige kennen ihn noch von der Weltmeisterschaft 2006, als die Argentinier bis zu ihrem knappen Ausscheiden im Elfmeterschießen gegen Gastgeber Deutschland als die beste Mannschaft des Turniers galten. Das Spiel fokussierte sich auf Kurzpässe und Riquelme als Metronom auf der Position des klassischen Zehners. Pekerman ist auch deswegen kein gängiger Name, weil er keine große Karriere hatte. Er dümpelte als Mittelfeldspieler bei einem argentinischen Mittelfeldverein herum, bevor er wegen einer Knieverletzung seine Karriere im Alter von nur 28 Jahren beenden musste. Zwischenzeitlich verdiente er sich sein Geld sogar als Taxifahrer, danach arbeitete er sich vom Jugendtrainer bis nach oben.

Zuerst bei den Chicarita Juniors, danach bei seinem Heimatverein Argentinos Juniors und später in der Talentschmiede von Colo Colo in Chile. 1994 erhielt er ein Angebot für die Jugendmannschaften der U17 und U20 von Argentinien, was zuerst kritisch gesehen wurde – was hatte dieser Pekerman denn schon vollbracht? Letztlich wurde er der erfolgreichste Jugendcoach der Welt. Drei von vier möglichen Weltmeisterschaften gewannen seine U20-Jungs von 1994 bis 2001. Neunzehn seiner Spieler sollten danach noch eine Karriere als Stammspieler in europäischen Topligen, darunter auch Spieler wie Esteban Cambiasso, Walter Samuel und Juan Roman Riquelme. 1997 setzten sie sich unter anderem gegen die Franzosen mit Sagnol, Henry, Trezeguet und Anelka durch, welche als Turnierfavorit galten. Auch 1995 mussten die Spanier um Salgado, Raul, Morientes und das damalige Supertalent de la Pena dran glauben, 2001 hatte die von Louis Van Gaal trainierte Mannschaft mit späteren Stars wie Robben, Huntelaar und van der Vaart ebenso wenig eine Chance. Die Albiceleste erzielte sogar 27 Treffer in nur sieben Spielen, was die aktuellen Kritiker an Pekerman Lügen straft – er ist kein Freund des langen Balles und des destruktiven Fußballs, sondern schlicht ein Pragmatiker und kein Romantiker. Genau das könnte Kolumbien so gefährlich machen, darüber können auch seine zwei gescheiterten Kurzzeitstationen bei den Tigres und Toluca zwischen 2007 und 2009 nicht hinwegtäuschen.

Der Kader in der Analyse – die Defensive

Die langen Bälle gibt es im Spiel der Kolumbianer auch deshalb, weil sie vorne mit Falcao agieren, der diese Bälle hervorragend verarbeiten und weiterleiten kann. Der Starstürmer von Atlético ist das Um und Auf der Südamerikaner und könnte 2014 einer der großen Stars beim Turnier werden. Doch auch anderweitig sind die Los Cafeteros gut besetzt.

Im Tor gilt der 24-jährige David Ospina als hervorragender Torhüter mit starken Reflexen und Paraden auf der Linie. Davor gibt es mit Perea und Yepes zwei sehr erfahrene Akteure. Perea ist sehr schnell, kann auch auf der Position des Außenverteidigers auflaufen. Yepes hingegen gilt als etwas langsam, aber ungeheuer zweikampf- und kopfballstark. Beide sind jedoch schon weit über dreißig und deswegen womöglich bei der WM 2014 zu alt. Mosquera ist ein Spielertyp wie Perea, dürfte in zwei Jahren aber mit dann 33 Jahren noch eine Rolle spielen, weswegen er von Pekerman weiterhin (wie auch Perea) für den Stamm eingeplant wird. Als Herausforderer stehen Zapata vom AC Mailand und Carlos Valdes bereit, welcher in der MLS sein Geld verdient.

Besonders interessant sind die Positionen der Außenverteidiger. Sowohl Armero auf links als auch Zuniga auf rechts spielen in der Serie A und gelten als sehr starke Flügelverteidiger offensiver Prägung. Sie ermöglichen nicht nur eine offensive Viererkette, sondern auch eine Formation mit Dreier-/Fünferkette, was die Kolumbianer bei einem Großturnier variabel machen würde. Außerdem hätten sie mit dem sehr offensiven Cuadrado auf rechts eine gute Alternative zu Zuniga, wenn mit klassischen Wingbacks gespielt wird.

Der Kader in der Analyse – die Offensive

Ansonsten ist Cuadrado ein Konkurrent für Pabon. Cuadrado ist ein typischer Außenläufer, der an der Linie klebt, seine Geschwindigkeit nutzt und bis zur Grundlinie durchstößt. Auch darum hat er wohl das Nachsehen gegenüber Pabon. Der Stürmer von Parma ist deutlich stärker im Kombinationsspiel und torgefährlicher, kann auf beiden Seiten agieren und läuft normalerweise als hängende Spitze auf, von wo aus er seine Schussstärke besser ins Spiel bringen kann.

Auf links ist James Rodriguez vom FC Porto gesetzt. Schnell, trickreich und passstark gilt er als der nominell zweitbeste Akteur im Kader hinter Mittelstürmer Falcao und beackert unumstritten die linke offensive Seite mit seinen Dribblings, Vertikal- und Diagonalläufen.

Im Zentrum gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Mit Aguilar und Guarin besteht die Möglichkeit zwei laufstarke und kombinationssichere Box-to-Box-Midfielder aufzustellen, welche in einem 4-4-2 agieren könnten. Dazu kommt Edwin Valencia von Fluminense, der ein solider und kompletter Spieler für die Sechs und die Acht ist.

Als defensivere Variante sowie als Option für den alleinigen Sechser in einem 4-1-4-1 gilt Carlos Sanchez, welcher seine Stärken im physischen Bereich besitzt und sich offensiv auf ungefährliche, aber dafür präzise und schnelle Kurzpässe beschränkt. Seine enorme Laufarbeit könnte den beiden Achtern die Lizenz zum Aufrücken und Ausspielen ihrer offensiven Fähigkeiten geben oder ein System mit zwei Mittelstürmern und einer vertikalen Sechs neben sich ermöglichen.

Zentraloffensiv gibt es mit Giovanni Moreno und Macnelly Torres die Möglichkeit eine fast schon klassische Nummer Zehn aufzustellen, welcher technisch stark und sehr kreativ ist sowie mit seinen Pässen für Gefahr sorgen kann. Außerdem sind beide auch selbst torgefährlich, können aus der Distanz schießen und gelten als elegante Spieler. Eine andere Alternative für ein klassisches Sturmduo wäre der Strafraumstürmer Teofilo Gutierrez mit Falcao oder Adrian Ramos als arbeitender und schneller hängender Stürmer für eine klarere Rollenverteilung an der Front. Als Favorit sollte jedoch Jackson Martinez, ebenfalls vom FC Porto gelten, ein kopfballstarker und kompletter Stürmer, der lediglich kleine Mängel im Kombinationsspiel besitzt. Mit seiner Athletik und Schnelligkeit würde er wohl gut zu Falcao passen.

Mögliche Alternativen für die Zukunft gibt es ebenfalls. In den Jugendmannschaften gelten der Rechtsverteidiger Santiago Arias, die Spielgestalter Ortega (zurzeit in Deutschland aktiv) und Perez sowie Udine-Stürmer Muriel als große Talente, welche bald in die A-Mannschaft aufrücken könnten und sollten. Auch in der U19 gibt es mit Luis Mena einen weiteren talentierten Stürmer sowie den zentralen Mittelfeldspieler Gustavo Cuellar, der als Zukunftshoffnung gilt.

Kolumbiens Möglichkeiten im 4-3-3

Kolumbiens Möglichkeiten im 3-4-3

Kolumbiens Aufstellung beim Sieg gegen Chile

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric