In diesem Sommer gab Paris St. Germain bereits eine Unsumme für neue Spieler aus. Mit Ibrahimovic und Thiago Silva kamen sogar zwei Weltklassespieler in... Paris St.Germain 2012/13 – die Entwicklung eines Riesen (?)

In diesem Sommer gab Paris St. Germain bereits eine Unsumme für neue Spieler aus. Mit Ibrahimovic und Thiago Silva kamen sogar zwei Weltklassespieler in die französische Hauptstadt. Insgesamt beträgt der Verlust in dieser Transferperiode 99 Millionen €. Neben Ibrahimovic und Thiago Silva kamen auch Marco Verratti und Ezequiel Lavezzi – ebenfalls aus der italienischen Serie A – zur Mannschaft von Carlo Ancelotti. Damit bieten sich ihm zahlreiche Variationen seiner bisherigen taktischen Möglichkeiten.

Eine komplette statt einer falschen Neun

Einige Male agierten die Pariser unter Ancelotti mit einem Mittelstürmer aus Menez, Nene oder gar dem Spielmacher Javier Pastore. Insbesondere zu Saisonende hin mehrten sich die Einsätze der gelernten Flügel- und Mittelfeldspieler. Der schnelle und dribbelstarke Gameiro war es, der verdrängt wurde, während der groß gewachsene Hoarau ohnehin keine wirkliche Chance hatte – er kam in der gesamten Saison zu nur sieben Einsätzen. Lediglich als Zielspieler und Strafraumstürmer wurde er aus taktischen Gründen von Beginn an eingesetzt. Unter Ancelotti versuchten sich die Pariser jedoch verstärkt zu einer kompakten Mannschaften in einem 4-3-2-1 zu entwickeln, in welchem der vorderste Angreifer sich ins Kombinationsspiel miteinbezog. Beim 6:1 gegen Sochaux war es sogar Pastore, der als Mittelstürmer auflief und den Führungstreffer erzielte.

Ancelotti auf der Suche nach einem „echten“

Dennoch scheint Ancelotti auf der Suche nach einer Verbesserung. Anstatt einer solchen falschen Neun, welche sich ins Mittelfeld oder auf die Flügel zurückfallen lässt, sucht er nach einem kompletten Mittelstürmer. Der soll nicht nur im Aufbauspiel keine Behinderung, sondern eine Hilfe sein, sondern sich im Angriffsspiel auch in klassischer Stürmermanier positionieren können. Ähnlich wie es bei Milan einst war. Hier gab es mit Shevchenko und Crespo je einen Spieler, der auf eine etwas abgeschwächte Art und Weise so spielen konnte. Hinter einem von ihnen spielte meist Kaká oder gar ein weiterer Stürmer und dahinter die Dreierkette mit Gattuso als halbrechtem Läufer und Pirlo als tiefliegender Spielmacher zwischen diesem und dem zweiten Sechser.

Mögliche Parallelen zu Ancelottis AC Milan 2005

Im CL-Finale 2005 waren es beispielsweise Seedorf und Gattuso, welche neben Pirlo und hinter Kaká aufliefen. Davor wirbelten Shevchenko und Crespo. Zwei Jahre später bei der gelungenen Revanche für das Wunder von Istanbul war es Inzaghi, der vor Kaká auflief. Ambrosini rückte ins Mittelfeld und Seedorf schob sich eine Ebene nach vorne, um etwas mehr Defensivstärke und eine Freirolle Kakás zu ermöglichen. Ähnliches könnte sich mit Neuzugang Ezequiel Lavezzi oder Javier Pastore bei Paris ereignen.

Mögliche Spielsysteme

Mit Ibrahimovic hätten sie einen Fixpunkt im Angriff, der sämtliche Facetten des Offensivspiels beherrscht. Je nach Gegner, Spielphilosophie und Form wären dann unterschiedliche Anordnungen im Angriff möglich. Ob ein 4-3-3 mit Lavezzi und Menez auf den Außen oder ein 4-4-1-1, in welchem Pastore in einer Kaká-Rolle agiert. Sogar Pastore als tiefliegender Spielmacher wäre bei einem 4-3-2-1 nicht abwegig, Nene und Menez könnten sich dann weiterhin auf den Halbpositionen im Sturm wiederfinden, während Lavezzi als Konkurrenz zu diesen beiden dient. Mit Lavezzi oder Gameiro als Halbstürmer wäre gar ein flaches 4-4-2 mit zwei Flügelspielern oder einer Raute spielbar. Hier wäre Pastore als Zehner hinter zwei Stürmern auf seiner Lieblingsposition eingebunden. Um diese Frage beantworten zu können, widmen wir jedoch einen Blick auf das zentrale Mittelfeld.

Bollwerk oder kreative Schaltzentrale?

In der defensiven Dreierreihe vor der Abwehr gibt es verschiedenste Möglichkeiten für eine Aufstellung. Ob wie bei Milan der letzten Dekade mit einem spielmachenden Sechser und zwei arbeitenden Achtern oder gar umgekehrt: alles ist möglich. Auch eine fluide Dreifachsechs. Mohamed Sissoko und Blaise Matuidi könnten beispielsweise als eher defensive und rustikale Achter agieren oder sich auch als alleiniger Sechser bei zwei Achtern je nach Form und Gegner abwechseln. Mit Chantome und Bodmer gibt es zwei role-player von der Bank aus, die bestimmte Aufgaben erfüllen können. Bodmer ist ein eher behäbiger Spieler, welcher in lichten Momenten herausragende Pässe spielt. Ein zentraler Organisator, dem die nötige Konstanz zur internationalen Klasse fehlt. Chantome hingegen ist ein kompletter Mittelfeldspieler, der als box-to-box-Spieler agieren könnte. Beide könnten bei Bedarf zu Einsätzen kommen, doch insbesondere für Bodmer sieht es düster aus. Die Konkurrenz an spielstarken Mitspielern wächst stetig.

Künftiger Weltklassemann Verratti in tragender Rolle?

Neuzugang Marco Verratti gilt als kommender Weltklassespieler. Der 19-Jährige spielte bei Pescara eine tragende Rolle und wird mit Wesley Sneijder und Andrea Pirlo verglichen. Dementsprechend kann er sowohl als klassischer Zehner wie auch tiefliegender Spielmacher agieren. Ähnlich wie Thiago Motta, der ein etwas robusterer Spieler ist, aber ebenso seine Stärken im Kombinationsspiel besitzt. Javier Pastore fehlt es (wie Nene) an der nötigen Defensivstärke, um mit diesen beiden und besonders Motta mithalten zu können. Doch gegen tief stehende Gegner dürfte es möglich sein, alle drei im Mittelfeld einzusetzen, falls die richtige Balance und Abstimmung gefunden wird.

Ancelotti kann flexibel sein

Ancelotti kann sich somit perfekt auf jeden Gegner einstimmen. Ob zwei defensivorientierte Spieler oder einen Abräumer zu zwei Spielmacher, es ist alles möglich. Im Extremfall sogar eine Raute mit vier kreativen Akteuren oder eine Dreifachsechs mit einem verkappten Stürmer wie Lavezzi beziehungsweise einer Dreierreihe davor.

Problemzone Viererkette?

Inwiefern dieses geballte Potenzial genutzt wird, ist fraglich. Die finanzielle Überlegenheit der Pariser in Verbund mit ihren starken Spielern könnte sich herausragend auf eine künftige Entwicklung eines komplexen Systems auswirken. Wichtig wäre dabei auch, dass die Defensive nicht übersehen wird. Mit Thiago Silva wurde bereits ein Weltklasseakteur geholt. Er könnte mit dem Riesentalent Sakho eine hervorragende defensive Zentrale abgeben. Doch auf den Außenverteidigerpositionen scheint es zu hapern. Links ist man mit Maxwell und Tiené solide und zweifach auf akzeptablem Niveau besetzt, allerdings sind beide über dreißig Jahre alt. Eine langfristige Alternative sollte überlegt werden. Rechts sieht es gar schlimmer aus. Hier ist Ceara in seine Heimat zu Cruzeiro zurückgekehrt und lediglich Stammaußenverteidiger Christophe Jallet ist übrig geblieben. Der 28-Jährige ist offensiv stark und ein Dauerläufer – ohne Ersatz fehlt es aber an der nötigen Kadertiefe und der motivierenden Konkurrenz. Womöglich wird nach der Verpflichtung von Silva der Innenverteidiger Bisevac auf die defensive Außenbahn gezogen, um dieses Loch zu füllen. Ideal wäre es natürlich, falls ein neuer Rechtsverteidiger von internationalem Format kommt.

Die Innenverteidigung steht

Zentral ist man zumindest mit Lugano, Camara und natürlich dem ehemaligen Chelsea-Profi Alex ausreichend besetzt, was einer Verschiebung Bisevacs auf dem Flügel nicht im Weg stehen würde. Er müsste sich ohnehin hinter Silva und Sakho mit drei anderen um den Rang des ersten Ersatzes streiten. Eine Situation, die zeigt, wie weit das Projekt Paris St. Germain bereits ist – und welche Dinge noch übersehen wurden.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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