Der einstige Vorzeigeklub der Schweiz droht im Chaos zu versinken. Zahlreiche Fans des FC Basel gaben nach dem Aufruf eines großen Fanklubs ihre Abos... Proteste gegen Basel-Präsident: Fans geben Abos zurück

Der einstige Vorzeigeklub der Schweiz droht im Chaos zu versinken. Zahlreiche Fans des FC Basel gaben nach dem Aufruf eines großen Fanklubs ihre Abos zurück. Feindbild der Anhänger ist Präsident Bernhard Burgener.

Zwischen 2010 und 2017 holte der FC Basel acht Meistertitel hintereinander. Die Rot-Blauen wirkten praktisch uneinholbar, vergoldeten in dieser Zeit spätere Topspieler wie Mohamed Salah, Xherdan Shaqiri, Manuel Akanji, Breel Embolo oder Mohamed Elneny. Alleine durch die Verkäufe dieser fünf Genannten nahmen die Basler knapp 90 Millionen Euro an Ablösesummen ein.

Nun ist in der Schweiz aber alles anders. Die Young Boys Bern haben das Zepter übernommen, hievten sich mit nachhaltiger Arbeit deutlich an die Spitze und stehen acht Runden vor Schluss nur noch einen Sieg vor dem vierten Titelgewinn in Serie. Basel steht indes auf Rang 4. Aus 28 Spielen holte man nur 39 Punkte, der Punktschnitt von 1,39 ist bei den Ansprüchen des einstigen Top-Klubs indiskutabel. Damit noch nicht genug, ist der 20-fache Schweizer Meister noch nicht mal praktisch vor dem Abstieg gerettet. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt derzeit sieben Punkte. Ein Abstieg wäre selbstverständlich sehr unwahrscheinlich, aber nach dem FC Zürich und den Grasshoppers wäre es auch keine Premiere für einen ehemaligen Spitzenklub der Super League.

Der seit 2017 in Amt und Würden befindliche Präsident Bernhard Burgener, ein 64-jähriger Medienunternehmer, war schon von Beginn an äußerst umstritten. Im Jahr 2020 verhärteten sich die Fronten zwischen den mächtigen Fans der Basler und dem Vorstand des Klubs. Seit etwa einem halben Jahr wird die Fanszene des Klubs richtig aktiv, etwa mit Petitionen und gesteigertem öffentlichen Druck. Stein des Anstoßes für größere Proteste war Burgeners Plan 20 – 30% der FCB-Aktien an das britische Unternehmen Centricus zu verkaufen.

Die Möglichkeit, dass es zu einem derartigen Investment kommt, ist weiterhin anhängig. Burgener selbst macht jedoch formal einen Rückzieher. Bereits im vergangenen September erklärte er, dass er ab der nächsten Amtsperiode nicht mehr als Vereinspräsident zur Verfügung stehen wird. Mehrheitsaktionär der FC Basel Holding AG und damit Klubbesitzer bleibt er trotzdem.

Burgener selbst betonte stets, dass er sein Aktienpaket als „Fan“ kaufte. Dabei soll es um einen zweistelligen Millionenbetrag gegangen sein. Die Fans kaufen das dem ungeliebten Präsidenten aber nicht ab und wittern geschäftliches Kalkül dahinter. Eine gewichtige Rolle in den aktuellen Entwicklungen beim FC Basel nimmt der ehemalige Spieler und heutige Spieleragent und Mitglied des Basler Verwaltungsrats David Degen ein, der Mitaktionär ist und ein Vorkaufsrecht auf Burgeners Aktien hält. Für die nächsten Tage ist ein Vier-Augen-Gespräch der beiden Aktionäre anberaumt. Das Verhältnis zwischen Burgener und Degen ist mittlerweile eisig.

Degen müsste tief ins Gesparte greifen, um Burgener aus dem Klub „herauszukaufen“. Gerüchte besagen aber, dass er sich dies leisten könnte. Die Fans des FC Basel sehen eine Übernahme durch Degen als einzige Option an, um den Verein in sicheres Fahrwasser und vor allem wieder zurück in die Nachhaltigkeit zu führen. Burgener ist jedoch unberechenbar und klammert sich weiterhin massiv an den Klub. Über die Hintergründe für dieses Klammern wird in verschiedene Richtungen spekuliert.

Nun preschen die Fans des Traditionsklubs vor und geben ihre Abos zurück. Vor dem St. Jakob-Park standen heute bereits die Schlangen, die für Anliegen kurioserweise zur Gäste-Kassa kommen mussten. Eine weitere kleine „Watsch’n“ für das aktuell äußerst empfindliche Vereinsumfeld. Auf Twitter könnt ihr die weiteren Entwicklungen unter dem Hashtag #rotblaulive mitverfolgen. Heute um 16 Uhr empfängt der FC Basel den Tabellenzweiten Servette Genf.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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