Am Freitag fand eines der größten Derbys Europas statt: Das als Hassduell geltende Spiel zwischen Serbien und Kroatien im serbischen Belgrad. Das Spiel endete... Scharfe Kritik nach Kroatiens 1:1 in Serbien: Trainer Igor Stimac in der Schusslinie

Kroatien FlaggeAm Freitag fand eines der größten Derbys Europas statt: Das als Hassduell geltende Spiel zwischen Serbien und Kroatien im serbischen Belgrad. Das Spiel endete 1:1 – und aus taktischer Sicht ist das Spiel leicht erklärt. Die Serben hatten mit Nemanja Matic auf der Sechs einen wichtigen Rückkehrer in ihrer Elf, der ihnen defensive Stabilität und Kreativität im Aufbauspiel gewährleistete. Matic spielte als der höhere Part der Doppelsechs und konnte seine Klasse phasenweise sehr gut ins Spiel einbinden, Ljubomir Fejsa sicherte für ihn ab. Lazar Markovic zog von Linksaußen immer wieder in die Spitze, Filip Djuricic auf der Zehn hingegen konnte sich gegen das enge zentrale Mittelfeld der Kroaten kaum zurechtfinden.

Die Gäste aus Kroatien hingegen formierten sich mit dem Dreiersturm Mario Mandzukic, Ivica Olic und Eduardo als oftmals zockendem Offensivgespann sehr unkompakt; der Fokus lag auf defensiver Kompaktheit mit einer konservativen Ausrichtung in der Abwehr und im Mittelfeld. Ognjen Vukojevic als „Holzhacker“ wurde dem hochtalentierten Mateo Kovacic oder auch HSV-Legionär Milan Badelj vorgezogen. Davor begannen die Spanienstars Ivan Rakitic und Luka Modric.

Wegen dem tiefen Fokus und den Schwächen im Umschalt- und Angriffsspiel wurde große Kritik an Igor Stimac, dem Trainer der Kroaten, laut.

Kritik in Kroatien – Ist das Problem der Kader oder der Trainer?

Nach dem gestrigen Unentschieden in Serbien tobt eine Vielzahl der kroatischen Fans. Das Spiel, so heißt es, sei von kroatischer Seite in der ersten Halbzeit feige geführt und in der zweiten Spielhälfte dann taktisch ungeheuer schlecht beendet worden. Nach der gelb-roten Karte für Serbiens besten und wichtigsten Spieler, Nemanja Matic, hätten die Kroaten noch in Überzahl in den letzten 15 Minuten den Sieg herausspielen können, doch die Staffelung bei einem Standard und das defensive Umschaltverhalten war so schlecht, dass Josip Simunic zu einer brutalen Notbremse zurückgreifen musste (und wohl auch wollte).

In Kroatien gab es zahlreiche Medien, die Igor Stimac kritisierten. So erschien bei tportal.hr ein Beitrag, in dem Stimac sarkastisch als „the special one“ bezeichnet wird und seine Aussagen nach dem Spiel als jener Schwachsinn entlarvt werden, der sie sind. Selbst die serbischen Medien kritisieren Stimac und die kroatische Nationalmannschaft sowie deren Entwicklung unter selbigem.

Stimac sei zumindest zugestanden, dass sein Kader in der Breite und in gewissen Positionen gar in der Spitze nicht ordentlich besetzt ist. Es fehlt ein starker Linksverteidiger, es wird ein konstant starker zweiter Stürmer neben Mandzukic benötigt und es mangelt an einem Rechtsaußenspieler von internationalem Format. Auf nahezu allen Positionen, außer dem zentralen Mittelfeld, ist man sehr dünn besetzt.

Nichtsdestotrotz darf Kritik an Stimac erlaubt sein, nämlich einerseits in der Ausrichtung und Anpassung an den Gegner und andererseits an der Nutzung seiner Spielertypen.

Wenige Spieler zu haben, heißt nicht, sie schlecht einbinden zu müssen

Im konkreten Fall des Serbien-Spiels hätte Kroatien beispielsweise mit einer Raute im Mittelfeld spielen können. Der Mangel an Flügelstürmern – zwei gelernte Mittelstürmer kamen über die Seiten –wäre kompensiert worden und ein weiterer Mittelstürmer hätte auf seiner Idealposition agieren können. Besonders wenn man über Konter spielen wollte, wie es Stimac nach dem Spiel behauptete, wäre diese Spielweise praktikabel gewesen. Breite kann es bei Kontern ohnehin nicht wirklich geben, mit einem zusätzlichen zentralen Mittelfeldspieler hätte es einen Passgeber mehr gegeben und einen Passempfänger in der Spitze mehr. Mit aufrückenden Halbspielern und je einem aufrückenden Außenverteidiger wären diese Konter auch effektiver umzusetzen gewesen.

Das war aber nicht das Problem; Kroatiens generelle Ausrichtung auf Konter mit passiver Spielweise und tiefer Formation war es. Bei Kroatiens Spielermaterial wäre eine ballbesitzorientierte Herangehensweise mit tiefer Ballzirkulation die deutlich bessere Wahl gewesen. Supertalent Mateo Kovacic – nach seiner Einwechslung prompt einer der besten Spieler – statt dem rustikalen Vukojevic wäre eine zusätzliche stabilisierende Maßnahme gewesen.

Im Verbund mit Modric hätte er auf den Halbpositionen vor Ivan Rakitic oder sogar vor Milan Badelj (und Rakitic dann auf der Zehn) spielen können. Stattdessen hatte Kroatien keine gute Ballzirkulation und kam nur zu einem wirklich gefährlichen Abschluss, der letztlich auch im Tor landete. Vukojevic verschloss immer wieder Passwege zum sich freilaufenden Modric und behinderte diesen im Aufbauspiel. In einer Szene lief sich Vukojevic plötzlich in der gleichen diagonalen Linie zu einem Innenverteidiger wie Modric, allerdings fünf Meter näher. Dadurch nahm er Modric in seinen Deckungsschatten und ermöglichte Serbien den Ballgewinn.

Doch das war nicht die Spitze des Eisbergs. Wenn Modric den Ball hatte, lief Vukojevic sich ebenfalls nicht ordentlich für ihn frei und ließ zu, dass Serbien Modric zu zweit oder dritt presste und Kroatien dadurch keine Entlastung nach vorne fand. Auch Rakitic fand sich in seiner Rolle als Achter/Zehner nicht wirklich zurecht und wurde kaum ins Spiel eingebunden. Weder seine strategischen und technisch guten Ballverteilungen von der Sechs aus, noch seine Vertikalläufe und Abschlüsse von der Zehn aus wurden genutzt.

Fazit: Kontraproduktive Herangehensweise – nicht zum ersten Mal und nicht nur auf dem Platz

An sich wäre es kein Problem, wenn es das erste Mal gewesen wäre; Fehler sind nur allzu menschlich und würden auch jedem anderen Trainer der Welt passieren, einschließlich aller Journalisten, die jene Trainer kritisieren. Das Problem entsteht dann, wenn ein Trainer Verhältnismäßigkeiten nicht einschätzen kann. Igor Stimac hat beispielsweise Mateo Kovacic – den Matchwinner im ersten Spiel gegen Serbien, welches enorm knapp und durchaus glücklich war – eher wegen des Überraschungsfaktors gebracht, anstatt wegen taktischen Mehrwerts.

Stimac band auch Badelj in seiner Topform nicht in das Team ein und nutzte Modric‘ einmalige Stärken nur unzureichend, wodurch der Starspieler trotz seiner Klasse gelegentlich unkonstant und unauffällig agiert. Vor dem Spiel gegen Schottland kündigte er auch an, dass Gordon Strachans Mannschaft sich schwertun würde, überhaupt aus der eigenen Hälfte zu kommen. Kroatien verlor das Spiel dann zu Hause mit 0:1.

Auch wirkliche Tests von großen Talenten wurden nur unzureichend vorgenommen, die meisten Debütanten sind wie bei den Serben eher aufgrund korrupter Machenschaften in das Team gerutscht. Stimac selbst wird ohnehin als Marionette des Verbands gesehen, welcher durch die Berufung von Ex-Star Davor Suker zum Vereinspräsidenten und dessen Verbindungen zum berüchtigten Dinamo-Zagreb-Präsidenten Zdravko Mamic als unterlaufen gilt.

Die Frage ist, wie lange diese Marionette nun noch tragbar ist. Sinisa Mihajlovic hat sich kurzzeitig aus der Bedrängnis gezogen, indem er den Medien Zugeständnisse machte und u.a. Nemanja Matic begnadigte. Die Probleme, die bereits in einer anderen Serie geschildet wurden (Teil 1 hier), sind nämlich noch keineswegs gelöst.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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