Er debütierte mit 16 Jahren in der höchsten Schweizer Spielklasse, war bei der Europameisterschaft 2004 der zweitjüngste Spieler und avancierte bei diesem Turnier mit... “Was wurde aus…” – Johan Vonlanthen

Schweiz - FlaggeEr debütierte mit 16 Jahren in der höchsten Schweizer Spielklasse, war bei der Europameisterschaft 2004 der zweitjüngste Spieler und avancierte bei diesem Turnier mit seinem Tor gegen Frankreich zum jüngsten EM-Torschützen aller Zeiten. Die Rede ist von Johan Vonlanthen, der für die Fußballfans in Österreich aufgrund seiner Zeit bei Red Bull Salzburg alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist. Mittlerweile spielt der 28-Jährige in der zweithöchsten Schweizer Spielklasse bei Servette Genf.

Johan Vonlanthen verbrachte die ersten zwölf Jahre seines Lebens in Kolumbien, wo er unter ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Er spielte regelmäßig mit seinen Freunden mit selbstgebastelten Fußbällen aus Papier und Plastik, an Spielgeräte aus Leder war aus finanziellen Gründen nicht zu denken. Seine Mutter lernte den ehemaligen Schweizer Nationaltrainer Roger Vonlanthen kennen, als dieser in Kolumbien Urlaub machte. Johan übersiedelte mit ihr in die Schweiz, wurde schweizerisch-kolumbianischer Doppelstaatsbürger und kickte im Nachwuchs bei den Young Boys Bern.

Schneller Aufstieg, tiefer Fall

Zunächst ging es ganz schnell. Er debütierte mit 16 Jahren bei den Profis und schoss gleich im ersten Bewerbsspiel einen Treffer. Er kam zwar in den nächsten Monaten meist nur als Joker ins Spiel, doch die Medien überschlugen sich vor Begeisterung, was auch den ausländischen Klubs nicht verborgen blieb. Er wechselte zur PSV Eindhoven, wo er aber bis auf eine Ausnahme immer erst von der Bank ins Spiel kam. Einerseits sah er sich in der Offensive mit Mateja Kezman, Jan Vennegoor of Hesselink, Dennis Rommedahl und nicht zuletzt Arjen Robben sehr starker Konkurrenz ausgesetzt, andererseits zeigte sich der gestrenge Coach Guus Hiddink mit der Lernwilligkeit seines Neuzugangs unzufrieden. Nach zwei Leihstationen (Brescia, NAC) sollte bei Red Bull Salzburg ein Neuanfang gestartet werden.

In seiner ersten Saison steuerte er in 35 Meisterschaftsspielen (22 von Beginn an) fünf Tore und zwölf Assists bei. Dann verpassten die Salzburger die Champions-League-Qualifikation und Vonlanthen verletzte sich an der Leiste und fiel drei Monate lang aus. Er liebäugelte später mit einem Wechsel zu Racing Santander in die Primera Division, doch dieser Transfer sollte sich letztendlich zerschlagen. Die Salzburger wussten dies zum Zeitpunkt der Abgabe der Namensliste für den UEFA Cup jedoch noch nicht, sodass Vonlanthen fürs Spiel gegen den FC Sevilla nicht spielberechtigt war. Die Wechselambitionen kamen bei Red Bull Salzburg nicht gut an und Vonlanthen verlor nach und nach das Vertrauen der Trainer.

Er wechselte schließlich leihweise zum FC Zürich, wo er nicht nur durch zehn Treffer in 27 Partien auf sich aufmerksam machte. Nachdem er seine Freundin Rosa heiratete, verkündigten die Medien, dass er sich den Siebenten-Tags-Adventisten anschloss und seine Karriere beenden würde, da er aus religiösen Gründen an Samstagen nicht mehr spielen könne. Im Nachhinein meinte der Spieler, dass er diese Aussagen viel offensiver dementieren hätte sollen. Vonlanthen ist zwar sehr gläubig, allerdings schloss er sich laut seinen eigenen Angaben nie der protestantischen Freikirche an. Aufgrund der negativen Berichterstattung beschloss er die Schweiz zu verlassen, doch auch die Salzburger hatten keine Ambitionen den Spieler langfristig an sich zu binden.

Auf der Suche nach dem Sinn

Vonlanthen hatte von Europa genug und unterschrieb einen Vertrag beim kolumbianischen Aufsteiger Itagüí Diataires (heute Águilas Doradas). Er unterzeichnete für ein Salär von umgerechnet 33.000€ pro Jahr und ließ verlautbaren, dass für ihn Geld nun keine Rolle mehr spielte. Er suchte stattdessen Ruhe und nutzte die Gelegenheit auch, um sich mit seinem leiblichen Vater auszusprechen. Diese Auszeit tat ihm sichtlich gut, auch wenn er aus sportlicher Sicht einen Rückschritt machte – der Vertrag wurde nämlich nach wenigen Pflichtspielen aufgelöst. Im Interview mit spox.com sagte er über diese Zeit:

„Es war ein Wunsch von mir, irgendwann in der Heimat zu spielen. Meine Familie lebt dort, meine Frau stammt ebenfalls von dort. Ich wollte alle Enttäuschungen, die in mir steckten, nachdem in meiner Karriere viel schief lief, vergessen. Ich konnte nicht mehr, hatte die Liebe am Sport verloren und anderes im Kopf. Leider war Itagüi Ditaires ein großes Missverständnis. Ich nahm mir eine Auszeit. Erst wenn die Kraft und Motivation zurückkehren, ich neue Ziele habe, mit dem Glauben im Reinen bin und weiß, wohin ich gehe, wollte ich zurückkehren. In dieser Zeit haben mir Frau und Kind sehr geholfen.“

Rückkehr in die Schweiz

Vonlanthen kehrte in seine zweite Heimat zurück und unterschrieb beim Grashoppers Club Zürich. Da er seit einiger Zeit keine Matchpraxis hatte wurde er leihweise an den FC Schaffhausen verliehen, der von der dritthöchsten Spielklasse in die Challenge League aufstieg. Vonlanthen kam in 17 Spielen von Beginn an zum Einsatz und erzielte dabei zwei Treffer. Nach seinem Wechsel zum Servette Football Club Genève, der ebenfalls in der Challenge League spielt, läuft es sogar noch besser, denn nach bisher 13 Meisterschaftsspielen stehen fünf Treffer zu Buche. Sportlich geht es also langsam bergauf, aber auch der Umgang mit den Medien ist weitaus besser geworden. Während er früher unbedachte Äußerungen über sein Privatleben von sich gab, wirkt er nun im Umgang mit den Medien lockerer, aber auch bedachter. Die Auszeit in Kolumbien hat ihm sichtlich gut getan und mit seinen 28 Jahren hat er auch noch einige Saisonen vor sich. Auch wenn er in seiner bisherigen Karriere schon einiges erlebte.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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