An einem Tag an dem sich schlussendlich – nach 90 plus x Minuten – sämtliche Favoriten durchsetzten, ist die Kategorie „Überraschung“ manchmal nur knifflig... Überraschung des Spieltages (10): Löws Startformation und das Comeback der Deutschen

An einem Tag an dem sich schlussendlich – nach 90 plus x Minuten – sämtliche Favoriten durchsetzten, ist die Kategorie „Überraschung“ manchmal nur knifflig befüllbar. Dementsprechend schwierig war es auch am Samstag, die eine Überraschung des Tages zu finden. Wir haben uns für das Comeback der neuformierten deutschen Mannschaft rund um den angezählten Bundestrainer Jogi Löw entschieden. Viel Kritik und Häme hagelte es im Vorfeld dieser Zweitrunden-Partie für den Weltmeister. Dann auch noch der Rückstand zur Pause, der Ausgleich, ein Ausschluss und nach neunzig Minuten mit mehr als nur einem Bein draußen. Doch wer wenn nicht Deutschland korrigiert dies mit einem unwiderstehlichen Freistoß in der fünften Minute der Nachspielzeit?

Joachim Löw, der nicht dafür bekannt ist sich von öffentlicher Stimmung und Expertenratschläge aus dem Off bei Startelf-Fragen beraten zu lassen, sorgte mit einer mutigen Aufstellung (vier Änderungen) für die erste Überraschung an diesem Fußballtag. Dabei wurde der viel gescholtene Mesut Özil erstmals seit 26 Länderspielen auf die Bank verbannt, von wo aus er das gesamte Spiel verfolgen musste. Die Umstellungen sollten sich am Feld schlussendlich lohnen. Die neuen Spieler rechtfertigen mit Ausnahme von Julian Draxler ihre Nominierung. Dazu schüttelten die altbekannten Stammkräfte die Kritik der letzten Tage großteils ab und zeigten ein ganz anderes Bild als noch Tage zuvor gegen die Mexikaner. Und dann ist da natürlich noch der Last-Minute-Matchwinner Toni Kroos. Nach der Auftaktniederlage zuletzt tagelang medial durchs Dorf gejagt, spielte er das Selbstvertrauen aus vier Champions League Titeln in den Schlusssekunden aus. Mit dem rotzfrechen wie genialen und mutigen Freistoß, der womöglich die letzte Chance bedeutete, das Vorrundenaus des amtierenden Weltmeisters abzuwenden, krönte der Real Madrid Legionär seine Leistung im Mittelfeld. Dazu kaschierte er seinen Fehler zum Gegentor aus Halbzeit eins.

Doch etwas überraschend, aber bestimmt nicht ganz unerwartet: Statt kollektivem Frust, Tränen und einem möglichen zweiten Teil der medialen Selbstzerfleischung ist nun wieder alles eitel Wonne in Deutschland. Das Stimmungsbarometer drehte sich binnen Sekunden, das schwarz-rot-goldene Selbstverständnis ist nach dem Schlenzer ins Kreuzeck wiederhergestellt. Sämtliche Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit der Löw-Elf sind im Boulevard und bei der Fanbase wieder verblast. Plötzlich surft ganz Deutschland wieder auf einer Euphoriewelle, die das Team jetzt erstmal ins Achtelfinale bringen soll.

Damit hat unser Nachbar im nächsten „Endspiel“ gegen Südkorea wieder alles in der eigenen Hand. Um auch alle rechnerischen Zweifel zu beseitigen, würde sich ein höherer Sieg anbieten, da eventuell auch die Tordifferenz noch den Ausschlag geben könnte. Gelingt der Sieg für den amtierenden Weltmeister, gibt’s von tipp3 den 1,2-fachen Einsatz. Wer auf eine Überraschung spekuliert, könnte bei einem Remis den sechsfachen und bei einem Sieg der bereits ausgeschiedenen Koreaner gleich den zehnfachen Einsatz abstauben.

Werner Sonnleitner