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Es war Montag nach dem Spiel in Vitez als in der mittelbosnischen Stadt Kiseljak eine Pause gemacht wurde und neben dem Supermarkt ein Pfiff aus einer Schiedsrichterpfeife zu entnehmen war. Im Stadion Stadion Hrvatskih Branitelja trainierten gerade die Miniknaben unter den Augen ihrer Eltern, die auf der mächtigen Tribüne saßen. Mit dem Gedanken, dass auf dieser wohl nie ein Spiel sehen werde, ging es wieder zurück zum Auto. Dass es sich dann letztendlich herausstellen sollte, dass sogar das nächste von mir besuchte Stadion, dann genau dieses sein würde, kann man wohl als schicksalhafte Fügung betrachten.

NK Kiseljak U19 – FK Novi Grad Sarajevo U19 3:0 (1:0)

Am Samstag stand als Hauptspiel ein Besuch bei Olimpic Sarajevo auf dem Programm. Doch bevor es wieder einmal in die bosnische Hauptstadt gehen sollte, wurde bei der Durchsicht der Ansetzungen herausgefunden, dass der NK Kiseljak, als einziger Verein seine Spiele in der Omladinska Liga BiH Centar – Grupa A auf Samstagvormittag gelegt hat. Hierbei handelte es sich um eine Partie der zweitklassigen Jugendliga des Landes. Ehrlicherweise muss man sagen, dass es nicht am Spiel gelegen ist, dass man sich von der Küste in die rund 35 Kilometer nordwestlich der bosnischen Hauptstadt befindliche Kleinstadt begeben hat. Vielmehr war es das Stadion Hrvatskih Branitelja, das rund 3.500 Besuchern Platz bietet und in Bosnien eine sehenswerte Austragungsstätte für Fußballspiele ist. Anhand seiner großen und überdachten Haupttribüne samt blauen Sitzschalen merkt man gleich, dass hier normalerweise auch kein gewöhnlicher Drittligist auf Punktejagd geht. Die erste Mannschaft kickt nämlich dort und spielte um die Jahrtausendwende sogar in der höchsten Spielklasse des Landes sowie noch viele Jahre zweitklassig.

Etwas überpünktlich pfiff der Schiedsrichter bereits um 11.50 Uhr diese für 12.00 Uhr angesetzte Partie der U19-Mannschaft des NK Kiseljak gegen die Altersgenossen des FK Novi Grad Sarajevo an. Rund 60 Besucher folgten diesem Meisterschaftsspiel der sogenannten „Juniori“. Der NK Kiseljak dominierte diese Partie und sorgte mit einem schön herausgespielten Treffer für die 1:0-Pausenführung.

Nach dem Seitenwechsel sorgten ein Elfmetertreffer und ein Tor aus einem Konter für das Endergebnis von 3:0. Der Sieg der Heimmannschaft war auch in dieser Höhe mehr als verdient. Nach dem Schlusspfiff ging es direkt weiter nach Sarajevo, wo unter anderem die Lateinerbrücke und der Sebilj besichtigt wurden.

FK Olimpic Sarajevo – FK Mladost Doboj Kakanj 2:3 (0:1)

Von der Altstadt ging es wieder rund fünf Kilometer die große Ausfallstraße zurück, um bei der Kreuzung, wo sich die Schwimmhalle und die Remise der Verkehrsbetriebe befinden, abzubiegen. Nach nur 100 Meter endet dann diese Straße auf einem größeren Parkplatz, der hauptsächlich von  Besucher der Istiqlal džamija, einer der größten Moscheen der Stadt, genutzt wird. Aber auch die Besucher des Stadion Otoka nützen diesen Parkplatz, wenn der FK Olimpic Sarajevo wie üblich seine Heimspiele in diesem Stadion austrägt.

So war es auch an diesem Nachmittag. Es herrschte ein reges Gedränge zumal zeitgleich mit dem Anpfiff im Stadion Otoka auch eine Hochzeitsgesellschaft die Parkplätze für sich beanspruchte. Als dann auch noch die Autos des Fankonvois aus Doboj Kakanj ankommen, wurde es richtig eng vor dem Stadion. Im Stadion selbst musste sich dann keiner mehr Sorgen bezüglich eines Platzes machen, denn nur 400 Besucher waren vor Ort als das Spiel angepfiffen wird.

Der derzeit das Tabellenende der Premijer Liga zierende FK Olimpic Sarajevo braucht dringend Punktezuwachs, um den Anschluss in dieser nicht zu verlieren und gegen den FK Mladost Doboj Kakanj standen die Chancen dafür nicht allzu schlecht. Doch die Gäste gingen von Beginn an konzentriert zu Werke und noch in der ersten Spielhälfte verdientermaßen durch einen Treffer nach einem wirklich sehenswerten Spielzug in Führung. Als die Gastgeber wenige Augenblicke nach dem Seitenwechsel, nachdem sie den Ball nach einem Freistoß nicht aus der Gefahrenzone bringen konnten, den zweiten Gegentreffer hinnehmen mussten, schien das die Vorentscheidung in diesem Spiel gefallen zu sein.

Doch die Euphorie unter den 50 friedlichen Fans aus Doboj Kakanj  – der Sektor bestand tatsächlich nur aus Familien in Fanutensilien – bekam danach ziemlich bald einen Dämpfer. Olimpic Sarajevo kämpfte sich mit dem Anschlusstreffer wieder zurück ins Spiel und stellte Dank eines Elfmetertreffers sogar auf 2:2.

In der Schlussphase gelang dem FK Mladost jedoch der dritte Treffer, der den Gästen auch die drei Punkte bescherte. Die mitgereisten Fans feierten noch minutenlang mit ihrer Mannschaft diesen Auswärtssieg, während die sonstigen Zuschauer mit gesenktem Haupt das Stadion verließen. Olimpic blieb durch diese erneute Niederlage weiterhin am Tabellenende.

HŠK Posušje – HNK Grude 3:0 (1:0)

Nach dem Spiel in Sarajevo ging es wieder zurück in den Süden des Landes. Der Saisonstart der Druga Liga Federacije jug (= 3. Spielklasse) stand auf dem Programm. Der NK Posušje ist sicher noch einigen ein Begriff, denn dieser Verein wurde sogar einmal Meister im kroatischen Teil des Landes (als noch keine landesweite Liga ausgespielt wurde) und war danach Stammgast in der Premijer Liga. Doch der Abstieg 2009 hinterließ nicht nur ein nicht ganz fertiges Stadion Mokri Dolac (dt.: Nasses Tal), sondern führte auch zur Auflösung des Vereins. Dem Nachfolgeverein HŠK Posušje gelang immerhin der Aufstieg in die Drittklassigkeit, die man aber mittlerweile lieber heute als morgen hinter sich lassen würde, um sich höheren Aufgaben widmen zu können. Das Stadion an sich ist absolut für höhere Aufgaben geeignet und mit ein paar kleinen Adaptierung auch tauglich für die Premijer Liga.

Die Stadt Posušje grenzt übrigens an das kroatische Imotski. Als Auftaktspiel kam es gleich zum Lokalderby gegen den HNK Grude aus der nur wenige Kilometer entfernten Nachbarstadt. Zu Spielbeginn verirrten sich bei freiem Eintritt gerade einmal 200 Besucher im Stadion, aber im Laufe der Begegnung füllte sich das Stadion noch etwas mehr, sodass immerhin 400 Besucher dieses Spiel verfolgten.

Die Gäste aus Grude hatten zwar gleich nach dem Beginn nach einer Unkonzentriertheit der heimischen Abwehr eine Riesenchance um in Führung zu gehen, jedoch fiel das erste Tor für den Gastgeber aus Posušje aus einem Elfmeter. Nach dem Seitenwechsel sorgte ein Doppelschlag des HŠK Posušje für klare Verhältnisse. In der letzten halben Stunde war dann – auch durch die heißen Sommertemperaturen geschuldet – etwas Leerlauf im Spiel, sodass das 3:0 zugleich der Endstand wurde.

Somit konnte wieder eine weitere Kultstätte in Bosniens Fußballwelt besucht werden. Eine weitere stand noch auf dem Programm, ehe es weiter nach Kroatien gehen sollte.

Heffridge, abseits.at

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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