Es war schon lange geplant, dass das letzte fehlende Stadion in der obersten Schweizer Spielklasse, der Super League, besucht werden sollte. Bei der Umsetzung... Groundhopper’s Diary | Zum Herbstbeginn in der Schweiz und in Frankreich

frankreich_fansEs war schon lange geplant, dass das letzte fehlende Stadion in der obersten Schweizer Spielklasse, der Super League, besucht werden sollte. Bei der Umsetzung dieses Plans halfen schließlich zwei glückliche Fügungen. Der erste Grund war die Kombinationsmöglichkeit mit dem Bieler Stadion Gurzelen, das vom Verband bereits vor einem Jahr gesperrt wurde und nun nur mehr mit einer Ausnahmegenehmigung – bis zur Eröffnung des neuen Bieler Stadions im Jahre 2015 – bespielt werden darf. Der zweite Grund war der Auftritt Rapids in Europa League, zumal ich durch das Spiel am Donnerstag in Thun auch Mitfahrer für diese Strecke gewinnen konnte.

So traf man sich am Freitagnachmittag in Basel, das man als Stützpunkt für diese Reise auserkoren hatte. Vor dort ging es dann weiter nach Frankreich, ins rund 250 Kilometer entfernte Dijon.

Dijon FCO – Tours FC 2:0 (1:0)

Der Dijon FCO befindet sich derzeit in der zweitklassigen Ligue 2. Vor zwei Jahren schaffte es der Verein sogar für ein Jahr erstklassig spielen. Anlässlich dieses Ereignisses wurde das Stade Gaston Gerard ausgebaut. Die Laufbahn in den Kurven musste zwei modernen Hintertortribünen weichen, in denen neben den für die oberste Spielklasse erforderlichen Sitzplätzen auch VIP-Boxen integriert wurden. Die Längstribünen blieben allerdings – ob des sofortigen Abstiegs – unangetastet. Somit verfügt Djion über ein Stückwerk mit Charakter, das alle aktuellen Bedürfnisse des Vereins deckt.

Bei der Anreise waren wir geschockt, dass wir für die mautpflichtigen 200 Kilometer Autobahn über 15 Euro löhnen mussten. Da dieser Betrag bei der Rückfahrt noch einmal zu entrichten war, ist von einer Rundreise auf französischen Autobahnen eindeutig abzuraten. Die Stadt Dijon, die bekannt für Senf und Cassis (Likör aus schwarzen Ribisel) ist, wusste architektonisch zu überzeugen und man hätte dort  noch ein wenig mehr Zeit einplanen können.

Zum abendlichen Spiel fanden sich dann 6.886 Besucher im Stadion ein. Dijon hatte in beiden Kurven jeweils einen kleinen Block der für Stimmung sorgte, während der Auswärtssektor nahezu völlig verwaist blieb. Dort konnte man Fans aus Tours wahrlich an einer Hand abzählen.

Der Tours FC kam als Tabellendritter zum Dijon FCO, der im unteren Mittelfeld der Tabelle lag. Aufgrund dieser Konstellation war Tours wohl zu favorisieren. Allerdings konnte auf dem Rasen kein Unterschied zwischen den Teams erkannt werden. Der französische Fußball ist normalerweise selbst in der Ligue 2 von Tempo und Technik geprägt, aber dieses Mal taten sich beide Mannschaften schwer damit. Dijon zeigte dann doch etwas mehr Einsatz und konnte in jeder Hälfte einen Treffer erzielen. Bei den wenigen Tormöglichkeiten, die sich an diesem Abend für beide Mannschaften boten, war dies der Schlüssel zu den drei Punkten in einem eher schwachen Spiel.

BSC Young Boys – FC Luzern 0:1 (0:0)

Am Samstag wurde in einer rund einer Stunde Fahrtzeit die Strecke von Basel nach Bern zurückgelegt. Dort sollte mit dem Schweizer Nationalstadion, dem 2005 eröffneten Stade de Suisse, beim Spiel BSC Young Boys gegen den FC Luzern die Super League komplettiert werden. Bis zum Jahr 2001 stand an dieser Stelle noch das altehrwürdige aber auch in die Jahre gekommene Wankdorfstadion. Von außen ist das Stade de Suisse, als Stadion mit einer Kapazität von 31.783 Plätzen, eher unscheinbar und steril. Das Innenleben mutet dann schon ein wenig mehr nach einem Stadion an. Natürlich ist es eine neugebaute Arena, aber mir sind da schon unattraktivere „Schuhschachteln“ vor die Linse gekommen.

Der BSC Young Boys hatte zuletzt zwei Niederlagen kassiert und weil Luzern auch nicht gerade besonders in die Saison gestartet ist, wollten beide Teams an diesem Abend wieder zurück auf die Erfolgsspur. Die Fans der Youngs Boys gaben ihrer Mannschaft mit Spruchbändern und einer sehenswerten Pyroshow noch zusätzliche Motivation für das Spiel mit. Da die Fans aus Luzern in Sachen Pyrotechnik auch gut unterwegs waren, hing zum Anpfiff ein Nebel im Stadion und der Geruch der verbrannten Leuchtkörper stieg den Besuchern in die Nase. So wie man es früher auch in den österreichischen Stadien gewohnt war.

Leider sollten die Choreographien der beiden Fanblöcke für längere Zeit die einzigen Höhepunkte dieses Spiels bleiben. Beide Mannschaften wirkten etwas verkrampft und es schien die Devise ausgegeben worden zu sein, dass man bloß nicht verlieren sollte. So war der logische Pausenstand torlos. Die angeblich 19.230 Zuschauer – meinem Ermessen nach waren das Stadion bestenfalls zur Hälfte (mit rund 15.000 Besuchern) gefüllt – erwarteten sich eine Besserung dieser Partie. Diese trat allerdings nicht ein und so fanden sich die meisten Besucher bereits mit der Punkteteilung ab.

Der YB-Fanblock sorgte jedoch noch einmal für Aufsehen, denn in Bern gibt es auch so etwas wie eine „Rapid-Viertelstunde“. Dieser Brauch geht bereits ins Jahr 1910 zurück und nennt sich „YB-Viertuschtung“. Die letzten 15 Minuten werden hier aber nicht rhythmisch eingeklatscht, sondern eingezählt und mit Bengalen, Fahnen und Schals begrüßt. Jedoch sollten an diesem Tag die letzten 15 Minuten den Bernern kein Glück bringen. In der 83. Minute zog der YB-Spieler Bürki die Notbremse, wofür er die rote Karte sah und Luzern ein Elfmeter zugesprochen bekam. Der ehemals in Deutschland engagierte Rangelow ließ sich diese Chance nicht entgehen und erzielte in der 84. Minute den einzigen Treffer dieser Begegnung.

So setzte es für Bern die dritte Niederlage in Folge, die nach den Sonntagsspielen auch den Verlust der Tabellenführung bedeutete.

FC Biel – FC Vaduz 0:3 (0:1)

Bevor es am Sonntag wieder nach Wien gehen sollte, stand mit dem Stadion Gurzelen in Biel noch ein wahrer Leckerbissen auf dem Programm. Das vor genau 100 Jahren erbaute Stadion, hat eine Haupttribüne und hinter dem Tor und auf der Gegengerade Stehstufen im alten Stil. Auf der Längsseite sind diese überdacht, wobei sich unter dem Dach quasi als zweiter Rang noch ein paar Reihen Sitzplätze befinden.

Die Tage dieses Stadions sind jedoch – wie bereits oben erwähnt – gezählt. Bis zum Ende der Saison 2014/15 wird dort noch gespielt und danach wird der FC Biel zusammen mit der Eishockeymannschaft, den neuen Sportkomplex am Stadtrand beziehen.

Doch bis dahin wird noch ein wenig Zeit vergehen und aktuell stand das Heimspiel gegen den FC Vaduz in der zweitklassigen Schweizer Challenge League auf dem Programm. Da sich die Gäste auch Liechtenstein – ebenso wie der FC Biel – in der Spitzengruppe der Liga befinden und das Wetter spätsommerlich war, kamen immerhin 1.310 Zuschauer ins Stadion Gurzelen.

Der FC Vaduz, der mit Harrer, Sara und Sutter auch drei österreichische Legionäre in seiner Stammformation hatte, begann aktiver und ging bereits in der neunten Minute durch den Deutschen Neumayr in Führung. Danach verflachte das Spiel ein wenig und so wurden beim Spielstand von 0:1 die Seiten gewechselt. Drei Minuten nach dem Wiederbeginn entschied der FC Biel zu Gunsten des FC Vaduz diese Partie. Ein schwerer Abwehrfehler – der Bieler Verteidiger trifft bei Klärungsversuch den Ball nicht richtig –  ermöglichte Sutter einen einfachen Treffer aus kurzer Distanz.

Die Liechtensteiner spielten zwar nicht wirklich schnell, aber sie waren den Bielern doch deutlich überlegen. Folgerichtig erzielten die Gäste in der 76. Minute noch einen weiteren Treffer. Auch hier machte es die Bieler Verteidigung Schürpf viel zu einfach.

Nach diesem Spiel zementierte Vaduz seine Position in der Spitzengruppe und untermauerte seine Ambitionen, wieder in die Super League, wo man bereits in der Saison 2008/09 spielte, zurückzukehren. Der FC Biel rutsche ins Mittelfeld dieser Zehnerliga zurück, wobei für den Verein ein möglicher Aufstieg erst interessant wird, wenn in zwei Jahren auch die passende Infrastruktur vorhanden ist, zumal man sonst wieder nach Neuchâtel ausweichen müsste.

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Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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