Die Weltmeisterschaft in Katar ist zwar schon vor einigen Tagen zu Ende gegangen, aber die Suche nach dem wahren Fußball geht selbst noch nach... Groundhopping: Auf der Suche nach dem wahren Fußball (7)

Die Weltmeisterschaft in Katar ist zwar schon vor einigen Tagen zu Ende gegangen, aber die Suche nach dem wahren Fußball geht selbst noch nach der WM weiter. Zum Jahresabschluss sollte es noch einmal nach Italien gehen, wo es zwei Drittligaspiele zu sehen gab. Daher geht die Serie „Auf der Suche nach dem wahren Fußball“ somit noch unerwartet in eine Verlängerung.

Pordenone Calcio – US Triestina 2:1 (0:1)

Wenn man gegen Jahresende noch einige zu verbrauchende Urlaubstage stehen hat und die Serie C am Tag vor dem Heiligen Abend noch eine gesamte Runde ansetzt, dann liegt eine Kombination dieser beiden Faktoren quasi in der Luft. Da das ursprünglich geplante Spiel in Lignano bereits auf Donnerstag vorverlegt wurde, wurde die Fahrt gleich verlängert und so ging es mit Andi und Alex in Richtung Süden. Zeitgerecht und nach einer Fahrt ohne Zwischenfälle wurde der Ferienort an der oberen Adria erreicht, sodass wir noch Zeit für einen Stopp bei einem Supermarkt hatten, ehe wir zum am Stadtrand befindlichen Stadio Guido Teghil aufbrachen.

Einen Heimverein hat das Stadion derzeit eigentlich nicht, denn der unterklassige Verein aus Lignano benützt seit einer Fusion nur mehr den Sportplatz des Kooperationspartners. Dass hier dennoch im Meisterschaftsbetrieb gespielt wird, liegt an Pordenone Calcio. Der Verein aus der westlich von Udine gelegenen Stadt trug bereits in der vergangenen Saison seine Heimspiele in der Serie B hier aus, zumal das Heimstadion in Pordenone nicht tauglich für italienischen Zweitligafußball war und sich die zuvor verwendete Arena in Udine als Ausweichstadion aufgrund ihrer Größe auch nicht der Weisheit letzter Schluss herausgestellt hat.

Mit dem Abstieg in die Serie C hatte die Fanszene wieder die Hoffnung, dass erneut in Pordenone gespielt werden könnte, doch der Verein entschied sich dafür, weiterhin im rund 50 Kilometer von Pordenone entfernten Lignano Sabbiadoro zu spielen. Diese Entscheidung ist auch der Grund, warum die aktive Fanszene die Heimspiele des Vereins seither boykottiert. Sportlich läuft es für Pordenone derzeit aber ganz gut, denn man ist auf Kurs Wiederaufstieg, aber zuletzt kam der Motor etwas ins Stocken und so musste man die Tabellenführung vor Kurzem abgeben. Von diesem Luxusproblem kann der heutige Gegner US Triestina nur träumen, liegt man nach Absolvierung der Hinrunde auf einem Abstiegsplatz.

Zu diesem Derby im Nordosten Italiens kamen schließlich 658 Zuschauer, unter ihnen auch eine ordentliche Anzahl an Tifosi der Triestina, die allerdings heute größtenteils einen Stimmungsboykott, abgesehen von den Huldigungen für Stefano, machten. Dabei lief es für die Triestina in diesem Spiel der Serie C, Girone A, von Anfang an nach Maß. Adorante hämmert bereits in der 13.Minute den Ball knallhart unter die Latte und sorgt somit für die Führung der Gäste. Pordenone hatte danach über lange Strecken nichts zu melden. Erst nach dem Seitenwechsel wurden die in Grün-Schwarz spielenden Gastgeber aktiver und in der Schlussphase verlagert sich das Spielgeschehen ausschließlich in die Hälfte Triests.

Doch die Triestina hält gut dagegen und scheint die drei Punkte im Sack zu haben. Allerdings versenkt Burrai in der 89.Minute einen Freistoß von der Strafraumgrenze zum Ausgleich genau ins Eck. Nun wollte Pordenone mehr und wurde in der fünften Minute der Nachspielzeit für seinen Einsatz belohnt. Mit der letzten Aktion des Spiels erzielt Piscopo den Siegestreffer für die Heimelf, die überschwänglich jubelt und sich mit der Welle von den Fans in die kurze Weihnachtspause verabschiedet.

Die Mannschaft der Triestina schleicht hingegen schwer gezeichnet und ohne sich von den Fans zu verabschieden in die Kabine. Durch diese schwer verdauliche Niederlage fällt man nämlich ans Tabellenende zurück. Apropos schwer verdaulich. Das war auch das Abendessen für ein älteres Ehepaar am Nebentisch. Während die Dame seufzend festhielt: „Wea des Schnitzl owekriagt, dea kriagt an Oadn!“, entschieden wir uns aufgrund ihrer Unzufriedenheit für den ebenfalls angebotenen Fisch, der vorzüglich mundete.

FC Arzignano Valchiampo – Aurora Pro Patria 1919 0:0

Was ist besser als einmal „-ignano“? Natürlich zweimal „-ignano“. Frei nach diesem Motto sollte uns der heutige Weg von Lignano nach Arzignano führen. Nach einer ausgiebigen Runde durch Lignano und einem Strandspaziergang ging rund zwei Stunden in Richtung Westen, wo wir den westlich von Vicenza gelegenen Ort mehr als pünktlich erreichten.

Der FC Arzignano Valchiampo, der in seiner heutigen Form aus aus einer Fusion im Jahr 2011 entstanden ist, ist nach seinem erstmaligen Aufstieg in die Serie C im Jahr 2019 und dem sofortigen Wiederabstieg, 2021 postwendend in die Serie C, Girone A, zurückgekehrt. Dort ist man derzeit ein solider Mittelständler und hatte zum letzten Spiel des Jahres Aurora Pro Patria 1919 aus dem nahe Mailand liegenden Busto Arsizio zu Gast.

Das Stadio Tommaso Dal Molin, das über eine Kapazität von 1500 Plätzen verfügt, ist heute wohl zur Hälfte gefüllt. Im Gästeblock finden sich auch rund 15 Tifosi aus Busto Arsizio ein. Von diesen sorgen rund zehn Ultras für Stimmung. Das war grundsolide und auch unter dem Gesichtspunkt, dass um 19.30 Uhr in Busto Arsizio noch ein Weihnachtsumtrunk der Ultras stattfand, mehr als in Ordnung.

Das Stadion liegt übrigens in einer Hügellandschaft eingebettet und man hat von der Haupttribüne auch einen schönen Ausblick auf das gegenüber befindliche Castello, das sich auf einer Anhöhe befindet. Sportlich gab es in den ersten 45 Minuten sehr wenig zu berichten. Beide Teams neutralisierten sich und Chancen waren ebenfalls Mangelware, sodass das 0:0 zur Pause auch eine logische Konsequenz war.

Nach dem Seitenwechsel wird das Spiel zwar etwas besser, aber die gefährlichsten Torraumszenen der Partie gibt es erst in der Schlussphase. Pro Patria hatte zuerst die Chance auf einen Lucky Punch, nachdem ein durchbrechender Stürmer einen Konter an die Innenstange setzt. Von dort prallt der Ball aber wieder ins Feld zurück. Auf der Gegenseite herrscht einige Minuten später Aufruhr, als Schiedsrichter Mbei auf den Punkt zeigt und Arzignano einen Elfmeter zuspricht. Es entsteht sofort eine Spielertraube und auch ohne VAR revidiert der Schiedsrichter sehr bald seine Entscheidung. Es gibt einen Freistoß an der Strafraumgrenze, der allerdings meterweit über das Tor geht.

Die letzte Chance haben dann erneut die Gastgeber, die einen Kopfball nach einem Corner an die Latte setzten. So endet dieses Spiel 0:0. Nach 197 Spielen bzw. dem 0:0 im irischen Longford Anfang März 2022, gab es wieder einmal ein torloses Unentschieden bei einem Spiel, das ich besuchte. Um es positiv zu sehen, beginnt das Jahr 2023 auch bei den 0:0-Spielen bei null und es kann eine neue Serie gestartet werden.

Apropos Serie. Mitfahrer Alex meint danach keck, dass er jetzt Serie B machen möchte. Auf unsere erstaunten Blicke, klärte er uns auf, dass damit nicht italienischen Zweitligafußball, sondern Bier gemeint hat. In diesem Sinne „Prost!“, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Wir sehen oder lesen uns im Jahr 2023 wieder.

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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