Wenn sich der Mai seinem Ende zuneigt, dann ist auch das Ende der Fußballsaison in unserem Land nicht mehr weit. Es ist daher der... Steiermark & Niederösterreich : Finalspiele im Cup und in der Meisterschaft

Wenn sich der Mai seinem Ende zuneigt, dann ist auch das Ende der Fußballsaison in unserem Land nicht mehr weit. Es ist daher der Zeitpunkt von zahlreichen Endspielen, die meist immer von Spannung geprägt sind und mitunter auch eine tolle Zahl an Besuchern anlocken.

Nach den tollen Fußballfesten bei den Derbys in Oberösterreich ging es diesmal zwar nicht zu Derbys, aber zu nicht minder sehenswerten Finalspielen in der Steiermark und Oberösterreich. Sowohl im Finale des StFV-Cups als auch im alles entscheidenden Spiel der 2.Klasse Donau war der Verlauf der Begegnung an Dramaturgie nicht zu überbieten und auch die Kulisse war an beiden Orten mehr als außergewöhnlich.

FC Schladming – USV Mettersdorf 0:1 (0:0)

Der FC Schladming spielt seit 2014 in der neu errichteten Athletic Area etwas außerhalb der Stadt. Der alte und tribünenlose Sportplatz war zwar in Zentrumsnähe, aber einer Sportstadt – wie Schladming aufgrund der Skibewerbe auf jeden Fall ist – nicht würdig.

Schladming sollte in Zukunft aber auch auf der Fußballlandkarte der Steiermark präsent sein, doch nach dem Aufstieg in die Oberliga folgte der bittere Gang in der Unterliga, weil man Stainach in der Relegation knapp unterlag.

Doch fast ein Jahr danach ist dieser Ausrutscher längst vergessen. In der Unterliga Nord A gab es in der ganzen Saison keinen Zweifel, dass der Meister in diesem Jahr aus Schladming kommt und auch im StFV-Cup geigte man groß auf. Da man im Halbfinale vor 847 Zuschauern den Landesliga-Meister aus Graz, nämlich den GAK 1902, in der Athletic Area in die Knie zwang, kam es im Endspiel zu einem Duell mit dem südoststeirischen Landesligisten USV Mettersdorf.

Die vom ehemaligen Bundesligaprofi Enrico Kulovits trainierten Gäste gingen als klarer Favorit in dieses unter dem Motto „Finale dahoam!“ stehenden Endspiels. Der Platzsprecher heizte mit diesem Slogan die Stimmung an, nahm aber auch auf die weit angereisten Gäste Rücksicht und machte Werbung, den folgenden Feiertag auf der Planai zu verbringen. Unterstützt von zwei Personen in Schafskostümen wurde die dortige Schafalm in Szene gesetzt. Wenn jetzt einer sagt, dass so eine plumpe Werbung nicht wirken würde, dem sei gesagt, dass ich ein paar Stunden später den Worten des Platzsprechers gefolgt bin, und ich nun ebenfalls jedem die Planai samt Schafalm ans Herz legen kann.

651 Zuschauer, darunter auch zahlreiche Mettersdorfer, folgen diesem Finale im Stadion. Es läuft wie auf einer schiefen Ebene, denn Mettersdorf kontrolliert das Spiel und hat zahlreiche Chancen. Doch der Schladminger Torhüter Krenn kann seinen Kasten sauber halten. Da auch die wenigen Entlastungsangriffe der Schladminger nichts einbringen, werden beim Stand von 0:0 die Seiten gewechselt.

Auch in den zweiten 45 Minuten ändert sich nichts am Spielverlauf. Mettersdorf drückt auf die Führung und Schladming verteidigt tapfer das 0:0. Mittlerweile werden jedwede Entlastungsangriffe der Gastgeber von den konditions- und spielstarken Mettersdorfern sofort nach der Mittellinie abgefangen. Doch es steht immer noch 0:0 und wenn nicht die Latte rettet oder stümperhaft vergeben wird, dann ist Tormann Krenn mit einer Parade zur Stelle.

Als schon alle mit der Verlängerung rechnen schafft es Leon Horvat den Schladminger Schlussmann in der 90.Minute doch noch zu überwinden. Dies ist natürlich der Siegestreffer in diesem Finale und so kommt der diesjährige Gewinner des StFV-Cups aus Mettersdorf.

Bei entspannter Atmosphäre feiern die Schladminger und die Mettersdorfer dieses Ereignis auf dem Rasen und auf der Tribüne. Die mitgereisten Gästefans spenden sogar Lob für den Schlussmann Krenn und meinen: „In der nächsten Saison spüst dann bei uns in Mettersdorf!“ Ein schöneres Lob kann man eigentlich nicht bekommen. Auch wenn sich der Favorit knapp, aber verdient durchgesetzt hat, Sieger waren an diesem Abend einfach alle.

Nach diesem Schlager sollte es am Sonntag bereits zum nächsten Spitzenspiel gehen. Diesmal wurden zwar das Bundesland und der Bewerb gewechselt, aber ein Finale gab es dennoch.

SV Göllersdorf – SV Zeiselmauer 2:1 (1:0)

Bei der niederösterreichschen 2.Klasse Donau fallen dem fußballinteressierten Publikum zuerst wohl nur schwach besuchte Begegnungen und zahlreiche Vereinsauflösungen und Fusionen ein. Doch, dass diese Assoziationen nicht immer richtig sind, dass bewies im Vorjahr der Aufstiegsschlager zwischen dem SV Stetten und dem SV Rust. Im direkten Duell um die Meisterschaft konnte sich der SV Stetten durch einen Heimsieg vor 400 Zuschauern zum Meister der 2.Klasse Donau des Jahres 2017 küren.

Ein Jahr später gibt es in der 2.Klasse Donau eine Runde vor Schluss wieder genau dieselbe Konstellation. Der SV Göllersdorf trifft im Heimspiel auf den Verfolger SV Zeiselmauer und ist mit einem Sieg der diesjährige Meister der 2.Klasse Donau.

Diesem Highlight wollen wir natürlich auch beiwohnen und so befinde ich mich Martin und Flaum unter den unglaublichen 750 Besuchern auf dem Sportplatz in Göllersdorf. Bereits beim Einlauf der Mannschaften ist die Stimmung auf dem Siedepunkt. Die mitgereisten Fans aus Zeiselmauer zünden Rauch in den blau-gelben Vereinsfarben und halten Transparente hoch.

Zeit zum Verschnaufen gibt es aber für die Zuschauer nicht, denn es ist die 2.Spielminute, in der Sidla den Ball zur Führung der Göllersdorfer über die Linie bringt. Der Großteil der Besucher jubelt, jedoch sind die wie gewöhnt in ihren Camouflage-Trikots spielenden Gäste nach dem Gegentreffer bissiger. Kapitän Schneider trifft in der 13. und 14. Minute völlig freistehend zweimal die Latte, aber auch Göllersdorf-Tormann Benisch kann sich in diesen Situationen beide Male bei den Nachschüssen auszeichnen.

Es liegt auch an ihm, dass die rollenden Angriffe Zeiselmauers in den ersten 45 Minuten zu keinem Gegentreffer führen. Ein heimischer Fan wird schon unrund und ruft „jetzt spü ma amoi wieda aufs ondare Tor“ aufs Feld!

Ausnahmezustand herrscht auch in der Kantine. In Göllersdorf dürfte es kein Flaschenbier mehr im Supermarkt geben, denn dieses dürfte sich bereits hier am Sportplatz befinden. So kann der Biertrinker heute zwischen fünf verschiedenen Sorten wählen. Ein Spritzertrinker ist aber etwas unzufrieden und meint: „Koit is ea jo, oba vü Wossa is a drinna!“

Die zweite Spielhälfte verläuft lange ausgeglichen. Ein neutraler Fan meint aber: „Des Spü taugt ma goa ned! Zeiselmauer müsst scho längst führen, tuats oba ned!“ Ob ihn das 2:0 für Göllersdorf durch Koudelka in der 73.Minute besänftigt hat, konnte aufgrund des Lärmpegels am Sportplatz nicht mehr festgestellt werden.

Die Vorentscheidung in diesem Spiel hielt aber gerade einmal neun Minuten, denn in der 82.Minute verwertet Schneider einen Elfmeter zum Anschlusstreffer. Für die Besucher beginnen nun bange Minuten bis zum Abpfiff. Zeiselmauer drängt auf den Ausgleich, damit zumindest die Meisterschaftsentscheidung auf das nächste Wochenende vertagt wird.

Als der Schiedsrichter dann diese Partie beendet, kennt der Jubel bei den Göllersdorfern keine Grenzen mehr. Es wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Unbeschreiblich emotionale Momente spielen sich auf dem Rasen ab, während den Gästen die Leere sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben steht.

Beide Teams gingen heute über ihr Limit und zeigten eine der tollen Kulisse angepasste Leistung. Ein beeindruckendes Meisterschaftsfinale ist zu Ende und wie so oft im Sport kann es eben nur einen Sieger geben. Dies ist heute der SV Göllersdorf.

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.