Der aktuelle walisische Teamchef und 85-fache Nationalspieler seines Landes, Gary Speed, nahm sich gestern 42-jährig das Leben. Der allseits respektierte und bewunderte, erfahrene Sportsmann... Die Fußballwelt trauert um Gary Speed – aber Trauer alleine ist nicht genug!

Der aktuelle walisische Teamchef und 85-fache Nationalspieler seines Landes, Gary Speed, nahm sich gestern 42-jährig das Leben. Der allseits respektierte und bewunderte, erfahrene Sportsmann Speed hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Das Rätselraten um die Gründe seines Selbstmordes begann umgehend – auch weil Speed Stunden zuvor einen sympathischen Auftritt in der BBC hatte.

Moderator Dan Walker, der Speed mehrmals traf und einen guten Draht zum ehemaligen walisischen Teamspieler hatte, beschreibt, dass Speed angenehm und lustig wie immer war, als er am Samstag im BBC Studio zu einer Fußballdiskussion eingeladen war. Speed scherzte, erkundigte sich über das Wohlergehen von Walkers Familie und plauderte abseits der Sendung über seine Träume das walisische Nationalteam 2014 zur Weltmeisterschaft nach Brasilien zu führen. Auch mit seinem ehemaligen Teamkollegen Gary McAllister scherzte Speed – nach der Sendung besuchte er noch Alan Shearer einige Stockwerke weiter oben, mit dem er sich ausmachte, wann man sich das nächste Mal treffen würde. Gary Speed verließ die BBC, indem er Dan Walker die Hand schüttelte und ihm für einen guten Tag dankte. Dan Walker fügte hinzu, dass Speed sicher bald wieder eingeladen würde und schüttelte die Hand des walisischen Teamchefs. Dann verließ Speed das Gebäude.

Die Anteilnahme der Fußballwelt, speziell natürlich in Großbritannien, nachdem Speeds Tod bekannt wurde, ist überwältigend. Mit Robbie Savage und Ryan Giggs meldeten sich zwei ehemalige Teamkollegen Speeds sehr schnell zu Wort. Merklich betroffen betonten sie, dass Speed, der in zahlreichen Interviews immer wieder über die Zukunft des walisischen Nationalteams sprach, das Leben und den Sport liebte. Niemand kann verstehen, wieso sich Speed völlig unerwartet und ohne jedwede Vorzeichen das Leben nahm.

Die FA reagierte umgehend auf den Tod der walisischen Fußballlegende: Das Premier-League-Spiel zwischen Aston Villa und Swansea Stunden nach seinem Tod wurde Gary Speed gewidmet. Die angeordnete Trauerminute wurde von den Fans ignoriert: Sie applaudierten und riefen Speeds Name. Bei diesem Aufeinandertreffen standen mit Ashley Williams, Neil Taylor, Joe Allen und James Collins vier Akteure auf dem Platz, die unter Speed im walisischen Team spielten. Aston-Villa-Torhüter Shay Given, mit dem Speed bei Newcastle United spielte, kämpfte vor dem Anpfiff mit seinen Tränen. Der walisische Internationale Craig Bellamy (Liverpool) wurde aus dem Matchkader gegen Manchester City gestrichen, weil ihn die Nachricht von Speeds Tod zu sehr schockierte.

Viele Trauernde müssen sich nach dem Ableben von Gary Speed an die Worte des Ex-Profis Stan Collymore erinnern, der einmal sagte, dass es sehr wichtig ist nicht außer Acht zu lassen, dass selbst diejenigen, die nach außen am Stärksten erscheinen, eine große Bürde mit sich tragen können. Stan Collymore muss es wissen, denn er ist einer der wenigen ehemaligen Profifußballer, die sich öffentlich zu ihren Depressionen bekannten und darauf aufmerksam machten. Der tragische Tod von Gary Speed ist ein weiteres Ausrufezeichen, um der Welt zu zeigen, dass der Fußballsport viel mehr im Kopf abläuft, als in den Beinen. Es ist wichtig für professionelle Sportler, dass sie ihre Probleme nicht in sich hineinfressen, sondern rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Dass große Sportsmänner wie Robert Enke oder Gary Speed sterben mussten, damit dies endlich in den Köpfen der Menschen Einzug findet, macht die Fußballwelt sprachlos, öffnet aber für die Zukunft Augen und Ohren der aktiv und passiv Beteiligten.

Der vorhin erwähnte Stan Collymore schreibt einen eigenen Blog auf Twitlonger, in dem er die Symptome eines depressiven Menschen erklärt. Seine eigenen Symptome. Die Art wie Collymore mit seinen psychischen Problemen an die Öffentlichkeit geht, ist durchaus beeindruckend und es sei jedem empfohlen, seine Blogbeiträgen zu lesen und sie aufmerksam zu verfolgen. In zahlreichen englischen Diskussionsforen werden die Nachrichten rund um Gary Speed, aber auch die Schilderungen von Stan Collymore ausgiebig besprochen. Und zahlreiche Fans outen sich bereits als „Fellow Sufferer“ – also Menschen, die ebenfalls unter Depressionen leiden.

Beschließen möchten wir den Artikel mit dem, was von Gary Speed in Erinnerung bleiben soll: Tore und tolle Spiele. Gary Speed absolvierte mehr als 750 Spiele auf Klubebene, spielte 85mal für das walisische Nationalteam und erzielte in seiner Karriere 120 Tore.

Klassischer Kommentar beim ersten Tor im Video: „Go on Gary Speed, get one yourself, son.”

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Faxi

    29.November.2011 #1 Author

    Abseits.at ist die einzige Seite die zu diesem Thema einen angemessen Bericht schreibt.

    Danke dafür!

    Alle anderen ignorieren es und machen weiter wie gehabt. Dabei gab es in der letzten Woche zwei Selbstmordversuche von Schiedsrichtern/-assistenten (Deutschland bzw. Belgien) und einen Selbstmord eines Ex-Profis bzw. Trainers!

    Dazu kommt das der 2. Todestag von Robert Enke in den deutschen Medien nicht vorhanden war.

    Besorgniserregende wenn man bedenkt, dass im Profi-Bereich Menschen eigentlich mehr Betreuung durch diverse Coachings erfahren als Otto-Normal-Verbraucher.

    Ich glaube nicht, dass irgendjemand bzw. irgend eine Verband, egal ob DFB, Uefa oder Fifa, durch diese Vorfälle was gelernt hat.

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