Am Samstag (2.7.) startete die 98. Tour de France, das größte Radrennen der Welt. Insgesamt sind etwa 3430 km (und ca. 56000 Höhenmeter) zu... Doping und Fußball – eine schwierige Beziehung

Am Samstag (2.7.) startete die 98. Tour de France, das größte Radrennen der Welt. Insgesamt sind etwa 3430 km (und ca. 56000 Höhenmeter) zu überwinden. Warum das relevant ist? Alljährlich mehren sich die Unkenrufe, dass dies ohne leistungssteigernde Mittel nicht zu bewerkstelligen sei. Nicht selten dient der Radsport als Sündenbock und Synonym für Doping. Aber wie sieht es eigentlich im Fußball aus?

Man braucht nicht lange suchen, um aktuelle Dopingfälle im Fußball zu finden. Beweise gefällig? Yineth Varon, kolumbianische Ersatztorhüterin bei der WM, wurde aufgrund eines auffälligen Tests ebenso suspendiert, wie die mexikanischen Profis Raul Lara und Paulo César Chávez aus der Copa America ausgeschlossen wurden.
Man sieht also deutlich, dass bei Weitem nicht alles eitel Wonne ist, sondern dass Doping im Fußball stattfindet. Rio Ferdinand saß ebenso eine Dopingsperre ab wie Adrian Mutu und Diego Maradona, um nur die prominentesten Namen zu nennen (die Liste ließe sich selbstredend fortführen, Doping bei Juventus Turin zum Beispiel ist bereits durch ein Gericht bestätigt).
Dennoch wird der Fußball anders behandelt als andere Sportarten, doch woran liegt das?

„DOPING IM FUSSBALL BRINGT NICHTS“

Das mit Abstand am häufigsten vorgebrachte Argument. Natürlich gibt es kein Mittel, dass einem Spieler die richtige Schusstechnik einimpft oder die Feinmotorik dahingehend verbessert, dass aus einem „Abräumer“ ein „Edelzangler“ wird. Talent und beständiges Training sowie Ehrgeiz bleiben weiterhin unverzichtbar (eine Feststellung die im übrigen 1:1 auf den Radsport übertragbar ist!). Und dennoch sind sich Experten einig, dass auch Fußballer von der Einnahme von Dopingmittel profitieren können.

Denn Fakt ist: Dopingmittel helfen auch in Bereichen, die im (modernen) Fußball unverzichtbar sind, wie etwa Sprintstärke und Ausdauer. Eine andere Möglichkeit Doping zu seinem Vorteil zu nutzen, ist das Gebiet der Verletzungen, wenn es heißt möglichst rasch wieder fit zu werden. Auch hier könnte durch pharmazeutische Mittel illegal nachgeholfen werden. Und trotzdem ist ein Unterschied feststellbar:

„ZU SPÄT GEPISST IST AUCH GEDOPT“

Dieser Spruch von BVB-Fans nach der Affäre Hoffenheim (die Spieler Janker und Ibertsberger erschienen 2009 verspätet zu einer Dopingkontrolle) spricht das aus, was normalerweise für alle gelten muss. Liegt ein Verstoß vor, so ist jeder Sportler gleich zu bestrafen, gleich ob es sich um einen Gewichtheber, Fußballer oder Radfahrer handelt. Schon eine Verzögerung von 10 Minuten macht es möglich, dass Substanzen nicht mehr nachweisbar sind (Werner Franke). Im schlimmsten Fall hätte dies eine zweijährige Sperre nach sich ziehen können (unabhängig davon, ob die Tests positiv oder negativ ausfielen). Doch ist dies nicht der einzige Fall, wo man sich als Sportfan fragt, wo die Gleichbehandlung bleibt.

Eufemiano Fuentes. Ein Name und eine Affäre die den Sport in seinen Grundfesten erschütterte. Den ganzen Sport? Nein! Nur den dopingverseuchten Radsport natürlich. Wen kümmert es da noch, dass lediglich 30% auf der berühmten Liste von Dopingsündern Biker waren. Wer fragt schon nach, so wie Fuentes, wo die Fußballer abgeblieben sind? Wen interessiert es schon, dass nach Fuentes sowohl Europa- als auch Weltmeisterschaft (2008 bzw. 2010) mit seiner Hilfe zustande gekommen sind. Sowohl Spieler des FC Barcelona als auch solche von Real Madrid sollen Fuentes Kunden gewesen sein. Hier offenbart sich (neben der seltsamen Dopingjägerpraxis in Spanien, vgl. Fall Alberto Contador) ein Problem des Fußballs. Es gibt keine intensiven Nachforschungen, die Dopingjagd hinkt der in anderen Sportarten hinterher. In Deutschland gab es 2009 einen Aufstand der Teamspieler, weil diese ihren Aufenthaltsort für die kommenden 90 Tage angeben mussten (bei Bundesligaprofis genügt der Aufenthaltsort des Teams), da dies einen Eingriff in das Privatleben darstelle. Eine Praxis, über die Sportler der Kategorie I (also z.B. Radsportler) wohl froh wären. Diese müssen zusätzlich täglich (!) eine Stunde angeben, in der sie für Proben zur Verfügung stehen müssen. Ebenfalls drei Monate im Voraus!

Dieser Artikel hat nicht zum Ziel alle Probleme des Radsports auf den Fußball abzuwälzen (das wäre erstens nicht die richtige Plattform und zweitens werden die Probleme des Radsports in keiner Weise negiert), sondern lediglich deutlich machen, dass Doping im Fußball vorkommt und es wünschenswert wäre (im Sinne von Fans, Vereinen, Sponsoren, Verbänden etc.), wenn die Verantwortlichen das Problem nicht durch Nichtbeachtung zu lösen versuchten. Dafür geht es im Fußball mittlerweile um viel zu viel.

Patrick Redl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen