Dass rund um König Fußball gerne gewettet wird, darf als bekannt vorausgesetzt werden, auch, dass Spieler und Funktionäre selbst gerne einmal einen Einsatz riskieren.... Pfosten der  Woche (KW 32) – Wolfgang Holzhäuser

Dass rund um König Fußball gerne gewettet wird, darf als bekannt vorausgesetzt werden, auch, dass Spieler und Funktionäre selbst gerne einmal einen Einsatz riskieren. Dass jedoch der Geschäftsführer eines Titelanwärters in der deutschen Bundesliga auf einen haushohen Sieg der direkten Konkurrenz setzt, ist mehr als ungewöhnlich.

Bayer Leverkusens neuer Trainer Robin Dutt hat mit seiner Mannschaft Großes vor: er sei nicht nach Leverkusen gekommen, um Vierter oder Fünfter zu werden, er wolle besser abschneiden als in der letzten Saison. 2010/11 beendete Bayer die Meisterschaft auf Rang zwei – also kann das logische Ziel nur der Titel sein, worüber man in Leverkusen auch offen spricht. Doch nicht alle Offiziellen dürften von der Qualität des eigenen Personals restlos überzeugt sein; so verlautbarte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bei einem Medientermin in Köln:

“Ich habe vier Kisten Rotwein darauf gesetzt, dass die Bayern vier Spieltage vor Schluss Meister sind. Es muß schon viel passieren, dass die Münchner nicht den Titel holen.”

Auch wenn Holzhäuser im Nachsatz versichert, dies nicht als Aufgabe im Meisterkampf verstanden wissen zu wollen und es nachvollziehbar ist, daß er nicht von einem Start-Ziel-Sieg seiner Truppe ausgeht, ist derartiges Tiefstapeln gerade angesichts der abgelaufenen Saison im für ihn günstigsten Fall als penetrantes Understatement anzusehen. Anders formuliert hätte Holzhäuser eine realistische Einschätzung der Stärkenverhältnisse in der Bundesliga ausdrücken können, mit dem Grundton, dennoch an die eigene Chance zu glauben. So hingegen ist man versucht, entweder unbeholfenen Humor oder Zweckpessimismus als geistigen Ursprung zu vermuten; dass Holzhäuser das peinliche Pokal-Aus vom vergangenen Wochenende (3:4 gegen Zweitligist Dresden trotz 3:0-Führung) noch nicht gänzlich verkraftet hat, mag ebenfalls ein Faktor sein.

Trainer Dutt kann nach eigener Aussage mit der Wette seines Vorgesetzten durchaus leben. Und auch die Spieler selbst sind offenbar nicht nachhaltig verstimmt, eher im Gegenteil: bei der Auftaktniederlage in Mainz am Sonntag bemühten sich insbesondere Ersatzkeeper Fabian Giefer mit einem unglaublichen Bock vor dem 0:1 und Verteidiger Ömre Toprak mit dem Eigentor zum 0:2 nach Kräften, Holzhäuser in Sachen Meisterwette auf die Siegerstraße zu bringen. Na dann: Prost!

(Lichtgestalt)

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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