Luis Suarez biss zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren einen Gegenspieler und muss nun mit den Konsequenzen leben. Die FIFA sperrte ihn nachträglich... Medienschau | So reagierten Zeitungen, Funktionäre und Spieler auf die Suarez-Sperre

Luis Suarez - UruguayLuis Suarez biss zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren einen Gegenspieler und muss nun mit den Konsequenzen leben. Die FIFA sperrte ihn nachträglich für neun Länderspiele – zudem darf der Stürmer in den nächsten vier Monaten keine Partie bestreiten, sodass er auch auf Vereinsebene bis Ende Oktober nicht auflaufen darf. Der Uruguayer muss zudem 100.000 Schweizer Franken zahlen und sich auch bei seinen Sponsoren rechtfertigen.

Während in Europa die Strafe weitgehend als angemessen betrachtet wird, sehen die Medien in Uruguay die Sanktionen als ungerechtfertigt und stark überzogen an. Als ein Beispiel für die Berichterstattung kann dieser Auszug aus der Zeitung El Pais dienen:
„Die scheinheilige FIFA ist wieder populistisch und willkürlich: es ist nicht ersichtlich, warum ein Finger in einem Auge, ein Stoß mit dem Ellbogen, die Kollision mit einem Kopf, oder das Brechen eines Schienbeins weniger hart zu bestrafen ist, als so eine Kleinigkeit. Die höchste Instanz der FIFA hat keine moralische Autorität, da keine Sanktionen bezüglich der Korruption ihrer Mitglieder verhängt wurden und Strafen für Spieler ohne Kriterien vergeben werden….Die Strafe ist nicht nur unverhältnismäßig, sondern wirkt populistisch.“

Uruguays Fußballverband sieht sich als Opfer der Schmierkampagnen englischer und italienischer Medien. Statt einer Selbstreflexion werden Durchhalteparolen ausgegeben:
Sei stark Luis! Wir sind stärker verbunden, als jemals zuvor.“

Uruguays Sportminister, Liliam Kechichian, reagierte zumindest weniger theatralisch:
„Wir sind getroffen von dieser exzessiven Strafe. Nun müssen wir sehen, wie wir Suarez als Mensch helfen können.“

Der Kapitän der Nationalmannschaft, Diego Lugano, versuchte sich als Philosoph:
„Empörung, Ohnmacht – ich denke das ist, was wir alle fühlen. Wir würden alle gerne in einer faireren Welt leben, doch diese Welt existiert nicht. Die, die herrschen, herrschen und die Starken sind die Starken. Seid weiter stolz auf ihn, er verdient es. Nichts wird uns stoppen. Wir werden weiterhin mit Demut, Zusammenhalt, Eifer, Einsicht und mit erhobenem Kopf weitermachen.“

Auch andere südamerikanische Spieler bedauern, dass Suarez bei der Weltmeisterschaft nicht mehr auflaufen darf.

Der brasilianische Stürmer Fred meinte:
„ Das ist unfair, weil es die Karriere eines Spielers beenden könnte. Vier Monate, neun Spiele und vor allem die Kritik von allen, die dir deine Fehler vorhalten. Ja, er muss bestraft werden, aber ich würde ihn dennoch gerne bei der Weltmeisterschaft spielen sehen.“

Der Chilene Alexis Sanchez findet anscheinend nichts Gutes an der Situation:
„Das ist wirklich schlecht für die Weltmeisterschaft und es ist wirklich schlecht für Uruguay und die Welt des Fußballs.“

Der ehemalige brasilianische Stürmerstar Ronaldo wurde auch schon gebissen, allerdings nicht am Fußballplatz:
„Warum wollen Sie meine Meinung zu dem Thema wissen. Ich habe nie jemanden gebissen. Ich weiß, dass Bisse schmerzen. Meine Kinder haben mich früher gebissen.“

Andreas Campomar, Buchautor aus Uruguay, findet die Strafe ebenfalls überzogen:
„Was unverständlich ist, ist mit welcher Boshaftigkeit die englischen Presse gegen Suarez vorgeht. Es geschahen weit schlimmere Dinge bei Fußballspielen, an denen auch englische Spieler schon beteiligt waren.“

Andres Ramirez, ein Anwalt aus Uruguay, glaubt zu wissen, weshalb Suarez gesperrt wurde:
„Ich will keine Verschwörungstheorien aufstellen, aber es scheint so, als hätte die FIFA etwas dagegen, dass kleine Nationen weit kommen.“

Es gibt aber auch die eine oder andere kritische Stimme aus Uruguay. Alcides Ghiggia, der Torschütze des Siegtreffers im WM-Finale 1950 gegen Brasilien, versteht nicht, wie sich Suarez zu solchen Aktionen hinreißen lassen kann:
„Ich weiß nicht was in dem Jungen vorgeht. Egal ob man aus Uruguay kommt, oder woanders her – wenn solche Sachen auf dem Spielfeld passieren, muss man immer einen Vorwurf machen. Es herrscht ja nicht Krieg.“

FIFA-Vizepräsident Jim Boyce unterstützt die Entscheidung:
„Ich denke, dass die Strafe von Luis Suarez vollkommen gerechtfertigt ist. Hoffentlich lernt er daraus, dass diese Art von Verhalten nicht toleriert werden kann.“

Der FC Liverpool wollte sich noch nicht näher zur Situation äußern:
„Der Liverpool FC wird abwarten, bis der offizielle Report der FIFA- Disziplinarkommission analysiert wird, bevor weitere Statements abgegeben werden.“

Sponsor Adidas äußerte sich wie erwartet kritisch:
„Adidas unterstützt die Strafe vollkommen. Adidas toleriert mit Sicherheit nicht Luis Suarez´ Verhalten und wir werden ihn wieder an unsere hohen Standards erinnern, die wir von unseren Spielern erwarten. Wir planen Suarez für keine weiteren, zusätzlichen Werbeaktivitäten während der Weltmeisterschaft 2014 ein.“

Tim Vickery, ein Kenner des südamerikanischen Fußballs zeigte sich von der Härte der Strafe überrascht:
„Er bekam eine härtere Strafe als ich dachte. Ich dachte seine Sperre würde auf die Weltmeisterschaft beschränkt bleiben. Uruguay muss sich jetzt auf das Spiel gegen Kolumbien vorbereiten – ohne Luis Suarez. In Uruguay blieb der moralische Aufschrei aus. Wenn er seine Sperre abgesessen hat, wird er sicher wieder ins Nationalteam einberufen werden. Hier geht es um ein Individuum, das Probleme mit seiner Selbstkontrolle hat. Man kann nur hoffen, dass die Leute um ihn herum aufhören sich etwas vorzumachen und ihm bei seinem Problem helfen.“

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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