Die Elfenbeinküste galt in der Gruppe C hinter Kolumbien als Favorit auf den Aufstieg ins WM-Achtelfinale. Obwohl die Afrikaner in ihren Spielen nicht vollkommen... Viel Athletik, wenig Plan – Darum schied die Elfenbeinküste in der WM-Gruppenphase aus

Elfenbeinküste - FlaggeDie Elfenbeinküste galt in der Gruppe C hinter Kolumbien als Favorit auf den Aufstieg ins WM-Achtelfinale. Obwohl die Afrikaner in ihren Spielen nicht vollkommen überzeugen konnten, waren sie lange auf dem richtigen Kurs. Erst ein Elfmeter in der Nachspielzeit im letzten Spiel gegen Griechenland sorgte für das Aus, das dennoch nicht unverdient kommt.

Die WM in Brasilien war für die Elfenbeinküste die dritte WM-Endrunde in Serie und für die „goldene Generation“ um Didier Drogba die letzte Chance sich für eine KO-Phase zu qualifizieren. In Deutschland 2006 und Südafrika 2010 war nämlich jeweils in der Vorrunde Schluss.

Physische Präsenz erdrückt Japan

Begonnen hat die WM für die Ivorer mit einem 2:1-Sieg gegen Japan, der aber alles andere als überzeugend war. Einerseits weil die Asiaten früh in Führung gingen, andererseits weil der Doppelschlag, der zum Sieg führte, ein Sinnbild für die fragliche strategische Ausrichtung des Teams von Sabri Lamouchi war. Die Ivorer setzten in der Offensive in erster Linie auf die Physis der Einzelspieler. Die Chancen erspielte man sich in erster Linie über die Außen, wie die nachstehende Grafik belegt.

Besonders Linksverteidiger Serge Aurier, einer der Spieler, die noch den besten Eindruck hinterließen, war in dieser Partie auffällig, steht aber auch stellvertretend für den Stil seines Teams. Die Durchbrüche gelangen in erster Linie nämlich aufgrund von Alleingängen, in denen die Ivorer ihre Durchschlagskraft ausspielten – entweder physischer oder, im Falle der Flügelspieler, technischer Natur. Zwar mündeten diese direkten, teilweise hektisch wirkenden Vorstöße in vielen Abschlüssen, diese waren aber von niedriger Qualität. Auch das erkennt man in der obenstehenden Grafik.

Im Großen und Ganzen konnte man am Ergebnis dieses Spiels jedoch wenig aussetzen. Die Ivorer schafften es, dem Gegner ihren Rhythmus aufzudrücken und besiegten die physische schlechter besetzten Japaner letztlich dank zweier Kopfballtore. Zudem war der Plan der Asiaten noch einen Deut schlechter gewählt. Sie fokussierten sich im Spiel gegen den Ball nämlich darauf das Zentrum zu isolieren, was jedoch nicht zwingend notwendig gewesen wäre.

Kolumbiens Defensivrezept greift

Die Ivorer umspielen das defensive Mittelfeld im Aufbauspiel nämlich in den meisten Fällen ohnehin. Der zentrale Fixpunkt spielt mit Yaya Toure eine Linie höher. Im zweiten Spiel gelang es Kolumbien diesen auszuschalten und es mit 2:1 zu gewinnen. Die Südamerikaner richteten dafür eine Manndeckung gegen den 31-Jährigen ein. Besonders Carlos Sanchez, der in dieser Partie acht Balleroberungen verzeichnete, stach dabei heraus. Daneben gelang es den Kolumbianern aber auch, die Seiten effektiv zu schließen.

Wie die obige Grafik zeigt, konnten die Ivorer im Vergleich zum ersten Spiel gegen Japan, viel weniger Torchancen über die Seite kreieren. Insbesondere Aurier fiel in dieser Hinsicht ab. Sein ständiges Aufrücken sorgte auf der anderen Seite jedoch dafür, dass der Gegner über die rechte Abwehrseite der Elfenbeinküste einige Konter setzen konnte. Anstatt geduldig auf die Lücken zu warten drängten die Ivorer erneut brachial nach vorne. Man hatte dadurch erneut zwar wieder mehr Schüsse als der Gegner, jedoch brachte man aufgrund der geringen Qualität deutlich weniger auf das Tor. Der einzige Treffer war das Resultat eines Dribblings.

Risikolose Partie gegen Griechenland besiegelt WM-AUS

Im letzten Gruppenspiel gegen Griechenland bot man schließlich die wohl schwächste Leistung des gesamten Turniers. Bis zur Pause verzichteten die Ivorer auf jegliche Intensität, die sie davor noch auszeichnete. Die Angriffe der ideenlos und vorsichtig agierenden Griechen konnte man dank der physischen Vorteile ohne große Probleme abfangen. In der Offensive beschränkte man sich erneut auf die individuellen Fähigkeiten der Einzelspieler bzw. deren Durchschlagskraft – besonders auf den Flügeln.

Außerdem gelang es auch den Griechen die ivorischen Außenspieler aus dem Spiel zu nehmen. Dadurch kam die Lamouchi-Elf unterm Strich nur auf neun Hereingaben von der Seite – zum Vergleich: gegen Japan waren es noch 19. Dass Lamouchi dennoch den kopfballstarken Wilfried Bony brachte, spricht für die sture Ausrichtung. Dieser erzielte zwar den zwischenzeitlichen Ausgleich, hatte aber in rund 30 Minuten nur acht Ballkontakte. Probleme waren das fehlende Kombinationspotenzial sowie die schlechte Entscheidungsfindung im letzten Drittel.

Kurz nach dem 1:1 brachte Lamouchi sofort wieder einen Sechser, nachdem er zuvor für Bony einen solchen geopfert hatte. Damit war die passive Ausgangsposition der ersten Halbzeit wieder hergestellt. Die Strategie des 42-Jährigen wäre am Ende beinahe aufgegangen, allerdings fabrizierte der ebenfalls eingewechselte Giovanni Sio in der Nachspielzeit ein Foul im Strafraum. Den verhängten Elfmeter verwerteten die Griechen, sodass die „Elefanten“ ihr Ziel verpassten und erneut als Gruppendritter ausschieden.

Aelxander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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