Zum Abschluss der Nations League ging es für das österreichische Nationalteam nach Nordirland zum Gastspiel in Belfast. Dabei stand dieses Spiel unter dem... Analyse: Österreich feiert im „Kampfspiel“ Last-Minute Sieg gegen Nordirland

 

Zum Abschluss der Nations League ging es für das österreichische Nationalteam nach Nordirland zum Gastspiel in Belfast. Dabei stand dieses Spiel unter dem Vorzeichen, dass alle Entscheidungen bereits davor gefallen sind und die beiden Mannschaften an ihrer Platzierung nichts mehr ändern konnten, weshalb die Partie von vielen als ein besseres Testspiel abgewertet wurde. Teamchef Foda wollte dies nicht gelten lassen und peilte den Sieg an, um sich für die kommende EM-Auslosung eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen.

Intensives und zerfahrenes Spiel im ersten Durchgang

Österreich veränderte die Formation im Vergleich zum Spiel gegen Bosnien auf vier Positionen, weshalb Ulmer, Ilsanker, Schlager und Gregoritsch in die Mannschaft kamen und in der Startelf ran durften. Man passte die Grundordnung dabei etwas an und spielte mit einem klaren 4-2-3-1, wobei überraschenderweise David Alaba im linken Mittelfeld aufgestellt wurde und damit quasi eine Position nach vorne rückte. Dabei war von Anfang an gut ersichtlich, wie die Österreicher das Spiel anlegen wollten. Man versuchte die Nordiren recht früh unter Druck zu setzen und anzupressen, wobei die Pressingformation dabei recht interessant war. So rückte etwa David Alaba oft ins Zentrum und lief den rechten Innenverteidiger an – kümmerte sich also mit Gregoritsch um die beiden Innenverteidiger – während Schlager sich auf den Sechser der Nordiren konzentrieren sollte. Das kann man beim nächsten Bild gut erkennen:

Österreich versucht den gegnerischen Spielaufbau zuzustellen, indem Alaba in die Spitze rückt, damit mit der 2-1 Staffelung die beiden gegnerischen Innenverteidiger und der Sechser abgedeckt werden.

Alabas Aufrücken wurde dann so abgefangen, dass Linksverteidiger Ulmer bei Bedarf nachrückte und den gegnerischen Außenverteidiger abdecken sollte, aber auch Innenverteidiger Hinteregger musste durchsichern und den gegnerischen Flügelspieler in Deckung nehmen, sofern die Nordiren versuchten sich spielerisch zu befreien. So gab es dadurch recht starke Verschiebebewegungen auf die Seite zu sehen und man versuchte da hohen Druck zu entfachen. Meist reichte das Attackieren und leichter Druck, um die Nordiren zu langen Bällen zu zwingen, doch es gab auch Szenen, wo man sich aus dem Pressing der Österreicher befreien konnte und sich Lücken bei den Gästen offenbarten. So wirkte das Timing beim durchsichern und Nachrücken nicht immer passend und entstanden dadurch teilweise risikoreiche Staffelungen und große Lücken in der Defensive.

Die Defensivstrategie der Österreicher war allerdings mehr darauf ausgerichtet, im Kampf um den ersten und zweiten Ball eine gewisse Stabilität zu erlangen und da den Nordiren etwas entgegenzusetzen, weshalb die Gäste auch mit einer Doppelsechs aufliefen und der großgewachsene Ilsanker den Vorzug vor den spielerisch stärkeren Zulj bekam, um da noch eine zusätzliche Portion Physis ins Spiel zu bringen. In dieser Hinsicht klappte das Vorhaben recht gut und man konnte die langen Bälle der Gastgeber ordentlich verteidigen. Doch genau wie die Österreicher, versuchten auch die Nordiren speziell in der Anfangsphase vorne Druck zu machen und den Spielaufbau der Gäste zu unterbinden. Dafür rückte im 4-1-4-1 ein Achter immer in die Spitze und man versuchte in Kombination mit einem aggressiven Anlaufen lange Bälle zu provozieren.  Dies klappte zu Beginn auch ganz gut und die Österreicher bekamen dadurch kaum Ruhe in ihr Spiel, weshalb sie im ersten Abschnitt des ersten Durchgangs auch viele lange Bälle spielten. Dies war allerdings auch durchaus gewollt von den Österreichern, denn immer wieder versuchte man mit Spielverlagerungen die stark zum Ball verschiebenden Nordiren aufzureißen oder suchte mit langen Bällen Zielspieler Gregoritsch, der die Bälle festmachen sollte. Dadurch fehlte aber gewissermaßen die spielerische Linie im Spiel der Österreicher und man tat sich schwer, den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten und so das Spiel zu beruhigen und zu kontrollieren. Selbst wenn es dann einmal gelang, über mehrere Stationen das Spielgerät laufen zu lassen, kam dann relativ schnell der Ballverlust und die Angriffschance verpuffte damit. Warum man anfänglich zu vielen langen Bällen und Spielverlagerungen griff, kann man beim nächsten Bild erkennen:

Österreich im Ballbesitz, die Nordiren agieren recht ballorientiert und versuchen stark zum Ball zu verschieben, weshalb man in Ballnähe auch eine Überzahl herstellen kann. Allerdings bieten sich dadurch ballfern Räume an, die die Österreicher immer wieder gezielt mit Spielverlagerungen versuchten zu attackieren.

Man versuchte dann mit Fortdauer die langen Bälle zu reduzieren und zu versuchen, sich über einen geordneten Spielaufbau nach vorne zu kombinieren und dadurch die Kontrolle etwas an sich zu reißen. Um das zu bewerkstelligen, kippte Kapitän Baumgartlinger recht oft zwischen den beiden Innenverteidigern ab und versuchte dabei, das Spiel breit zu machen und den Gegner zu strecken. Interessanterweise versuchte Innenverteidiger Hinteregger dabei immer wieder in den Rücken der beiden Stürmer zu kommen und den linken Halbraum zu besetzen, wurde aber von den Kollegen in diesen Situationen nicht angespielt. So suchte man stattdessen meist den Weg über die beiden Flügelzonen, entweder mit langen Bällen über den Torhüter Lindner auf die beiden Außenverteidiger, oder indem sich Rechtsverteidiger Lainer nach hinten fallen ließ und sich tief als Anspielstation anbot. Jedoch klappte der Übergang in höhere Zonen nur unzureichend und man kam nur selten wirklich sauber nach vorne. Wenn es doch mal gelang, agierte man zu fehlerhaft und schlampig, um mehr Kapital daraus zu schlagen.

Da auch die Nordiren in der Offensive limitiert und meist mit trivialen hohen Bällen in die Spitze agierten, war das Niveau des Spieles kein gutes und lebte hauptsächlich von der Intensität und den vielen Zweikämpfen. Dadurch blieb es im ersten Durchgang auch weitestgehend ereignislos und war das Spiel bei Leibe kein Augenschmaus.

Zweiter Durchgang nimmt Fahrt auf

Bereits vor Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit, musste Teamchef Foda notgedrungen einen Wechsel vornehmen, da Sechser Ilsanker aufgrund von Kreislaufproblemen in der Kabine bleiben musste. Für ihn kam Mittelfeldspieler Zulj, womit auch wieder nominell etwas mehr spielerische Linie in die Mannschaft kam. Dies zeigte sich auch gleich nach nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff prompt beim Führungstreffer der Österreicher, als Zulj sich gemeinsam mit Ulmer und Alaba durchkombinierte und mit einem Stanglpass Schlager fand, der mit einem Flachschuss das Tor zum 1:0 traf. Danach versuchten sich die Österreicher vermehrt auf die Defensive zu konzentrieren und auf Konterchancen zu lauern, weshalb man sich auch gegen den Ball in die eigene Hälfte zurückzog. Dadurch kamen die Nordiren nun auch etwas auf, die durch den Rückstand ein höheres Risiko eingehen mussten und die Schlagzahl in der Offensive nach oben schraubten. So presste man die Österreicher nun noch aggressiver an und versuchte sie in Zweikämpfe zu verwickeln, um sich über diese Intensität in das Spiel zurückzuarbeiten. Das gelang auch ziemlich rasch, denn nach einem Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte, schalteten die Nordiren flott um und trafen zum 1:1, wobei der Schuss aus österreichischer Sicht unglücklich und unhaltbar für Torhüter Lindner abgefälscht wurde. Danach ging es in ähnlicher Tonart weiter, Österreich verblieb recht passiv und tief, während die Nordiren aggressiv und aktiv agierten und immer wieder für gute Ballgewinne sorgen konnten. Nachdem das österreichische Flügelspiel quasi nicht existent war, gab Teamchef Foda die Anweisung, dass Alaba und Lazaro die Flügel tauschen sollten, um damit quasi inverser agieren zu können und mit dem starken Fuß in die Mitte ziehen zu können.

Das zeigte auch Wirkung, so hatte Alaba auf dem rechten Flügel einige gute Schussgelegenheiten, die er jedoch nicht nutzen konnte. Darüber hinaus kam auch noch Schlüsselspieler Arnautovic in die Mannschaft und sollte mit seiner Einwechslung noch mehr Durchschlagskraft in die Offensive bringen. Und diese Einwechslung sollte auch tatsächlich einen positiven Effekt auf das Auftreten der Mannschaft haben, denn mit der Hereinnahme von Arnautovic, verbuchte man vor allem in der Schlussphase längere Ballbesitzzeiten, wurde nun wesentlich strukturierte und lief das „Werkl“ etwas runder. Die Folge davon war dann auch der Siegestreffer in der Nachspielzeit, als sich Alaba einen Ball erkämpfte und Arnautovic in die Tiefe schickte, der technisch sauber das Spielgerät auf den freien Lazaro querlegte und der Flügelspieler versenkte dann mit einem traumhaften Schlenzer den Ball im Tor und somit zum 2:1 Sieg der Österreicher.

Fazit

Es war sicherlich kein fußballerischer Leckerbissen in Belfast und eher nur etwas für Fans des klassischen Kick&Rush-Stils, doch letztendlich konnten die Österreicher spät aber doch den Sieg fixieren und zum Abschluss der Nations League nochmal drei Punkte aufs Konto packen. Dabei war das Spiel wahrlich der britischen Umgebung gerecht geworden, denn es dominierte hauptsächlich der Kampf und die Zweikämpfe standen dabei vorwiegend im Mittelpunkt, weshalb das technische Niveau erheblich darunter litt. Die Österreicher passten sich jedoch an diese kampfaffine Spielweise an und konnten so den kampfkräftigen Nordiren auch Paroli bieten und in den Zweikämpfen dagegenhalten, auch wenn dadurch die spielerische Linie verloren ging und man fußballerisch nicht wirklich überzeugen konnte. In der Zukunft gilt es daher daran anzusetzen, sich gerade gegen solche Mannschaften spielerisch durchzusetzen und das technische Potenzial des Teams besser abzurufen.

Dalibor Babic