Rapid gelang mit dem 2:0 gegen den LASK ein Befreiungsschlag. Schuld daran war nicht nur die wiedergefundene Treffsicherheit von Giorgi Kvilitaia, sondern auch die... 2:0 gegen den LASK: Rapid findet zurück zur Kämpfermentalität

Rapid gelang mit dem 2:0 gegen den LASK ein Befreiungsschlag. Schuld daran war nicht nur die wiedergefundene Treffsicherheit von Giorgi Kvilitaia, sondern auch die Aufstellung und das verbesserte Pressing der Grün-Weißen. Eine Analyse.

Nach dem Spiel erntete Thomas Murg, einer der Besten, Lob aus den Reihen der Rapid-Fans. Der 23-Jährige machte die Einstellung für die schwachen Leistungen der letzten Wochen verantwortlich und forderte, dass Rapid immer so auftreten solle, wie gegen den an diesem Tag inferioren LASK.

Eingeständnis

Damit hat Murg sicher Recht, andererseits waren die Aussagen auch ein fragwürdiges Schuldeingeständnis. Hundertprozentige Aufopferung sollte schließlich selbstverständlich sein und spätestens nach dem enttäuschenden Frühjahrsauftakt gegen die Austria sollte der Wille das nächste Spiel zu gewinnen und hierfür die richtige Einstellung an den Tag zu legen, kein Diskussionspunkt mehr sein. Wenn sich eine Mannschaft wie Rapid zur richtigen Einstellung „zwingen“ bzw. zuerst der Hut brennen muss, zeugt das von einem seit Jahren angesprochenen Mentalitätsproblem – oder der falschen Mannschaftszusammensetzung für einen historischen „Kämpferklub“.

Kampf als Basis für den Sieg

Nichts desto trotz hat Rapid gegen den LASK wieder mehr wie Rapid ausgesehen. Die zuletzt starken Linzer wurden auf Basis eines guten Fights besiegt und nie ins Spiel gelassen. Resultat war ein wichtiger Sieg, Balsam auf die Seelen der Zuschauer, aber auch nicht mehr. Wie so oft wird es auf die Bestätigung der kämpferischen Leistung über mehrere Wochen oder Monate ankommen. Übermorgen im Cup-Viertelfinale gegen die SV Ried hat man bereits die erste Gelegenheit dazu.

Joelinton als pressender Spielmacher

Die Aufstellung der Hütteldorfer war diesmal wieder gut auf den Gegner abgestimmt. Eine Schlüsselposition nahm Joelinton im zentral-offensiven Mittelfeld ein. Gesteigerte Physis ist auf der Zentralachse speziell dann wichtig, wenn Kapitän Schwab fehlt. Der Brasilianer spielte eine aufopferungsvolle Partie und führte ähnlich viele Zweikämpfe, wie in seiner angestammten Rolle als Mittelstürmer. Dies brachte Rapid körperliche Vorteile und stellte die Doppelsechs der Linzer kalt. Vor allem der fehleranfällige Holland wurde immer wieder gut gepresst, wodurch das Aufbauspiel des LASK stark gebremst wurde.

Solides Pressing gegen Linzer Fünferkette

Auch die Fünferkette der Linzer wurde bei gegnerischem Ballbesitz gut bespielt. Durch die massive Innenverteidigung waren die Außenverteidiger Wiesinger und Ranftl weitgehend isoliert, während bei Rapid auch die Flügelspieler Murg und Schobesberger gut zum Pressen einrückten. Zudem hatte Kvilitaia an vorderster Front mehr intensive Läufe in seinem Spiel als gewöhnlich. Der LASK wurde dadurch zu vielen langen Bällen gezwungen und konnte nie für einen sauberen Aufbau sorgen.

Im Zweikampf verbesserter Petsos

Auffällig war bei Rapid hauptsächlich die höhere Intensität. Thanos Petsos war in seinen Zweikämpfen wesentlich konkreter als in den letzten Wochen, wodurch auch Ljubicic besser freigeschaufelt wurde. Der Youngster konnte sich so wieder aufs Verteilen von Bällen beschränken und wies allgemein eine höhere Feldposition als zuletzt auf.

Kuriose Leistungsdaten der Rapid-Innenverteidiger

Auch die Absicherung für Rapids Doppelsechs – die Innenverteidiger Hofmann und Sonnleitner – ließen nichts anbrennen, spielten insgesamt eine clevere Partie, stellten die Zielspieler des LASK gut zu. Dass die Leistungsdaten eines Spielers nicht immer alles über dessen Leistung aussagen, wurde auch anhand der beiden Rapid-Innenverteidiger deutlich. Maximilian Hofmann gewann 16 seiner 17 Duelle, wirkte aber dennoch nicht merklich stärker als Sonnleitner, der seine fünf Zweikämpfe und sein einziges Kopfballduell durch die Bank verlor.

Murg als Schlüssel zum Erfolg

Vorne weg ging aber ein anderer: Thomas Murg bewies, dass er ein großer Kämpfer ist und die schwächeren Leistungen der Vorwochen form- und nicht einstellungsbedingt waren. Während Murg zuletzt immer schwer ins Spiel fand, teilweise nicht mal gut in Zweikämpfe kam, zeigte er gegen den LASK eine kämpferische Topleistung, mit der er auch zwei Assists erzwang. Speziell seine Balleroberung gegen Wiesinger nach schwachem Michorl-Pass vor dem entscheidenden 2:0 war eine Szene, die bei Rapid in den letzten Wochen häufig abging. Diesmal gingen die Hütteldorfer aber wieder übers letzte Prozent hinaus und wurden dafür belohnt. Am Ende hätte der Sieg wegen zwei nicht gegebener Elfmeter und weiterer Torchancen auch höher ausfallen können.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen