Im Spitzenspiel der 14. Runde der österreichischen Bundesliga gastierte der heimische Meister und Europacup-Fighter Salzburg in Wien-Favoriten bei der Austria. Für die Bullen war... Analyse: Austria kassiert späte Niederlage gegen Salzburg

Im Spitzenspiel der 14. Runde der österreichischen Bundesliga gastierte der heimische Meister und Europacup-Fighter Salzburg in Wien-Favoriten bei der Austria. Für die Bullen war dies der Abschluss eines anstrengenden Blocks, nachdem man nun seit Wochen im Drei-Tage-Rhythmus Aufgaben bewältigen musste. Jedoch eilte man dabei quasi von Erfolg zu Erfolg und präsentierte sich in guter Form, weshalb die Hoffnungen bei den Gegnern die Bullen zu schlagen nicht sonderlich groß waren. So auch bei der Austria, die nach der katastrophalen Leistung gegen den WAC gefordert war eine passende Reaktion zu zeigen, auch wenn viele Fans das schlimmste Befürchteten und im Vorfeld von einer deutliche Niederlage ausgingen. Die fand nicht statt, dafür gab es zumindest die erwartete Reaktion zu sehen, auch wenn das Spiel letztlich verloren wurde.

Austria überlegt sich einen interessanten Matchplan

Wie agiert man gegen eine Mannschaft, die seit Wochen und Monaten unter Marco Rose von Erfolg zu Erfolg eilt und dabei vor keinem großen Namen halt macht? Es gibt zweifellos einfachere Aufgaben, als gegen die Salzburger in dieser Verfassung auflaufen zu müssen. Gerade erst kürzlich analysierten wir die starken Auftritte von den Bullen gegen Rosenborg und kamen dabei quasi aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Die Salzburger sind zurecht mittlerweile eine der besten Mannschaften Europas und es gibt wenige Teams, die so unangenehm zu bespielen sind. Das gilt natürlich auch für nominell schwächer besetze Mannschaften wie die Austria, weshalb man sich strategisch klarerweise etwas besonderes einfallen lassen muss, um der Power der Salzburger Einhalt zu gebieten.

Und in der Tat, die Violetten legten sich auch einen interessanten Matchplan zurecht, mit dem sie Red Bull ärgern wollten. Zunächst einmal entschied man sich aufstellungstechnisch für eine interessante personelle Besetzung, indem man gleich mit vier nominellen zentralen Mittelfeldspielern auflief. Einen richtigen Reim aus der Aufstellung konnte sich auch Gäste-Trainer Rose nicht machen und erwähnte im Interview vor dem Spiel, dass man sich mehr auf die eigenen Stärken in der Spielvorbereitung konzentrierte aus dem Grund, da man nicht wusste, wie die Austria auflaufen und welchen strategischen Ansatz sie wählen würde. Zumindest diesen kleinen Teilerfolg kann sich Austria-Trainer Letsch anheften, dass man durch die taktische/systemische Flexibilität für den Gegner schwerer auszurechnen ist. Die Austria lief  auch in einem System auf, das man in dieser Saison noch nicht zu Gesicht bekam, nämlich einem 4-3-2-1. Im Zentrum bildeten quasi der in die Mannschaft gerückte Demaku, Jeggo und Ebner ein Trio, während etwas davor Matic und Sax postiert wurden, die zwischen Angreifer Monschein und dem Mittefeld standen. Diese Anordnung kann man beim ersten Bild auch gut erkennen:

Salzburg im Spielaufbau, die Austria wählt gegen das Ballbesitzspiel des Gegners eine 4-3-2-1 Anordnung und versucht dabei eng und kompakt zu bleiben.

Doch warum wählte man dieses „tannenbaumförmige“ 4-3-2-1 und was war der Plan dahinter? Nun, die oberste Prämisse der Austria war es, dass Mittelfeldzentrum und den Zwischenlinienraum dicht zu bekommen. Dafür wählte man dann quasi eine „doppelte Sperrlinie“ im Zentrum, indem man mit Sax und Matic zwei Spieler in den Halbpositionen postierte, die meist die vertikalen Passwege für die Innenverteidiger des Gegners zustellen sollten, während das Dreiermittelfeld dahinter ebenfalls eng bleiben sollte. Doch darüber hinaus wählte man unterschiedliche Ansätze, in welcher Zone man sich wie Verhalten sollte. Zunächst zeichnet die Salzburger vor allem das Aufbauspiel der beiden Innenverteidiger aus, wobei da vor allem der Brasilianer Ramalho herausragt und mit seinen Pässen es bestens versteht, eine gegnerische Mannschaft aufzureißen. Also lag der Fokus der Austria beim Stören des gegnerischen Spielaufbaus auch klarerweise auf den Brasilianer und man versuchte ihm die Passwege ins Zentrum zu nehmen. Um das zu bewerkstelligen, ließ man den Raum in der Flügelzone und damit Außenverteidiger Lainer zunächst bewusst offen, während man stattdessen versuchte, vor allem das Mittelfeldzentrum zu verdichten – ergo die vertikalen und diagonalen Passwege geschlossen zu halten. Gleichzeitig sollte aber auch Stürmer Monschein den Innenverteidiger so anlaufen, dass er ihn zusätzlich nach außen drängt und ihm damit quasi endgültig den Passwinkel ins Zentrum nimmt. Diese Verhaltensweise kann man beim nächsten Bild gut erkennen:

Salzburg im Ballbesitz, die Austria verteidigt weiterhin im 4-3-2-1 und konzentriert sich dabei darauf, kompakt im Zentrum zu stehen, während man die Flügelzonen bewusst offen lässt und versucht die Bullen dahin zu lenken. Mit Matic, Demaku und Jeggo verschließt man die Passwege ins Zentrum, während Stürmer Monschein ebenfalls so anläuft, damit Ramalho auf die Außenbahn gedrängt wird.

Dieser strategische Kniff funktionierte speziell in der ersten Halbzeit, aber eigentlich auch das gesamte Spiel über genau so, wie es sich das Trainerteam der Austria wohl erhofft hatte. Innenverteidiger Ramalho war quasi nie in der Lage, mit seinen scharfen Pässen das Zentrum zu attackieren und war laufend dazu gezwungen, entweder auf Außenverteidiger Lainer zu spielen oder zu seinem Kollegen in der Innenverteidigung – ergo also ausschließlich in die Breite. Sobald dann der Pass nach außen kam, rückten meist Matic, Demaku oder Cuevas auf Lainer raus (je nachdem wer am nächsten dran war), um ihn zu stellen und zum Rückpass zu zwingen.

Auf der anderen Seite mit Innenverteidiger Pongracic, hatte die Austria ebenfalls einen ähnlichen Plan, wie man auch da ein sauberes Vorkommen der Salzburger unterbinden wollte. Sobald dieser nämlich den Ball erhielt, rückte oft Sax auf ihn heraus, während Matic stattdessen stärker ins Zentrum verschob um Sechser Samassekou zu decken. Man verschob also stärker auf den linken Flügel und presste dort auch oft intensiver, da Pongracic bedingt durch seinen rechten Fuß meist nur nach außen spielen konnte und auch von Sax oder Monschein oft so angelaufen wurde, dass er nur auf Linksverteidiger Ulmer spielen konnte. Dadurch wurde die Anordnung auch etwas verändert und man verteidigte kurzzeitig sogar aus einem 4-3-1-2 heraus, also der klassischen Raute, die man von der Austria in dieser Saison auch immer wieder sehen kann:

Salzburg im Ballbesitz und mit dem Versuch, über den anderen Innenverteidiger Pongracic aufzubauen, allerdings wechselt die Austria zum 4-3-1-2 und drängt Pongracic durch gutes Anlaufen zu einem schwierigen Passwinkel nach außen, weshalb ihm mit seinem rechten Fuß quasi nur der Pass auf Ulmer bleibt, auf den DM Ebner (Pfeil) schon lauert, um ins Pressing zu starten.

Daran konnte man schön erkennen, dass sich die Austria intensiv mit dem Salzburger Spielstil auseinandergesetzt hatte und sich Gedanken machte, wie man die Bullen nicht in ihren Rhythmus kommen ließ. Der Schlüssel lag also quasi darin, den Salzburgern ihre liebste Spielwiese im Zentrum zu nehmen und sie auf die Flügelzonen zu zwingen, was speziell in der ersten Halbzeit auch vollkommen aufging und auch im zweiten Durchgang seine Fortsetzung fand. Salzburg tat sich äußerst schwer, in die entscheidenden Räume im letzten Drittel zu kommen und musste ungewöhnlich oft in die Breite spielen. Stattdessen verzettelte man sich sogar recht oft im zweiten Drittel und agierte da ungewohnt fehleranfällig, weshalb man sich auch einige Ballverluste leistete. Allerdings konnte man sich dann wiederum auf das eigene Gegenpressing verlassen, wodurch man der Austria zumindest einige Male in die Bredouille bringen konnten. Die Violetten ihrerseits konnten aus den Ballgewinnen oft wenig machen, da man meist nur Sax und Monschein als Konterspieler zur Verfügung hatte und diese dadurch oft in klarer Unterzahl agieren mussten. Gleichzeitig war man aber auch nicht in der Lage, sich aus dem Spielaufbau heraus dem Druck der Bullen zu entziehen und spielerisch nach vorne zu kommen. Dadurch verlor man die Bälle wiederum recht schnell und konnte kaum Nadelstiche setzen und für Entlastung sorgen. Dadurch entwickelte sich in der ersten Halbzeit ein intensiv umkämpftes Spiel mit vielen Zweikämpfen und einem intensiven Gegenpressing auf beiden Seiten, wodurch man sich gegenseitig quasi neutralisierte und ständig in Zweikämpfe verwickelte. Als Symbolbild des ersten Durchgangs passt dieser Ausschnitt recht gut:

Hohe Intensität und viele Duelle im Mittelfeld, wo sich auf engstem Raum gleich 10 (!) Spieler gegenüberstehen und um den Ball kämpfen.

Die Austria verstand es also mit ihrem Defensivkonzept recht gut, Meister Salzburg in Schach zu halten und die Bullen in der Offensive nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Die einzigen beiden Möglichkeiten der Mozartstädter resultierten aus zwei Abspielfehlern von Schoissengeyr und Pentz, wo das gute Pressing der Salzburger zum greifen kam. Doch spielerisch konnte man wenig Lösungen finden und da auch der Austria in der Offensive wenig einfiel, ging es mit einem torlosen Unentschieden in die Kabine.

Anpassungen hüben wie drüben

Bevor der Anpfiff zur zweiten Halbzeit ertönte, war die Austria bereits gezwungen frühzeitig zu wechseln. Innenverteidiger Igor konnte verletzungsbedingt nicht weitermachen und musste durch Offensivspieler Venuto ersetzt werden, da der letzte verbliebene Innenverteidiger Borkovic keine 48 Stunden davor gegen den FAC durchspielte und man aufgrund seiner Verletzungshistorie kein Risiko eingehen wollte. Stattdessen rückte Ebner in die Innenverteidigung, Matic rückte ebenfalls eine Etappe zurück und Venuto kam auf dessen linker Halbposition. Dadurch wurde die Anordnung der Violetten konstanter zu einem 4-3-2-1, da Venuto nicht so tief verteidigte, wie es noch Matic tat. Daher wurde die Austria auch gezwungenermaßen etwas mutiger, da man nun quasi drei Konterspieler mit Venuto, Monschein und Sax zur Verfügung hatte.

Auf der anderen Seite nahm Salzburg zwar keine personellen Veränderungen vor, dafür aber taktische. Man reagierte dabei quasi auf die erste Halbzeit und darauf, dass die Austria das Zentrum stark verdichtete und die Flügelzonen bewusst offen ließ. Also versuchte man sich dies zunutze zu machen, indem „Zehner“ Wolf nun angewiesen wurde, mehr auf den Flügel auszuweichen und dort mit dem jeweiligen Außenverteidiger ein Pärchen zu bilden, um sich quasi von „außen nach innen“ zu kombinieren. Auf welchem Flügel Wolf anzufinden war, hing dann auch davon ab, wie hoch der jeweilige Außenverteidiger auf der ballfernen Seite stand. Ergo war Wolf auf der linken Außenbahn, rückte auf der anderen Seite Rechtsverteidiger Lainer weit auf und sollte da Breite geben, genauso umgekehrt. Dadurch entstand bei den Bullen auch oft ein 4-3-3 und der Fokus wurde vermehrt auf das klassische Flügelspiel gelegt. Dementsprechend gab es nun auch mehr Spielverlagerungen zu sehen und man versuchte die Austria auseinanderzuziehen, um Räume im Zentrum zu öffnen. Daher ließ sich auch Stürmer Dabbur immer öfter aus der Spitze zurückfallen und tauchte auf dem linken Flügel auf, um mehr Räume im Zentrum zu öffnen. Dies kann man auch beim nächsten Bild gut erkennen:

 

Salzburg hat nun die Struktur auf ein 4-3-3 umgestellt, weshalb auch Wolf und Dabbur (gelber Kreis) auf dem Flügel zu finden sind und versuchen, das Spiel breit zu machen.

Bedingt durch die jeweiligen Umstellungen, wurde das Niveau des Spiels auch etwas besser. Salzburg verstand es nun sauberer in die gegnerische Hälfte zu kommen und erweckte das eigene Flügelspiel quasi zu Leben, wodurch man auch flüssiger im Ballbesitz wurde, während die Austria nun mehr Präsenz bei Konterangriffen hatte und so auch zu einigen gefährlichen Situationen kam. Die Einwechslung von Venuto wirkte sich allerdings defensiv dafür negativ aus, da nun Lainer mehr Räume bekam und mehr Druck nach vorne ausüben konnte, weil Venuto nicht so tief stand und verteidigte, wie es Matic noch zuvor tat. Doch die Austria konnte zumindest lange Zeit noch defensiv gut dagegen halten und ließ wenige Chancen der Salzburger zu.

Erst in der letzten Viertelstunde erhöhte Salzburg nochmal die Schlagzahl und der Austria gingen aufgrund des hohen Aufwandes allmählich die Kräfte aus, weshalb Schlager und Junuzovic jeweils nach Flanken per Kopf zu guten Möglichkeiten kamen, die sie jedoch nicht verwerten konnten. Kurz vor Schluss war es dann allerdings soweit, die Bullen spielten sich schön von der Außenbahn ins Zentrum  und in den Strafraum, wo dann Torhüter Pentz einen Schuss von Minamino genau vor die Füße von Schlager abwehrte, der nur noch Danke sagen musste und zum 0:1 traf. Die Austria warf danach zwar nochmal alles nach vorne und beorderte den Abwehrhünen Schoissengeyr in den Angriff, allerdings kam man zu keiner Ausgleichschance mehr, sondern fing sich stattdessen noch den zweiten Gegentreffer durch Minamino ein, weshalb man letztlich mit einer 0:2 Niederlage vom Platz musste.

Fazit

Die Austria musste sich also letztlich im Spitzenspiel gegen Meister Salzburg mit 0:2 geschlagen geben. Dabei war die Leistung im Vergleich zum Spiel gegen den WAC vor allem defensiv stark verbessert, was nicht nur mit der höheren Einsatzbereitschaft zu erklären ist, sondern auch mit dem guten Matchplan, den man sich gegen den Ligakrösus zurechtlegte. Man verstand es dabei recht gut, dass wichtige Zentrum zu verschließen und mit dem 4-3-2-1 „Tannenbaumsystem“ die Salzburger auf die Flügel zu lenken, wodurch man letztlich auch wenige Chancen des Gegners zuließ. Allerdings konnte man in der Offensive letztlich für zu wenig Entlastung sorgen, weshalb auch ein Sieg selten in der Luft lag und ein X das höchste der Gefühle darstellte. Daher war dann auch der Frust umso größer, als man durch das späte Gegentor auch diesen einen Punkt letztlich verlor und dadurch kein kleines Erfolgserlebnis einfahren konnte. Nichtsdestotrotz kann man auf die Leistung aufbauen und einige positive Aspekte mitnehmen. Nun bleibt für die Austria zu hoffen, dass man die Zeit in der Pause nutzt und speziell am eigenen Ballbesitzspiel arbeitet, aber auch, dass einige verletzte wieder in die Mannschaft zurückkehren. Denn klar ist, die Problemzonen lagen bisher nicht im Spiel gegen den Ball, was man auch gegen Salzburg bewies, sondern ganz klar in der Offensive, wo der Schuh klemmt.

Auf der anderen Seite reichte den Salzburgern eine solide Leistung, um die drei Punkte aus Wien mitzunehmen. Wobei sie letztlich sogar mehr als solide war, angesichts der Umstände und der körperlichen Belastung in den vergangenen Wochen. Von Müdigkeitserscheinungen war wenig zu sehen und man konnte sogar in der Schlussphase nochmal einen Gang hochschalten, was für die gute physische Verfassung der Spieler spricht. Wichtig für den Sieg war aber auch erneut die guten Anpassungen des Trainerteams im Spiel, wodurch man den Gegner besser in den Griff bekam und mehr Lösungen im Offensivspiel generierte. Das war letztlich auch der Schlüssel, um die drei Punkte aus der Hauptstadt mitzunehmen und sich mit einem Sieg in die Länderspielpause zu verabschieden.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic