Im Spiel der 16. Runde der österreichischen Bundesliga empfing die Wiener Austria den Tabellendritten SKN St. Pölten zum Duell um die drei Punkte. Dabei... Analyse: Austria überzeugt gegen die beste Defensive der Liga

Im Spiel der 16. Runde der österreichischen Bundesliga empfing die Wiener Austria den Tabellendritten SKN St. Pölten zum Duell um die drei Punkte. Dabei wollten die Violetten nach dem ersten vollen Erfolg nach einigen sieglosen Wochen in der Südstadt nun auch in einem Heimspiel nachlegen und den ersten Heimsieg seit Ende September in der Liga einfahren. Dabei waren nicht nur die drei Punkte wichtig für die Veilchen, sondern vor allem die Art und Weise wie dieser Sieg zustande kam, nachdem man gegen die Admira spielerisch eher nicht überzeugen konnte und wieder einmal unter den Erwartungen blieb. Diesmal wartete mit St. Pölten ein noch gefährlicherer Gegner auf die Gastgeber, denn die Niederösterreicher erhielten bislang sowohl die wenigsten Gegentore und absolvierten auch die meisten zu-Null Spiele bislang in dieser Saison, weshalb sie sich nicht umsonst im oberen Playoff festsetzen konnten.

Austria geht Risiko

Nach der Länderspielpause kündigte Austria-Trainer Thomas Letsch bereits an, dass man in den verbleibenden Spielen bis zur Winterpause das System der Mannschaft nicht mehr verändern wolle und sich auf eine endgültige Grundordnung festlegen wird. Die Überlegungen dahinter waren laut Letsch, dass man der Mannschaft Sicherheit geben wollte, um die Automatismen und Abläufe speziell in der Offensive zu festigen, da dies ja in dieser Saison bislang die größte Problemstelle der Violetten war. So entschied sich der Austria-Trainer auch im Duell gegen den SKN beim 4-3-3 zu bleiben, allerdings mit einer interessanten personellen Auswahl. Interessant war sie nicht nur deshalb, da der physisch starke Edomwonyi in die Startelf zurückkehrte, sondern vor allem aufgrund der Entscheidung, U21-Nationalspieler Prokop in die Mannschaft einzubauen und dafür den eher defensiveren Demaku herauszunehmen. Dadurch lief man nominell de facto mit der offensivsten Aufstellung in dieser Saison auf.

Diese offensive Grundausrichtung war auch bitter nötig, denn der SKN versteht es außerordentlich gut, gegen den Ball die Räume mit ihrem 5-3-2 zu verengen und dem Gegner nur wenige Möglichkeiten anzubieten. Zwar hat die Mannschaft seit dem Abgang von Erfolgstrainer Kühbauer in der Hinsicht zumindest etwas die Sauberkeit verloren, aber dafür konnte man sich unter Neo-Coach Popovic vor allem im spielerischen Bereich steigern und legt nun mehr Wert auf fußballerische Akzente. Gegen die Austria galt es für die St. Pöltner jedoch zunächst, das Augenmerk auf die defensive Kompaktheit zu legen und gegen den Ball eine gewisse Stabilität zu erlangen. Für dieses Unterfangen passte man die Grundordnung etwas an und man begann mit einer 5-4-1/5-2-3 Formation, in der die beiden Spieler Pak und Ljubicic von ihren Positionen auf die Außenbahn versetzt wurden. Der Plan dahinter war dabei ganz klar, die eigene Hälfte sollte mit dem 5-4-1 dicht gemacht werden und die Austria zum Aufrücken und zu einer offensiven Spielweise gezwungen werden, damit man dann im Anschluss die offenen Räume im Rücken der Gastgeber mit dem eigenen Umschaltspiel attackieren konnte. Doch die Niederösterreicher versuchten nicht nur destruktiv und tief zu agieren, sondern auch den Rhythmus der Partie mal zu verändern und den Spielaufbau bzw. den Abstoß der Austria zuzustellen, weshalb man in diesen Situationen dann zum 5-2-3 wechselte.

Doch die Pressingversuche waren nicht wirklich von Erfolg gekrönt, denn die Austria verstand es immer wieder, das Pressing der Wölfe ins Leere laufen zu lassen und sich daraus zu befreien. Die Violetten bauten nämlich hinten mit Torhüter Pentz, den beiden Innenverteidigern und Sechser Jeggo eine gute „Diamantstruktur“ auf, weshalb die Austria eine Vier gegen Drei Überzahlsituation im Spielaufbau gegen die gegnerischen Angreifer herstellen konnte. Durch die eigene doppelte Flügelbesetzung auf den Außenbahnen, erschwerte man darüber hinaus das Aufrücken der Flügelverteidiger, weshalb die Außenverteidiger der Austria Raum hatten angespielt zu werden. Dadurch stand St. Pölten nun vor folgender Problematik: Wenn man sich zusammenzog und versuchte, den Aufbau durch das Zentrum über Sechser Jeggo zuzustellen, konnte die Austria über den Flügel kommen und die beiden Außenverteidiger anspielen. Versuchten die Gäste dann etwas breiter zu stehen und die Pässe auf den Flügel besser zu kontrollieren, wurde dann wiederum Raum im Zentrum offen und Sechser Jeggo konnte angespielt werden. Vor allem nach diesem Muster, über Ankersechser Jeggo, konnte die Austria sich einige Male aus dem Pressing der Gäste herausspielen und nach vorne stoßen. Die Veilchen schienen jedenfalls auf das gegnerische Pressing sehr gut vorbereitet zu sein und wussten scheinbar, wo offene Räume entstehen könnten, wie man die Gäste knacken konnte und man versuchte daher auch geduldig und mit Ruhe sich spielerisch zu befreien.

 Verbessertes Ballbesitzspiel und Risiko als ein zweischneidiges Schwert

Da sich die Austria aus dem Pressing und dem Zustellen des SKN befreien konnte, wurden die Gäste folglich nach hinten gedrängt und verblieben die meiste Zeit in ihrem tiefen 5-4-1. Bei dem 5-4-1 lag dabei der strategische Fokus zunächst darauf, die zentralen Räume mit den beiden Ketten abzudecken und die Austria auf den Flügel zu drängen. Spielte die Austria dann auf den Flügel, war dies folglich der Auslöser für den SKN, mit vier bis fünf Spielern in Richtung der Flügelzone zu verschieben und die Austria dort festzusetzen. Durch das 5-4-1 konnte man die Breite und Tiefe recht gut verteidigen und hatte da ausreichend Spieler in Ballnähe, allerdings ging das klarerweise auf Kosten des eigenen Offensivspiels, denn nach Ballgewinn waren die Wege nach vorne sehr weit und mit Gartler stand oft nur ein Spieler als Anspielstation in die Tiefe zur Verfügung. Wie reagierte die Austria auf diese Aufgabenstellung? Man hatte sich auch dafür einiges überlegt. Von der Struktur her, versuchte man das Spiel in die Breite zu ziehen, wobei speziell Moschein auf der linken Seite konstant „Breite“ gab und weit draußen stand. Auf der anderen Seite tat dies auch Sax sehr oft, wobei er sich dabei mit Rechtsverteidiger Klein immer wieder abwechselte und auch öfters im Zentrum auftauchte.

Durch diese breite Spielanlage und Struktur, beabsichtigte man vor allem eines, nämlich den Gegner auseinanderzuziehen und damit Räume im Zentrum und dem Zwischenlinienraum zu schaffen. Da kam dann der in die Startelf gerückte Prokop ins Spiel, der sich kontinuierlich im Zwischenlinienraum aufhielt und vor allem die Lücken im rechten Halbraum besetze, um von dort aus dann nach einem Anspiel Fahrt aufzunehmen und die Fünferkette des Gegners anzudribbeln. Dieser Plan ging dann u.a. auch beim Führungstreffer der Austria auf, als Prokop im Halbraum angespielt wurde und folglich Matic freispielte, der dann abzog und sehenswert zum 1:0 traf. Doch es sollte nicht nur Prokop freigespielt werden, darüber hinaus versuchte man speziell auf der rechten Seite ein Dreieck mit Prokop, Sax und Klein aufzubauen, die mit ihrer spielerischen Qualität,  Lösungen über den Flügel kreieren und gemeinsam interagieren sollten. Gelegentlich wurden sie dabei auch vom linken Achter Matic unterstützt, der ihnen hin und wieder zur Hilfe kam und in dieser Region versuchte, eine noch größere Überzahl zu kreieren. Ergänzt wurde dies durch die guten Bewegungen von Stürmer Edomwonyi, der immer wieder die Tiefe attackierte und versuchte Räume zu schaffen. Generell versuchte die Austria sichtlich eine Balance zu finden, zwischen einer ruhigen Ballzirkulation und dem Spiel in die Tiefe, welches man versuchte zu forcieren und da immer wieder mit langen Bällen hinter die Abwehr des SKN operierte, um den Rückraum der Abwehr zu attackieren.

Generell kann man konstatieren, dass das Ballbesitzspiel der Austria in der ersten Halbzeit nach langer Zeit mal wieder gut und stimmig wirkte. Man spielte nicht nur stur nach vorne und in die Tiefe, sondern agierte wesentlich intelligenter und spielte auch mal in die Breite, wobei sich da Sechser Jeggo immer wieder sehr gut als Anspielstation im Rücken anbot, um das Spielgerät dann in weiterer Folge auf die ballferne Seite zu verlagern. Durch diese gute horizontale Ballzirkulation, konnte man den Gegner in Bewegung bringen und auf offene Lücken lauern, die man dann immer wieder im Zwischenlinienraum über Prokop fand. Von strategischen Ansatz her machte die Austria also einen Schritt in die richtige Richtung, konnte sich dadurch auch die Kontrolle über das Spiel sichern und den SKN nach hinten drücken. Dabei konnte man immer wieder gefährliche Situationen über die Flügelzone kreieren, vor allem mit Durchbrüchen oder mit Pässen hinter die Abwehr, mit denen man den Rücken der Abwehr passend attackierte. Die offensive Ausrichtung und Spielanlage der Austria wirkte sich also sichtlich positiv auf das Auftreten der Mannschaft auf.

Doch diese offensive Ausrichtung war nicht ohne Risiko. Nach Ballverlust hatte man infolge der breiten Spielanlage durchaus Probleme, im Gegenpressing sofortigen Zugriff zu erhalten und die Gegenangriffe des Gegners im Keim zu ersticken. Zwar setzte man dabei prinzipiell sehr gut nach und die Mannschaft agierte dabei synchron, allerdings hatte speziell Sechser Jeggo dabei eine  unheimlich schwierige Aufgabe und musste im Zentrum hinter den offensiven Achtern Matic und Prokop oft sehr viel Raum abdecken. Problematisch wurde es dann, sofern die beiden Außenverteidiger zu weit aufrückten und nicht gut absicherten, wodurch Jeggo und die beiden Innenverteidiger sehr viel Raum abzudecken hatten. Es spricht jedoch für die Qualität von Jeggo, dass er einerseits viele Bälle frühzeitig abfing, andererseits aber im Zweikampf sehr präsent war und davon knapp 70 Prozent gewann oder im Notfall ein kluges Foul machte und so die Konterangriffe des Gegners unterband. Dennoch gab es einige Kontersituationen, wo sich die Gäste speziell über den rechten Flügel und den technisch starken Ljubicic aus engen Situationen befreien konnten und die Absicherung und Staffelung der Abwehr der Austria nicht passte. Dennoch kontrollierte man über weite Strecken der Partie, ließ recht wenig zu und ging wie bereits erwähnt mit 1:0 in Führung, ehe man kurz vor der Pause nach einer Standardsituationen nachlegte und den Vorsprung ausbaute, weshalb man mit einer 2:0 Führung in die Halbzeitpause und zum Pausentee ging.

St. Pölten stellt um und wird offensiver

Nach der durchwachsenen ersten Hälfte und dem 2:0 Rückstand, musste der SKN klarerweise etwas verändern und anpassen, um das Ruder doch noch rumzureißen und nicht mit leeren Händen die Heimreise antreten zu müssen. Der Trainer der Gäste entschied sich daher dafür, das System auf ein 4-2-3-1/4-3-3 umzustellen, beorderte Innenverteidiger Luan auf die Sechs und wechselte darüber hinaus Flügelflitzer Balic ein, der über den linke Flügel Druck machen sollte. Dies veranlasste Austria-Trainer Letsch wiederum hektisch an der Seitenlinie darauf zu reagieren und Anpassungen vorzunehmen, um das eigene Anlaufverhalten und Zuordnung in der Defensive zu verändern. Während der SKN im ersten Durchgang viele lange Bälle auf die beiden Zielspieler Gartler und Pak spielte, versuchte man nun vermehrt spielerisch Lösungen zu finden und auch von hinten heraus sauberer im Spielaufbau zu agieren. Dies klappte auch phasenweise und der SKN konnte sich dadurch längere Ballbesitzphasen erarbeiten, wobei speziell der eingewechselte Balic für viel Druck über den Flügel sorgte und immer wieder Freistöße in Strafraumnähe herausholen konnte. Doch abgesehen davon, taten sich die Niederösterreicher schwer, Lösungen im letzten Drittel zu finden und der Austria da Schwierigkeiten zu bereiten. Die Violetten ihrerseits standen vor jener „Schwierigkeit“, die viele Mannschaften in Führung nur zu gut kennen.

Die Problematik liegt darin, spielt man nun weiter auf Ballbesitz und hält das Spielgerät weiterhin in den eigenen Reihen oder nutzt man die Räume in der Defensive des Gegners aus und versucht schnell umzuschalten, wodurch man allerdings dann wiederum in Gefahr läuft, den Ball zu schnell zu verlieren und dadurch auch die Kontrolle über das Spiel. Die Austria durchlief in diesem Spiel beide Phasen. Zu Beginn des zweiten Durchgangs konnte man noch längere Ballbesitzphasen verbuchen und damit das Spiel beruhigen. In den letzten 20 bis 25 Minuten verlor man dann allerdings bei den Umschaltaktionen zu schnell den Ball oder spielte die Angriffe zu ungenau fertig, wodurch der SKN aufkam und die violetten Gastgeber immer weiter nach hinten drücken konnte. Aus der Überlegenheit in der Schlussphase konnte sich der SKN allerdings kaum Chancen erarbeiten und die einzige Großchance vergab Stürmer Gartler, der nach einem Freistoß nur die Stange traf. Somit blieb es letztlich beim 2:0 Sieg der Austria.

Fazit

Die Austria feiert also einen wichtigen Heimerfolg gegen einen direkten Konkurrenten und holte damit „Big-Points“ im Kampf um ein Ticket im oberen Playoff. Dabei zeigten sich die  Veilchen im Vergleich zum letzten Spiel in der Offensive deutlich verbessert, konnten speziell in der ersten Halbzeit mit einem guten Ballbesitzspiel und Spielaufbau punkten und dadurch die Kontrolle über die Partie erlangen. Ausschlaggebend dafür war die breite 4-3-3-Struktur, aber auch strategisch  überlegte man sich die richtigen Sachen, wie u.a. die Hereinnahme von Prokop, um den SKN zu knacken und sich einen Vorteil zu verschaffen. Problematisch war phasenweise einzig das Spiel gegen den Ball, wo man einige knifflige Situationen im ersten Durchgang überstehen musste, weshalb es da noch an der Absicherung der Angriffe und dem Gegenpressing zu feilen gilt. Nichtsdestotrotz war die Leistung der Violetten über weite Strecken sehr ordentlich und zum ersten Mal nach einer langen Zeit konnte man in der Offensive wieder einigermaßen überzeugen. Ob dies nur eine Eintagsfliege war oder eine nachhaltige Weiterentwicklung ist, wird wohl die nächste Begegnung in Mattersburg zeigen, wo drei Punkte mehr oder weniger Pflicht sind.

Dalibor Babic

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