Am zwölften Spieltag der österreichischen Bundesliga und zum Start der Rückrunde, gastierte die Wiener Austria in Tirol bei Wacker Innsbruck zum Duell um die... Analyse: Zahnlose Austria liefert nächste Nullnummer

Am zwölften Spieltag der österreichischen Bundesliga und zum Start der Rückrunde, gastierte die Wiener Austria in Tirol bei Wacker Innsbruck zum Duell um die drei Punkte. Dabei wollten die Veilchen nach den beiden zuletzt sieglosen Spielen endlich wieder die volle Punkteanzahl einfahren und einen Schritt nach vorne in der Tabelle machen. Doch einfach sollte die Aufgabe nicht werden, denn personell kehrte niemand zurück, im Gegenteil, man musste mit Grünwald auch noch den Kapitän und Topscorer für das restliche Jahr vorgeben. Auf der anderen Seite stand jedoch mit Wacker Innsbruck auch eine Mannschaft, die in den letzten beiden Spielen gegen den LASK und Salzburg vier Punkte holte und vor allem defensiv überzeugen konnte und nun auch dem nächsten Topteam den Zahn ziehen wollte.

Mit der Fünferkette kommt die defensive Stabilität

Nach dem eher durchwachsenen Saisonstart und dem Abflauen der Aufstiegseuphorie, scheinen die Innsbrucker nun endlich in der höchsten Spielklasse angekommen zu sein. Dass man zu Beginn mit einigen Problemen zu kämpfen hatte, hing vor allem damit zusammen, dass man sich defensiv als zu anfällig für Gegentore präsentierte und Schwierigkeiten mit der Kompaktheit gegen den Ball hatte. Trainer-Urgestein Karl Daxbacher suchte auch sichtlich nach der richtigen Mischung und probierte einiges aus, um die passende Formation und Personal für die Innsbrucker zu finden. In den letzten Wochen schien man diesen Prozess einen großen Schritt entgegengekommen zu sein, was u.a. darin mündete, dass man eben gegen die wohl aktuell beiden besten Mannschaften der Liga immerhin vier Punkte einfahren konnte.

Dass dies gelang, hing vor allem mit den verbesserten Abläufen im 5-3-2 und dass  sich Wacker nun endgültig auf diese Grundordnung festlegte, nachdem man immer wieder etwas anderes probierte. Gegen die Austria behielt man diese Formation also auch bei, natürlich mit einer auf den Gegner angepassten strategischen Ausrichtung. Zunächst einmal ließ man die Gäste aus der Hauptstadt im Spielaufbau in Ruhe gewähren und konzentrierte sich in erster Linie darauf, vor allem die Passwege und Räume ins Zentrum zu verschließen. Damit dies gelang, sollten die beiden Stürmer enger beieinander stehen und den Sechserraum abdecken, während das Dreiermittelfeld dahinter ebenfalls das Zentrum verteidigen sollte und sich an diese Zone orientierte. Diese Verhaltensweise beim gegnerischen Spielaufbau kann man auch beim ersten Bild recht gut erkennen:

Austria im Spielaufbau, Innsbruck verteidigt mit der „offensiveren Reihe“ in einer 2-3 Staffelung und konzentriert sich da vor allem auf den Raum und die Kontrolle des Zentrums.

Mit dieser Praxis wollte Innsbruck wie erwähnt vor allem Kontrolle über das Zentrum erlangen und die Austria auf den Flügel drängen. Sobald die Wiener dann über den Flügel angriffen, rückte in dem Fall der ballnahe Achter der Innsbrucker (beim ersten Bild eingezeichnet) im passenden Moment auf den Außenverteidiger heraus und versuchte Deckungsschatten Zuspiele ins Zentrum zu verhindern. Wobei hier anzumerken ist, dass dies wesentlich stärker auf der linken Seite des Gegners praktiziert wurde und Achter Henning oft auf Cuevas herausrückte, während auf rechts Harrer Klein öfters offen ließ und sich mehr an den Raum orientierte. Stattdessen gab es bei Wacker auf der rechten Seite nämlich ein extrem starkes kollektives Verschieben auf den Flügel zu sehen. Dies war vor allem dann der Fall, sobald die Veilchen über den Flügel tiefer in die gegnerische Hälfte vordrangen und versuchten, sich über diese Zone nach vorne zu kombinieren. Wacker reagierte darauf eben mit dem extremen Verschieben und versuchte damit die Austria auf dem Flügel zu isolieren. Diese Praxis kann man beim nächsten Bild gut erkennen:

Die Austria im Angriff und dem Versuch, sich über die rechte Seite nach vorne zu arbeiten. Innsbruck jedoch verschiebt mit gleich sieben (!) Spielern ziemlich extrem in Richtung Flügel, um den Gegner zuzustellen und zu isolieren.

Untermalt wurden diese Kniffe durch ein weiteres Element, nämlich der „pendelnden Viererkette„. Die kam dadurch zustande, dass die beiden Flügelverteidiger der Innsbrucker aus der Fünferkette immer wieder nach vorne stachen und ihre Gegenspieler auf dem Flügel attackierten und stellten, während die Kollegen aus der Abwehr nachschoben und in einer Viererkette verblieben. Diese Praxis praktizierten man auf beiden Seiten und dadurch sollte sichergestellt werden, dass man auch Zugriff auf die Außenbahnspieler der Austria herstellte.

Austria packt die „falsche Neun“ aus der Trickkiste

Wie reagierte die Austria auf diese Aufgabenstellung? Zunächst einmal kündigte Austria-Trainer Thomas Letsch bereits im Vorfeld der Partie, durch den Ausfall von Kapitän Grünwald, eine Anpassung der Systematik an, um diesen Ausfall zu kaschieren. Daher war man schon vor der Partie gespannt, was sich das Trainerteam der Violetten genau überlegte. Und sie entschieden sich für eine Variante, die in keinster Weise jemand auf dem Schirm hatte. Zunächst agierte man aus einer 4-1-4-1/4-3-3 Formation heraus, die im Grunde nicht ungewöhnlich für die Austria ist und bereits mehrmals in der Saison praktiziert wurde. Interessant wurde es allerdings vor allem aufgrund der personellen Besetzung, denn Angreifer Friesenbichler lief in etwa nicht im Sturmzentrum auf, sondern wurde auf den rechten Flügel gestellt. Überraschenderweise agierte stattdessen Mittelfeldspieler Prokop auf dessen Position und gab damit quasi die „falsche Neun“, die man in Österreich bislang auch nicht wirklich oft zu sehen bekam. Was waren die Überlegungen dahinter und warum entschied sich Letsch für diese Variante?

Dies konnte man vor allem aufgrund der Bewegungen rundum Prokop gut erkennen. In erster Linie wurde Prokop deswegen auf diese Position gestellt, damit er sich aus einer hohen Position in den Zwischenlinienraum zurückfallen ließ und von dort aus aktiv werden sollte. Damit wollte man nämlich eine Reaktion der Fünferkette des Gegners provozieren, die in dem Fall vor einem Problem standen. Folgen wir Prokop beim Zurückfallen und hinterlassen ein Loch in der Abwehr, oder lassen wir ihn gewähren und verlassen uns auf die zentralen Mittelfeldspieler? Dieses Spannungsverhältnis versuchte die Austria zu schaffen, um sich daraus einen gewissen Vorteil zu verschaffen. Ergänzt wurde das Zurückfallen von Prokop durch zwei Bewegungsmuster, die es zu vernehmen gab. Die beiden Außenstürmer wurden angewiesen, bei Zurückfallen von Prokop und sofern ihn ein Innenverteidiger verfolgt, in die Tiefe zu sprinten und die offengewordenen Löcher zu attackieren. Dies geschah jedoch seltener , als die zweite Variante, die vor allem mit Ebner zu tun hatte. Der Achter hatte nämlich in erster Linie die Aufgabe, mit seinen Laufwegen in die Tiefe Platz für Prokop im Zwischenlinienraum zu schaffen, damit dieser angespielt werden und aufdrehen konnte, um mit Tempo auf die Abwehrreihe zuzulaufen. Diese Vorgehensweise mit den raumöffnenden Tiefensprints von Ebner kann man beim nächsten Bild gut erkennen:

 

Austria im Ballbesitz, Achter Ebner startet in die Tiefe (schwarzer Pfeil) und zieht dadurch die Aufmerksamkeit der Innenverteidiger auf sich, wodurch sie nicht auf Prokop im Zwischenlinenraum herausrücken können und dieser freisteht, anspielbar ist und Platz vorfindet.

Dieser strategische Kniff in der Offensive funktionierte speziell in der Anfangsphase recht gut und Prokop konnte immer wieder im rechten Halbraum freigeschoben werden und öfter mit Tempo in Richtung Strafraum ziehen. Dies war dann auch der Grund, warum die Austria gut in die Partie kam und die Innsbrucker nach hinten drücken konnte. Im Verbund mit dem praktizierten Gegenpressing, konnten die Gäste die Tiroler rundum den Strafraum festsetzen und spielten dadurch recht gefällig. Doch nach rund zwanzig Minuten erkannte Innsbruck dieses Muster und passte sich daran an. Der zentrale Innenverteidiger der Innsbrucker (Maak) ließ sich folglich von den Bewegungen von Ebner immer seltener irritieren und konzentrierte sich vermehrt auf Prokop – rückte also aus der Abwehr auf den kleinen Dribbler heraus, um dessen Bewegungen aufzunehmen und ihn zu enger decken. Dadurch konnte die Austria dieses Muster nicht mehr so erfolgsstabil praktizieren und musste nach anderen Lösungen suchen. Damit begannen allerdings quasi die Probleme im eigenen Ballbesitzspiel.

Gefangen im Spagat zwischen Absicherung und dem notwendigen Risiko

Da das zweite Angriffsmuster und den Tiefensprints nur selten zu sehen waren oder das Timing/die Ausführung nicht wirklich passte, fand die Austria spielerisch kaum eine Lösung gegen die dichtgestaffelte und gut organisierte Defensive der Innsbrucker. Immer wieder wurde man von den Gastgebern erfolgreich auf einer Seite festgesetzt und isoliert, wodurch man meist den Ball verlor und das Spielgerät kaum über mehrere Stationen laufen lassen konnte. Doch woran lag das? Nun, bekannterweise ist Trainer Letsch die Thematik der passenden Absicherung und Balance im Spiel ein wichtiges Anliegen. Dies ist auch zweifellos berechtigt, denn selbst bei dominanten Mannschaften, wie jene von Pep Guardiola, bildet das Spiel gegen den Ball immer noch die Basis, um ein erfolgreiches Offensivspiel aufziehen zu können, um nach Ballverlust nicht völlig offen zu stehen und ständig ausgekontert zu werden. Allerdings ist dieser Spagat ein schmaler Grat und kann bei einem zu hohen Fokus auf die Absicherung auch durchaus ins Negative abrutschen.

Dass die Austria unter Letsch noch nach der richtigen Balance sucht, haben wir bereits in unserem kürzlich publizierten Zwischenfazit (Teil1 und Teil2) bereits eingehender erläutert. Auch aus diesem Grund versuchte Letsch im letzten Spiel gegen Sturm Graz daran zu Schrauben und nahm mit Ebner einen defensiveren Spieler aus der Mannschaft, um mit Ewandro eine zusätzliche Offensivkraft und mehr Kreativität zu bringen. Jedoch ging das gehörig schief, da Sturm sich nicht hinten formierte und destruktiv agierte, sondern auf viel Ballbesitz kam und da das Spiel gegen den Ball der Austria nicht wirklich passte – ergo die Balance in die falsche Richtung abrutschte.

Vielleicht lag es auch daran, dass man gegen Innsbruck von Haus aus eine etwas vorsichtigere Balance wählte und einen größeren Fokus auf die passende Absicherung der Angriffe nahm. Dies fing bereits beim Spielaufbau der Austria an, denn die beiden Außenverteidiger der Violetten blieben im ersten Vortrag sehr tief und hielten den Kontakt zu den beiden Innenverteidigern. Im Verbund mit dem Ankersechser Jeggo, hatte man dadurch eine hohe Tiefenpräsenz und gewährleistete damit die Ballzirkulation im Spielaufbau. Doch war dies in der Form wirklich nötig? Dies ist eher fraglich, denn weder attackierte Innsbruck den Spielaufbau der Austria, noch hatten sie an vorderster Front in etwa drei Stürmer, die gemeinsam versuchten, die Passwege ins Zentrum zu verhindern. Dadurch hatte die Austria im Spielaufbau zwar quasi eine Fünf gegen Zwei Überzahl und konnte den Ball hinten problemlos zirkulieren lassen( wie man dies beim allerersten Bild ganz oben gut erahnen kann) klarerweise fehlte es dann allerdings durch diese Konstellation in höheren Zonen an einer ausreichenden Präsenz. Daher hatten die beiden Außenverteidiger der Austria mit Abstand die meisten Ballkontakte (RV Klein kam auf 118 (!)), allerdings fiel der Output nur mäßig aus.

Oft waren dadurch nur maximal fünf Spieler in die Offensive der Austria eingebunden, während vier bis fünf Spieler die Angriffe absicherten und tiefer verblieben. Da die Tiroler allerdings konstant mit acht Spielern tief in der eigenen Hälfte verteidigen, war die Austria dadurch in der Offensive meist in klarer Unterzahl und tat sich im Offensivspiel schwer, Lösungen zu finden. Diese Problematik kann man beim nächsten Bild auch anschaulich erkennen:

Die Austria im Angriff, Innsbruck steht tief und verteidigt mit acht Mann, während die Austria nur mit fünf Spielern in der höheren Zone präsent ist und damit aus einer klaren Unterzahl heraus agieren muss. Dennoch öffnet sich durch das Ausweichen von Prokop und dem Herausziehen von ZIV Maak ein riesiger Raum im Zentrum, der jedoch von niemanden angelaufen wird.

Durch diese mangelnde Präsenz in höheren Sphären, hatte man klarerweise große Schwierigkeiten, sich in Unterzahl erfolgsstabil durchzuspielen. Das viel größere Problem war allerdings, dass man vor allem die Ballzirkulation nur mäßig am Laufen halten konnte. Gerade dies wäre aber gegen die tiefstehenden Innsbrucker vonnöten gewesen, um die Defensive der Gastgeber in Bewegung zu bringen und dadurch erst Löcher im Verbund des Gegners zu kreieren, indem man auch mal die Seite wechselt und dadurch die ballferen Räume anvisiert, um in diese dann vorzustoßen oder auf Fehler im Verschieben lauert. Doch das gelang den Veilchen kaum, weshalb der Ballbesitzanteil zur Halbzeit auch „nur“ bei 52 Prozent lag, obwohl die Innsbrucker sehr tief standen und den Spielaufbau der Austria kaum störten. Dass man dennoch vergleichsweise so wenig Ballbesitz hatte, lag schlicht an der hohen Fehlerquote und eben an der unzureichenden Ballzirkulation, wodurch Wacker ebenfalls zu Ballbesitz kam. Speziell die horizontale Staffelung passte oft nicht und Sechser Jeggo wurde auch zu selten gesucht, um das Spiel auf die jeweilige andere Seite zu verlagern.

Des weiteren passte die gewählte Spielanalage auch nicht wirklich auf das vorhandene Material. Nehmen wir zum Beispiel die rechte Seite – Ebner agierte recht offensiv und versuchte mit seinen Läufen Räume für seine Mitspieler zu öffnen. Abgesehen davon, war der Achter allerdings kein Faktor im Offensivspiel, leistete sich stattdessen viele technische Fehler und Ballverluste und kam in 90 Minuten auch nur auf 20 (!) Pässe, und das obwohl man nach der vollen Spielzeit auf über 60 Prozent Ballbesitz kam. Auch Friesenbichler tat sich auf dem Flügel sichtlich schwer und konnte sich durch das starke Verschieben der Innsbrucker und den daraus resultierenden engen Raum kaum entfalten und durchsetzen. Beide taten sich also in ihren Rollen schwer und hatten kaum einen Impact auf das Offensivspiel der Austria. Daher stellt sich auch die Frage, warum man stattdessen nicht auf das „Erfolgsmodell“ aus dem Spiel gegen Hartberg zurückgriff, was strukturell wesentlich besser zu dem aufgestellten Personal gepasst hätte. Friesenbichler hätte dadurch im Sturmzentrum bleiben können, Prokop seine freie Rolle im Zwischenlinienraum behalten und Ebner stattdessen defensiv absichern können, während Klein die Rolle als rechter „Flügelstürmer“ zugekommen wäre.

Doch abgesehen davon, hatte man auch grundsätzlich Probleme mit der passenden Raumnutzung durch ein sauberes Positionsspiel. Gerade in den ballfernen Halbräumen eröffneten sich durch das starke Verschieben der Innsbrucker große Möglichkeiten , die man jedoch zu selten in der ersten Halbzeit nutzen konnte. Eine exemplarische Szene zeigt dies recht trefflich:

Die Austria im Ballbesitz, Innsbruck verschiebt stark in Richtung der linken Seite, weshalb im ballfernen Halbraum ein relativ großes Loch aufgeht. Klein erkennt diesen Raum jedoch nicht und bleibt stattdessen quasi im Leo stehen, weshalb diese Position nicht besetzt wird und Jeggo nur der lange Ball in die Spitze bleibt.

Eben durch solche Unzulänglichkeiten im Positionsspiel, machte man sich die Ballzirkulation schwerer als nötig und rannte sich stattdessen kontinuierlich fest. Klein hätte ballfern problemlos Einrücken können, da Innsbruck sowieso tief stand und die Flügel (offensiv) gar nicht besetzte, sondern sich auf das Zentrum konzentrierte. Allerdings muss man auch lobenderweise anmerken, dass das Trainerteam der Austria einige Problematiken in der Halbzeitpause erkannte und auch Anpassungen vornahm. In der zweiten Halbzeit rückten die ballfernen Außenverteidiger konstanter in die Halbräume, es wurden mehr Tiefenläufe eingebaut und darauf folgende lange Bälle eingestreut und Rechtsverteidiger Klein rückte wesentlich weiter auf und agierte nun wie ein Flügelstürmer, was die Präsenz in höheren Zonen erhöhte und man von der Balance her nicht mehr ganz so konservativ agierte.

Durch diese Maßnahmen konnte sich die Austria endgültig in die Hälfte der Tiroler festsetzen und man brachte die Ballzirkulation wesentlich besser zum Laufen, als es noch im ersten Durchgang der Fall war, wodurch man auch wesentlich höhere Ballbesitzzeiten verbuchen konnte (von 52 auf 61 Prozent). Zwar spielte man sich nun besser in die gegnerische Hälfte und ins letzte Drittel, allerdings änderte dies wenig an der Harmlosigkeit im Angriff. Friesenbichler und Ebner waren auch weiterhin ohne Impact, Prokop war zwar bemüht, allerdings traf er laufend falsche Entscheidungen oder es mangelte ihm schlicht an der Durchschlagskraft in der Offensive, während Ewandro auf dem Flügel auch nicht wirklich zurechtkam und  aufgrund der engen Manndeckung des Gegners. zunehmend frustriert wirkte Dadurch fehlte es der Austria an Ideen und Durchschlagskraft, weshalb man bis auf einige wenige Szenen kaum für Gefahr sorgen konnte. Immerhin stand man dafür defensiv über weite Strecken der Partie gut und konnte die Angriffsbemühungen der Gastgeber oft frühzeitig im Keim ersticken, wobei speziell Ankersechser Jeggo viele Situationen bereits im Ansatz abfangen und bereinigen konnte und dem Spiel gegen den Ball dadurch viel Stabilität gab bzw. da die Absicherung absolut passte. Dadurch blieb es letztlich auch beim torlosen 0:0.

Fazit

Die Austria leidet in der Offensive also weiterhin unter Ladehemmung und bleibt zum wiederholte Male in einem Spiel ohne eigenen Treffer. Dabei lag dies einerseits daran, dass die Innsbrucker zweifellos gut verteidigten und ihre Defensive passend organisierten, weshalb man sehr kompakt stand und immer Zugriff auf den Gegner bekam. Andererseits hatte die Austria so ihre Schwierigkeiten mit der eigenen Balance und der Ballzirkulation, weshalb man in der Offensive bis auf den starken Beginn wenige Lösungen fand. Zwar war die Idee mit der „falschen Neun“ eine interessante Variante und führte zu der starken Anfangsphase, allerdings wirkte die Struktur rundherum bzw. die personelle Einbindung abgesehen davon nicht wirklich stimmig und war nicht ohne Probleme. Zwar wurde zur Halbzeit an einigen richtigen Schrauben gedreht, die Ballzirkulation und das Positionsspiel dadurch etwas sauberer, allerdings konnte man im letzten Drittel kaum Lösungen kreieren und fehlte es an der Kreativität und Durchschlagskraft.

Letztlich trat der Fall ein, den man durch den Ausfall von Topscorer Grünwald befürchten konnte, nämlich dass die Austria im Angriffsdrittel noch harmloser wurde. Es fehlt den Violetten einerseits schlicht an der nötigen Kreativität und Durchschlagskraft in der Offensive, um entscheidende Szenen im letzten Drittel zu kreieren und andererseits wirkt auch die gewählte Spielanlage bzw. die Positionierung der Spieler  nicht stimmig mit den vorhandenen Spielerprofilen, was man dem Austria-Trainer vorwerfen kann. Beides liegt im Spannungsverhältnis zueinander und die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Es ist allerdings kein Wunder, dass keiner der aktuell fitten Spieler mehr als einen Treffer erzielt hat, weshalb eben die individuelle Qualität in der Offensive auch zu hinterfragen ist.  Daher ruhen nun die Hoffnungen auf die bevorstehende Rückkehr von den Offensivspielern Turgeman, Edomwonyi und Sax, die die Qualität im Angriff prompt erhöhen sollten und vermutlich sofort in die Mannschaft rücken werden. Doch müssen auch sie erst optimal eingebunden und eine passende Struktur geschaffen werden, damit die Spieler auch optimal zur Geltung kommen.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic