Rapid Wien bleibt ohne Saisonsieg gegen das Überraschungsteam des Jahres, den SV Grödig. Allerdings zeigten die Wiener in einer kurzweiligen Partie eine gute Leistung... Kein Sieger im Sechs-Punkte-Spiel: SV Grödig und Rapid Wien trennen sich 2:2-Unentschieden

Terrence Boyd (SK Rapid Wien)Rapid Wien bleibt ohne Saisonsieg gegen das Überraschungsteam des Jahres, den SV Grödig. Allerdings zeigten die Wiener in einer kurzweiligen Partie eine gute Leistung und konnten auswärts immerhin einen Punkt holen. Dies ist insbesondere wichtig, weil dies in gewisser Weise ein sogenanntes „Sechs-Punkte-Spiel“ war, in welchem man auch die beiden „verlorenen“ Punkte der Grödiger berücksichtigen muss.

Durch das 2:2 behält Rapid den Vorsprung von sechs Punkten in der Tabelle auf Grödig bei nur noch drei ausstehenden Partien; gute Voraussetzungen um auf den Europapokalplätzen zu bleiben. Dabei zeigten die Rapidler in dieser Partie eine gute Leistung und ein ausgewogenes Pressing, welches nicht ganz mit dem Grödiger Pressing mithalten konnte, aber gut gewählt war.

Rapid im hohen Mittelfeldpressing im 4-4-2/4-4-2-0

Die Gäste aus Hütteldorf begannen im 4-4-2/4-4-2-0. Das bedeutet, dass sich der Zehner des nominellen 4-2-3-1, Stefan Hoffmann, bei gegnerischem Ballbesitz nach vorne orientierte und auf einer Höhe mit Mittelstürmer Terrence Boyd agierte. Die beiden spielten dann auf einer Linie, deckten aber nicht die Innenverteidiger zu, sondern orientierten sich nach hinten in Richtung gegnerischem Sechserraum. Damit stellten sie zuerst das gegnerische Mittelfeld zu und boten Grödig im Aufbauspiel die Innenverteidiger an, um dann dynamisch auf diese zu gehen. Grödig begann somit nicht schon beim Torwart mit dem langen Ball, musste aber mehrmals von den Innenverteidigerpositionen aus nach vorne bolzen. Teilweise blieben die Stürmer Rapids tief und sorgten für hohe Kompaktheit, wodurch Grödig zwar den Ball hatte, aber kaum in die gegnerische Hälfte kam.

Viele kleine, dynamische Mannorientierungen

Rapid spielte außerdem mit einigen Mannorientierungen innerhalb der gesamten Formation. Die Sechser des Gegners wurden von den eigenen Sechsern immer wieder kurz in Manndeckung genommen, wenn die Möglichkeit eines Passspiels auf sie vorhanden war und erkannt wurde. Die zwei Sechser Grödigs mussten mit viel Bewegung dagegen vorgehen, um sich freizulaufen, profitierten aber einige Male davon, dass sich die Wiener stark auf die Kompaktheit im Zwischenlinienraum konzentrierten und die Mannorientierungen dann nicht aufrechterhielten. Allerdings gab es diese Mannorientierungen nicht nur im Zentrum. Die Außenverteidiger verfolgten die Flügelstürmer Grödigs ebenfalls und auch das Zurückfallen der zentralen Stürmer wurde von den Innenverteidigern bis in den eigenen Sechserraum verfolgt.

Damit konnte Rapid zwar Grödigs Spieler schon bei der Ballannahme bedrängen, verhinderte das Drehen und Ausrichtung zum Tor, aber die Salzburger konnten mehrmals mit schnellem Kombinationsspiel und direkten Ablagen nach raumgreifenden Pässen diese Manndeckungen bespielen. Dennoch war die Ausrichtung grundlegend vorteilhaft für Rapid, weil Grödig bei den Schnellangriffen nur selten Präsenz vorne erzeugen konnte. Insbesondere in der Anfangsphase konnte Rapid mit dem aggressiven und intensiven Mittelfeldpressing, der hohen Kompaktheit und den Mannorientierungen für großen Druck gesorgt. Dennoch fiel man in dieser starken Phase in Rückstand.

Führung für Grödig entgegen dem Spielverlauf

Rapid war wie erwähnt bis zum Rückstand klar stärker, hatte schon einige Chancen nach schnellen Durchbrüche und insgesamt war das Spiel bis dahin ein typisches „Gegenpressingspiel“, wie es die Grödiger in dieser Saison gegen zahlreiche Gegner erzwingen. Danach war es aber ausgerechnet eine Ecke, welche die Führung der Gastgeber besorgte. Rapid ließ sich beim Standard mit der Mischung aus Raum- und Manndeckung zu sehr in Richtung Ball auf den kurzen Pfosten ziehen, wodurch sie im Rückraum des Strafraums und am zweiten Pfosten gleich drei Leute offen ließen. Potzmann erhielt am zweiten Pfosten den Ball und köpfte in die Mitte, wo Trdina alleine vor dem Torwart den Ball erhielt, weil Rapid beim Herausrücken und Spiel auf Abseits unkoordiniert und nicht dynamisch genug war.

Nach dieser Phase und mit der Führung im Rücken wurde Grödig stärker. Sie ließen nun den Ball in der ersten Ebene länger zirkulieren, versuchten Rapid herauszulocken und spielten nicht mehr so vertikal nach vorne, was auch weniger Ballverluste bedeutete. Jetzt kippte das Spiel: Die Salzburger hatten ähnlich gute Chancen wie Rapid in der Anfangsphase vor dem 1:0. Und wieder gab es ein kleines Deja-Vu-Erlebnis, als die Rapidler als nunmehr unterlegene Mannschaft trafen.

Rapids Ausgleich zeigt Grödigs Flügelverteidigungsprobleme auf

Wie üblich pressten die Grödiger extrem ballorientiert, aggressiv, ballfern enorm einrückend und intensiv verschiebend in einem 4-4-2.

Grödigs442

Dabei rücken die Flügelspieler der Mittelfeldreihe immer wieder nach vorne in Richtung Innenverteidiger oder ins zentrale Mittelfeld, um mehr Druck zu entfachen. Die Grundidee dahinter ist ganz einfach. Wenn der Flügelstürmer ins Zentrum schiebt und dort mit den Sechsern presst, hat er meistens die Außenbahn in seinem Deckungsschatten. Pässe durch ihn hindurch sind kaum zu machen, der Ball kommt also meistens nach hinten oder wird verloren. Wenn der Ball dann nach zurückgespielt wird, dann kann der Flügelstürmer wieder auf seine Position kommen und das kurzzeitig entstandene Loch wird nicht bespielt.

Problematisch wird es nur, wenn diese Räume sehr schnell und direkt vom Gegner bespielt werden können. Es dauert eben, bis der Flügelstürmer dorthin verschiebt und der Gegner kann somit aufrücken. Ein ähnliches Problem haben sogar die Münchner Bayern in dieser Saison, wenn sie im 4-1-4-1/4-3-3 agieren. Die Seiten sind dann etwas instabil und können für Raumgewinn im Konterspiel sorgen. Hier war dieser Aspekt aber nicht einmal so präsent; die Flanke von dort auf Boyd ist eher unter glücklich als gekonnt zu verbuchen, obgleich der grundlegende Punkt identisch bleibt.

Flanke zu Boyds Tor Verschieben

Boyd selbst unterstützte auch in diesen Räumen und half über die Flügel aufzurücken und die Verschiebebewegungen der Grödiger etwas zu irritieren.

Boyds Pässe

Spielverlauf und Fazit

Letztlich veränderte sich nur noch wenig in der Partie. Rapid kam nach dem Ausgleich wieder besser ins Spiel und war letztlich klar überlegen, einen Sieg hätte man verdient gehabt. Zwischenzeitlich lag man sogar in Führung, als ein schneller Durchbruch über den Halbraum zum Elfmeter und Boyds zweitem Tor führte. Direkt nach der Halbzeit glich Grödig mit einem langen Ball nach einem Einwurf auf den zweiten Pfosten aus. Drei Kopfballtore und ein Elfmeter sorgten für dieses 2:2-Unentschieden, wo Rapids Abseitsfalle gut funktionierte (sechs Mal) und Grödigs Pässe in die Tiefe einige Male gut neutralisierte. Beide Trainer wechselten offensiv, aber das grundlegende taktische Muster blieb gleich. Rapid hatte letztlich deutlich mehr Abschüsse, insbesondere auch aus der „Danger Zone“ – dem Raum im Strafraum nahe am Tor und direkt zentral vor dem Strafraum.

DZ Schüsse

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric

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