Nachdem der Kurier mit Fredy Bickel über die Personalie Joelinton sprach, wurde öffentlich bekannt, dass die Kaufoption für den Brasilianer weitaus höher sein dürfte,... Kommentar: Joelinton für Rapid unleistbar? Abwarten!

_Joelinton - SK Rapid Wien

Nachdem der Kurier mit Fredy Bickel über die Personalie Joelinton sprach, wurde öffentlich bekannt, dass die Kaufoption für den Brasilianer weitaus höher sein dürfte, als bisher angenommen. Der Spieler sei „für einen Verein wie Rapid unleistbar“. Mehrere Medien stürzten sich sofort auf die Story und verkündeten, dass Joelintons Kaufpreis für Rapid nicht zu stemmen ist. Aber ist das auch so, wenn man die Story ein bisschen weiterdenkt?

Joelinton unterschrieb im Sommer 2016 beim SK Rapid. Es war durchaus ein Sensationstransfer, denn mit dem damals 19-jährigen Brasilianer rechnete vorher niemand. Schon am Anfang gab es ein Hickhack in der Kommunikation: Die Kaufoption wurde nicht sofort öffentlich gemacht. Erst ein paar Tage nach dem Transfer und auf die Nachfrage mehrerer Medien, verkündete der damalige Rapid-Sportchef Andreas Müller, dass man eine Option auf den Angreifer hat.

Diese Information ist auch ein wenig als Selbstschutz zu werten. Müller wusste, dass Rapid den Brasilianer im Rahmen dieser Kaufoption nicht fix verpflichten wird können. In der Öffentlichkeit sah das Hakerl unter der Kaufoption allerdings besser aus.

Hoffenheim holte Joelinton im Sommer 2015 aus Recife und stattete ihn mit einem Fünfjahresvertrag aus. Rapid bezahlte letzten Sommer 600.000€ Leihgebühr, nachdem Joelinton der TSG 2,2 Millionen Euro Ablöse kostete. Betrachtet man den Spieler als Vereinskapital war die Leihgebühr also etwas niedriger angesetzt als üblich – daher auch die höhere Kaufoption. Die zwei Jahre Restvertrag in Hoffenheim nach der kommenden Saison sind an der Ablöse gemessen noch 880.000€ wert.

Eine gezogene Kaufoption würde Joelinton für die Hoffenheimer vergolden, obwohl er nur ein einziges Spiel für deren Kampfmannschaft absolvierte. Die Sache ist aber die: Mit hoher Wahrscheinlich wird der deutsche Bundesligaklub den heute 20-Jährigen gar nicht mehr zurückholen wollen. Ein Blick auf den Kader des Vorjahresvierten der deutschen Bundesliga genügt.

Unter Nagelsmann verfolgt die TSG 1899 Hoffenheim eine sehr klare Spielphilosophie und baute für diese in den letzten knapp 1 ½ Jahren auch das passende Spielermaterial auf. Im Angriff setzt man eher auf die vertikal gehenden Spieler – vor allem von Andrej Kramaric (Vertrag bis 2020) erwartet man nächste Saison wieder viel, aber auch Adam Szalais Vertrag wurde bis 2019 verlängert. Hinzu kommen Mark Uth (Vertrag bis 2018) und mit Sandro Wagner (Vertrag bis 2020) der Joelinton-ähnlichste Spielertyp. Mit Joshua Mees gibt es zudem einen aufstrebenden Stürmer im Nachwuchs, der in der kommenden Saison die Chance hat, sich für die „Erste“ zu empfehlen.

Am wahrscheinlichsten ist ein unplanmäßiger Wegfall von Kramaric, der schon in der Vergangenheit von mehreren Klubs umworben wurde. Als Ersatz für den in die Tiefe gehenden Kroaten würde die TSG aber sicher keinen Spieler vom Typ Joelintons verpflichten.

Selbst wenn Joelinton 2017/18 eine Fabelsaison bei Rapid spielen würde, wäre der Weg zurück nach Hoffenheim höchstwahrscheinlich verbaut. Auch weil sich der Stürmer heuer nicht im Europacup beweisen darf, was für einen deutschen Champions-League-Aspiranten ein wichtiges Kriterium im Zuge einer Leihe ist.

Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass wir Joelinton in der Saison 2018/19 im Hoffenheim-Trikot sehen werden – und wenn nicht im Laufe der Saison 2017/18 ein anderer Verein den Spieler aus seinem Vertrag kauft, wird die Leihe ablaufen und Joelinton pro forma zur TSG zurückkehren. Allerdings ist dann auch die Kaufoption im Rahmen des Leihgeschäfts obsolet und Rapid könnte – so Joelinton dann noch verfügbar ist – eine formelle Transferanfrage und ein konkretes Angebot stellen.

Was Kaufoptionen – sowohl während langfristiger Verträge, als auch im Zuge von Leihgeschäften – im internationalen Fußballgeschäft mittlerweile wert sind, kann man am besten in Portugal beobachten. Nahezu jedem talentierten Nachwuchsteamspieler wird eine Marke jenseits der 50 Millionen Euro aufgeklebt. Bei Schalkes Donis Avdijaj, immerhin 1 ½ Jahre beim SK Sturm, war das nicht anders. Dennoch wird niemand die veranschlagten 49 Millionen Euro für Avdijaj bezahlen. Schalke hingegen wird bei einem vernünftigen Angebot für den Ersatzspieler ebenfalls vernünftig handeln. Nicht anders verhält es sich bei Joelinton.

Die Kaufoption ist also mit Sicherheit nicht das zentrale Kriterium, ob der Brasilianer Rapid über die kommende Saison hinaus erhalten bleibt, oder nicht. Vielmehr geht es darum, ob „Joe“ im Laufe des nächsten Jahres auch andere, finanzstärkere Klubs auf sich aufmerksam macht, die ihn Rapid frühzeitig wegschnappen könnten, bevor man über eine Ablöse abseits der Kaufoption verhandeln kann. Sehr wahrscheinlich ist ein Joelinton-Verbleib zwar nicht, aber von „unmöglich“ kann bei den vielen Tricks und Kniffen, die in einer solchen Situation anwendbar sind, auch nicht die Rede sein.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen