Die große Einkaufstour fällt beim SK Rapid in diesem Sommer definitiv aus. Fredy Bickel ist sogar eher damit beschäftigt, den unausgewogenen Kader abzuspecken. Eher... Rapid und die verzwickte Lage mit den Innenverteidigern

_Christoph Schösswendter - SK Rapid Wien

Die große Einkaufstour fällt beim SK Rapid in diesem Sommer definitiv aus. Fredy Bickel ist sogar eher damit beschäftigt, den unausgewogenen Kader abzuspecken. Eher Rapid-untypisch wird die fehlende Balance im Kader diesmal am stärksten in der Innenverteidigung widergespiegelt.

Rapid geht praktisch mit 5 ½ Innenverteidigern in die Vorbereitung auf die neue Saison – natürlich viel zu viel für eine Saison ohne Europacupteilnahme. Der eine oder andere könnte die Hütteldorfer noch verlassen. Wir sehen uns die Personaldecke genauer an.

Maximilian Wöber

Für die Kampfmannschaft des SK Rapid bestritt Maximilian Wöber gerademal 18 Partien – und dennoch ist er einer der großen Hoffnungsträger für die neue Saison. Zwar wird der 19-Jährige, der gerade erst seine Matura hinter sich brachte, bereits mit Ajax Amsterdam in Verbindung gebracht, ein Wechsel in der Sommertransferzeit ist aber unwahrscheinlich. Wöber ist als zweikampf- und aufbaustarker Linksfuß eines der wertvollsten Assets Rapids. Sein Vertrag läuft bis 2019 und vor allem, weil kommende Saison der Europacup wegfällt, wird man dem Youngster kaum Pausen, sondern eher noch mehr Verantwortung geben.

Christopher Dibon

Der 26-Jährige entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem hart arbeitenden Leader, der sich auch von unangenehmen Verletzungen nicht zurückwerfen ließ. Zwar strahlt er offensiv nicht unbedingt mehr Gefahr aus, als seine Konkurrenten um einen Platz in der Innenverteidigung, allerdings ist der gebürtige Schwechater defensiv der Stabilste und – zumindest bis dato – kompletteste. Wenn alles nach Plan läuft und die beiden fit sind, sollten Linksfuß Wöber und Rechtsfuß Dibon das etatmäßige Innenverteidigerduo Rapids in der neuen Saison sein.

Maximilian Hofmann

Der dritte Innenverteidiger ist auch schon der erste Wackelkandidat – auch wenn das bei Rapid scheinbar nicht viele Verantwortungsträger so sehen. Eigenbauspieler Maximilian Hofmann, mittlerweile seit 14 Jahren beim Klub, würde niemand gerne fallen lassen. Allerdings war der 23-Jährige in der vergangenen Saison im Gesamtpaket der schwächste Innenverteidiger im Team. Im Saisonfinish fehlte Hofmann wegen einer Sprunggelenksverletzung. Vor einem Jahr wurde sein Vertrag bis 2019 verlängert, einen Sprung nach vorne machte er seitdem aber nicht. Die größten Vorteile des Wieners sind sein Alter und seine Vereinsverbundenheit, die bei Rapid traditionell hoch bewertet wird.

Mario Sonnleitner

Ebenfalls bis 2019 gebunden ist Mario Sonnleitner, doch die vergangene Saison könnte ein Knackpunkt für seine weitere Karriere sein. Zuerst wurde der einstige Zweitkapitän von Mike Büskens abmontiert (was zuvor auch schon Barisic vorhatte), dann von Canadi reaktiviert und im Saisonfinish von Djuricin ins zweite Glied weitergereicht. Die Rolle vom Saisonschluss ist auch die, die „Sonni“ derzeit am besten stehen würde – für die Startelf ist er in Bestbesetzung seit gut zwei Jahren nicht mehr schnell genug und auch sein Aufbauspiel lässt zu wünschen übrig. Als Ergänzung für den Kader ist der 30-jährige Routinier, der nun schon in seine achte Saison als Rapid-Spieler geht, aber allemal gut genug, speziell weil man ihm kämpferisch keine Vorwürfe machen kann. Dennoch ist auch der Steirer ein Wackelkandidat – wenn es in der Kaderverkleinerung hart auf hart kommt, könnte er ein potentieller Streichposten sein.

Christoph Schösswendter

Als solcher Streichposten gilt gemeinhin auch Christoph Schösswendter – aber viele Leute fragen sich, wieso dem im Vergleich zu anderen Spieler auf dieser Position so ist. Schösswendter ist bei weitem der offensivstärkste Innenverteidiger und kann im Zweifelsfall sogar als Angreifer eingesetzt werden, wenn es einen Lucky Punch braucht. Mit Schnelligkeit bestach er auch schon zu Saisonbeginn 2016/17 nicht, was also keine plötzliche Ausrede sein kann. Dennoch hört man immer wieder vom Interesse anderer Klubs an Schösswendter und es ist anzunehmen, dass er der Erste wäre, der Rapid verlassen würde. Am schlechteren Gesamtpaket im Vergleich zu Hofmann oder Sonnleitner kann dies allerdings nicht liegen.

Attila Szalai

Auch den 19-jährigen Ungarn Attila Szalai, Abwehrchef der zweiten Mannschaft, darf man in dieser Liste nicht vergessen. Der kantige Abwehrspieler durchlief sämtliche Nachwuchsnationalteams Ungarns, debütierte im Frühling in der U21. Für die Kampfmannschaft debütierte Szalai 18-jährig beim 1:1 gegen Altach in der vorletzten Saison und für den SK Rapid kickt er seit nunmehr 5 ½ Jahren. Nach zwei Saisonen als Leistungsträger der Amateurmannschaft ist es nur logisch, dass auch er oben anklopfen will. In der kommenden Saison kann man dies vielleicht noch mit der „Bitte“ herauszögern, dass Szalai ein zentraler Bestandteil der zweiten Elf sein sollte, die rechtzeitig zur Ligareform in die zweite Leistungsklasse aufsteigen kann.

Langfristiger Ausblick

Es ist eine verzwickte Situation: Nicht nur, dass außer Wöber und Dibon alle Innenverteidiger „wackeln“, laufen auch sämtliche Verträge fast gleichzeitig aus. Dibon ist bis 2020 gebunden, die anderen vier Profi-Innenverteidiger haben Verträge bis 2019. Dazu könnte es immer passieren, dass Wöber von einem größeren Klub schöne Augen gemacht werden. Da man davon ausgehen kann, dass weder Schösswendter, noch Sonnleitner und womöglich auch nicht Hofmann neue Verträge bekommen werden, würde es spätestens in zwei Jahren zu einem großen Innenverteidigerumbruch kommen. Einkaufstechnisch wäre ein solcher Komplettschnitt auf einer einzelnen Position aber äußerst schwierig. Es ist anzunehmen, dass die zu breite und zu wenig ausgewogene Innenverteidiger-Besetzung Stück für Stück lichten wird. Einer wird noch heuer gehen, zumindest ein weiterer spätestens im nächsten Sommer. Und auch wenn der Kader eigentlich jetzt verkleinert werden soll: Gerade diesen Sommer kann ein großer „Hauruck“-Schnitt auch nach hinten losgehen.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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