Rapid konnte in der 35.Runde gegen den SV Mattersburg den ersten Auswärtssieg seit 29.Oktober 2016 einfahren. Damit sicherten die Grün-Weißen Platz 6 und haben... Rapids Schongang vor dem Saisonfinale und ein Plädoyer für Djuricin

_SK Rapid Wien - Block West

Rapid konnte in der 35.Runde gegen den SV Mattersburg den ersten Auswärtssieg seit 29.Oktober 2016 einfahren. Damit sicherten die Grün-Weißen Platz 6 und haben in der letzten Runde die Chance auf den fünften Rang vorzustoßen. Auch fixierte man, dass die Saison immerhin um ein „Eutzerl“ besser beendet wird, als die Spielzeit 2001/02 unter Lothar Matthäus. Im Vordergrund stand aber etwas anderes: „Nur nicht verletzen“.

Rapid versuchte in Mattersburg auf Anhieb den Ball laufen zu lassen und knackigen Zweikämpfen zu entgehen. Am Ende gewannen die Hütteldorfer nur etwa 40% ihrer Zweikämpfe und waren darauf bedacht, sich für das Cupfinale in knapp einer Woche zu schonen. Die Gegenpressingintensität nahm im Vergleich zum Sturm-Spiel ab und auch die Zahl der Einzelaktionen wurde niedriger.

Ein bisschen Leichtigkeit

Dennoch war Rapid anzusehen, dass der fixierte Klassenerhalt ein bisschen Leichtigkeit und Selbstvertrauen zurückbrachte. Etwa bei Schwabs idealem Assist zum 1:0, sowie den trockenen Abschlüssen von Joelinton und Traustason, die vor einigen Monaten nahezu undenkbar gewesen wären. Zudem wurde das Passspiel einfach gehalten, wodurch gegen unterdurchschnittliche Mattersburger eine durchschnittliche Leistung zum Sieg reichte. Rapid hielt den Ball zumeist gut in den eigenen Reihen, verspürte aber auch nur selten Druck. Das Tempo der Partie war überschaubar.

Schrecksekunden

Die eine oder andere Schrecksekunde für Grün-Weiß gab es trotzdem. Sofort nach Traustasons Führungstor hätte Röcher ausgleichen können, traf aber nur die Stange. Schwerwiegender traf den geneigten Zuschauer aber der Ausfall von Maximilian Wöber, der nach einer halben Stunde mit Rückenproblemen runter musste. Als Joelinton in der Rapid-Viertelstunde ohne Fremdeinwirkung in die Knie ging, rutschte so manchem Rapid-Fan wohl auch das Herz in die Hose. Der Brasilianer lief aber gleich wieder rund und spielte weiter.

Zahlreiche Ausfälle gegen St.Pölten

Konkrete Entwarnungen gab es vorerst keine, die Spieler müssen aber ohnehin „erst“ am 1.Juni in Klagenfurt fit sein. Das Heimspiel gegen die weiterhin nicht geretteten St.Pöltener wird voraussichtlich zur totalen Schonung genützt. Die sicheren Ausfälle für den Rest der Saison sind Kvilitaia, Schobesberger, Mocinic, Maximilian Hofmann und Okungbowa. In den letzten Runden erlitten auch noch Schaub, Szántó und Wöber – derzeit drei äußerst wichtige Spieler für Rapid – leichte Blessuren. Auch praktisch alle Außenverteidiger brauchen eine schöpferische Pause. Schwab ist zudem aufgrund seiner fünften gelben Karte gesperrt.

Mit einigen Amateuren in die letzte Runde?

In der letzten Runde der Saison ist demnach eine mit Amateurspielern gespickte Mannschaft zu erwarten. Das letzte Saisonspiel der zweiten Mannschaft heute Abend gegen Traiskirchen hat ebenfalls keine Bedeutung mehr und könnte Rückschlüsse bieten, welche Akteure am Sonntag gegen St.Pölten im Profikader sein werden. Über diese Entwicklung spärlich begeistert, ist wohl die SV Ried. Der Tabellenletzte ist darauf angewiesen, dass Rapid den SKN St.Pölten besiegt, um noch eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben.

Punkteschnitt spricht schon jetzt für Djuricin

Sollte Rapid auch das letzte Ligaspiel gewinnen, hätte Goran Djuricin nach seinen ersten neun Pflichtspielen einen Punkteschnitt von 2,00 auf der Habenseite. Ein einzelnes Meisterschaftsviertel, inklusive der Cup-Partie gegen den LASK, ist zwar kein klares Spiegelbild für eine gesamte Saison, allerdings darf nicht vergessen werden, dass Djuricin die Mannschaft in einer äußerst schwierigen Situation übernahm. Auch wenn sich viele Fans einen „Wunderwuzzi“ als neuen Rapid-Trainer wünschten, ist die Verlängerung mit dem bisherigen Interimstrainer absolut legitim. Könnte Djuricin einen solchen Schnitt über eine komplette Saison beibehalten, wäre Rapid definitiv in den höchsten Tabellenregionen zu finden.

Trainerwechsel als Verletzungsursache

Ein weiteres Argument für die Sinnhaftigkeit der Trainerentscheidung lieferte eine neue Verletzungsstudie, die erst diese Woche bei der UEFA präsentiert wurde. Diese besagt, dass die häufigste Ursache für Verletzungen Trainerwechsel sind. Die unterschiedlichen Trainingsintensitäten können Spieler körperlich überfordern. Der eine lässt länger regenerieren, der andere gibt den vermeintlich unfitten Spielern unmittelbar danach ordentlich Stoff – und unterm Strich fehlt die Balance. Da Rapid 2016/17 gleich mehrfach den Coach wechselte, war man dieser Studie zufolge prädestiniert für Verletzungen. Eine neuerliche Veränderung in den Trainingsmustern könnte 2017/18 eine Fortsetzung der Verletzungsmisere zur Folge haben. Die Mannschaft muss sich also auch dahingehend wieder stabilisieren bzw. stabilisiert werden.

Körperliche Komponente wurde lange runtergespielt

Der nicht ideal zusammengestellte, aber mit guten Einzelspielern gespickte Kader ist nicht das Hauptproblem Rapids und kann – punktuell verändert – leicht zu einem Trumpf werden. Wie mehrmals auf abseits.at erklärt, liegen einige Ursachen der Krise im physischen Bereich – auch wenn in letzter Zeit öffentlich lieber das Mentale vorgeschoben wurde. Auch weil dies als bessere Erklärung gilt, die gerade in der heutigen Zeit weniger Angriffsfläche bietet.

„Bitte nicht DU!“

Umso interessanter ist die Aufstockung des Betreuerstabs: Ein neuer Physio, ein neuer Rehabilitationstrainer frisch von der Fachhochschule – und vor allem Athletikcoach Toni Beretzki. Der renommierte Trainer betreute verschiedene Einzelsportler, sowie das ÖSV-Team und das US-amerikanische Ski-Team. Bei einem Wiedersehen nach längerer Zeit begrüßte Bode Miller, nicht gerade ein Leichtgewicht seines Fachs und einer der härtesten Hunde in seinem Biotop, den jetzigen Rapid-Kondi-Coach mit „Oh God! Not you!“.

Von den Besten lernen

Den Spielern stehen also harte Einheiten ins Haus, allerdings auch auf höchstprofessioneller Basis. Bereits seit langer Zeit war vielen Beobachtern nicht klar, wieso kaum ein Verein auf die Ressourcen des Skiverbands zurückgreift. Sei es in der Trainingsgestaltung oder in der Leistungsdiagnostik. In keinem anderen Sport ist Österreich so stark in der Weltspitze vertreten, wie im alpinen Skisport. Die trainingsspezifischen Überschneidungen und Synergien dieser Disziplinen zu nützen war demnach überfällig.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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