Rapid dürfte den Ligafluch überwunden haben und findet nach und nach auch auf nationaler Ebene wieder in die Spur. Beim 3:1-Sieg über den SC... Ideale Dosierung: Rapid besiegt Altach nach guter halber Stunde im Schongang

Srdjan Grahovac - SK Rapid Wien_abseits.atRapid dürfte den Ligafluch überwunden haben und findet nach und nach auch auf nationaler Ebene wieder in die Spur. Beim 3:1-Sieg über den SC Rheindorf Altach zeigte die Barisic-Elf eine geradlinige und gut dosierte Leistung, wie sie sich der geneigte Fan der Grün-Weißen schon früher im Anschluss an Europacupspiele gewünscht hätte.

Trotz der eisigen Temperaturen lockte Rapid 16.400 Zuschauer ins Wiener Ernst-Happel-Stadion. Zoran Barisic rotierte nur wenig, baute lediglich sein zentrales Mittelfeld um. Petsos, Grahovac und Nutz, der erst zu seinem dritten Pflichtspieleinsatz für Rapid kam, sorgten für eine Staffelung in Rapids Mittelfeld, die das Offensivspiel recht variabel machte. Petsos nahm die defensivste Rolle ein, Nutz die eines Achter-Zehner-Hybrids und Grahovac bewegte sich zwischen der Sechser- und der Achterposition. Strebinger und Maximilian Hofmann ersetzten erwartungsgemäß die verletzten Novota und Dibon.

Einrückender Stangl

Die interessanteste taktische Facette stellte jedoch die Positionierung von Rapids Außenverteidiger Stefan Stangl dar. Der formstarke Defensivspieler rückte immer wieder zur Mitte ein und zerriss Altachs Ordnung. Sein kongenialer Partner Florian Kainz wurde immer wieder alleine am Flügel gelassen, während Stangl half, die Mitte zu überladen. Tatsächlich kam Rapid dank dieses Stilmittels direkter vors Tor als sonst.

Souveräner Grahovac

Die stets in der Nähe befindlichen und häufig anspielbaren Grahovac und Nutz taten ihr Übriges. Vor allem der Bosnier präsentierte sich stark und überraschte mit zahlreichen vertikalen Zuspielen in der gegnerischen Hälfte. Während er in der ersten halben Stunde noch häufig den sicheren Weg wählte, tankte Grahovac mit der Zeit Selbstvertrauen und verlagerte sich nur in der eigenen Hälfte auf Pässe in die Breite. In der gegnerischen Hälfte orientierte er sich fortan nach vorne und brachte auch dort 83,9% seiner Pässe an. Nur fünf von 71 Grahovac-Pässen fanden keinen Abnehmer und per Freistoß belohnte sich der 23-Jährige mit seinem ersten Bundesligator für eine gute Leistung.

Verschiedene Arten gefährlich zu werden

Rapid wurde auf unterschiedliche Art und Weise gefährlich, profitierte auch vom offenen Visier der Altacher, die sich nicht dauerhaft hinten reinstellten, sondern auch mal mitspielen wollten. Das erste Tor fiel aus einem eher zufällig eingeleiteten Konter, die beiden weiteren Tore aus Freistößen und in weiterer Folge wurde Rapid auch aus Einzelaktionen, weiteren Kontern und Eckbällen gefährlich. Diese Variabilität im Offensivspiel fehlte etwa in Grödig (1:2) oder Wolfsberg (1:2) – gegen Altach knüpfte Rapid eher an die Leistung vom Mattersburg-Auswärtsspiel an und hätte auch gut und gerne höher gewinnen können.

Rapid gibt Spiel bei 3:0 phasenweise bewusst aus der Hand

Die Art wie Rapid den Sieg verwaltete, war jedoch ebenso reif wie die Leistung in den Minuten 20 bis 55. Die Hütteldorfer dosierten ihre Kräfte gut, gingen nicht ans Limit, ließen Altach kommen und warteten geduldig auf ihre Konterchancen. In der bisherigen Saison war es nur selten zu sehen, dass Rapid das Spiel bewusst aus der Hand gab. Gegen Altach wurde nach dem 3:0 bewusst Passivität als Mittel gewählt. So gelang Louis Ngwat-Mahop zwar durch einen perfekten Kopfball noch das 3:1, andererseits blieb Rapid bei niedrigem Aufwand gefährlich und scheiterte am Ende nur an sich selbst.

Ideale Dosierung nach schwerem Spiel in Villarreal

Dass der Tabellendritte diesen Gang zurückschaltete und die Vorarlberger kommen ließ, passierte auch zum perfekten Zeitpunkt – nicht zu früh und nicht zu spät. Es konnte praktisch nichts mehr anbrennen, aber es war noch genug Zeit, um noch im Spiel zu „regenerieren“. Der 3:1-Sieg über Altach war eine ideale Vorstellung drei Tage nach einer Europa-League-Partie. In seiner Gesamtheit – vor allem aufgrund der starken Dosierung – kann der gestrige Erfolg Rapids über die anderen Siege unmittelbar nach Europacupauftritten gestellt werden (2:1 gegen den WAC, 3:0 gegen Grödig, 2:0 gegen die Admira). Und plötzlich liegt Rapid in der knappen und überraschend ausgeglichenen Bundesliga nur noch einen Punkt hinter dem Spitzenduo, könnte bei gutem Rundenverlauf sogar am Mittwoch in der Südstadt Herbstmeister werden.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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