Der Spielverlauf und das Spieltempo zwischen Wacker Innsbruck und dem SK Rapid Wien gestalteten sich eigentlich genau so, wie man das im Vorfeld der... Schleppende Entscheidungsfindungen: Wieso Wacker doch noch gegen Rapid verlor

Der Spielverlauf und das Spieltempo zwischen Wacker Innsbruck und dem SK Rapid Wien gestalteten sich eigentlich genau so, wie man das im Vorfeld der Partie erwarten konnte.

Die Mannschaft von Karl Daxbacher fokussierte sich wie schon in den letzten Runden gegen individuell überlegene Gegner auf eine kompakte und abwartende Defensive in einer engmaschigen 5-4-1 Grundordnung, während Rapid das Spiel aufbauen und gestalten musste und neben den in dieser Saison bereits bekannten Kreativitäts- und Durchschlagsproblemen auch Schwierigkeiten hatte, die Balance zwischen Offensive und defensiver Absicherung zu finden, wodurch der FC Wacker vor allem über die beiden schnellen Flügelspieler Dieng und Durmus in einige interessante Umschaltaktionen kam.

Technische Mängel (Dieng zum Beispiel spielte nach Durchbrüchen über den Flügel oft zu scharfe flache Pässe in den Sechzehner, weshalb die Spieler in der Box trotz aussichtsreicher Schussposition nicht direkt abschließen konnten), falsche gruppentaktische Entscheidungen und Bewegungen oder schlichtweg der erneut überragende Strebinger verhinderten aber den Führungstreffer der Tiroler.

Didi Kühbauer schickte sein Team wieder in der gewohnten 4-2-3-1 Ordnung auf den Tivoli-Rasen. Schwab und Martic bildeten dabei die Doppelsechs, etwas überraschend bot Kühbauer Bolingoli auf der linken Flügelposition im Mittelfeld auf. Knasmüllner gab den variablen Zehner hinter Speerspitze Andrei Ivan, während Thomas Murg gewohnt die rechte Seite bearbeitete und sich dabei im Spielaufbau einige Male sehr tief fallen ließ, um so das Spiel- und Balltempo etwas zu erhöhen. Wirklich effektiv aufgenommen wurde dies von seinen Mitspielern nicht.

Wie so oft war das Tempo in all seinen Facetten zu Spielbeginn ein wesentlicher Faktor, warum das Spiel doch recht schwer in die Gänge kam. Die Rapidler mussten den Spielaufbau sozusagen annehmen und konnten aufgrund der tiefen Pressingzone der Innsbrucker den Ball auch problemlos über die beiden Innenverteidiger Sonnleitner und Barac nach vorne bringen. Meist war es dann so, dass sich einer der beiden Sechser fallen ließ und den Ball von den Innenverteidigern abholte, während der zweite Sechser nach vorne schob und zusammen mit Knasmüllner eine Art Doppelacht bildete.

Unterstützt wurde das Zentrum von Rapid durch das Einrücken der beiden Flügelspieler in die jeweiligen Halbräume. Sowohl Bolingoli als auch Murg rückten in der ersten Aufbauphase (bei Ballbesitz der Innenverteidiger) ein und waren entweder die ersten vertikalen Anspieloptionen für die Innenverteidiger oder sie schufen durch dieses Einrücken lediglich etwas Raum hinter den Flügelverteidigern von Wacker bzw. in den Flügelzonen für die eigenen Außenverteidiger. Die Struktur von Rapid auf dem Platz war durch diese Bewegungen für ein 4-2-3-1 recht klassisch und sauber, die Schwierigkeiten lagen woanders.

Ein Punkt war der, dass über sehr weite Strecken dynamische, gruppentaktische Angriffsauslösungen gefehlt haben, welche die Fünferkette des FC Wacker vor Entscheidungskonflikte oder Zuordnungsprobleme gestellt hätten. Klar, sich gegen einen tief stehenden und kompakten Gegner klare Torchancen herauszuarbeiten ist mitunter eine der Königsdisziplinen im modernen Fußball, aber dennoch können viele Entscheidungen der Spieler nicht im Sinne von Didi Kühbauer gewesen sein.

Vor allem in der ersten Halbzeit wurden aus dem Zentrum ohne Druck viele lange Bälle auf die Fünferkette der Innsbrucker zugespielt, ohne sich vorher wirklich nennenswerte Gedanken um die Positionierung für den zweiten Ball zu machen. Diese Bälle waren für Maak und Co. auch deshalb ziemlich simpel zu verteidigen, weil die Absicht für einen solchen Ball schon sehr früh zu erkennen war und die Innenverteidiger sich deshalb bereits rechtzeitig nach hinten absetzen konnten. An solchen Situationen merkte man, dass die Spielprinzipien in der Offensive noch nicht wirklich ausgereift sind. Dabei geht es gar nicht mal um die häufig beschriebenen Automatismen, sondern einfach um grundlegende Fragen und Prozesse im Spiel mit dem Ball: Wann spielen wir tief? Welche Spieler gehen tief? Wer startet den gegengesetzten Laufweg? Wann ziehen wir das Tempo an und wann beruhigen wir das Spiel? Diese Elemente in den Bereichen Tempo und Rhythmus kommen eben dann ganz besonders zur Geltung, wenn der Gegner tief steht und mehr auf das Reagieren aus ist. Fehlen dann der agierenden Mannschaft Tempo und Ideen, muss auch die reagierende Mannschaft nicht wirklich in Aktion treten. So könnte man die erste Halbzeit recht gut auf den Punkt bringen.

Ein zweiter prägender Aspekt dieser Begegnung waren die Kontersituationen des FC Wacker. Weiter oben haben wir beschrieben, dass die finalen Aktionen im dritten Drittel (Passschärfe, Timing, Abschluss) häufig nicht sauber genug waren. Wie es aber zu diesen Aktionen kam, war aus Sicht der Innsbrucker durchaus gelungen. Die Tiroler in ihrer 5-4-1 Ordnung positionierten sich meist in der eigenen Hälfte und ließen die Ballzirkulation in derer von Rapid zu. Vertikale Pässe in das Zentrum in den eigenen Block hinein verteidigten die Innsbrucker aber äußerst aufmerksam und aggressiv, meist wurde der passempfangende Spieler mit dem Rücken zum Tor gestellt und von vorne gedoppelt. Aufgrund der fehlenden Bewegungen abseits des Balles von Rapid konnte Wacker problemlos aggressiv auf den ballführenden Spieler gehen, ohne wirklich Gefahr im Rückraum befürchten zu müssen.

Nach derartigen Balleroberungen im Zentrum suchten Harrer und Henning sofort den Weg in die Tiefe und bedienten mit gut gechipten Pässen die beiden Flügelspieler Dieng und Durmus im Rücken von Rapids Außenverteidigern, die im weiteren Verlauf häufig recht unvorteilhafte 1 gegen 1 Situationen zu lösen hatten. Diese Ballverluste im Zentrum schmerzten Rapid wie jeder anderen Mannschaft extrem, auch weil die Außenverteidiger Geschwindigkeitsnachteile gegenüber ihren direkten Gegenspielern ausgleichen mussten.

Als sich bereits alle mit einem torlosen Unentschieden abgefunden hatten, setzte Rapid noch einmal einen Nadelstich (nachdem der Raum vor der Abwehr von Wacker völlig offen war) und konnte doch noch den so wichtigen Sieg einfahren. Sicher etwas glücklich, aber das wird allen Beteiligten herzlich egal sein.  Unabhängig von dieser Partie hat man wieder gesehen, dass konterfokussierte Teams in der heimischen Bundesliga in jedem Spiel zu ihren Chancen kommen. Verbindet man das mit einer derartigen Effizienz wie sie zum Beispiel Hartberg gegen den LASK zeigte, trägt dies ganz wesentlich zur Ausgeglichenheit (hinter Salzburg wohlgemerkt) innerhalb der Liga bei.

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Sebastian Ungerank