Rapid bestellt Didi Kühbauer als neuen Trainer und stattet ihn mit einem langfristigen Vertrag bis 2021 aus. Es ist eine „logische“ Lösung, die kurz-... Analyse: Die Pros und Contras des Rapid-Trainers Kühbauer

Rapid bestellt Didi Kühbauer als neuen Trainer und stattet ihn mit einem langfristigen Vertrag bis 2021 aus. Es ist eine „logische“ Lösung, die kurz- und mittelfristig durchaus Erfolg verspricht. Ob es auch eine nachhaltige Lösung ist, werden Zeit und Entwicklung weisen. Ein Upgrade gelang Rapid mit der Kühbauer-Verpflichtung aber auf jeden Fall.

Er ist ruhiger geworden. Emotionale Ausbrüche wie einst bei der Admira sieht man heutzutage von Didi Kühbauer nicht mehr. Von seinem Energielevel als Spieler mal völlig abgesehen. In Wien-Hütteldorf hat man den extrovertierten Burgenländer immer geliebt. 176 Spiele bestritt Kühbauer für Rapid und schon in jungen Jahren wurde er zur Identifikationsfigur einer Generation. Als Spieler war er stets einer der „Typen“, die man heute oft vergeblich sucht. Der ideale Führungsspieler für einen Arbeiterverein.

Über acht Jahre nach oben gearbeitet

Auch Kühbauers Trainerkarriere war von harter Arbeit geprägt. Über acht Jahre ist es nun her, dass er die Kampfmannschaft der Admira, damals noch in der zweiten Liga übernahm. Es folgten Engagements beim WAC und in St.Pölten. Nicht ganz drei Jahre lang hatte der 47-Jährige keinen Trainerposten, verdingte sich zwischendurch als TV-Experte.

Mit Underdogs stets auf Europacup-Kurs

Die Karriere verlief nicht immer geradlinig nach oben. Kühbauer startete 37-jährig bei den Amateuren der Admira, wurde dann in die „Erste“ befördert, schaffte mit einer jungen Mannschaft den Bundesligaaufstieg. Sowohl die Admira, als auch später den WAC führte er in den Europacup. Mit dem SKN St.Pölten war er zuletzt auf einem ähnlichen Weg. Kühbauers Reifeprozess ist am Beispiel St.Pölten besonders gut zu beobachten, denn eigentlich kam er im April als Feuerwehrmann nach Niederösterreich. Nur aufgrund der vorangegangenen 2 ½ postenlosen Jahre war dies in seiner Kragenweite, nachdem er immerhin zwei Underdogs nach Europa führte. Kühbauer schaffte den Klassenerhalt, stabilisierte das Team und führte es nach neun Runden auf Rang zwei hinter Salzburg – punktegleich, aber vor dem bärenstarken LASK.

Pragmatisch, still und heimlich

Auf heimischer Top-Ebene waren Kühbauers Vorgaben stets recht ähnlich: Nichts mit dem Abstieg zu tun haben, vielleicht mal überraschen. Und überraschen konnte er schlussendlich mit jedem Verein. Ohne Pauken und Trompeten, sondern mit Pragmatismus, still und heimlich. In Wolfsberg blieb er zum Amtsantritt neun Spiele lang unbesiegt, legte im Sommer 2014 noch einmal acht Siege in Serie hin und lachte von der Tabellenspitze. Ähnliches gelang ihm zuletzt in St.Pölten, wo dies aufgrund der letztjährigen Verfassung des Teams aber mehr Aufmerksamkeit auf sich zog.

Völlig andere Vorzeichen in Wien

Eines hatten Kühbauers bisherige Mannschaften aber allesamt gemeinsam: Es waren ausschließlich Umschaltteams. Formativ flexibel, mal etwas offensiver, dann wieder eisern defensiv, aber nie auf dominanten Fußball oder viel Ballbesitz ausgerichtet. Da Kühbauer diese Teams bereits als Underdogs übernahm, war auch das Spielermaterial zumeist auf den eher destruktiven Fußball ausgerichtet. Viele Hackler, viele Läufer, wenige Kicker. Und das ist der große Unterschied zu seinem neuen Engagement in Wien.

Die Lösung für das lang anhaltende Mentalitätsproblem?

Kurz- und mittelfristig wird Rapid von der Persönlichkeit Kühbauers profitieren. Das häufig zitierte Mentalitätsproblem könnte der beinharte Kühbauer, dessen Ruf schon als Spieler einzigartig war, wohl sogar in absehbarer Zeit lösen. Es ist schwer vorstellbar, dass der einstige Mittelfeld-Fighter weniger als 100% Einsatz von seinen Spielern zulassen wird. Und da er die aktuelle Rapid-Mannschaft bereits als Gegner erlebte, könnte auch die Verblendung ausbleiben, die Goran Djuricin – zumindest nach außen hin – am Ende den Job kostete. Sofern Kühbauer erkennt, dass Rapid in den letzten Monaten stets auf 70 – 80% des kämpferischen Potentials und spielerisch sogar noch darunter auftrat, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung getan. Aber klar – wenn dem nicht so wäre, hätte man in Hütteldorf ohnehin keinen Trainerwechsel benötigt.

Keiner, der an einem System festhält

Kühbauer trainierte bereits viele verschiedene Truppen, die zum Teil nicht seinen eigenen Vorstellungen entsprachen, als er sie übernahm. Deshalb war er häufig zum Improvisieren gezwungen und die Vergangenheit zeigt, dass der Burgenländer ein Trainer ist, der nicht stur an einem System festhält. Gegen stärkere Gegner etablierte er in St.Pölten in recht hoher Geschwindigkeit ein solides 5-3-2-System. Bei anderen Klubs praktizierte er diverse 4-3-3-Abwandlungen, wie auch das klassische 4-2-3-1, das zeitweise in Wolfsberg gut funktionierte, aber auch sehr häufig ein 4-4-2-System mit Doppelsechs und zwei klassischen Stürmern. Ein System, das Rapid in vielen Partien gut getan hätte, aber seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr praktiziert wurde.

Die nötige Flexibilität auf Schiene bringen

Diese formative Flexibilität macht Hoffnung, denn in den letzten Jahren war Rapid leicht berechenbar. Wenn man gute Phasen hatte, dann aufgrund individueller Vorteile und nur selten wegen taktischer Finessen. Das Spielermaterial Rapids lässt auch zahlreiche Rochaden zu, ohne die Spieler in ihren Stärken zu beschneiden. Welche Ideen Kühbauer formativ und systematisch hat, bleibt abzuwarten und wird Gegenstand der ersten Beobachtungsphase sein. Er muss die Mannschaft kennenlernen und sich ein Bild machen, weshalb Experimente beim Auswärtsspiel gegen die Glasgow Rangers am Donnerstag eher nicht zu erwarten sind.

In welche Richtung biegt Rapid unter „Don Didi“ ab?

Neben Formation, Aufstellung und der Tatsache, dass Rapid kämpferisch immer stärker sein müsste, stellt sich aber auch die größte und langfristigste Frage: Wie will Rapid auftreten? Biegt man unter Kühbauer in Richtung Pragmatismus ab, wird das Spiel humorlos und trocken oder sehen die Fans bald wieder „Hollywood“, wie man es in Wien-Hütteldorf eben am liebsten hat? Hier sind wir bei den Fragen angekommen, die über Kühbauers langfristigen Erfolg bei Rapid entscheiden. Ob er dazu in der Lage ist, eine umfassende Spielphilosophie aufzubauen, ist noch völlig unklar.

Der große Unterschied einer dominanten Mannschaft

Wie bereits erwähnt, standen Kühbauers bisherige Mannschaften für die höchstmögliche defensive Stabilität und gutes Umschaltspiel. Oft reichten die berühmten Nadelstiche, um eine Partie für sich zu entscheiden. Bei Rapid ist dies aber völlig anders. Von der Mannschaft wird Dominanz, ständige Dynamik, nie gestillter Hunger gefordert. Die Intensität, speziell bei Ballbesitz, ist also bei Rapid viel höher, als bei jeder anderer Mannschaft, die Kühbauer bisher trainierte. Und umso komplexer sind die nötigen Automatismen und gruppentaktischen Aspekte, wie wir schon gestern vor seiner Verpflichtung beschrieben haben.

Konzepte, an denen Kühbauer gemessen werden muss

Die Spieler mental aufzurichten und positionstechnisch flexibler zu machen ist eine Sache. Die andere, wesentlich schwierigere, ist das Erarbeiten und Umsetzen der dringend nötigen Konzepte. Auf lange Sicht muss Kühbauer demnach an seiner Vorstellung eines zu Rapid passenden Pressings, an der Optimierung der defensiven und offensiven Standardsituationen und am Überladungsspiel sowohl mit, als auch gegen den Ball gemessen werden.

Alleinstellungsmerkmale aufbauen, um Identifikation zu schaffen

Diese Aspekte auf eine Schiene zu bringen, die Jahre überdauern soll, ist bei kleineren Klubs aufgrund der sich ständig ändernden Rahmenbedingungen nur sehr schwer möglich. Die letzte „kleine“ Mannschaft, die dies ernsthaft versuchte, war wohl die SV Ried, aber irgendwann kamen Abstiegsängste und schließlich auch der Abstieg dazwischen und das klare Bild des Rieder Spiels verschwamm schnell. Bei einem großen Verein Rapid ist die Durchgängigkeit solcher Konzepte aber das Um und Auf und beispielsweise wesentlich wichtiger, als dass alle Nachwuchsteams im selben System auflaufen, wie die Kampfmannschaft. Es geht um Wiedererkennung und Identifikation – die zwei Aspekte, die Rapid wieder „leiwand“ machen können, so wie es die Fans fordern.

Die große Frage nach der Philosophieerrichtung

Das große Fragezeichen hinter Kühbauer steht eben nach dieser Frage. Sicher ist, dass Kühbauer den Verein gut kennt, die Ansprüche und die Erwartungen richtig einschätzen kann. Dass er aber derjenige sein kann, der Rapids Spiel und speziell den offensiven Automatismen ein lange anhaltendes Gesicht geben kann, muss er erst beweisen. Die verbleibende Herbstsaison wird sicher Antworten und eine Grundtendenz offenbaren. Während man emotional und kämpferisch mit und unter Kühbauer sicher einiges Positives erwarten darf, ist das Thema der nachhaltigen Philosophieentwicklung sicher eines, wo er noch keine Vorschusslorbeeren hält.

Kein hypermoderner „Laptop-Trainer“

Einige Fans wünschten sich nach Djuricin einen Konzepttrainer, wie sie weltweit immer mehr aufkommen. Einen Theoretiker, einen Wissenschaftler, einen, der jeden Aspekt des Spiels zerpflückt und analysiert. Einen solchen bekommen die Rapid-Fans mit Didi Kühbauer nicht und neben der emotionalen Vorfreude gibt es daher auch einige kritische Stimmen. Unter anderem auch wegen der relativ hohen Ablösesumme, die Rapid an den SKN St.Pölten überweisen musste.

Ablösesumme – na und?

Im Frühling wäre Kühbauer noch kostenlos zu haben gewesen. Jetzt sprechen Medienberichte von einer Ablöse zwischen 500.000 und 850.000 Euro. Dass Rapid diese bereitwillig bezahlte, ist gut und muss jedem Beobachter eigentlich egal sein. Das Einzige, worauf es ankommt ist, dass der Trainer zu Verein und Mannschaft passt. Wenn man bei Rapid davon überzeugt ist, dann darf man bei einer solchen Summe nicht mal mit der Wimper zucken. Überhaupt, wenn man sich einige Ablösesummen für durchschnittliche Spieler, hohe Einnahmen wie für Maximilian Wöber oder auch die Punktprämien in der Europa League ansieht. Wenn der Wunschtrainer wegen einer solchen Summe nicht verpflichtet worden wäre, hätte man die Röhre am Gerhard-Hanappi-Platz 1 ohnehin gleich zusperren können…

Viele alte Bekannte

Kühbauer wird bei Rapid auf viele alte Bekannte treffen. In der Geschäftsstelle sowieso, aber auch auf dem Fußballplatz. Schon in seiner Anfangszeit bei der Kampfmannschaft der Admira, also vor gut acht Jahren, bot er Christopher Dibon als Abwehrchef auf und baute auf unterschiedlichen Positionen auf den damals 20-jährigen Stefan Schwab. Knapp ein Jahr später ließ er auch Stephan Auer in die „Erste“ der Admira aufrücken. In St.Pölten trainierte er zuletzt die beiden zentralen Mittelfeldspieler Manuel Martic und Philipp Malicsek, wobei Letzterer unter Kühbauer nur auf drei Einsätze kam, während Martic im Saisonfinish eine zentrale Figur auf dem Weg zum Klassenerhalt war.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen