Der SK Rapid vergrößert seinen Kader für die neue Saison rasant. Diesmal präsentierten die Hütteldorfer den slowakischen Rechtsverteidiger Martin Koscelnik, der bereits 27 Jahre... Spieleranalyse: Das ist Rapid-Neuzugang Martin Koscelnik!

Der SK Rapid vergrößert seinen Kader für die neue Saison rasant. Diesmal präsentierten die Hütteldorfer den slowakischen Rechtsverteidiger Martin Koscelnik, der bereits 27 Jahre alt ist, aber erst in den letzten zwei Jahren einen großen Sprung nach vorne machte. Wir haben den neuen Rechtsverteidiger der Grün-Weißen mal wieder genau unter die Lupe genommen.

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Wer keine Lust oder Zeit hat die über 2.800 Wörter umfassende Koscelnik-Analyse zu lesen, der erhält gleich am Anfang des Artikels eine kurze Übersicht mit den Vor- und Nachteilen dieses Transfers. Die einzelnen Punkte werden weiter unten im Artikel genau analysiert. Wir würden uns natürlich dennoch sehr freuen, wenn möglichst viele Leser den Artikel bis zum Ende lesen (und in den sozialen Netzwerken teilen).

Gründe für und gegen die Verpflichtung von Martin Koscelnik

Das spricht für den Transfer:

+ Flexibel, vielseitig einsetzbar, auch in unterschiedlichen Systemen
+ Offensiver denkend als Stojkovic, kann Rapid als ganzes Team in höhere Zonen bringen
+ Durchaus routiniert, aktueller Nationalspieler, spielte auch schon eine gute Europacupsaison
+ Könnte „sofort funktionieren“
+ Extrem laufstark, kommt schnell hinter den Ball
+ Gute Technik, dribbelt gut, kann auch mal an einem Gegenspieler vorbeigehen
+ Keine Verletzungshistorie

Das spricht gegen den Transfer:

Keine klassische Außenverteidiger-Lösung, sondern eher ein „Hybrid“ (muss aber kein Nachteil sein)
– In der Offensive von starken Mitspielern/Abnehmern abhängig
– Etwas zu ineffizient in letzter Instanz, manchmal keine idealen Entscheidungsfindungen
– In defensiven 1-vs-1-Zweikämpfen schwächer als Stojkovic
– Mögliche anfängliche Sprachbarriere

Mit dem Slowaken Martin Koscelnik verpflichtet Rapid einen abgebrühten und mit knapp 250 Profispielen in den Beinen auch erfahrenen Abwehrspieler, der aber nicht nur der Defensive Stabilität geben sollte, sondern auch offensiv für Akzente setzen kann.

Die Anfänge in der Slowakei

Koscelnik stammt aus der Kleinstadt Vranov nad Topľou nahe Košice. Die Heimat des neuen Rapid-Spielers liegt an der slowakisch-ukrainischen Grenze, etwa 500 Kilometer von Wien entfernt. Er durchlief den Nachwuchs des slowakischen Erstligisten Zemplin Michalovce und rutschte dort im Alter von 19 Jahren in die Kampfmannschaft.

Bereits in seiner ersten Saison wurde Koscelnik zum Stammspieler, damals noch in der zweiten Liga bzw. der Aufstiegssaison von Zemplin. Als junger Spieler startete Koscelnik praktisch immer als Rechtsaußen in einem 4-2-3-1-System, wodurch er in seiner Premierensaison auch prompt auf fünf Saisontreffer in 27 Spielen (ca. 1.500 Minuten) kam.

Während er in seiner ersten Saison noch in etwa der Hälfte der Spiele eingewechselt wurde, war er in der ersten Spielzeit in der höchsten slowakischen Spielklasse unumstrittener Stammspieler, kam in 33 Partien auf drei Tore und zwei Assists. Hier kristallisierte sich nun auch die Flexibilität des jungen Spielers heraus, denn Koscelnik spielte nicht mehr nur als Rechtsaußen, sondern auch tiefer, als rechter Part einer Mittelfeldraute und als Außenverteidiger. Zudem half er auch immer wieder auf der linken Seite aus.

Halbfeld- und Steilflanken machen ihn auch auf links stark

Obwohl Koscelnik nicht primär für ausgeprägte Beidbeinigkeit bekannt war, ließ es sein Spielstil schon damals zu, dass er auf beiden Seiten zum Einsatz kommen kann. Gerade für Flanken verwendete er auf links nicht seinen schwächeren Fuß, sondern suchte Optionen, um zu Halbfeldflanken zum Tor hin zu kommen. Dem gegenüber suchte er auf rechts häufiger die Grundlinie, zog zur Mitte, suchte schnell den Abschluss. In Spielen, in denen er offensiv aufgeboten wurde, zog es ihn auch immer wieder punktuell zur Mitte, womit er versuchte Unordnung in der gegnerischen Mannschaft zu forcieren.

In der Kampfmannschaft von Zemplin spielte Koscelnik vier Saisonen lang. In seiner letzten Saison, der Spielzeit 2017/18, kam er auf acht Saisontore und vier Assists, wobei er zumeist als Rechtsaußen in einem 4-2-3-1, aber auch als rechter Flügelverteidiger in einem 3-5-2-System zum Einsatz kam. Die Saison ist definitiv als erster Durchbruch zu werten, weil diese Polyvalenz den tschechischen Klub Slovan Liberec auf den Plan rief, wo er im Sommer 2018 einen Fünfjahresvertrag unterschrieb. Für Zemplin bestritt Koscelnik 118 Spiele, erzielte 20 Tore und sieben Assists.

Schwierige Anfangsphase in Liberec

Im Alter von 23 Jahren ging es für den 180cm großen Slowaken also weiter nach Tschechien. Dass die zahlreichen Spieloptionen, die er mitbrachte, einer der Gründe für die Verpflichtung waren, sah man wohl schon im ersten Spiel für Liberec, in dem Koscelnik als Linksaußen aufgeboten wurde. In weiterer Folge spielte er aber zumeist als Rechtsverteidiger in einer Viererkette, wobei er anfänglich noch teilweise zweite Wahl war. Allgemein gestalteten sich die ersten zwei Jahre in Liberec schwierig und Koscelnik saß häufig auf der Bank. In den Saisonen 2018/19 und 2019/20 kam er insgesamt auf 49 Spiele, fünf Tore und zwei Assists, zumeist als Rechtsverteidiger, wobei er aber nur in der Hälfte der Spiele durchspielte.

Der Sprung zum Leistungsträger und in die Nationalmannschaft

Erst in der Saison 2020/21 kam der große Leistungssprung: Koscelnik startete fulminant in die neue Spielzeit, etablierte sich sofort als Rechtsverteidiger und stabilisierte sich auch in seinem Verhalten gegen den Ball. Egal, ob er als Teil der Viererkette oder etwas weiter vorne zum Einsatz kam: Er hatte überwiegend positive Zweikampfwerte und half seiner Mannschaft immer mehr mit seiner guten Physis und Laufstärke.

So kam es, dass Koscelnik im Herbst 2020 sogar ins slowakische Nationalteam rutschte – auch weil dies immer mehr zu einer vakanten Position im Team von Stefan Tarkovic wurde. Der Hertha-BSC-Routinier Peter Pekarik wird nicht mehr jünger und dahinter kommen nur wenige Klassespieler nach. Das nützte Koscelnik auch dank seiner Flexibilität aus, konnte er doch auch vor Pekarik im Mittelfeld spielen und den Slowaken somit weitere defensive Stabilität geben. Begünstigend kommt hier hinzu, dass die Slowaken derzeit auch kaum über hochklassige offensive Rechtsaußen verfügen.

Gute Auftritte in seiner einzigen Europacupsaison

Auch die ersten Europacup-Auftritte des Neo-Rapidlers spielten ihm in die Karten, denn in der Qualifikation gegen Riteriai aus Litauen, FCSB aus Rumänien und den zyprischen Klub APOEL Nikosia war er einer der Stärksten und auch in der Gruppe mit Gent, Roter Stern und Hoffenheim zeigte er – trotz reichlich Lehrgeld und am Ende „nur“ sieben Punkten – starke Leistungen. Fortan zählte Koscelnik bis zum Saisonende in etwa der Hälfte der Länderspiele Stamm. Bei der wegen Corona verschobenen Europameisterschaft kam er auf zwei Einsätze: Beim 2:1-Sieg gegen Polen wurde er in der Schlussphase eingewechselt, beim 0:1 gegen Schweden spielte er als Rechtsaußen durch. Im Herbst gelang ihm schließlich in der WM-Qualifikation beim 2:0 über Zypern aus einem Weitschuss sein erstes Länderspieltor.

Teamspielerstatus muss relativiert werden

So kam Koscelnik in der Saison 2020/21 auf insgesamt 45 Pflichtspiele inklusive Nationalteam. Es ist natürlich sehr positiv zu bewerten, dass der neue Rapid-Rechtsverteidiger Nationalspieler seines Landes ist, allerdings muss dies aufgrund der Probleme, die das slowakische Nationalteam derzeit hat, auch entsprechend in Relation gesetzt werden. Man möchte meinen, dass es auf der rechten Seite „nie leichter war“, ins slowakische Team zu kommen. Dennoch muss man es erst einmal schaffen. Weiters ist es positiv, dass Koscelnik bereits eine Saison mit einem solchen quantitativen Aufwand spielte und bis heute von Verletzungen verschont geblieben ist.

Konsolidierung in Liberec

In der Saison 2021/22 konsolidierte sich Koscelnik weiter bei Slovan Liberec. Die Hälfte der Saison spielte er als Rechtsverteidiger, die andere Hälfte als Rechtsaußen oder Flügelverteidiger. Seine Leistungswerte stabilisierten sich noch weiter und sofern fit spielte er fast immer von Beginn an. Zwischenzeitlich warf ihn seine erste glatt-rote Karte wegen einer Tätlichkeit ein wenig zurück und Koscelnik wurde für drei Spiele gesperrt, aber unmittelbar danach – und nach einem „Strafspiel“ in der zweiten Mannschaft – war er auch schon wieder fester Bestandteil der ersten Elf.

Schwer vergleichbarer Spieler

In der Analyse selbst, ist Koscelnik nur sehr schwer mit anderen Spielern zu vergleichen, weil er speziell in der Tiefe auf vielen verschiedenen Positionen mit unterschiedlichen Anforderungen zum Einsatz kam. Während Filip Stojkovic seine Stärken in der Defensive hatte und sogar eher in Richtung Innenverteidigung rutschte, ist Koscelnik deutlich offensiver ausgerichtet und daher ist es sehr schwierig in Sachen Dribblings, Defensiv- und Offensivzweikämpfe und auch Passspiel relevante Werte zu finden, die zwischen diesen Spielern – im Durchschnitt – seriös vergleichbar sind.

Koscelnik müsste demnach am ehesten zweimal analysiert werden – einmal als Verteidiger, einmal auf der offensiveren Position. Wir versuchen dennoch die wichtigsten, möglichst allgemein gültigen Werte zu vergleichen. Sofort sichtbar ist, dass Koscelnik viel in Bewegung ist und vor allem seine Laufstärke zu einem echten Asset für Rapid werden könnte. Gleichzeitig ist auch auffällig, dass er in Liberec durchschnittlich nur sehr wenige Pässe pro Partie spielte – durchschnittlich sechs weniger als Stojkovic in der vergangenen Saison.

Das hat unterschiedliche Gründe: Einerseits eben die unterschiedlichen Positionen bzw. Zonen, in denen die beiden spielten, andererseits aber auch, dass Stojkovic bei Rapid stärker bzw. anders ins Aufbauspiel eingebunden war, als Koscelnik bei Slovan Liberec. In Sachen Passgenauigkeit hat Stojkovic die Nase knapp vorn, was aber auch am Passrisiko von Koscelnik liegt. Der Slowake kommt häufiger in hohe Zonen (wenn er nicht ohnehin dort aufgeboten wurde) und sucht mehr Halbfeldflanken, Steilpässe und Bälle hinter die Abwehr.

Gute Flankenwerte, hohe Laufintensität

Koscelnik ist bestimmt keine Flankenmaschine, wie es etwa Reinhold Ranftl beim LASK war, schlägt aber mehr Flanken als beispielsweise Stojkovic und das auch mit guter Genauigkeit. Durchschnittlich brachte Koscelnik in der vergangenen Saison 5.01 Flanken in den Strafraum. Demgegenüber steht Stojkovic mit 3.02 Flanken und geringerer Genauigkeit. Das hat aber auch damit zu tun, dass Koscelnik phasenweise höher spielte und damit öfter in den Zonen war, in denen er flanken konnte.

Ein klares Plus des Slowaken ist sein Laufaufwand. Auch wenn er in offensiveren Positionen spielte, kam er stets schnell hinter den Ball, stellte seine Gegenspieler nicht nur, sondern attackierte aktiv. Dadurch gelangen ihm viele Balleroberungen, auch in hohen Zonen. Obwohl Koscelnik praktisch gleich lang als Verteidiger, wie als etwas offensiver ausgerichteter Spieler agierte, führte er deutlich mehr Offensivzweikämpfe, als Defensivzweikämpfe. Wie es auch schon beim bosnischen Abwehrspieler Branimir Cipetic, der den Medizincheck bei Rapid nicht bestand, der Fall gewesen wäre, kommt Rapid als ganzes Team mit Koscelnik als Rechtsverteidiger in höhere Zonen, als mit Stojkovic.

Festsetzen in höheren Zonen

Dies ist eine Sache, die auch Trainer Ferdinand Feldhofer ein wichtiges Anliegen war, zumal er sich mit seinen Mannschaften, sowohl mit, als auch ohne Ball, gerne in hohen Zonen festsetzt. Im Vergleich zu Cipetic ist Koscelniks klarer Vorteil, dass er im defensiven Umschalten stärker ist und sich schnell gut platziert. Allgemein ist der große Aktionsradius des Slowaken ein Vorteil für die Hütteldorfer. Angesichts dessen, dass Koscelnik ursprünglich eher ein etwas offensiverer Spieler war, bringt er natürlichen Offensivdrang mit. Seine Laufstärke und auch Arbeitsrate sorgt aber dafür, dass er auch schnell wieder retour kommt.

Ballgewinn- und Ballverlust-Vergleich

Zur besseren Veranschaulichung sehen wir uns Ballgewinne und Ballverluste von Stojkovic, Koscelnik und auch Cipetic in der Saison 2021/22 an. Vergleichbar sind die Werte wie bereits erklärt nur sehr schwierig, aber sie zeigen durchaus auf, wieso Rapid zuerst an Cipetic dran war und wieso Koscelnik die nächste Wahl war.

Wir sehen uns zuerst die Ballverluste der drei Spieler an:

Die Ballgewinne bei Stojkovic sind aufgrund seiner Einrückbewegungen ins Abwehrzentrum vor allem defensiv breit gestreut. Das liegt aber auch daran, dass Stojkovic phasenweise im Halb- bzw. im Sechserraum benötigt wurde, weil dieser bei Rapid immer wieder physisch zu schwach war.

Koscelnik eroberte in absoluten Zahlen deutlich weniger Bälle als Stojkovic, weil er in der vergangenen Saison aber auch elf Spiele und knapp 1.200 Minuten weniger bestritt. Durch seine phasenweise höhere allgemeine Spielposition sind die relativ betrachtet häufigen Ballgewinne in höheren Zonen auch entsprechend zu relativieren.

Branimir Cipetic hingegen spielte immer als Rechtsverteidiger und gewann dennoch viele Bälle vor der Mittellinie. Hier ist wiederum zu relativieren, dass er in der schwächsten der drei verglichenen Ligen spielt.

Zu den Ballverlusten: Obwohl Stojkovic im etatmäßig dominantesten Team der drei Vergleichsspieler spielte, verlor er seine Bälle praktisch gleichmäßig über die gesamte rechte Spielfeldseite verteilt. Die Statistik darüber, in welchem Drittel seine Ballverluste geschahen, ist hier quasi gleichmäßig verteilt.

Koscelnik verlor seine Bälle im Schnitt deutlich höher, was aber auch damit zusammenhängt, dass er teilweise als Rechtsaußen eingesetzt wurde. In relativen Zahlen – auch in Relation der durchschnittlichen Einsatzzeit auf unterschiedlichen Positionen – zeigt dieser Vergleich aber, dass der bisherige Liberec-Spieler auch als Verteidiger offensiver agierte als Stojkovic und sich eher in etwas höheren Zonen festsetzen konnte, als der Montenegriner.

Cipetic hingegen verlor fast die Hälfte seiner Bälle im letzten Drittel, was natürlich für deutlich weniger Gefahr sorgt, als wenn er sie in der eigenen Hälfte, womöglich sogar im eigenen ersten Drittel verlieren würde. Dieses „Angriff ist die beste Verteidigung“-Konzept wäre wohl das größte Plus für den Bosnier gewesen, der wie gesagt nur als Rechtsverteidiger zum Einsatz kam.

Würde Koscelnik eine ganze Saison ausschließlich als Rechtsverteidiger aufgeboten werden, dann wären seine Statistiken in Bezug auf Ballgewinne und Ballverluste wohl eher am Extrem Cipetic, als am Extrem Stojkovic. Insofern passt der Slowake durchaus in die Idee, auf der rechten Abwehrseite etwas ändern zu wollen und mehr Dominanz nach vorne, anstatt noch mehr Stabilität nach hinten zu suchen. Speziell mit der Verpflichtung von Michael Sollbauer hat Rapid diesbezüglich ohnehin ein wenig vorgebaut, zumal dieser auch für seine guten Pendelbewegungen nach außen bekannt ist und Koscelnik unterstützen wird können.

Nachteile im defensiven Eins-gegen-Eins gegenüber Stojkovic

Eine Pattsituation mit Stojkovic ergibt sich bei Luftduellen. Obwohl sowohl er, als auch Koscelnik keine Hünen sind, sind beide in Kopfballduellen solide und kompromisslos. In allgemeinen Eins-gegen-Eins-Duellen in der Defensive ist Stojkovic allerdings deutlich der Stärkste unter den verglichenen Spielern. Cipetic wäre hier deutlich der Schwächste gewesen, Koscelnik liegt in der Mitte.

Vorteile hat Koscelnik in offensiven Duellen, zumal er sehr intensiv in diese hineingeht und nicht zurückzieht. Das hat auch zur Folge, dass der Slowake im Vergleich sehr viele Fouls zieht und pro Partie durchschnittlich fast drei Freistöße herausholt.

Eine für einen Außenverteidiger eher untypische Stärke Koscelniks ist seine gute Schusstechnik, dank der er immer wieder recht gefährlich wird. Der 27-Jährige bringt auch recht viele Bälle aufs gegnerische Tor, wenn er versucht selbst abzuschließen, allerdings passt hier seine Entscheidungsfindung nicht immer. Das macht ihn sowohl optisch, als auch durch Werte gestützt, offensiv ineffizient. Er sammelt ebenso wie Stojkovic nicht viele Scorerpunkte, auch wenn er der offensivere Spieler ist. Zumindest war das in den letzten Jahren in Liberec so.

Effizienz vergrößern: Basis wäre vorhanden…

Hier gilt es also noch anzusetzen, denn aus seinen jüngeren Jahren bei Zemplin Michalovce weiß man, dass Koscelnik durchaus gefährlich im gegnerischen Strafraum sein kann. Seine Rolle bei Rapid wird natürlich eine gänzlich andere sein, als damals, aber es ist durchaus denkbar, dass er durch seine typischen Einrückbewegungen mit der nötigen Hilfe seiner Nebenleute (vor allem Sechser- und Achterraum) wieder torgefährlicher werden kann. Dafür spricht auch, dass Koscelnik grundsätzlich für einen Außen- bzw. Flügelverteidiger ein intensiver Dribbler ist und sich auch ohne Ball gut in offensive Räume bewegt.

Im Vergleich mit Schick in den meisten Werten vorne

Ein durchaus legitimer Vergleich könnte auch noch der mit Thorsten Schick sein, zumal dieser auch eine Art Außenverteidiger/Flügelspieler-Hybrid ist. Hier ist Koscelnik in den allermeisten Metriken (teilweise weit) vorne. Die einzigen Unterschiede: Schick hat eine etwas bessere Passquote (71,8% : 68,5%), weil er aber auch deutlich einfachere Passmuster aufweist und weniger die Tiefe sucht. Und zudem ist Schick effizienter und sammelt deutlich mehr Assists bzw. Expected Assists, was wiederum mit den guten Standardsituationen zusammenhängt.

Wie funktioniert das Zusammenspiel mit den neuen Mitspielern?

Allgemein wird es stark darauf ankommen, wie das Zusammenspiel mit seinen qualitativ nun doch hochwertigeren Mitspielern vonstatten gehen wird. Gibt es genug Abnehmer für die insgesamt guten Flanken und Steilpässe der Neuverpflichtung? Passen die Laufwege ohne Ball in der Offensive? Und wie stark wird er im defensiven Umschaltspiel von seinen Mitspielern entlastet?

Einer, der gleich funktionieren könnte

Die erhöhte Intensität in der österreichischen Bundesliga sollte für Koscelnik jedenfalls kein großes Problem darstellen, zumal er bereits mehrere Länderspiele absolvierte und auch im Europacup durchaus zu überzeugen wusste. Weiters spielte er in der tschechischen Liga regelmäßig gegen die großen Hauptstadtklubs, zeigte auch gegen den amtierenden Meister Viktoria Pilsen gute Leistungen. Zwischenzeitlich stand er als mögliche Neuerwerbung auf dem Zettel von Sparta Prag.

Unterm Strich kann zusammengefasst werden, dass Rapid mit Koscelnik eine gute Kompromisslösung fand. Er ist offensiv nicht so intensiv wie Cipetic, defensiv nicht so stark wie Stojkovic, dafür aber ausgewogener, ein guter Techniker und ein äußerst intensiver Läufer und Arbeiter. Zudem bringt er die nötige Routine für diese Position mit, wodurch er eine „frischgefangte“ Lösung ist. Es ist anzunehmen, dass er etwa im Vergleich zu Cipetic weniger Eingewöhnungszeit braucht und gleich funktionieren könnte. Angesichts dessen, dass die Saison des SK Rapid heuer bereits sehr früh beginnt, ist dies ein nicht zu verachtender Faktor.

Gute Lösung unter gegebenen Rahmenbedingungen

Rapid hat hier auf einer Position, auf der leistbare Klassespieler in der diesjährigen Marktlage nur schwer zu bekommen sind, durchaus einiges richtig gemacht. Auch weil Koscelnik sowohl als klassischer Rechtsverteidiger in einer Viererkette, als auch als offensiver Flügelverteidiger, Rechtsaußen oder sogar auf der linken Seite eingesetzt werden kann. Es handelt sich hier nicht um eine perfekte, komplette Lösung, aber um eine, die unter den richtigen Rahmenbedingungen funktionieren kann.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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