Die Vorbereitungen für die Fußballsaison 2012/13 sind im vollen Gange, allerorts werden Kondition, Taktik und Technik für Bundesliga, Cup oder auch Europacup trainiert. Der...

Die Vorbereitungen für die Fußballsaison 2012/13 sind im vollen Gange, allerorts werden Kondition, Taktik und Technik für Bundesliga, Cup oder auch Europacup trainiert. Der SC Wiener Neustadt legte sich zu einem bestehenden Trainerteam einen Showtrainer zu.

 

 

Das Betreuerteam

Trainer in Wiener Neustadt ist Heimo Pfeifenberger, 45 Jahre alt. Der Lungauer verbrachte seine besten Fußballerjahre beim SK Rapid, Austria Salzburg und Werder Bremen. Er war 1994 Torschützenkönig und Fußballer des Jahres, stand im selben Jahr mit Salzburg im UEFA-Cup-Finale. Das Trikot der österreichischen Nationalmannschaft wurde von ihm 40 Mal getragen, unter anderem bei den Weltmeisterschaften 1990 und 1998. Seine ersten Erfahrungen als Betreuer sammelte er bei Red Bull Salzburg, ehe er zur Saison 2007/08 das Traineramt beim SV Grödig übernahm. Der Aufstieg in die Erste Liga gelang sofort, dort angekommen lief es aber mäßig. Im Winter 2008 musste er zurücktreten, arbeitete danach als Co-Trainer von Andreas Herzog beim U21-Nationalteam. Anfang 2010 übernahm er für vier Monate das Traineramt bei der SPG Axams-Götzens, ehe ihn Grödig-Präsident Haas am 4. April 2010 als neuen, alten Coach präsentierte. Pfeifenberger sicherte abermals den Meistertitel in der Regionalliga West und blieb bis Ende Mai 2012 Trainer der Salzburger. Zur Trennung kam es, weil es Unstimmigkeiten mit der Vereinsführung gegeben hatte. Gemessen an ehemaligen Bundesligaspielern wie Diego Viana, Andreas Schranz oder Thomas Krammer konnte die Grödig-Elf vor allem in der abgelaufenen Spielzeit im starren 4-4-2 weniger durch taktische Raffinesse, wenn überhaupt durch individuelle Qualitäten überzeugen. Der große Name hat Neustadt-Präsident Rottensteiner aber zu einer Verpflichtung verleitet.

Pfeifenberger zu Seite steht der ehemalige Deutschland-Legionär Mario Posch (44). Anfang der 90er kam er über Flavia Solva und Innsbruck zum damaligen Zweitligisten KFC Uerdingen 05, blieb ein Jahr und wechselte zum SK Sturm, bei dem er bis zum Karriereende 2000 als Spieler blieb. Posch war zunächst Betreuer in der AKA Sturm, dann Co von Heinz Peischl bei Schwadorf bzw. der Admira. 2009 war er ein halbes Jahr sportlicher Leiter der Austria Akademie, seit Juli desselben Jahres ist er in Wiener Neustadt tätig.

Seit 2008 – und somit für Jörg Siebenhandl ein wichtiger Mentor – im Verein tätig ist Tormanntrainer Günter Kreissl. Der 38-Jährige spielte von seinem siebten Lebensjahr an bei der Wiener Austria, wechselte oft weg und wieder zurück. Das Einserleiberl trug er bei der Vienna (2000/01) und dem DSV Leoben (2002/03), ehe er 2005 beim unterklassigen SC Hainfeld die Karriere ausklingen ließ. Komplettiert wird das Betreuerteam von Konditionstrainer Thomas Jerey.

Präsident Rottensteiner räumte mehr oder weniger ein, mit Pfeifenberger einen Mann für Sponsoren und Medien geholt zu haben. Nun soll der ehemalige Profi nicht a priori schlecht geredet werden, der Nachteil seiner Auffassung von Fußball, um es allgemein auszudrücken, dass er mit Grödig einige Kicker hatte, deren Niveau deutlich über dem der Mitbewerber stand. Weniger politisch ausgedrückt: Das 4-4-2 aus Grödiger Zeiten ist statisch und auf Standards und die individuelle Qualität der Akteure ausgerichtet.

Pfeifenbergers Vorstellungen

4-4-2, ein kompaktes Mittelfeld und individuelle Qualität – so lässt sich Heimo Pfeifenbergers Philosophie beschreiben. Bei Grödig hatte er aber mit den eingangs erwähnten Akteuren Spieler, die für das Mittelfeld der Ersten Liga zu gut waren, diese außergewöhnlichen Spieler gibt es bei Wiener Neustadt nicht. Das Grödiger Spiel war oftmals statisch, man reagierte auch in Partien, in denen Initiative verlangt wurde, zu wenig. Darüber hinaus wirkten die Spieler nicht immer zu hundert Prozent motiviert. In dieser Spielzeit werden aber sicherlich Eigeninitiative und Motivation ausschlaggebend für den Klassenerhalt sein. Der Abstiegskampf wird darüber hinaus aufgrund der gestiegenen spielerischen Qualität bei Mattersburg, Wacker und Co. sicherlich auch über das schöne Spiel entschieden werden. Diese Überraschungsmomente sind etwas, was Pfeifenbergers Mannschaften nicht immer zeigten und in dieser Saison sicherlich wichtig sein werden. Ein Verlassen auf die im Team schlummernden Möglichkeiten wird definitiv zu wenig sein. Selbst bei einer defensiven Ausrichtung fehlen die Männer, die im Mittelfeld nach vorne arbeiten können. Eine das Spiel zerstörende Doppelsechs wird zu wenig sein, denn die Außenbahnspieler haben sich in der höchsten Spielklasse noch nicht beweisen können. Dementsprechend wirkt das Mittelfeld wie eine reine, vorgelagerte Verteidigungsreihe.

Wunschaufstellung

 

 

 

 

 

 

Fazit – Hopp oder Tropp

Mit Stöger und einigen Akteuren, die den Verein mittlerweile verlassen haben, war eine klare Linie da. Das Wiener Neustädter-Spiel wirkt wie eine Episode aus dem Casino, denn es ist sehr viel auf Zufall aufgebaut. Pfeifenberger wird seine Taktik kaum abändern, darum müssen sich die Blau-Weißen darauf verlassen, dass den jungen Spielern der Knopf aufgeht. Wenn dann dazu Mimm und Hlinka die Leitwölfe sind, als welche sie geholt wurden, dann wird der SCWN auch 2013/14 auch in der Bundesliga spielen. Aber das ist zu viel Konjunktiv. Wer einen Trainer für die Sponsoren holt und die wichtigen Positionen nur mit Potential und nicht mit Leistung besetzt, der spielt Hopp oder Tropp.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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