Österreich verliert ein knappes Spiel gegen Wales und muss somit die Chance auf die Weltmeisterschaft 2018 in Russland begraben. Obwohl die Österreicher durchaus die... Analyse: Österreichs WM-Traum platzt in Wales

Österreich verliert ein knappes Spiel gegen Wales und muss somit die Chance auf die Weltmeisterschaft 2018 in Russland begraben. Obwohl die Österreicher durchaus die besseren Tormöglichkeiten vorfanden, waren sie letztendlich nicht zwingend genug um drei Punkte aus Cardiff mitzunehmen.

Aufstellungen und Anfangsphase

Marcel Koller entschied sich für das altbewährte 4-2-3-1 System mit Alaba auf der 10 und Hinteregger als Linksverteidiger, wohl auch weil der walisische Teamchef Chris Coleman ein 3-4-3 praktizieren lässt, das defensiv zu einem 5-4-1 wird.

Anfangs setzten die Waliser auf ein höheres Pressing, indem die äußeren Mittelfeldspieler auf Höhe der Sturmspitze Vokes standen und somit ein 5-2-3 entstand. Die Passwege in die Tiefe wurden belauert, Pressingtrigger waren schlechte Pässe der Innenverteidiger welche dann aggressiv im Bogen nach außen angelaufen wurden.

Österreich presste klar im 4-2-3-1/4-4-2, in dem Alaba entweder auf Höhe von Arnautovic und Sabitzer verblieb oder neben Harnik in die Spitze rückte.

Nachdem die Waliser konsequenter auf lange Bälle setzten gab es vereinzelt Probleme, da einerseits Vokes körperlich extrem stark die Bälle sicherte, aber auch die Sechser Ilsanker und Baumgartlinger sehr hoch standen und so zu spät zum Doppeln dazukamen.

Österreich dominiert, ist aber nicht zwingend genug

Präsentester Spieler in der ersten Hälfte des Spiels war definitiv David Alaba. Obwohl im Nationalteam oft gescholten zeige er eine hervorragende Leistung im Zwischenlinienraum und leitete einige gefährliche Abschlüsse ein, man hätte ihn noch öfters suchen können, dazu fehlte aber die Vertikalität im österreichischen Spiel.

Dragovic dribbelt an und spielt hervorragenden Pass zwischen die Linien auf Alaba. Dieser dreht sich auf und leitet anschließend den Ball auf Sabitzer weiter der knapp am Tor vorbeischießt. Die walisische Defensivstellung ist zumindest fragwürdig.

Einige Male gelang es Österreich Wales mit neun Mann am Strafraum festzuspielen, dadurch dass sehr viele Österreicher vor dem Ball waren bzw. die Positionierung sehr breit war, war es eine riskante Herangehensweise in puncto Restverteidigung. Die vereinzelt aufkommenden Konter wurden von den Österreichern mittels taktischer Fouls gut abgewürgt, man verlor jedoch Prödl mit einer Verletzung die er sich nach so einem Konter zuzog

Österreich hatte auch Probleme im Spielaufbau in der ersten Phase, zu selten gab es den flachen Übergang vom ersten ins zweite Drittel, obwohl Dragovic in der Spielereröffnung eine gute Leistung zeigte. Gründe gab es mehrere, einerseits die fußballerisch zu eindimensionale Doppelsechs der Österreicher, andererseits der fehlende Mut beim Spiel in die Tiefe.

Lindner mit Chip auf Hinteregger der den Ball mit 2 Kontakten sauber auf Baumgartlinger ins Zentrum bringt. Dieser setzt das Spiel nach vorne fort.

Wales stellt um und wird stärker

Wales kam mit einer veränderten Formation aus der Kabine, gegen den Ball wurde ein klares 4-4-1-1/4-4-2 gespielt, dass offensiv etwas variabler interpretiert wurde. Fakt ist, dass die Österreicher von dieser Umstellung etwas überrumpelt wurden und in den ersten zehn Minuten nach Wiederbeginn durch die langen Ballbesitzphasen von Wales gehörig nach hinten gedrückt wurden. Die Pressingmechansimen funktionierten nicht mehr, Wales spielte außerdem einiges höher und aggressiver gegen den Ball.

Anschließend gelang es den Österreichern wieder mehr Kontrolle über das Spiel zu gelangen, es wurde gefällig gespielt, fehlte aber an den klaren Angriffsmechanismen im letzten Drittel um gefährlich in den Strafraum zu gelangen.

Obwohl nun die Waliser mehr am Ball waren, gelang es Marcel Kollers Truppe nicht gefährliche Konter zu fahren, Harnik hing komplett in der Luft und war oft im Umschalten isoliert bzw. konnte Bälle nicht lange genug sichern.

Probleme im Angriffsdrittel

Ein klares Angriffsmittel Österreichs unter Marcel Koller sind mittlerweile die Chips hinter die Abwehr geworden. Oft werden diese aus dem Halbraum diagonal mit Effet in den Raum zwischen Abwehr und Tormann gespielt, generell ein hervorragendes Mittel, da der Überraschungsfaktor und der gedankliche Vorsprung groß sind. In diesem Spiel war dieser Spielzug die falsche Herangehensweise. Eventuell da ja beim Hinspiel in Wien auf genau diese Art und Weise ein Tor gelang, waren die Waliser sehr gut eingestellt und diese Chipbälle keine Gefahr. Im Laufe der zweiten Halbzeit, als die Verzweiflung immer größer wurde, waren noch mehr dieser Bälle zu sehen, bei denen die technische Qualität in der Ausführung immer mehr abnahm und oft vom Tormann behauptet werden konnten.

Dabei waren die zwei größten Chancen von Österreich Sinnbild wie man die walisische Abwehr knacken konnte. Arnautovic und Harnik liefen diagonal von außen nach innen, zuvor gab es immer wieder kurze Kombinationen in denen der Gegner angelockt wurde und die Aufmerksamkeit auf andere Spieler gelenkt wurde ehe Baumgartlinger den idealen Pass spielte.

In der Schlussphase zerbrach Österreich komplett, Koller wechselte die großgewachsenen Gregoritsch und Janko ein was aber komplett ohne Wirkung blieb. Die letzten 10 Minuten wurden im 4-4-2 gespielt, Wales kam zu einigen gefährlichen Möglichkeiten, viele Fouls verhinderten dass es überhaupt zu einer Druckphase kam. Es sollte keine Chance auf den Ausgleich mehr geben.

WM ade, und jetzt?

Österreich zeigt eine gute Leistung, kann aber zum wiederholten Male die an sich überlegene Leistung nicht in Punkte ummünzen. Der Zug nach Russland ist aller Voraussicht nach abgefahren, der ÖFB muss sich nun überlegen ob der Weg mit Teamchef Koller weitergegangen werden soll oder ein Neustart versucht wird. Ob Koller überhaupt weitermachen will darf ebenfalls bezweifelt werden. Die Spielanlage muss definitiv weiterentwickelt werden, auch über die bestmögliche Verwendung der unterschiedlichen Spielertypen muss diskutiert werden.

Alex Diridl, abseits.at

Alexander Diridl

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