Die Anspannung vor dem WM-Qualifikationsspiel in Irland war sehr groß – sowohl bei Medien und Fans als auch bei der Mannschaft. Mit einem guten... Versöhnliches Ende für ÖFB-Team: Alabas spätes Tor rettet Punkt gegen Irland

David Alaba (ÖFB. FC Bayern München)Die Anspannung vor dem WM-Qualifikationsspiel in Irland war sehr groß – sowohl bei Medien und Fans als auch bei der Mannschaft. Mit einem guten Resultat wollte man im Rennen um Platz zwei in der Gruppe C weiter mitmischen. In einer mitreißenden Partie erreichte das ÖFB-Team ein 2:2. Martin Harnik sorgte in der elften Minute für die Führung, Jon Walters drehte die Partie mit einem Doppelpack zugunsten der Hausherren, ehe David Alaba in der Nachspielzeit den Endstand fixierte.

Laut einem Vorbericht des Kuriers zählt die Österreichische Nationalmannschaft im Pressing europaweit zu den Topnationen. Dies bestätigte sie in den ersten rund 20 Minuten, als man den Iren keine Luft zum Atmen ließ und erst aufgrund individueller Fehler sowie einer unglücklichen Verletzung von Zlatko Junuzovic in Rückstand geriet. Danach musste die ÖFB-Auswahl das Spiel machen, was ihr nicht entgegenkam, umso erfreulicher war es dann, dass man trotzdem einen Punkt holte.

Zwei Schlüsselspieler fehlen

Irlands Coach Giovanni Trapattoni musste auf zwei Stars und Schlüsselspieler verzichten, denn sowohl Aiden McGeady als auch Kapitän Robbie Keane mussten verletzt passen. Gerade der Ausfall des Stürmers machte vielen Hoffnungen, dass das irische Angriffsspiel erheblich geschwächt sei. Doch der Offensivabteilung sollte eine interessante und entscheidende Rolle zukommen. Gebildet wurde sie aus dem Sturmduo bestehend aus dem bulligen Conor Sammon und dem wendigen Shane Long sowie der ungleichen Flügelzange mit Walters und James McClean.

Der Doppeltorschütze agiert bei Stoke City meist als Stürmer und ist trotz seiner Körpergröße von 1,83 Meter sehr robust. Deshalb zog er als ballferner Spieler auch immer wieder in den Strafraum um mit dem Kopf in die Flanken reinzugehen. Auf der linken Außenbahn spielte McClean sehr vertikal und hatte dabei aufgrund der Ausrichtung des ÖFB-Teams viel Platz.

Harnik für mehr Tiefe

Rechtsverteidiger György Garics agierte sehr eng am rechten Innenverteidiger, wodurch er beim Verschieben weite Wege zu gehen hatte um gegen McClean in den Zweikampf zu kommen. Zudem nahm sein Vordermann Martin Harnik eine sehr hohe Grundposition ein, was jedoch ein klarer Auftrag von Marcel Koller gewesen sein dürfte. Vor dem Spiel begründete der ÖFB-Teamchef die Hereinnahme des Stuttgarters nämlich damit, dass er dadurch mehr Tiefe erzwingen wollte.

Im Vergleich mit dem 6:0 gegen die Färöer Inseln musste von der damaligen Startelf nur Andreas Ivanschitz auf der Bank platznehmen, was bedeutete, dass Philipp Hosiner als Solostürmer begann. Gegen die körperlich starke Innenverteidigung, die am letzten Freitag auch Schwedens Star Zlatan Ibrahimovic abmontierte, hatte der FAK-Angreifer jedoch einen schweren Stand. Aber auch von Marc Janko kamen in dieser Hinsicht nach dessen Einwechslung kaum Impulse.

Energisches Pressing Grundstein für erstes Tor

Wie zu erwarten war suchte das ÖFB-Team den Zugriff in erster Linie über das Spiel gegen den Ball. Schon gegen Deutschland zeigten die Österreicher, dass sie die Pressingabläufe gut beherrschen und nach Ballgewinnen gefährlich umschalten können. Ein Manko damals war, dass teilweise die Rückendeckung fehlte und sich der Gegner mit einfachen Pässen vom Druck lösen konnte.

In diesem Spiel – vor allem in der Anfangsphase – sah man eine Weiterentwicklung, denn die beiden Zentrumspieler standen in absichernder Position relativ hoch um derartige Effekte zu vermeiden. So ging auch das 1:0 auf diese Tatsache zurück.

In der Mitte geht Harnik (gelb) in den Zweikampf, Kavlak (weiß) rückt von hinten antizipativ nach vorne, Junuzovic (schwarz) drückt von hinten nach.

Der Ire kann den Ball nicht unter Kontrolle bringen und verliert das Duell gegen Kavlak. Junuzovic dreht schon instinktiv zum Zeitpunkt des Zweikampfs nach vorne ab um anschließend den irischen Verteidiger anzupressen. Weiters zu beachten sind die Laufwege von Harnik und Alaba (blau). Beide gehen den Weg des Balls nach vorne mit und es entsteht die folgende Situation.

Zwar hat der ballführende Ire Kontrolle über den Ball, aber er spürt aufgrund der Positionen der Österreicher enormen Druck. Junuzovic und Harnik gehen ihn direkt an, die drei Spieler dahinter sind nicht anspielbar, da sie entweder sofort von Kavlak oder Alaba attackiert werden würden (gelb) oder im Deckungschatten stehen (blau). Junuzovic gewinnt in weiterer Folge den Ball und assistiert Harnik bei dessen neuntem Länderspieltor.

Knackpunkt Junuzovic-Verletzung?

Allerdings schraubte die rot-weiß-rote Elf die Intensität des Pressings nach der Führung etwas zurück und erlaubte dem Gegner dadurch sein eigenes Spiel durchzuziehen. Besonders augenscheinlich war dies nachdem Junuzovic den Platz verletzt verlassen musste. Für ihn kam Julian Baumgartlinger ins Spiel, Kavlak ging ins offensive Mittelfeld – ein nicht ganz nachvollziehbarer Zug von Koller, hatte er mit Ivanschitz doch eine gute Option für die Zehnerposition auf der Bank.

Im Spiel gegen den Ball zählt es zu den Hauptaufgaben des Zehners das Kommando zum Pressing zu geben. Kavlak ist jedoch nicht so ein Spieler. Seine Stärke – und das hat er beim 1:0 bewiesen – ist es, für Nachdruck aus der zweiten Linie zu sorgen. Des Weiteren hatte diese Umstellung auch Auswirkungen auf das Spiel in Ballbesitz. Während Junuzovic mit seinem schwachen Fuß vergleichsweise gut umzugehen weiß, fehlt Kavlak diese Eigenschaft.

Immer wieder musste er sich den Ball auf den rechten Fuß legen, verschleppte so das Spiel und beraubte das Team um einen Seitenwechsel auf die linke Außenbahn. Außerdem postierte er sich zeitweise ungünstig, so dass er nicht angespielt werden bzw. helfen konnte. Die Bindung nach vorne war dahin, auch weil Baumgartlinger nicht so stark nach vorne strebte wie sein Vorgänger. Dass der Eckball, der zum 1:2 führte, einem Fehlpass des Mainz-Legionärs entsprang, ist nur die Draufgabe.

„Kick and Rush“ – auch bei Österreich

Österreich verlegte sich daher zusehends auf lange Bälle. Gegen die körperlich überlegenen Iren eine denkbar schlechte Wahl, möchte man meinen. Zwar spielten die Aufbauspieler – in erster Linie die Innenverteidiger – auch Hosiner mit gehobenen Pässen an, viel interessanter war aber, dass sie vermehrt auch Harnik suchten. Dieser rückte in hoher Position oft ins Halbfeld ein und gewann gefühlsmäßig relativ viele Luftduelle.

Zwar war sein nomineller Gegenspieler, Marc Wilson von Stoke City, mit 1,88m für einen Außenverteidiger recht groß, aber nur unwesentlich größer als er selbst (1,85m). Die langen Bälle versuchte Harnik per Kopf auf Hosiner weiterzuleiten, um dessen Geschwindigkeitsvorteile ausspielen zu können. Dass die Iren ebenfalls auf das berüchtigte Insel-„Kick and Rush“ setzten, war keine große Überraschung. Viel interessanter war die Art und Weise wie Österreichs Hintermannschaft darauf reagierte.

„Dritte Bälle“ infolge langer Pässe

Durch den hohen Fokus auf Kopfbälle entstanden nach langen Pässen der Iren phasenweise sogar „dritte Bälle“. Die Österreicher stiegen daher meist erst gar nicht zum Luftduell hoch sondern versuchten sich stattdessen für zweite und „dritte“ Bälle entsprechend gut zu positionieren. Allerdings führte diese Taktik auch zum Elfmeter, den Walters zum 1:1 verwertete – siehe rechts. Emanuel Pogatetz ließ Sammon den Ball annehmen und sich gegen Long zu einem dummen Foul hinreißen.

Trotz der vermeintlich simplen Ideen nur lange Bälle nach vorne zu schlagen, wirkte das Offensivspiel der Iren aber nicht wahllos sondern durchdacht. Target Men Sammon spielte nämlich gegen Aleksandar Dragovic, der im Vergleich mit Pogatetz im Luftkampf den Kürzeren ziehen dürfte. Pogatetz hätte hingegen die Schnelligkeit des Basel-Legionärs gegen den dynamischen Long gut gebrauchen können.

Hohes Pressing erschwert Spielaufbau

Den vielzitierten „psychologisch guten Moment“ für ein Tor gibt es zwar nicht, dennoch hatte der 1:2-Gegentreffer kurz vor der Pause prägenden Charakter. Mit diesem Zwischenstand im Rücken musste das ÖFB-Team nämlich das Spiel machen, etwas das ihm gar nicht behagt.

Erschwert wurde das ganze dadurch, dass Irland in der zweiten Halbzeit ebenfalls energisch und hoch presste. Zwar taten sie dies weniger elegant als die Koller-Elf, die simplen Manndeckungen erfüllten aber ihren Zweck. Österreich konnte nicht mehr geordnet von hinten herausspielen, was unter anderem das nebenstehende Bild zeigt. Erst als sich die Iren in der Schlussphase naturgemäß zurückzogen und tief in der eigenen Hälfte auf lange Pässe warteten, kam Österreich wieder in die Reichweite eines Unentschieden. Und dank Alabas abgefälschten Weitschuss erreichte man es auch.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

  • Axel Schulz

    27.März.2013 #1 Author

    tldr 😉

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  • tf

    27.März.2013 #2 Author

    sehr gute Analyse. Warum läßt der Teamchef die IV nicht Platz tauschen?
    Den Move mit Kavlak in die 10 habe ich auch nicht verstanden.
    Fazit: Koller hat wieder gezeigt, daß er das Team weiter entwickeln kann (siehe Pressing), daß er kreative und intelligente Anfangstaktiken ausknobelt (diesmal die Rolle von Harnik und Arni), und daß er Schwächen im Coaching während des Spiels hat (zb Reaktion auf Junos Verletzung). Ich denke, daß Koller unter Druck (zb der Stress während eines Spiels) stark dazu neigt, auf Bewährtes (Konzepte/Taktiken/Spieler) zurückzugreifen, egal ob es paßt oder nicht. Das läßt mich hoffen, daß seine Coaching Schwächen mit der Zeit weniger werden, da sich sein Speicher mit bewährten Dingen mit jedem Spiel des Teams weiter anfüllt.

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  • Auenland

    27.März.2013 #3 Author

    Meiner Meinung nach war es das unnötige Foul von Pogatetz, das den Ausschlag gab. Denn der Elfer brachte die Iren erst so richtig ins Spiel. Bis dahin machte es ganz und gar nicht den Eindruck, daß Ihnen ein Tor aus dem Spiel gelingen würde. Beim 2:1 verstehe ich nicht, wieso der lange Pfosten bei der Ecke nicht besetzt war. Das scheint niemanden zu kümmern, jedenfalls machte es niemand zum Thema.

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    • Peda

      27.März.2013 #4 Author

      Pogatetz:„Wenn ‚Zladdi‘ noch da ist, haben wir bei der Ecke auch jemanden auf dem zweiten Pfosten. Da war die Zuteilung nicht optimal. Er hätte dann den Ball dort weggeschossen. Das sind einfach so Kleinigkeiten, wo wir noch lernen müssen, uns schneller auf Situationen einzustellen.“

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    • einer

      27.März.2013 #5 Author

      Ein erfahrener Torhüter schaut halt auch, dass dort jemand steht. Bzw. denkt sofort bei einer Auswechslung mit, wer diese zugeteilte Rolle neu bekommt. Einer der wenigen Kritikpunkte, die sich Lindner gefallen lassen muss.

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  • einer

    27.März.2013 #6 Author

    „Während Junuzovic mit seinem schwachen Fuß vergleichsweise gut umzugehen weiß, fehlt Kavlak diese Eigenschaft.“ Es gibt vielleicht drei Spieler in Österreich, die man getrost als beidbeinig bezeichnen kann. Einer davon ist Kavlak. Kann die zitierte Aussage nicht wirklich nachvollziehen. Er hat ja auch nicht umsonst lange Zeit bei Rapid am linken Flügel gespielt.

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    • Axl

      28.März.2013 #7 Author

      dann verbirgt er das in Team recht gut. 😉

      Ich kann mich an ein paar Szenen (die letzten Spiele eingeschlossen) erinnern, in denen er – ja schon fast krampfhaft – versucht hat den Ball mit rechts zu spielen oder sich nach rechts eindrehte anstatt mit links zu verlagern.

      So wie es geschrieben, kommt’s leider nicht ganz raus. Da passt die Wortwahl offenbar nicht ganz, sorry.

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  • einer

    27.März.2013 #8 Author

    Ahja, ich würde auch einen Koller nicht allzu große Vorwürfe machen, wenn es um den Kavlak auf die 10 -Switch geht. Sooo gut kennt er seine Spieler vielleicht auch noch nicht. Also jetzt in Matchsituation. Vielleicht hat er ihm dort einfach viel mehr zugetraut? Vielleicht wollte er ihn dort ja 1:1 die Junuzovic-Rolle spielen lassen?! Böse wäre ich ihm dahingehend eigentlich erst dann, wenn er diesen Fehler noch ein zweites Mal begeht.

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    • tf

      28.März.2013 #9 Author

      ich bin mit ihm auch recht zufrieden. Und ich bin sicher, daß er und das Team noch besser werden. Hoffe, der ÖFB sieht das auch so. Ein Teamchef verbringt wenig Zeit mit seiner Truppe. Wenn man einen guten hat, dann sollte man ihn auch behalten, weil jeder Neue wieder 1 Jahr verliert, bis er seine Spieler kennt.

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