Nach dem Sieg gegen Deutschland erhoffen sich die Fans der österreichischen Nationalmannschaft morgen beim Test gegen Brasilien die nächste Sensation. Die Seleção dürfte allerdings... Vorschau: Warum Brasilien schwerer zu knacken sein wird als Deutschland

Nach dem Sieg gegen Deutschland erhoffen sich die Fans der österreichischen Nationalmannschaft morgen beim Test gegen Brasilien die nächste Sensation. Die Seleção dürfte allerdings noch einmal schwerer zu knacken sein als Jogi Löws Truppe, denn Trainer Tite brachte große Stabilität in seine Mannschaft. Wir werden noch vor dem Start der Weltmeisterschaft ausführlicher über Brasilien berichten, wollen an dieser Stelle dennoch einen kleinen Ausblick auf unseren nächsten Gegner liefern.

Die aktuelle Form des WM-Favoriten

Im Kalenderjahr 2018 bestritt Brasilien drei Testspiele, die allesamt ohne Gegentor gewonnen wurden. WM-Ausrichter Russland wurde mit 3:0 geschlagen, Deutschland mit 1:0 und Kroatien vor wenigen Tagen mit 2:0 besiegt. 2017 setzte es eine Niederlage in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien (0:1), ansonsten gab es sieben Siege und drei Unentschieden. In sieben von elf Partien musste die Auswahl vom Zuckerhut keinen Gegentreffer hinnehmen.

Beim 2:0-Sieg gegen Kroatien sah man ganz gut die aktuellen Stärken und Schwächen des brasilianischen Nationalteams. Die Mannschaft war, so wie das deutsche Team gegen Österreich, sicher auch von der harten Vorbereitung auf die Endrunde nicht voll auf der Höhe, dennoch waren spielerische Mängel nicht zu übersehen. Bis zur Einwechslung von Superstar Neymar, der bei seinem Comeback in der zweiten Hälfte sein Team mit einem schönen Treffer auf die Siegstraße brachte, hatten die Brasilianer große Schwierigkeiten zwingende Chancen herauszuspielen. Es entwickelte sich ein fahriges, zweikampfbetontes Spiel, das letztendlich eben von einer Einzelaktion Neymars entschieden wurde.

Gegen Österreich sollte Brasilien schon ein wenig weiter sein, ist es doch der allerletzte Test vor der Weltmeisterschaft, die mit ganz großen Schritten näher kommt.

Das System

Trainerfuchs Tite, der auch im brasilianischen Klubfußball durch die perfekte Organisation seiner Teams auffiel, wich vom 4-2-2-2 seine Vorgängers Dunga ab und setzt auf eine 4-3-3-Grundordnung. Auffällig ist, dass sich das gesamte Team bei gegnerischem Ballbesitz oftmals sehr weit zurückfallen lässt und im Falle eines Ballgewinns blitzschnell über die Außenspieler nach vorne umschaltet. Die österreichische Nationalmannschaft wird enorm aufpassen müssen, dass sie bei eigenem Ballbesitz den Rückraum absichert, da der Gegner bei Ballverlusten blitzschnell vor dem gegnerischen Tor auftauchen kann.

Dani Alves geht ab

Nach der Verletzung von Rechtsverteidiger Dani Alves fehlt ein gleichwertiger Ersatz. Der Ex-Wolfsburger Fagner verfügt nicht annähernd über die gleiche Durchschlagskraft und  City-Legionär Danilo ist in seinen Leistungen nicht stabil genug. Der Rest der Abwehr befindet sich jedoch auf absolutem Weltklasse-Niveau. Thiago Silva wird im Abwehrzentrum entweder neben Miranda oder Marquinhos auflaufen und links hinten agiert mit Marcelo der aktuell beste Außenverteidiger überhaupt.

Mittelfeld nicht sehr brasilianisch

Wenn man an Brasilien denkt, dann hat jeder Fan eine bestimmte Art von Fußball im Kopf. Das Dreier-Mittelfeld  bestehend aus Casemiro, Paulinho und Fernandinho steht aber sicher nicht für diesen Spielstil. Die Stärken sind hier eher im Spiel gegen den Ball zu finden, zaubern müssen die Akteure eine Reihe weiter vorne. Tite hat allerdings die Möglichkeit Coutinho statt Fernandinho im Mittelfeld zu bringen, wenn er insbesondere gegen schwächere Gegner mehr spielerische Akzente setzen will. Solange Neymar nicht zu hundert Prozent fit ist und so wie gegen Kroatien als Joker eingesetzt wird, wird Coutinho jedoch eher Linksaußen starten.

Kein Platz für Firmino

Liverpool-Legionär Roberto Firmino erzielte in der Champions League 10 Treffer und legte sieben weitere Tore auf. In der Premier League traf er 15 Mal und bereitete ebenfalls sieben Treffer vor. Dennoch ist für den Angreifer kein Stammplatz in der brasilianischen Offensive drinnen. Gabriel Jesus hat einen Fixplatz im Sturmzentrum und wird auf dem rechten Flügel von Willian oder Douglas Costa und links von Neymar, Coutinho oder Taison unterstützt. Neben der Abwehr ist diese Offensive natürlich der ganz große Trumpf der Brasilianer.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger