Der drittlängstdienenste ÖFB-Teamchef war leicht zu erheitern. Besonders nackte Hintern lösten bei Šťastný Lachkrämpfe aus. Das wusste August Starek. Der „schwarze Gustl“ hatte eigentlich... Anekdote zum Sonntag (147) – Storys von Šťastný (II)

Der drittlängstdienenste ÖFB-Teamchef war leicht zu erheitern. Besonders nackte Hintern lösten bei Šťastný Lachkrämpfe aus. Das wusste August Starek. Der „schwarze Gustl“ hatte eigentlich Probleme mit Autoritäten, mit dem gebürtigen Pressburger kam der Simmeringer jedoch bestens zurecht. Einmal saßen Starek, „Buffi“ Ettmayer und Gerhard Sturmberger gemeinsam im Taxi. Direkt hinter ihnen ließ sich ihr Trainer ebenfalls von einem Taxler chauffieren. Als das Auto mit den drei Kickern bei einer roten Ampel halten musste, erhoben sich die Spieler zeitgleich und ließen wie auf Kommando die Hosen fallen. Der Taxler im Wagen hinter ihnen wunderte sich gewaltig: Warum hatte er plötzlich drei blanke Hintern vor sich und warum konnte sich der ältere Herr auf dem Beifahrersitz vor Lachen nicht mehr einkriegen?

Im angesprochenen Scherzartikelgeschäft war Leopold Šťastný Stammkunde. Neben Plastiksemmeln erstand er einmal auch eine Art Furzkissen – auf gut wienerisch eine „Schaß-Bladern“ – das zu seinem Lieblingsspielzeug werden sollte. Ab diesem Zeitpunkt war niemand vor den falschen Körpergeräuschen des über 60-jährigen sicher: Auf einer Flugreise wurde das ÖFB-Team von einer besonders hübschen Stewardess bedient. Als der schüchterne Rudi Flögel gerade bei der Dame ein Mineral orderte, drückte Šťastný unüberhörbar auf seine „Schaß-Bladern“. Flögel bekam daraufhin einen hochroten Kopf, die Dame schaute betreten. Selbst wenn die Mannschaft ins Kino oder Theater ging, war niemand vor Šťastnýs Geräuschattacken sicher. Als das Team einer Vorstellung von „Anatevka“ im Theater an der Wien beiwohnte, steckte Šťastný Ettmayer mehrere Furzkissen zu und forderte ihn auf diese zu verteilen. Ein Großteil der Mannschaft hatte sich aus diesem Grund schon zwanzig Minuten vor Vorstellungsbeginn auf ihre Plätze gesetzt. Opfer des Spaßes wurden also andere unschuldige Theaterbesucher. Ettmayer und Sturmberger verteilten die Scherzartikel kreuz und quer. Als sich die Herrschaften setzten und das verräterische Geräusch ertönte, mimte Sturmberger den Empörten: „Muss das sein? Können Sie sich nicht einmal im Theater zusammenreißen?!“ Šťastný beobachte die Szenen aus einer Loge.

Journalisten gehörten zu den Lieblings-Sparringspartnern des Teamchefs. Einem Schreiberling entgegnete der Ex-Verteidiger einst: „Sie haben geschrieben, dass der Tormann bombensicher hielt. Aber ich frag Sie, wie kann a Bomb‘n sicher sein?!“ 1969 wollte Edi Finger Senior wissen, was er zum 1:1 gegen Deutschland sage: Šťastný erwiderte trocken: „Das Resultat hätte auch umgekehrt lauten können.“ Ein Jahr später ließ der Slowake mit dem Wiener Schmäh nach der Niederlage gegen sein Heimatland verlautbaren: „Am liebsten möchte ich mich in die Klomuschel setzten und selber abelassen!“

Trotz seines kindischen Humors, verlangte Šťastný Höchstleistungen seines Teams. Als das letzte Spiel einer 14-tägigen Wintertour in Griechenland miserabel lief, gab er Pepi Hickersberger schon nach zwanzig Minuten das Zeichen, er solle sich aufwärmen. Als er ihm schließlich befahl: „Du gehst jetzt rein!“, fragte Hicke: „Für wen, Trainer?“ Šťastný: „Such dir einen aus!“  Der Ex-Verteidiger wusste allerdings auch das Eis zu brechen. Der zwanzigjährige Krankl wurde von ihm einmal beim Frühstück gefragt, wie er denn geschlafen hätte. Ob dieser Fürsorge war der spätere Goleador ganz verlegen und antwortet rasch: „Gut, danke!“ Šťastný hatte jedoch anderes im Sinn: „Das wollt‘ ich nicht wissen!“ Krankl verwirrt: „Was dann, Trainer?!“ Šťastný: „Am Bauch oder am Rücken?“  Der Stürmer grinste.

Der Ex-Teamchef selbst entschlief neun Tage vor seinem 75. Geburtstag in Kanada. Er war 1979 zu seinem ausgewanderten Sohn gezogen. Nach Österreich kehrte er noch mehrere Male zurück, nach eigener Aussage, weil es dort die besten Würstel gibt[4]. Alles hat eben ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

Marie Samstag, abseits.at 

Marie Samstag