Die zweite österreichische Liga durchschreitet seit Jahren ein tiefes Tal. Nicht nur der Fakt, dass der Hauptsponsor der Liga beinahe jährlich wechselt, die Liga... Linksfokus führt zum 5:1-Sieg – Asymmetrisches Flügelspiel des LASK zerstört den FAC

Karl DaxbacherDie zweite österreichische Liga durchschreitet seit Jahren ein tiefes Tal. Nicht nur der Fakt, dass der Hauptsponsor der Liga beinahe jährlich wechselt, die Liga in den Medien kaum Resonanz erzeugt und die Zuschauerzahlen erschreckend schwach sind, auch das Konzept, aus der zweiten Liga eine Art Spielerausbildungsliga zu schaffen, geht nicht wirklich auf. Um jedoch die Liga etwas aufzuwerten, werden wir von nun an aus jeder Runde ein Spiel auswählen, das wir entweder gesamt analysieren oder einen speziellen interessanten Aspekt aufgreifen, den wir dann etwas genauer unter die Lupe nehmen.

In diesem Artikel geht es um die Linksüberladungen des LASK, der im Freitagabendspiel den FAC mit 5:1 besiegte.

Asymmetrisches 4-4-2 bei den Linzern

Der LASK ging als hoher Favorit in das Duell der beiden Aufsteiger gegen den FAC. Trainer Karl Daxbacher brachte mit Michorl, Dovedan und Drazan gleich alle drei erst kürzlich neuverpflichteten Spieler von Beginn an. Vor Torhüter Pervan agierte die Viererkette bestehend aus Takougnadi, Barry, Hieblinger und Erbek. Im Mittelfeld begannen Michorl und Hinum als Doppelsechs in klassischer Rollenverteilung, wobei der junge Neuzugang den horizontalen Part innehatte. Die Flügelpositionen waren asymmetrisch besetzt, auf links spielte Drazan sehr breit und flankenorientiert, auf der anderen Seite rückte der nominelle Rechtsaußen Dovedan oft sehr weit ein und kreierte von der Grundformation abweichende Staffelungen. Im Angriff begannen wie gewohnt die beiden Routiniers Vujanovic und Fabiano, die sich passend zur Asymmetrie auf den Flügeln leicht nach links versetzt bewegten.

Von Beginn an war zu sehen, dass der LASK nach einem ruhigen Aufbauspiel in den hinteren Linien vor allem über Flügelangriffe auf der linken Seite zum Erfolg kommen wollte. Abgesehen davon, dass sich Teams des pragmatischen Trainers Daxbacher offensiv durchaus häufig über simples, einstudiertes Flügelspiel definieren und auch die derzeitige Mannschaft des LASK auf diese Spielweise ausgerichtet ist, könnte dieser Flügelfokus durchaus auch eine Anpassung an den aktuellen Gegner und die Aktivitäten auf dem Transfermarkt sein. Einerseits agiert beim FAC der in der Offensive auffällige Rechtsaußen Maderner in der Defensive seinem Naturell als Mittelstürmer entsprechend meist etwas eingerückt und spielt gerne mit den Passlinien des Gegners. Er ist aber, nachdem er ausgespielt wurde, einige Male zu spät in seinem Grundbereich. Andererseits holte der LASK kurz vor Transferschluss mit dem Österreich-Rückkehrer Christopher Drazan einen Spieler, der sich vor allem im Dribbling, im schnellen und schnörkellosen Kombinationsspiel und bei anschließenden Flanken auszeichnen kann.

Ruhiger Michorl, diagonaler Erbek, „driftende“ Vujanovic und Drazan

Der Ausgangspunkt der Linksüberladungen war häufig Peter Michorl, der im Aufbau viele Ballkontakte hatte und den Ball sauber und strategisch klug verteilte. Aus dem halblinken Sechserraum ließ er den Ball trotz einer häufigen Mannorientierung durch Sadovič gegen ihn über die eigene Viererkette zirkulieren, bis er mit starker Übersicht und passendem Timing den gegnerischen Rechtsaußen umspielen konnte.

Nun war der Ball am Flügel; dieser Augenblick stieß eine hohe Fluidität auf Seiten des Linzer ASK aus. Erbek rückte auf, einige Male auch etwas ein, Drazan bot sich entweder im linken Halbraum als Weiterleitungsstation, um die gegnerische Verschiebebewegungen zu umspielen, oder blieb am Flügel, um dem Spiel Breite zu geben. Auch Vujanovic beteiligte sich an diesem freien Bewegungsspiel und ließ sich entweder fallen, agierte als Wandspieler oder wich aus seiner leicht nach links verschobenen Position paradoxerweise ausgerechnet in den Grundraum eines Mittelstürmers aus. Gerade diese Ausweichbewegungen Vujanovic‘ ins Zentrum lösten die besten Szenen der Linzer aus. Drazan nutzte den aufgeschobenen Raum aus, ging in den Halbraum, ließ den Ball auf den energisch nach innen startenden Erbek klatschen und bewegte sich danach wieder auf den Flügel, womit er wiederum Raum für seinen nach vorne preschenden Flügelkollegen schuf.

Da dieser einer der kreativsten, intelligentesten und dribbelstärksten Außenverteidiger Österreichs ist, konnten diese Situationen danach eine hohe Dynamik aufnehmen und wurden druckvoll weitergeführt, womit sie für den FAC auf Dauer kaum zu verteidigen waren. Gelangte der Ball wieder auf den Flügel, konnte Drazan ins Dribbling gehen und Flanken schlagen, auf die in der Mitte Fabiano und Vujanovic warteten. Zudem stieß einige Male auch Hinum nach, in anderen Situationen sicherte er mit Dovedan den Rückraum, während Michorl alleine absicherte.

Neben der höheren individuellen Klasse war dieser deutliche Sieg im Aufsteigerduell auch ein Sieg der Strategie. Trainer Karl Daxbacher fokussierte gegen den FAC Angriffe über die linke Seite mit Neueinkauf Christopher Drazan. Alleine der Fakt, dass vier der fünf Tore nach Angriffen über diese Flanke fielen, bestätigt, dass seine Strategie aufging. Die Linksüberladungen waren passend und harmonisch abgestimmt, sie überdeckten die in den anderen Zonen eher schwachen Offensivbemühungen und dürften bei guter Umsetzung auch für die restlichen Teams der Liga schwer zu verteidigen sein. Sollte der LASK diesen Linksfokus fortsetzen, so dürfte es in den nächsten Runden interessant zu beobachten sein, wie die Trainer der gegnerischen Mannschaften darauf taktisch reagieren werden. Ein extremes ballorientiertes Verschieben mit leicht abgewandelten Bewegungen oder eine verschobene erste Pressinglinie sind nur zwei von potentiell vielen Varianten, um die Linksüberladungen der Oberösterreicher kontrollieren zu können.

Michael Waldhauser, abseits.at

Michael Waldhauser

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