Der Fußballgott meint es gut mit den Fans. Während in Salzburg, Wien und Graz in der Bundesliga die spielerische Langeweile regiert, lohnt sich der... Spannung garantiert – der Abstiegskampf in der Heute-für-Morgen-Erste Liga

Der Fußballgott meint es gut mit den Fans. Während in Salzburg, Wien und Graz in der Bundesliga die spielerische Langeweile regiert, lohnt sich der Weg in die Nachbarschaft. Denn mit der Vienna, Hartberg oder Grödig stehen drei Mannschaften aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Großklubs vor dem packenden Duell um den Verbleib im Profisport.

Der Vergleich, wie viele Punkte denn nötig wären, um die Liga zu halten, gestaltet sich schwierig, da die Heute-für-Morgen-Erste Liga erst wieder im letzten Jahr mit nur zehn Mannschaften gespielt wurde. Das wurde sie zuletzt 2005/06. Vergleiche, wie etwa mit der deutschen Bundesliga, in welcher 40 Punkte allerorts als Klassenerhaltsziel ausgegeben werden, sind unzulässig. Immer wieder ließen Mannschaften abreißen oder es ging sehr eng zu. 2005/06 stieg der FC Kufstein mit nur 16 Punkten ab, am Ende der Spielzeit 2002/03 musste der Wiener Sportklub mit 40 Punkten in die Regionalliga absteigen. Ein Blick auf die Endtabelle der letzten Spielzeit verrät, dass der TSV Hartberg die Saison mit 39 Punkten auf Platz acht beendete. Gratkorn hatte als Letzter 33 Zähler. Somit erstreckt sich das Feld am Ende der Tabelle aus derzeitiger Sicht von St. Pölten (26 Punkte) über Grödig (25) bis zum FC Lustenau, dem First Vienna FC und dem TSV Hartberg (je 19). Bei maximal 45 zu vergebenden Punkten wird es vor allem zu Beginn der Hinrunde wichtig sein, eine Serie zu starten.

Die ersten drei Partien entscheidend

Die ersten drei Runden der Rückrunde können entscheidend sein, wohin das Formbarometer zeigt. St. Pölten hat sieben Punkte Vorsprung auf die drei am schlechtesten klassierten Teams, kann also durch einen miesen Frühjahrsstart schnell in den Abstiegsstrudel gezogen werden. Wichtige Punkte können gleich am 2. März gesammelt werden, wenn der FC Lustenau am Voithplatz zu Gast ist. Danach folgen mit der Auswärtspartie bei Blau-Weiß Linz und dem Heimspiel gegen Leader Altach zwei schwere Partien. Leichter hat es da die Elf von Heimo Pfeifenberger. Die Grödiger spielen zunächst zwei Mal auswärts gegen Hartberg und Lustenau, dann daheim gegen die Vienna. Selbst eine ausgeglichene Bilanz mit Sieg, Niederlage und Unentschieden sollten reichen, um den Polster von sechs Punkten zumindest gegenüber einem Konkurrenten nicht zu verkleinern. Der FC Lustenau hat einige komplizierte Partien. Nach dem Antreten in Niederösterreich empfangen die Blauen aus dem Ländle Grödig und Blau-Weiß Linz. Die Vienna gastiert bei der Austria, spielt daheim gegen den LASK und auswärts in Grödig. Das sind drei sehr unangenehme Partien und definitiv eine schwerere Auslosung als jene des FC. Hartberg hat mit einem Heimspiel gegen Grödig und einem gegen die Austria sowie einem Antreten auf der Gugl beim LASK eine moderate Auslosung. Rein von der Auslosung her wird es der Vienna am schwersten fallen, von unten raus zu kommen. Grödig und St. Pölten dürfen sich allerdings keinesfalls auf dem kleinen Vorsprung ausruhen, sonst könnte man sich Mitte März direkt im Abstiegskampf befinden.

Ruhe am Transfermarkt als Zeichen für Qualität?

Die Neuzugänge der Abstiegskandidaten wurden bereits vorgestellt. Zusammenfassend sei gesagt, dass eigentlich nur der FC Lustenau und die Vienna aktiv wurden. Grödig und St. Pölten verstärkten sich punktuell, die Hartberger mussten einige Abgänge verkraften, bewiesen allerdings bei Rexhe Bytyci schon ein gutes Händchen. Dieser ging zum Aufstiegsaspiranten LASK.

Die Testspiele im Überblick

TSV Hartberg

Die Hartberger spielten eine mäßige Vorbereitung, schlugen zum Beginn der Vorbereitung allerdings Sturm Graz mit 4:0, ließen sich dann von deren Amateuren besiegen (0:2). Des Weiteren verlor man gegen Gratkorn (0:1). Gegen weitere Regionalligisten wurde remisiert (Wiener Sportklub 2:2, Mattersburg Ama. 1:1, SKU Amstetten 1:1) oder knapp gewonnen (Rapid Ama. 1:0, SV Allerheiligen 1:0). Den deutlichsten Sieg gab es gegen den ungarischen Zweitligisten Videoten (2:0).

First Vienna FC

Nicht weniger als zwölf Testspiele absolvierte die Vienna, die Stadtderbys gegen den WSK und Post SV fanden allerdings witterungsbedingt nicht statt. Nach einem guten 3:1 gegen die Admira Amateure folgte ein 1:1 gegen Neusiedl. Für die nächsten zwei Vergleiche ging es eine Spielklasse weiter runter, statt Ostliga Wiener Stadtliga. Gegen den Aufstiegsaspiranten Nussdorfer AC gewannen die Döblinger 3:2, gegen den Landstraßer AC gleich 7:0. Es folgte ein 3:3-Unentschieden gegen den SC/ESV Parndorf, der wieder einmal heftig an der Tür zum Profitum rüttelt. Danach verließ die Vienna den Testplatz sechs Mal als Verlierer. Die Ostligisten Ostbahn XI (1:3) und Columbia (1:2) taten weh, die Admira (2:4) und zwei Mal der KSV (1:4, 1:2) waren eher programmgemäß. Auch das 1:4 gegen Ostliga-Tabellenführer Horn war suboptimal. Das 2:1 gegen den FAC, am Weg in die Stadtliga, verheißt auch nicht viel Gutes.

FC Lustenau

Der FC Lustenau testete gegen Vereine aus den Nachbarländern. Nach einem 1:0 gegen den SC Brühl, Abstiegskandidat in der Schweizer Challenge League, folgte eine 0:2-Niederlage gegen den FC Vaduz, gleiche Liga. Daraufhin folgten zwei 2:2-Unentschieden gegen den SC Pfullendorf aus der deutschen Regionalliga Süd und den FC Dornbirn. Der Schweizer Challenge-League-Spitzenklub St. Gallen fertigte die Lustenauer mit 4:0 ab. Ein 1:1 gegen den SC Bregenz und ein sattes 4:1 gegen die Wacker Amateure richteten die blauen Lustenauer dann aber wieder auf.

SV Grödig

Der Klub aus dem Umland von Salzburg startete mit einem Kracher gegen die SV Ried und gewann mit 3:1. Dank einer starken zweiten Halbzeit wurde mit der WSG Wattens auch der zweite Testgegner mit 3:1 geschlagen. Auch der Westligist TSV Neumarkt wurde mit 3:0 deutlich geschlagen. Salzburgligist Eugendorf wurde trotz Führung auch mit 5:1 vorgeführt. Viertes Testspiel, vierter Sieg. Diesmal musste sich die Regionalliga-Mitte-Mannschaft Villacher SV mit 4:1 geschlagen geben. Im fünften Spiel setzte es die erste Niederlage. Der FC Wacker Innsbruck war beim 1:2 aber nicht wirklich sehr überlegen. Gegen Regionalligist Union Vöcklamarkt kamen die Grödiger wieder in die Spur, gewannen 2:0, im Schneetreiben reichte es gegen den FC Pasching nur zu einem 1:1. Nach einem 1:2 gegen den GAK wurden die RB Juniors noch deutlich mit 5:0 geschlagen.

SKN St. Pölten

Die Wölfe begannen die Testspielphase gegen die Rapid Amateure (1:2). Gegen die ebenfalls in der Ostliga spielenden Amstettner wurde 2:2-Unentschieden gespielt. Da kam der ATSV Ober-Grafendorf ganz recht. Der Verein aus der 2. Landesliga West wurde standesgemäß mit 8:1 weggefegt. Im zweiten Test gegen Amstetten lief das Werkl auch rund – 6:1. Gegen Melk, selbe Liga wie Ober-Grafendorf, aber am Weg nach oben, gewann man 1:0. Im vorletzten Test verloren die St. Pöltner erstmals, der KSV gewann mit 1:0. Zum Abschluss gab es noch ein 1:1 gegen den SV Horn.

Die abseits.at-Prognose

Die Grödiger hinterließen von den fünf Teams den stärksten Eindruck. Beim FC Lustenau scheint Damir Canadis System zu greifen. Die Vienna hatte viele Spiele um endlich ein Team zu werden. Die Hartberger könnten an der Lizenzierung scheitern. St. Pölten muss den Abgang von Spielmacher Lukas Thürauer verkraften. Noch ist kein Verein abgestiegen, noch ist niemand sicher, dass dies nicht passiert. Wer aber gleich in den ersten Partien abreißen lässt, muss hart kämpfen, um nach wie vor Profifußball zu spielen. Die schlechtesten Karten hat wohl die Vienna, denn zum Winter hin setzte es fünf Niederlagen am Stück. Es wird bis zum Ende spannend bleiben. Doch auch der neunte Platz könnte sich nicht als rettendes Ufer erweisen. Auf den Vorletzten wartet voraussichtlich der bärenstarke Grazer AK.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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