Schon letztes Jahr nahmen wir in der Winterpause die interessantesten Spieler des deutschen Unterhauses unter die Lupe. Dem Großteil von ihnen gelang der Sprung... Ein Blick ins deutsche Unterhaus: Das waren die Topspieler der Herbstsaison 2012/2013 (Teil 1)

Schon letztes Jahr nahmen wir in der Winterpause die interessantesten Spieler des deutschen Unterhauses unter die Lupe. Dem Großteil von ihnen gelang der Sprung in die Eliteliga unseres Nachbarlandes. Auch heuer stellt abseits.at wieder die besten Spieler der zweiten deutschen Bundesliga vor, unter denen neben verheißungsvollen Talenten auch Spätstarter und Zweitliga-Evergreens zu finden sind.

Mit Hertha BSC, dem 1.FC Kaiserslautern und dem 1.FC Köln bekam die zweite deutsche Bundesliga im Sommer prominenten Zuwachs aus der obersten Spielkasse. Doch nicht diese Vereine, andere Allzeit-Favoriten oder Geheimtipps führen die Tabelle  an, sondern Eintracht Braunschweig. Nach 19 Spielen haben die Niedersachsen bereits zwölf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz drei und satte 15 auf Energie Cottbus, das auf Platz vier rangiert.

Timo Horn

Tor | 19 Jahre | 1.FC Köln

Nach einer miserablen Rückrunde musste der 1.FC Köln im Sommer den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Nach dem Abstieg tauschte man quasi die ganze Mannschaft aus und holte mit Holger Stanislawski einen neuen Cheftrainer. Im Tor vertraut der Neo-Coach auf den erst 19-jährigen Timo Horn. Obwohl die Kölner nur im Mittelfeld herumdümpeln stach der Youngster überaus positiv heraus und ist ein weiteres Beispiel für den hohen Standard der deutschen Tormann-Ausbildung. So holte er zum Beispiel 2010 als erster Nachwuchstorhüter überhaupt die Fritz-Walter-Medaille in Gold. „Das war eine große Ehre für mich und hat mich gleichzeitig angespornt weiter Gas zu geben“, so Horn. Zweifel, dass er den Sprung in das Profigeschäft nicht schaffen würde, gab es bei den Verantwortlichen nicht.

Wir hatten großes Vertrauen, weil wir wussten, was Horn kann“, so Frank Schaefer, sportlicher Leiter des FC und Förderer des Tormanntalents. Auf dem Platz zeichnet Horn neben hervorragenden Reflexen und einem guten Stellungsspiel vor allem seine ruhige und sachliche Spielweise aus. Zudem besticht er durch seine reife Persönlichkeit und hohe Professionalität. „Er steckt sich klare Ziele und verfolgt sie gewissenhaft“, lobt Torwarttrainer Alexander Bade seinen Schützling. Dennoch sieht man in ihm noch mehr Potenzial „Ich hätte gerne, dass er noch extrovertierter wird. Dass man ihn nicht nur sieht, sondern auch hört und er seine Spieler erzieht“, übt Toni Schumacher, Vize-Präsident der „Geißböcke“, leise Kritik. Aber an dieser Schwäche arbeitet Horn, der neben dem Mannschaftstraining auch zweimal pro Woche Kraft- und Beweglichkeitsübungen in Eigenregie macht, bereits – und das auf eine sehr professionelle Weise. „Ich arbeite mit Mental-Trainern zusammen, mache Hypnose.

Ermin Bicakcic

Abwehr | 22 Jahre | Eintracht Braunschweig

Nur 15 Gegentore kassierte Eintracht Braunschweig bisher; einen großen Anteil daran hat das Innenverteidiger-Duo Deniz Dogan und Ermin Bicakcic. Während ersterer schon seit über fünf Jahren dem Verein angehört, wechselte Bicakcic erst im letzten Winter vom VfB Stuttgart zu den „Löwen“. Bei den Schwaben galt der gebürtige Bosnier einst als Nachfolger von Kapitän Serdar Tasci, wurde aber von Trainer Bruno Labbadia nicht nachhaltig berücksichtigt. „Eigentlich muss man sich nur den Kader des VfB anschauen“, so der 22-Jährige. „Man hat einfach auf Erfahrung gesetzt. Da war mir schnell klar, dass es schwer wird.“ Und so entschloss er sich zu einem Wechsel zur Eintracht.

Für meine Entwicklung war das extrem wichtig. Wie jeder Spieler hatte auch ich den Punkt erreicht, an dem ich durch Trainingseinheiten allein nicht mehr weitergekommen bin. Ich brauchte Spielpraxis“. Bei seinem neuen Verein hatte er zunächst einige Startschwierigkeiten.„Ich habe am Anfang oft mit dem Trainer gesprochen und mir erklären lassen, wie die Mannschaft funktioniert“, so Bicakcic, der sowohl körperlich robust ist als auch ein akzeptables Aufbauspiel vorweisen kann und immerhin schon zweimal netzte. „Natürlich hat es ein wenig gedauert, bis ich die Automatismen draufhatte. Mittlerweile weiß ich aber ganz genau, wie Dogi in bestimmten Situationen reagiert und wie ich mich dann zu verhalten habe. Wir haben da ein riesiges Vertrauen zueinander aufgebaut, quasi ein blindes Verständnis.

Dominique Heintz

Abwehr | 19 Jahre | 1.FC Kaiserslautern

Auch beim 1.FC Kaiserslautern sah man sich nach dem Abstieg dazu veranlasst einen Schnitt durchzuführen. Neben gestandenen Spielern wie Mohamadou Idrissou und Alexander Baumjohann setzt Trainer Franco Foda ebenfalls auf einige Junge. Einer von ihnen ist Dominique Heintz und das obwohl die Konkurrenz für den 19-Jährigen zu Saisonbeginn zu groß schien. Jan Simunek und Marc Torrejon galten als gesetztes Pärchen in der Innenverteidigung, die Routiniers Mathias Abel und Antar Yahia als erste Alternativen.„Ich wusste“, erklärte Heintz, „es ist mit Franco Foda ein neuer Trainer da, der auf junge Spieler baut. Das habe ich als Chance gesehen.“ Diese nutzte er um sich in der Stammelf der „Roten Teufel“ festzuspielen, als er am dritten Spieltag nach der Halbzeitpause eingewechselt wurde und seitdem keine einzige Minute versäumte.

Zwar steht Heintz noch bis Juni 2015 bei den Pfälzern unter Vertrag, dennoch haben schon einige prominente Vereine, unter anderem Bayer Leverkusen, Interesse angemeldet. Davon will sich der 189cm große Linksfuß aber nicht ablenken lassen. „Ich mache mir Gedanken um die Rückrunde und den Aufstieg mit dem FCK. Ich bin ein echter Pfälzer, bin seit 13 Jahren beim Verein. Mein Ziel ist es, mit dem FCK in der Bundesliga zu spielen. Und ich bin davon überzeugt, dass wir das schaffen. Daher beschäftige ich mich jetzt nicht mit anderen Dingen.

Ronny

Mittelfeld | 26 Jahre | Hertha BSC

Seit 2010 gehört Ronny schon zum Kader von Hertha BSC, stand aber stets im Schatten seines Bruders Raffael, der nach dem Abstieg nach Kiew zu Dynamo wechselte. Nicht nur, weil dieser vier Jahre lang der Publikumsliebling in der deutschen Bundeshauptstadt war, sondern weil Ronny selbst sein Potenzial nicht ausschöpfte. Vor der aktuellen Saison fiel er beispielsweise beim ersten Laktattest aufgrund von Übergewichts durch. „Diese Zeiten sind ein für allemal vorbei. Ich weiß, wie sich ein echter Profi zu verhalten hat“, versichert der 26-Jährige und zeigt dies auch auf dem Rasen. Mittlerweile liefert er wöchentlich Topleistungen ab, ist mit neun Toren sowie fünf Assists ligaweit der zweitbeste Scorer und ein wichtiger Grund dafür, dass die „alte Dame“ der einzige ernstzunehmende Verfolger von Eintracht Braunschweig ist.

Ronny spielt seit Wochen konstant, ist in einer tollen Form. Er ist einfach Gold wert für uns“, ist Chefcoach Jos Luhukay voll des Lobes für den Spielmacher, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Dass sich der Brasilianer aus dem Nichts zum Helden katapultierte, sorgt aber nicht nur für Harmonie im Lager der Hauptstädter. „Ihr wollt ihn herausheben, weil er das entscheidende Tor gemacht hat“, sagte Kapitän Peter Niemeyer nach dem 2:1-Sieg über Cottbus, bei dem Herthas Nummer zwölf neben besagtem Siegtor blass blieb und nur fünf Zweikämpfe gewann, zu den Journalisten. „Ihr könnt ihn gerne feiern. Ich bin dabei, aber ich feiere auch gerne die anderen.“ Luhukay drückt es pragmatischer aus, meint „es ist eine gute Wechselwirkung“. Wichtig sei neben dem sichtbaren Ertrag, also den Toren und Vorlagen, dass die Mannschaft sieht, dass der Brasilianer an sich gearbeitet hat. „Dafür läuft man gerne mal ein paar Meter mehr“, gibt auch Teamkollege Peer Kluge zu.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem