Nach der bitteren 1:2-Niederlage gegen Schweden wird sich die österreichische Nationalmannschaft neue Ziele setzen müssen. Nach dem letzten Auswärtsspiel gegen die Färöer heißt es... Ein Neuling im Blickfeld: Gibraltar debütiert bei der EM-Qualifikation 2016

UEFA LogoNach der bitteren 1:2-Niederlage gegen Schweden wird sich die österreichische Nationalmannschaft neue Ziele setzen müssen. Nach dem letzten Auswärtsspiel gegen die Färöer heißt es den Frust nach der knapp verpassten WM-Qualifikation abzuschütteln und die Europameisterschaft 2016 in Angriff zu nehmen. Dort könnte die ÖFB-Auswahl auf einen Debütanten treffen, der bei der kommenden Qualifikation eine Premiere feiern wird.

Ein kurzer Ausflug in Gibraltars Geschichte

Gibraltar liegt an der Südspitze der iberischen Halbinsel und ist ein Überseeterritorium des Vereinigten Königreichs, das eine eigene Regierung besitzt und sich selbst verwaltet. 1704 eroberte die englische Krone die Halbinsel und bekam die Herrschaft über das Gebiet im Vertrag von Utrecht 1713 zugesichert. Seither versuchte Spanien immer wieder die Gebietsansprüche über Gibraltar zurückzuerlangen, wobei alle militärischen und diplomatischen Bemühungen scheiterten. In zwei Volksabstimmungen sprachen sich die Einwohner Gibraltars zudem deutlich gegen einen Wechsel zu Spanien aus, auch weil sie auf die spanische Regierung schlecht zu sprechen waren, da diese über viele Jahre hinweg die Grenzen schloss und auch mit anderen Repressalien die Einwohner verstimmte. Die erste Abstimmung im Jahr 1967 endete mit 12.138 zu 44 Stimmen für einen Verbleib beim Königreich, im Jahr 2002 folgte die zweite Abstimmung, die ähnlich deutlich mit 17.900 zu 187 Stimmen endete.

Gibraltar und der harte Kampf um die UEFA-Vollmitgliedschaft

Spanien und Gibraltar sind also nicht unbedingt gut aufeinander zu sprechen und es kommt immer wieder zu kleineren politischen Reibereien, auch wenn in letzter Zeit die Zusammenarbeit verbessert wurde. Als Gibraltar 1997 um die Vollmitgliedschaft bei der UEFA ansuchte, legte sich der spanische Verband quer und drohte sogar mit einem Boykott der Nationalmannschaft für die zukünftigen Bewerbe. Die UEFA wollte Spanien nicht verärgern und lehnte den Antrag ab, mit der Begründung, dass Gibraltar kein souveräner Staat sei, der von den Vereinten Nationen anerkennt wird, sondern bloß ein Überseegebiet. Die Regelung, dass nur souveräne Staaten UEFA-Mitglied werden können wurde allerdings erst nach Gibraltars Antrag extra für diesen Fall dazugeschrieben. Gibraltar rief den Internationalen Sportgerichtshof an, der feststellte, dass Gibraltar im Recht wäre, da die UEFA die Statuten erst nach Gibraltars Ansuchen änderte und an die früheren Aufnahmekriterien gebunden sei. Die UEFA hatte also keine andere Wahl und ernannte Gibraltar beim XXXVII. Ordentlichen UEFA-Kongress in London zum Vollmitglied.

Gibraltars Chefminister Fabian Picardo errang also einen Sieg. Zuvor äußerte er sich über die spanischen Versuche Gibraltars Antrag zu verhindern wie folgt: „Wir glauben, dass Politik und Sport nicht miteinander vermischt werden sollten. Daher ist es unglücklich, dass von spanischen Politikern Bemerkungen über sportliche Angelegenheiten gemacht worden sind“.

Was erwartet die Gegner Gibraltars in sportlicher Hinsicht?

Gibraltar ist einer der wenigen verbliebenen echten Fußballzwerge. An der Einwohneranzahl gemessen ist Gibraltar mit knapp 30.000 Einwohnern das kleinste UEFA-Mitglied. Die meisten Nationalspieler sind Amateure und müssen nebenbei anderen Berufen nachgehen. Torhüter Jamie Robba und Verteidiger Joseph Chipolina kicken immerhin in der Segunda División B, der dritthöchsten spanischen Spielklasse, bei  Real Balompédica Linense. Liam Walker spielt bei CD San Roque in der vierten spanischen Liga, dazu kommen ein paar Kicker, die in England in der Football Conference zu Einsätzen kommen. Vor etwa einem Monat bot zudem der 34-jährige englische Abwehrspieler Danny Higginbotham seine Dienste an, der momentan bei Sheffield United unter Vertrag steht und auf eine Menge Premier-League-Erfahrung zurückblicken kann. Der zweifache FA-Cup-Finalist kann eine Staatsbürgerschaft Gibraltars beantragen, weil seine Mutter aus Spanien stammt und Wurzeln in Gibraltar nachweisen kann. Gibraltar ist alles andere als abgeneigt Spieler wie Higginbotham aufzunehmen, da die Auswahl aus insgesamt 600 registrierten Fußballspielern in Gibraltar doch eher begrenzt ist.

Ein Gewinn  in vielerlei Hinsicht

Für Gibraltar ist die Aufnahme als Vollmitglied in vielerlei Hinsicht ein großer Gewinn. Das Nationalstadion in Gibraltar verfügt über 5000 Plätze, nach dem positiven Aufnahmebescheid der UEFA wird ein doppelt so großes Stadion für die Länderspiele geplant. Durch Investitionen, wie etwa ins neue Stadion, wird der Arbeitsmarkt angeregt und der Verband erhält von der UEFA finanzielle Unterstützung. Die heimische Liga wird außerdem stark aufgewertet, da die besten Vereine nun auch Champions- und Europa-League-Qualifikationsspiele bestreiten werden. Wir sind schon sehr gespannt, wie sich Gibraltar bei der Qualifikation anstellen wird. Die spanische Nationalmannschaft bleibt dem Debütanten vorerst sicher erspart, da die UEFA die beiden Vereine nicht in einen Topf losen wird. Diese Vorgangsweise wird auch bei Russland und Georgien, beziehungsweise Armenien und Aserbaidschan angewandt.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger