Der SK Rapid bekommt es am kommenden Donnerstag mit dem kleinen weißrussischen Europacupvertreter Torpedo Zhodino zu tun. Für Rapid ist es die zweite Reise... Erst die letzten Wochen wurden interessant: Das ist der Verein Torpedo Zhodino!

Flagge Weißrussland_abseits.atDer SK Rapid bekommt es am kommenden Donnerstag mit dem kleinen weißrussischen Europacupvertreter Torpedo Zhodino zu tun. Für Rapid ist es die zweite Reise nach Weißrussland innerhalb von einem Jahr. Torpedo hingegen fand durch die vierwöchige Meisterschaftspause dank des Europacups wieder ein wenig in die Spur.

Eine große Nummer war Torpedo Zhodino noch nie. Die Mannschaft aus dem Hauptstadtbezirk wurde erst 1961 gegründet und gewann in den ersten 20 Jahren des Bestehens viermal die regionale weißrussische Meisterschaft. An dieser nahm man teil, weil die große Sowjet-Liga nie ein Thema war. 1992 wurde dann die noch heute bestehende Vysshava Liga gegründet, aus der man gleich mal abstieg. Erst 2001 ging’s wieder nach oben und seit nunmehr 15 Jahren spielt das Team in der höchsten Spielklasse Weißrusslands.

Out gegen OFK Belgrad beim EL-Debüt

2010 stieß das Team erstmals in der Vereinsgeschichte ins weißrussische Cupfinale vor, das aber klar mit 5:0 an BATE Borisov ging. Immerhin ermöglichte dies Zhodino die erstmalige Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation. Gegen Fylkir Reykjavik gab’s zwei klare Siege (3:0 h, 3:1 a) und gegen den OFK Belgrad gab es nach einem 2:2 auswärts eine bittere 0:1-Heimniederlage.

Letztes Jahr Endstation Kukesi

Die Saison 2014 war die stärkste Ligasaison in der Geschichte des Klubs. Mit 50 Punkten aus 32 Spielen wurde man Vierter und durfte wieder in der EL-Quali ran. Kurze Zeit bevor Rapid gegen Ajax und Shakhtar Donetsk um den Champions-League-Einzug kämpfte, schied Zhodino gegen den diesjährigen Austria-Gegner FK Kukesi aus. Auf ein 0:2 auswärts folgte ein 0:0 daheim.

Aufregende Wochen für den Underdog

Die größten Erfolge der Vereinsgeschichte fallen aber in die letzten Wochen. Im Mai gewann das Team erstmalig den weißrussischen Cup. Nach einem 0:0 nach Verlängerung wurde der Serienmeister BATE Borisov im Elfmeterschießen besiegt. Knapp acht Wochen später kam es zum Aufeinandertreffen mit dem stark abbauenden ungarischen Vertreter Debreceni VSC. Auf einen 2:1-Auswärtssieg in Ungarn gelang sogar noch ein 1:0-Heimsieg und somit der völlig verdiente Aufstieg. Gerade das Auswärtsspiel verlief für die Weißrussen etwas glücklich, zeugte aber auch von einer moralisch sehr starken Leistung. Der nächste, in der Vereinsgeschichte fünfte Europacupgegner heißt nun Rapid.

Derzeit Achter in Weißrussland

In der weißrussischen Liga muss sich Torpedo Zhodino, das von der örtlichen Maschinenbaufirma BelAZ gesponsert wird, eher nach unten orientieren. Aktuell steht das Team auf Platz 8 der Sechzehnerliga. Mit dem Abstieg wird man zwar nichts zu tun haben, aber auch nach oben dürfte der qualitative Abstand zu groß sein. BATE wird wieder Meister werden, aber auch der Qualitätsunterschied zu den nächstbesten Mannschaften Schachtjor Soligorsk, Dinamo Minsk und FK Minsk ist zu groß.

Benchmark: Die Duelle mit Dinamo Minsk

Apropos Dinamo Minsk: Der Hauptstadt-Klub warf Red Bull Salzburg in der vergangenen Saison aus dem Europa-League-Playoff, verlor dann in der Gruppe aber zweimal gegen Rapid. In Weißrussland gewann Rapid mit 1:0, in Wien mit 2:1. Heuer spielte Torpedo Zhodino schon dreimal gegen Dinamo Minsk – zweimal im Cup und einmal in der Liga. Auswärts gab’s eine 0:1-Cupniederlage, zu Hause eine 0:2-Niederlage in der Liga und einen 2:0-Sieg im Cup. In der vergangenen Saison verlor Zhodino auswärts gegen die Hauptstädter mit 0:4, gewann aber zu Hause mit 1:0.

Prestigeduelle

Traditionsgemäß hat Torpedo Zhodino eine eher alte, routinierte Mannschaft. Aus Ermangelung guter Jugendarbeit, sichert sich der Verein gerne die Leistungsträger von Abstiegskandidaten oder auch Spieler, die bei den größeren Vereinen nicht zum Zug kommen. Zudem hat man schon seit jeher einen guten Draht in die Ukraine, wo alle vier aktuellen Legionäre des Kaders herkommen. Rekordtransfers, sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung, sucht man vergeblich. Jeder Rubel muss doppelt und dreifach umgedreht werden. Die Spiele gegen Rapid werden wohl zu den größten und wichtigsten in der Vereinsgeschichte, realistisch aber auch als Prestigeduelle betrachtet. Der richtungsweisende August ist den Rot-Schwarz-Weißen effektiv wichtiger. Bevor es im Europacup losging, verlor Zhodino drei Ligaspiele in Serie, was den Klub eine missliche Lage bringt.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen