Am dritten Spieltag der UEFA Europa League-Gruppenphase empfing der österreichische Meister Red Bull Salzburg den norwegischen Kontrahenten Rosenborg BK zum Kräftemessen. Dabei mussten... Analyse: Salzburg bleibt in der Europa League flexibel und makellos

 

Am dritten Spieltag der UEFA Europa League-Gruppenphase empfing der österreichische Meister Red Bull Salzburg den norwegischen Kontrahenten Rosenborg BK zum Kräftemessen. Dabei mussten die Bullen wenige Tage vor dem Duell einen kleinen „Dämpfer“ hinnehmen, als man gegen Wacker Innsbruck nicht über ein 1:1 Unentschieden hinauskam. Gegen Rosenborg wollte man daher nicht nur auf die Siegerstraße zurückkehren, sondern einen weiteren Schritt in Richtung Aufstieg in die K.O.-Phase tätigen, nachdem man die bisherigen beiden Spiele jeweils für sich entscheiden konnte.

Rosenborg rührt den Beton an

Mit dem norwegischen Serienmeister reiste ein Team in die Mozartstadt, welches bereits mehrmals in der jümgeren Vergangenheit einen Abstecher nach Österreich machte und das mit unterschiedlichem Erfolg. Gegen Salzburg war dabei die Ausgangslage ungleich schwieriger, sind die Bullen doch gerade für ihre brutale Heimstärke bekannt und seit mittlerweile 50 Spielen ohne Niederlage. Allerdings war man quasi gezwungen anzuschreiben, wenn man sich noch eine kleine Aufstiegschance bewahren wollte, nachdem Rosenborg die ersten beiden Spiele nicht gewinnen konnte und sogar punktelos blieb. In der Liga ist man unter dem holländischen Trainer Coolen zwar dafür bekannt, eine mutige Spielweise zu praktizieren und in einem offensiven 4-3-3 aufzulaufen, gegen Salzburg konnte man diese Spielanlage klarerweise rein aus qualitativen Gründen nicht übertragen, zumindest wenn man nicht ins offene Messer laufen wollte.

Daher entschied sich der Trainer der Norweger auf eine defensivere 4-1-4-1-Grundformation zurückzugreifen, um der Offensivpower der Gastgeber Einhalt zu gebieten. Interessanterweise begann man allerdings die ersten Spielminuten in einer „spiegelnden“ Formation, in der man den Gegner in seiner Anordnung quasi nachahmte. Doch dies dauerte nur wenige Minuten an, weshalb man über die Gründe nur spekulieren kann. Vermutlich wollte man die Salzburger zunächst etwas in die Irre führen und in der Anfangsphase daraus Kapital schlagen. Jedenfalls kehrte man relativ bald zum 4-1-4-1 zurück, mit einigen klaren strategischen Aufgaben. So versuchte man sich in einen raumorientierten kompakten Block zu formieren, in welchem man die Abstände zueinander eng hielt und sich quasi zusammenzog, um vor allem die relevanten Räume im Zentrum zu verschließen und über diese Zone die Kontrolle zu erlangen. Die Pressinglinie verlegte man dabei auf eine sehr tiefe Position und bis auf Stürmer Bendtner verteidigte man meist in weit in Richtung des eigenen Strafraums. Die Defensivformationen von Rosenborg kann man bei den ersten Bildern gut erkennen:

Rosenborg startet in das Spiel zunächst aus einer rautenförmigen 4-3-1-2-Formation und spiegelt damit den Gegner Salzburg…

…ehe man relativ bald zur 4-1-4-1-Grundformation zurückkehrt und so auch verbleibt. Der Fokus liegt dabei ganz klar auf das Verschließen der zentralen Räume.

Interessant war aber auch, wie der norwegische Serienmeister gedachte, die Salzburger durch Ballbesitz zu knacken. In diesen Momenten kam dann doch die holländische Schule des Trainers von Rosenborg zum Vorschein, denn bei eigenem Ballbesitz fächerte man die Formation auf und sie wurde zu einem breitangelegten 4-3-3, mit einem klaren strategischen Fokus. Man versuchte das Feld maximal zu strecken und dadurch das Pressing des Gegners zu erschweren, indem man quasi die Distanzen zum Anlaufen erhöhte. Ergänzt wurde dies durch einen starken Flügelfokus, den man auch daran erkennen konnte, dass die Flügelzonen jeweils mit einem Pärchen besetzt wurden und man sich über diese Regionen Möglichkeiten erhoffte, um Durchbrüche zu kreieren und zu Torchancen zu kommen. Dies kann man am nächsten Bild gut erkennen:

Rosenborg im Ballbesitz, man versucht das Feld breit zu machen und fächert die 4-1-4-1-Formation auf, mit dem klaren Fokus auf die Überladung der Flügelzonen, da die Salzburger das Zentrum bekanntlich kompakt halten.

Wie regierten die Salzburger auf die Überlegungen des Gegners im Ballbesitz? Großteils so, wie man es erwarten konnte. Man agierte aus einer 4-3-1-2-Formation heraus, in der die beiden Innenverteidiger und der Ankersechser des Gegners mit der bekannten 2-1-Staffelung abgedeckt wurden, während die beiden Achter bei Pässen auf die gegnerischen Außenverteidiger herausrückten und diese nach Zuspielen attackierten. Man brauchte daher nicht wirklich viele Spieler in der gegnerischen Hälfte, um bereits frühzeitig den langen Ball des Gegners zu erzwingen, weshalb man gut gestaffelt im Kampf um den ersten und zweiten Ball blieb. Daher wurde man auch nur selten vor Probleme gestellt und das Spiel verlagerte sich die meiste Zeit in die Hälfte von Rosenborg. Interessanterweise bemängelte Trainer Marco Rose nach dem Spiel allerdings die Defensivarbeit und war mit dem Pressingverhalten seiner Spieler nicht ganz zufrieden. Zwar gab es tatsächlich einige Situationen, speziell über die linke Seite, in der man mit dem Zugriff Probleme hatte und die Abstimmung zwischen Ulmer und Junuzovic nicht passte, allerdings waren das nur Ausnahmen und die restliche Absicherung war meist zur Stelle, um die Situationen frühzeitig zu bereinigen.

Salzburg zeigt Flexibilität und offenbart Hilflosigkeit des Gegners

Da sich das Spiel meist in der gegnerischen Hälfte abspielte, war es daher wesentlich wichtiger, Zugriff im Gegenpressing nach Ballverlust herzustellen, um den Gegner nicht aus der Hälfte kommen zu lassen und quasi hinten einzuschnüren. Dies klappte die meiste Zeit auch und führte dazu, dass die Ballbesitzzeit der Salzburger in die Höhe schoss. Daher waren klarerweise auch spielerische Lösungen gefragt, um den tiefstehenden gegnerischen Block zu knacken. Wie gedachte man dies zu bewerkstelligen? Zunächst gab es sichtlich einige gegnerspezifische Anpassungen zu sehen. Einerseits rückte Sechser Samassekou etwas weiter als gewöhnlich auf, da Rosenborg nur mit einem Stürmer verteidigte und daher die Innenverteidiger Ruhe und Zeit am Ball hatten das Spiel aufzubauen und Samassekou nicht gebraucht wurde.

Gelegentlich gab es auch Rückfallbewegungen von Junuzovic zu sehen, der sich in den defensiven linken Halbraum fallen ließ und anbot, um das Spiel nach vorne zu tragen. Das Zentrum war strategisch aber auch nicht die bevorzugte Region in diesem Spiel, wie man gedachte nach vorne zu kommen, sondern die Außenbahnen. Man war also auf den hohen Zentrumsfokus der Norweger vorbereitet und hatte bereits Alternativen parat. So nahmen die beiden Außenverteidiger eine noch wichtigere Rolle im Aufbauspiel ein und sie sollten das Spiel nach vorne tragen. So gab es speziell in der Anfangsphase immer wieder Aufrückbewegungen mit anschließenden Diagonalpässen der Außenverteidiger zu sehen, um mit diesem Muster ins letzte Spielfelddrittel einzudringen. Ergänzt wurde dieses Muster durch Spielverlagerungen der Innenverteidiger, womit man versuchte, die Außenverteidiger schnell ins Spiel zu bringen und so den Gegner aufzureißen.

Doch Salzburg beschränkte sich nicht nur auf das Flügelspiel, denn in dem Fall hätte Rosenborg die Spielanlage anpassen und sich in etwa einfach breiter aufstellen können. Man versuchte daher sehr wohl auch über das Zentrum anzugreifen und die Devise lautete quasi „sowohl über den Flügel, als auch über das Zentrum“. Immer wieder spielte man sich von außen wieder nach innen zurück und versuchte den Zwischenlinienraum des Gegners zu überladen und zu attackieren, weshalb sich Rosenborg auch nicht locken ließ und sich weiterhin auf das Zentrum fokussierte.

Doch Salzburg drehte den Spieß einfach um und lockte stattdessen die Norweger an, um sie dann wiederum zu überraschen. Der Lockversuch sah dann meisten so aus, dass man speziell den linken Halbraum zu überladen versuchte und die Aufmerksamkeit des Gegners auf diese Zone lenkte, indem vor allem Wolf immer wieder auswich, aber auch der Sechser Samassekou oft nachschob und von anderen Mitspielern unterstützt wurde. In dem Fall musste Rosenborg aufgrund ihres strategischen Fokus stärken nachschieben und sich noch enger im Zentrum zusammenziehen, um diese Zone nicht herzugeben. Und in diesem Fall schnappte die Falle der Salzburger zu und Rechtsverteidiger Lainer kam dadurch zu viel Freiraum, wie man das speziell bei der Entstehung des Führungstreffers wunderbar sehen konnte:

Salzburg im Angriff und mit der Überladung auf links, Wolf weicht auf den linken Flügel aus, ebenso Samassekou und Haidara, weshalb die Norweger darauf reagieren und sich noch enger zusammenziehen und mit zehn Mann auf engstem Raum stehen. Doch diese „zu hohe“ Kompaktheit ist trügerisch…

…denn dadurch, dass sich Rosenborg so eng zusammenzieht, entsteht viel Raum auf dem Flügel, wo bereits Rechtsverteidiger Lainer auf das Anspiel lauert. Dieses kommt dann auch und Lainer hat alle Zeit der Welt eine maßgenaue Flanke in den Strafraum zu schlagen, die von Dabbur zum 1:0 verwertet wird.

Diese Art von Spielzügen sah man im Spiel der Salzburger laufend. Lainer sammelte dadurch viele Ballkontakte und initiierte einen Angriff nach dem anderen, weshalb auch nahezu jede gefährliche Aktion ihren Ursprung über die rechte Flügelzone hatte. Jetzt fragt man sich klarerweise, warum hat Rosenborg nicht einfach Lainer enger gedeckt und darauf reagiert? Das Problem dabei, wenn sich der Flügelspieler von Rosenborg nur auf Lainer konzentriert und diesen verfolgt, öffnet sich dadurch wiederum der Halbraum und der Passweg zu Haidara, der ja auch kein ungefährlicher Zeitgenosse ist. Daher hoffte Rosenborg wohl, nach Verlagerungen von Salzburg schnell genug Zugriff auf Lainer herstellen zu können und dessen Vorstöße und Flanken zu verteidigen. Dies war aber zu selten der Fall, weshalb man das Gefühl bekam, die Norweger hätten die Gefährlichkeit von Lainer nicht auf dem Schirm gehabt und wären überrascht gewesen. Doch genau das ist die Problematik, wenn man auf Salzburg trifft und sie als Gegner bespielen muss. Wenn man sich nämlich auf einen Spieler oder eine Zone zu sehr fokussiert, ergeben sich wiederum in anderen Räumen Möglichkeiten für die Bullen und diese nutzen sie meist auch konsequent aus.

Konzentriert man sich zu sehr auf das Zentrum, greifen die Salzburger einfach über die offensivstarken Außenverteidiger an, die von ausweichenden Bewegungen der drei Offensivkräfte und beiden Achter unterstützt werden. Verfolgt man jedoch die beiden Außenverteidiger der Salzburger in einer Manndeckung oder verschiebt zu stark auf eine Seite, entstehen wiederum Räume im Zentrum und kann dies ebenso ins Auge gehen. Daran erkennt man auch wunderbar die Flexibilität der Salzburger unter Marco Rose, denn egal welche Aufgabe ihnen gestellt wird, man ist variabel genug um sich schnell daran anzupassen und die Spielanlage einfach zu verändern. Die Zeiten sind also längst vorbei, als man noch die eindimensionale „um jeden Preis durchs Zentrum“ Spielanlage bei den Salzburgern sah. Deshalb ist der österreichische Meister aktuell auch so unangenehm zu bespielen und gehört nicht umsonst mittlerweile zu den besten Teams in Europa.

Rosenborg hatte letztlich dieser Flexibilität und Variabilität nur wenig entgegenzusetzen, weshalb der Sieg der Mozartstädter auch nie wirklich in Gefahr war und die Bullen das Spielgeschehen nach Belieben dominierten und letztlich einen ungefährdeten 3:0-Heimerfolg einfuhren.

Fazit

Salzburg gibt sich auf europäischer Bühne mal wieder keine Blöße und fertigt den norwegischen Meister Rosenborg Trondheim nahezu problemlos mit 3:0 ab. Dabei zeigten die Bullen zum wiederholten Male, was sie auszeichnet, nämlich ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, wodurch sie sehr schwer auszurechnen sind und über verschiedene Angriffsmuster verfügen, weshalb es für jeden Gegner schwer ist sie zu bespielen und Lösungen dagegen zu finden. Darüber hinaus ist vor allem die Selbstverständlichkeit und Konstanz im Spiel der Salzburger beeindruckend, denn egal gegen welchen Gegner es geht, die Bullen rufen fast immer ihre Leistung ab und gehen perfekt vorbereitet und mit der gleichen Mentalität in diese Spiele. Deshalb kann es für den österreichischen Meister auch heuer in der Europa League sehr weit gehen und man gehört definitiv zu einem Kreis von einigen Mannschaften, auf die kein anderes Team treffen will. Diesen Ruf hat man sich mittlerweile erarbeitet und redlich verdient.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic