Das spanische Duell in der Europa League war auch gleichzeitig eines der qualitätsreichsten Spiele dieser europäischen Woche. Sevilla kann in der Europa League zu... Bilbao dominant, doch Sevilla entscheidet spanisches EL-Duell für sich

FC Sevilla Wappen_abseits.atDas spanische Duell in der Europa League war auch gleichzeitig eines der qualitätsreichsten Spiele dieser europäischen Woche. Sevilla kann in der Europa League zu den Favoriten gerechnet werden, immerhin konnte der spanische Klub diesen Bewerb schon einige Male gewinnen. In Bilbao siegte man knapp mit 2:1. Wir wollen nun analysieren, wie die Andalusier den Sieg in diesem Spiel davontrugen.

Beide Mannschaften traten in einem 4-2-3-1 an, welches sich im Pressing zu einem 4-4-2 formierte. Dahingehend waren sich beide Mannschaften schon einmal ziemlich ähnlich. Die deutlichen Unterschiede fand man jedoch in der Art und Weise, wie das Pressing angelegt wurde. Regierte bei den Andalusiern die Raumdeckung, waren es bei Bilbao immer wieder situative Mannorientierungen, die für Zugriff sorgen sollten. Probleme bei Erstgenannten gab es vor allem durch die etwas zu großen Abstände von den Stürmern zum Mittelfeld. Diese Räume dahinter konnte Bilbao immer wieder gut bespielen, sodass das Mittelfeld oft Probleme bekam die Folgeaktionen zu unterbinden.  Auf den Flügeln doppelte man vor allem auf der rechten Seite wegen Iñaki Williams konsequent, denn man wollte seine Qualitäten im Eins-gegen-Eins nicht zur Geltung kommen lassen.

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Einfach zu bespielender Raum im Rücken der Sevilla Stürmer.

Prinzipiell spielte man eine recht hohe Linie in der Verteidigung, jedoch übte das Mittelfeld in einigen Situationen nicht genug Druck auf den Ballführenden aus, sodass Bälle hinter die Abwehr gespielt werden konnten. Diagonale Läufe von Williams sowie kluge Auftaktbewegungen und Bogenläufe vom erfahrenen Aduriz schafften es auch fast die Sevilla-Abwehr zu entblößen.

Bilbao hingegen arbeitete eher noch mit situativen Mannorientierungen, weshalb sich auch einige Male 4-3-3 artige Staffelungen im Pressing bildeten, wenn Williams weit auf den Außenverteidiger schob und bei diesem teilweise auch ballfern blieb. Durch diese Mannorientierungen, die vor allem auch die Sechser Sevillas traf, konnte man die Gäste vor allem zu Beginn weitestgehend vom Spielaufbau durchs Zentrum abhalten und zwang die Gäste auf die Flügel. Man attackierte sehr hoch und ließ den Gegner kaum mit Kombinationen nach vorne kommen, der hohe Ball war meist die einzige Möglichkeit für die Andalusier den Ball nach vorne zu bringen.

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Williams bleibt auf der Seite um den Außenverteidiger zu decken und Verlagerungen zu verhindern, während San José weit aufrückt um N’zonzi zu stören.

Zähe Offensive

Aufgrund des starken Pressings und vor allem auch Gegenpressings auf beiden Seiten war es vor allem in den ersten 20 Minuten schwierig für beide Teams längere Ballstafetten zu kreieren. Dennoch war bei Bilbao ein gewisser Flügelfokus ersichtlich. Im Aufbau war zunächst einmal San José stets der deutlich tiefere Sechser, sodass man in 4-1-4-1/4-3-3-artigen Staffelungen bei längerem Ballbesitz agierte. Auf den Flügeln agierte man etwas asymmetrisch, Williams arbeitete sehr diagonal ohne Ball und rückt manchmal als zweite Spitze neben Aduriz auf, während Muniaín meist eher Breite gab und über seine Kombinationsfreudigkeit kommen sollte, obwohl auch er im Dribbling sehr stark ist.

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Unter Druck spielt der Innenverteidiger den von Amateurtrainern so gefürchteten „Pass in die Mitte“. Kolodziejczak hat jedoch nun genug Raum, um einen diagonalen, weiten Pass auf die rechte Seite zu spielen.

Der Flügelfokus Bilbaos ist logisch, hat man doch mit Aduriz einen der derzeit besten Strafraumstürmer Spaniens, der sich immer wieder mit klugen kleinen Bewegungen freiläuft und für Hereingaben bereit steht und in Halbzeit eins nach einer Freistoßflanke eine der zwei größten Chancen Bilbaos hatte, als er diese an die Stange köpfte.

Aufgrund des hohen Drucks mussten beide Mannschaften oft zu hohen Bällen greifen, diese wurden jedoch stets gut vorbereitet. Die Bälle wurden also nicht einfach nach vor geschlagen, sondern durch einen kleinen, den Mitspieler etwas befreienden Pass, bekam der Angespielte meist genug Zeit um zumindest aufzuschauen und sich den passenden Pass auszusuchen. Die Andalusier bauten deutlicher im 4-2-3-1 mit Doppelsechs auf, agierte jedoch sehr viel mit hohen Bällen in die Tiefe, Gameiro und Vittolo starteten oft hinter die Abwehr. Dies machte den wohl besten Spieler auf dem Platz, Éver Banega, obsolet. Er wurde kaum effektiv eingebunden und konnte das Spiel nicht wirklich beeinflussen.

Die zweite Halbzeit

Bereits in Minute 47 gingen die Basken in Führung, als Aduriz eine Flanke von Muniaín per Kopf verwertete. Zuvor hatte man eine Flanke von Williams mit Gegenpressing zurückerobert. Der Flankenfokus Bilbaos ist deswegen so effektiv, weil Flanken nicht nur oft zum richtigen Zeitpunkt geschlagen werden, sondern weil es auch stets genug Absicherung um den Strafraum für Balleroberungen gibt.

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Der Rückraum ist ausreichend abgesichert, sodass die Flanke im Fall der Nichtverwertung sofort wieder zurürckerobert und der Gegner der gerade ungeordnet ist attackiert werden kann.

Bilbao, spätestens jetzt die deutlich dominantere Mannschaft, konnte mit effektivem Gegenpressing stets den Ball zurückerobern, das Pressing funktionierte ebenfalls formidabel. Sevilla konnte oft nur über die Außenverteidiger aufbauen, welche dann selbst nur lange Pässe der Linie entlang spielen konnten, weil die Mitte komplett zu war. Ziemlich unverdient konnte man in Minute 55 jedoch den Ausgleich erzielen, als man nach einer abgewehrten Ecke endlich den Ball hinter die Bilbao-Abwehr brachte. Banegas flache Hereingabe verwertete Kolodziejczak. Zuvor wollte ein Bilbao-Spieler den hohen Pass hinter die Abwehr per Kopf zu seinem Torwart spielen, dieses Zuspiel kam jedoch zu kurz und Banega gelangte an den Ball.

Susaeta und Lekue kamen in Minute 63 bei Bilbao für Williams und Muniaín und sorgten für eine kleine Anpassung, man agierte nun deutlicher im 4-3-3, beide hielten sich auch teilweise öfter und früher im Aufbau in den Halbräumen auf. Die Endverteidigung Sevillas wusste jedoch mit der baskischen Dominanz gut umzugehen, und mit der Zeit konnte man auch im Ballbesitz längere Zeit den Ball halten und halbwegs konstruktive Angriffe aufbauen. Dies lag auch an der tieferen Ausrichtung Bilbaos im Pressing, man attackierte erst meist im Mittelfeld. Zusätzlich zu Bilbaos Frustration kam dann auch noch das 2:1, das Iborra nach einem Konter und genialen Pass von Gameiro wenige Minuten vor Schluss erzielte. Die Basken konnten an diesem Stand nichts mehr ändern.

Fazit

Bilbao dominierte die Partie deutlich, konnte jedoch wenig aus den vielen Hereingaben machen und hatte auch keinen Alternativplan dazu. Die tiefstehenden und damit gut auskommenden Sevillaner konnten  kaum Nadelstiche setzen, waren jedoch ultra- konsequent mit ihren Torchancen.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer