Rapid trifft am Donnerstag auf Inter Mailand und damit auf eine recht konservativ agierende und zudem minimalistische Mannschaft. Wir haben uns Form, Kader und... Klar überlegen, aber nicht unverwundbar: Das ist Rapid-Gegner Inter Mailand!

Rapid trifft am Donnerstag auf Inter Mailand und damit auf eine recht konservativ agierende und zudem minimalistische Mannschaft. Wir haben uns Form, Kader und Schlüsselpositionen im Detail angesehen.

In den letzten fünf Pflichtspielen von Inter Mailand fielen ebenso viele Tore. 1:0-Sieg in Parma, 0:1-Niederlage gegen Bologna, 1:1 im Cup gegen Lazio, 0:1 in Torino, 0:0 gegen Sassuolo. Feuerwerke sind die Partien der Spalletti-Elf also keine. Im ersten Spiel des Jahres 2019 besiegte Inter Benevento im Cup mit 6:2 – das war aber eher die Ausnahme, als die Regel.

4-3-3 und konservativ

Inter steht in der Serie A aktuell auf Rang 3 und ist einerseits das torungefährlichste, andererseits aber auch das defensiv zweitstabilste Liga-Topteam, unmittelbar nach Tabellenführer Juventus. Spalletti lässt dabei hauptsächlich in 4-3-3-Abwandlungen spielen, mal defensiver, mal offensiver. Auf eine Dreierkette stellt der langjährige Zenit-Trainer nur selten um und dann vor allem, um auf Formationen bzw. Spielerverbindungen des Gegners zu reagieren. Dies tat Spalletti in der laufenden Saison etwa in beiden Spielen gegen den FC Torino.

Fragezeichen Mittelfeldzentrale

In sämtlichen 4-3-3-Varianten spielt das zentrale Mittelfeld eine richtungsweisende Rolle, zumal Spalletti hier nur selten einen klassischen Zehner aufbietet. Zumeist entscheidet er sich für eine Zusammenstellung mit einem Sechser und zwei Box-to-Box-Spielern. Gerade das wird aber gegen Rapid schwierig bzw. unflexibel ausfallen – mehr dazu später.

Wenige Verletzte, einige Nichtmeldungen

Mit Verletzungssorgen hat Spalletti nicht zu kämpfen. Sicher fehlen wird nur der kroatische Rechtsverteidiger und Vize-Weltmeister Sime Vrsaljko, der nach einer Knie-OP für den Rest der Saison ausfällt. Der spanische Mittelfeld-Routinier Borja Valero ist nach einer Wunde im Knöchelbereich wieder voll ins Mannschaftstraining eingestiegen, nachdem er zwei Wochen pausieren musste. Vorsichtiger wird man hingegen beim Linksaußen Keita Baldé sein, der nach einer Zerrung im Oberschenkel noch eine Art Hybridtraining absolviert. Spalletti entschied allerdings dafür zahlreiche Spieler nicht für den Europacup zu melden und muss zudem zwei Sperren verkraften.

Wir gehen nun die einzelnen Positionen in der aktuellen Inter-Mannschaft im Detail durch.

Verlässlicher slowenischer Keeper

Der 34-jährige slowenische Torhüter Samir Handanovic spielt derzeit eine etwas zwiegespaltene Saison. In der Liga greift er da und dort daneben, aber in der Champions League zählte er in einer harten Gruppe mit Barcelona, Tottenham und PSV Eindhoven zu den besten Spielern seines Teams. Der 193cm große Keeper ist insgesamt aber schon seit Jahren ein starker Rückhalt für seine Mannschaft und die Ersatzkeeper Di Gennaro, Padelli und Berni kommen eindeutig nicht an ihn heran.

Top-Innenverteidigung, aber…

In der Innenverteidigung verfügt Inter Mailand – fast schon traditionell – über Top-Leute, allerdings über keine Italiener. Der aufbauende Akteur in der Abwehr ist der 27-jährige Niederländer Stefan de Vrij. Daneben arbeitet der 24-jährige Slowake Milan Skriniar mit hoher Intensität und Zweikampfstärke. Die beiden avancierten im letzten Halbjahr, unmittelbar nachdem De Vrij von Lazio verpflichtet wurde, zu einem unzertrennlichen Verteidigergespann. Die beiden Nationalspieler zählen mit zum Besten, was die Serie A zu bieten hat. Allerdings wird Skriniar im Hinspiel gelbgesperrt fehlen und kann erst im Rückspiel wieder eingreifen.

Brasilianer Teamspieler ersetzt gesperrten Skriniar

Mit dem 34-jährigen brasilianischen Routinier Miranda ist ein aktueller brasilianischer Teamspieler nur Ersatz. Durch Skriniars Sperre wird der WM-Starter aber im Hinspiel zum Einsatz kommen. Das nimmt Inter sicher ein wenig Zweikampfstärke, bringt aber gleichzeitig Routine auf den Platz. Der baumlange Italiener Andrea Ranocchia hat hingegen kaum mehr Chancen mehr auf Startelfeinsätze. Mit dem irischen U19-Kapitän Ryan Nolan steht weiters ein Youngster im Kader.

Asamoah gesetzt, Dalbert nicht gemeldet

Die Besetzungen der Außenverteidigerpositionen sind noch teilweise offen. Links konnte sich Kwadwo Asamoah, Neuzugang von Juventus, gegen den Brasilianer Dalbert durchsetzen. Letzterer spielt – wenn er spielt – sehr stark, hat aber einen geringeren Offensivdrang als der ghanaische Teamspieler. So wurde Dalbert von Trainer Spalletti gar nicht für den Europacup genannt. Stattdessen werden junge Spieler mitgenommen, wie etwa der 18-jährige Niccolo Corrado aus der U19-Mannschaft, der nun Asamoahs Ersatzmann sein wird.

Eher Southampton-Leihgabe statt D‘Ambrosio

Das ist auch auf der rechten Seite denkbar. Für gewöhnlich ist der seit fünf Jahren weitgehend gesetzte Danilo D’Ambrosio als erste Wahl eingeplant. Kurz vor Ende der Transferzeit lieh Inter aber Cédric Soares vom Hasenhüttl-Klub Southampton aus, um den Vrsaljko-Ausfall zu kompensieren. Der 33-fache portugiesische Teamspieler, der in Gelsenkirchen geboren wurde, ist ein heißer Kandidat für einen Startelfeinsatz. Beim 1:0-Sieg in Parma wurde er erst nach 90 Minuten eingewechselt und sollte somit auch frischer sein als D’Ambrosio. Mit dem 19-Jährigen Gabriele Zappa steht ein weiterer Junger im Kader.

Spanischsprachige Doppelsechs

Im zentralen Mittelfeld gibt es aktuell zwei Spieler für die defensivste Position. Am bereits angesprochenen Borja Valero nagt bereits ein wenig der Zahn der Zeit. Der 34-Jährige ist zwar der passsicherste Spieler Inters – was er auch schon zumeist bei seinen Ex-Klubs war – aber für das Spiel selbst tut er etwas zu wenig, spielt viel quer, bremst teilweise die Angriffe seines Teams. Der uruguayische Teamspieler Matías Vecino ist etwas mutiger, aber spielt fehlerbehaftet, trifft häufig falsche Entscheidungen.

Vize-Weltmeister im Hinspiel gesperrt

Dennoch werden vermutlich gleich beide spielen – sowohl Valero, als auch Vecino. Zumindest im Hinspiel, denn da ist mit dem Kroaten Marcelo Brozovic der wichtigste Verbindungsmann im Mittelfeld gelbgesperrt. Der 26-Jährige ist der wichtigste Taktgeber im Mittelfeld der Italiener und kann erst im Rückspiel wieder ins Geschehen eingreifen. Für das Hinspiel ist das vor allem deshalb problematisch für Inter, weil man sowohl den portugiesischen Teamspieler Joao Mario, als auch den 24-jährigen Italiener Roberto Gagliardini nicht für den Europacup meldete. Man könnte also zusammenfassen, dass drei zentrale Mittelfeldspieler ausfallen, während mit Valero der Älteste gerade erst von einer Verletzung zurück ins Team kommt.

Umstrittener Nainggolan gesetzt

Somit ist auch klar, dass die belgische Kämpfernatur Radja Nainggolan die offensivste der drei Zentrumspositionen einnehmen wird. Der 30-Jährige ist zweifelsfrei einer der interessantesten Inter-Akteure, zugleich aber auch umstritten. Im Sommer kam er um 38 Millionen Euro von der AS Roma, aber der indonesisch-stämmige Mittelfeldspieler war sein Geld bisher alles andere als wert. Einzig der 1:0-Sieg bei der Generalprobe in Parma stimmt die Interisti positiv, zumal Nainggolan hier eine seiner bisher besten Partien spielte. Zuvor präsentierte er sich eher uninspiriert und auch technisch schwach. Die Frage ist aber auch, ob Nainggolan von Spalletti nicht zu offensiv eingesetzt wird, zumal er immer besser war, wenn er „mehr Spiel vor sich hatte“. Mit Schiró, Roric und Gavioli sind noch drei junge Spieler fürs zentrale Mittelfeld dabei, allerdings sind Einsätze für die U19-Akteure unwahrscheinlich.

Wie gut findet Perisic in die Partie?

Auch wenn Inter sich in der laufenden Saison minimalistisch präsentiert, ist die Offensive das Herzstück des Teams. Als Linksaußen wird voraussichtlich Ivan Perisic auflaufen, über dessen Qualitäten man nur wenige Worte verlieren muss. Aber auch der 30-jährige Kroate ist nach dem langen WM-Sommer noch nicht perfekt in Schuss und brachte es in 27 Pflichtspielen nur auf drei Tore und fünf Assists. Zudem trat Perisic auch immer wieder als Chancentod in Erscheinung. Bei ihm ist es mal so, mal so: Mehrfach riss er sein Team im Alleingang aus der Bredouille, aber wenn er einen schlechten Tag erwischt, findet er nur sehr schwer in sein Spiel. Zumindest im Hinspiel wird fix mit Perisic und weniger mit dem bereits erwähnten Keita Baldé gerechnet, der noch angeschlagen ist. Der 23-Jährige spielt ein wenig verhaltener als Perisic, versucht weniger, spielt gerne etwas vorsichtiger und geradliniger. Beide zeichnet allerdings aus, dass sie sowohl bei Grundliniendribblings, als auch bei inversen Läufen brandgefährlich sein können.

Noch nicht hundertprozentig vom Leih-Linksaußen überzeugt

Auf der rechten Seite dürfte Sassuolo-Leihspieler Matteo Politano beginnen. Auf den 25-Jährigen besitzt Inter eine 20-Millionen-Kaufoption, aber so richtig in die Auslage konnte sich der inverse Dribbler bisher nicht spielen. Dennoch hat er immerhin Antonio Candreva von der Rechtsaußenposition verdrängt, der allerdings in den zwei Jahren merklich abbaute und von den Inter-Fans mittlerweile sehr kritisch beäugt wird. Die linke Seite der Mailänder ist also sicher gefährlicher als die rechte.

Schießt sich der Serie-A-Schützenkönig gegen Rapid „gesund“?

So richtig gefährlich wird’s aber an vorderster Front. Der 25-jährige Mauro Icardi ist italienischer Torschützenkönig, erzielte in der letzten Saison 29 Tore und ist schlichtweg ein Weltklasseangreifer. Was ihn noch einmal extra gefährlich macht ist die Tatsache, dass er in den letzten zehn Partien kein Tor aus dem Spiel heraus machte. Drei Elfmetertreffer trösten ein wenig über seine Ladehemmung hinweg. Obwohl sein Landsmann und Konkurrent Lautaro Martínez derzeit besser drauf ist, wird sich Trainer Spalletti hüten, Icardi gegen Rapid draußen zu lassen. Der Top-Spieler Inters braucht dringend Erfolgserlebnisse und die wird man gegen Rapid im machbaren Rahmen vermuten. Martínez wiederum ist 21 Jahre alt, kam im Sommer vom Racing Club aus Argentinien und lieferte bereits einige Talentproben ab. Auch ihn werden wir sicher sehen, aber zumindest im Hinspiel wohl nicht von Beginn an.

Keine Experimente

Luciano Spalletti hat sich seine Probleme vor dem Hinspiel gegen Rapid weitgehend selbst zuzuschreiben, weil er zahlreiche potentielle Starter nicht für den Europacup meldete. Die größte Baustelle ist ausgerechnet das zentrale Mittelfeld, in dem in Wien alle spielberechtigten Profis spielen „müssen“. Erst im Rückspiel kehrt der gesperrte Brozovic zurück, aber selbst dann wird Spalletti nichts Außergewöhnliches auftischen. Das 4-3-3 ist in Stein gemeißelt, formative Experimente schließen wir aus. Durch die Daheimgebliebenen sind auch die meisten Positionen klar besetzt, einzig in der Offensive kommt es sicher auf das Tagesgefühl des Trainers an.

Mögliche Aufstellung

Möglichkeit daheim zu überraschen

Große Chancen hat Rapid gegen den Tabellendritten der Serie A natürlich nicht. Aufgeben braucht man sich vor den Spielen aber auch noch nicht. Die Kampfstärke Rapids gegen große Gegner, speziell im heimischen Weststadion ist bekannt und man wird Inter vor ausverkauftem Haus sicher nichts schenken. Zugleich muss man natürlich hoffen, dass die Mailänder die Hütteldorfer ein wenig unterschätzen, wie es schon 1990 einmal der Fall war. Der wahrscheinlichste Ausgang sind zwei Rapid-Niederlagen, aber bei einem guten Spielverlauf könnten wir es uns gut vorstellen, dass im Heimspiel gegen die Nerazzurri die Chance auf einen Punkt drin ist.

Sperren machen Hoffnung

Dass mit Skriniar und Brozovic im Hinspiel zwei absolute Inter-Stützen gesperrt sind, macht den Grün-Weißen Hoffnung. Ivan Perisic ist gelbgefährdet und wäre bei einer weiteren Gelben gesperrt. Bei Rapid ist niemand gesperrt, allerdings gibt es mit Berisha, Ivan, Martic, Müldür und Schwab gleich fünf Gefährdete.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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