Es ist nur das schlechtere Torverhältnis, das Udinese hinter die alte Dame aus Turin reiht. Meister werden sie wohl trotzdem nicht werden. Doch mit... Kluge Transferpolitik am Beispiel von Udinese Calcio

Es ist nur das schlechtere Torverhältnis, das Udinese hinter die alte Dame aus Turin reiht. Meister werden sie wohl trotzdem nicht werden. Doch mit ihrer Transferpolitik sind die Herren aus Friaul einsame Spitze.

Udinese Calcio ist ein Verein, der seit jeher ein farbloses Dasein hinter den großen und mächtigen Klubs aus Mailand, Turin und Rom fristet. Dieses Schicksal teilt er mit zahlreichen anderen Mittelständlern aus der Serie A, darunter Fiorentina, Cagliari, Parma oder dem FC Genua, um nur einige zu nennen. Farblos sind nicht nur die Vereinsfarben, sondern auch die geringen Zuschauerzahlen. In der vergangen Spielzeit verirrten sich durchschnittlich nur 17.554 Anhänger ins unattraktive Stadio Friuli. Der AS Bari stieg in derselben Saison ab und kam dennoch auf mehr. Eine Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen aus dem Jahr 2008 ergab, dass sich Udinese in Italien auf die Unterstützung von insgesamt 298.000 Fans verlassen kann. Klingt viel, sind aber dennoch weniger als bei Catania oder dem FC Turin.  Zwischen 2005 und 2010 landeten die Herren aus Friaul stets zwischen dem 7. und 15. Tabellenplatz.

Mittelmäßige Platzierungen, mittelmäßiger Verein…

Zebras auf dem Vormarsch

Doch die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. Nachdem man sich letztes Jahr den 4. Rang erkämpfte und Kaperzunder wie Juventus, Roma und Lazio hinter sich ließ, rangiert man derzeit auf dem 2. Platz. Gerade einmal sieben Gegentore aus 14 Spielen, Siege gegen Inter und Roma sowie eine Punkteteilung gegen Milan untermauern die derzeitige Form der Zebrette, wie sie aufgrund ihrer zebraartigen Trikots genannt werden. Die besten Resultate waren bislang der 3. Platz in der Saison 1997/98 sowie die Teilnahme am Finale der Coppa Italia 1922. Es ist bestimmt schon lange her, als man zuletzt voller Stolz von der Tabellenspitze herunterblickte. Wie lange genau? Das würde eines tieferen Blicks in die Geschichtsbücher bedürfen. Den ersparen wir uns an dieser Stelle… Doch nicht nur die derzeitige Tabellensituation lässt die Herzen der Udinese-Fans höher schlagen.

Gegen den Trend

In einer Fußballwelt, die zusehends schnelllebiger und überschuldeter wird, macht Udinese mit einer nachhaltig profitablen Transferpolitik auf sich aufmerksam. So war in den letzten fünf Jahren die Transferbilanz des Vereins durchwegs positiv. Vergleicht man sie mit der anderer, ähnlich großer Klubs wie Cagliari oder Fiorentina, so erkennt man, dass solch außergewöhnlich ertragreiche Transferbilanzen wie bei Udinese nicht die Regel, sondern die Ausnahme sind. Von den Großklubs wie Inter und Juventus ganz zu schweigen.

Der oben abgebildete, jährlich erwirtschaftete Überschuss, fußt auf dem teuren Verkauf zahlreicher Spieler, die erst im Laufe der Zeit in Udine zu unabdingbaren Leistungsträgern mit hohem Marktwert avancierten. Ein gutes Gespür für Talente, Geschäftskalkül und hervorragende Entfaltungsmöglichkeiten für junge Spieler sind die Gründe für dieses Phänomen. Alexis Sanchez und Cristian Zapata wurden vor langer Zeit direkt aus Südamerika verpflichtet, Sulley Muntari stammt aus der eigenen Jugend und Gökhan Inler kam vom FC Zürich um schlappe 500.000 Euro. Sogar Ex-Teamtorhüter Alexander Manninger von Red Bull Salzburg wurde 2008 um 1,8 Mio. verpflichtet. Noch in derselben Transferperiode verkaufte man ihn um 2,5 Mio. an Juventus Turin. Ausgenommen von Fabio Quagliarella wurden seit dem Jahr 2000 bei keinem Spielerkauf mehr als 5 Mio. Euro ausgegeben.

Antonio Di Natale

Doch für den wohl „gewinnbringendsten“ Spieler der letzten Jahre wurde keine Transfersumme kassiert. Antonio Di Natale, ein Stürmer wie er im Buche steht. 2004 für 100.000 Euro (!) von Empoli gekommen, drückte er Udinese seinen unverkennbaren Stempel auf und ist mit seiner Trefferquote zu einem der verlässlichsten Stürmer Italiens geworden. In den letzten beiden Jahren wurde er Torschützenkönig in der Serie A und auch heuer führt er die Liste bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt an. Ein Dauerbrenner.

Ein Dauerbrenner ist in gewisser Weise auch der Trainer, Francesco Guidolin. Er trainiert die Mannschaft nun seit 18 Monaten. Also relativ lang angesichts der neun Trainerwechsel in den vergangenen sechs Jahren.  An ihm sollte der Verein festhalten. Guidolin findet die richtige Mischung, treibt die Spieler zu herausragenden Leistungen und steht für Kontinuität.

Udinese Calcio, einer der ältesten Klubs Italiens, setzt mit seiner geschickten Transferpolitik und der heurigen Saisonleistung neue Maßstäbe. Wie die weiteren Monate in der Serie A sowie in der Europa League verlaufen werden, wird sich zeigen. Ein internationaler Startplatz scheint jedoch fix.

Sebastian Köberl, abseits.at

Sebastian Köberl