Wenn Mitte Februar die Ligen Ungarns langsam aus ihrem Winterschlaf erwachen, dann ist dies für uns immer eine Reise wert, sind die dortigen Ligen... Groundhopper´s Diary: Das traditionelle Frühlingserwachen in Ungarn

Wenn Mitte Februar die Ligen Ungarns langsam aus ihrem Winterschlaf erwachen, dann ist dies für uns immer eine Reise wert, sind die dortigen Ligen doch die ersten Mitteleuropas, die auch im Unterhaus ins neue Jahr starten. Daher wurde ein lange geplanter Tagesausflug nach Budapest anvisiert, doch dieser sollte kurz vor der Abreise noch einmal ordentlich durcheinander gewirbelt werden.

Budapest Honvéd FC II – Paksi FC II 1:4 (0:1)

Das Spiel der drittklassigen NB III, Közép csoport (Gruppe Mitte), zwischen Budapest Honvéd FC II und dem Paksi FC II wurde nämlich kurzerhand von 11.00 Uhr auf 13.00 Uhr verlegt. Ich persönlich habe nichts gegen zwei Stunden mehr Schlaf an einem Sonntag, aber diese Beginnzeit ist natürlich Gift für die weiteren Drittligaspiele, die um allesamt 14.00 Uhr angesetzt waren.

Die rund 50 Kilometer weite Reise zum Derby Zsámbek gegen Budaörs konnte ich mir nun aufzeichnen, doch meine Rettung war der Kelen SC, den man innerhalb von 20 Minuten mit einer Fahrt durch die Stadt erreichen konnte. So kam ich dann ein paar Minuten zu spät dorthin und es wurden bloß 45 Minuten auf dem Honvéd MFA Utánpótlás Központ, dem Nachwuchszentrum von Honvéd, das sich in der Näher der originären Heimstätte des Vereins, der Bozsik Aréna, befindet. Das Zentrum, das auch die 2007 gegründete Magyar Futball Akadémia beheimatet, wurde im Zuge des vor zwei Jahren abgeschlossenen Umbaus der Bozsik Aréna errichtet.

Stebl begleitet mich heute als Mitfahrer ab Schwechat und wir erreichen die Anlage so früh, dass wir noch einen kleinen Spaziergang in der Umgebung machen können. Kurz vor 13.00 Uhr betreten wir dann das Areal, wo wir am Eingang, so wie jeder andere Besucher auch, eine Freikarte bekommen. Rund 70 Zuschauer finden sich zumeist auf der zweireihigen und überdachten Längstribüne ein, Einige wenige Besucher folgen dem Spiel von einem Stehplatz hinter dem Tor aus. Eine Kantine gibt es auch. Die bietet sogar (kalte) Schnitzelsemmeln an. Stebl ist dies egal, denn nach einem zuvor erstandenen Hühnerleberwurstsandwich kann ihn dies auch nicht mehr erschüttern. Außerdem hat ein wieder ein Borsodi als Begleitgetränk dabei, sodass man schon fast von einem „Einser Menü“ sprechen kann.

Das Spiel verläuft anfangs ausgeglichen, doch die etwas hantige Art der Linienrichterin Petra Majorné Nagy lässt die Nachwuchskicker der Budapester sichtlich verunsichern. Viel abgebrühter ist da Altstar Dániel Böde, der mit seinen 36 Jahren nicht nur die Karriere bei der Zweiermannschaft von Paks ausklingen lässt, sondern sich auch von den schroffen Anweisungen einer Linienrichtern nicht aus der Fassung bringen lässt und in der 25.MInute den Führungstreffer für Paks II erzielt.

Wir müssen es auch mit Fassung tragen, dass hier nach 45 Minuten Schluss für uns ist. So verpassen wir die Torparade der Gäste, die durch Pesti (61.), Görög (71.) und Nyári (78.) noch drei weitere Male treffen. Honvéd II verkürzte in der 66.Minute zwischenzeitlich auf 1:2, aber der Treffer von Fehér war heute viel zu wenig, um in diesem Duell zweier im oberen Mittelfeld platzierten Teams dieser Liga anschreiben zu können.

Kelen SC – Csornai SE 1:1 (0:0)

Mit dem Halbzeitpfiff für die Magyar Futball Akadémia auch wieder verlassen und nur wenige Kilometer später verließ auch Mitfahrer Stebl an der Nagykörösi út mein Auto, um dann per Bus zu ESMTK zu gelangen, die ebenfalls um 14.00 Uhr das Spitzenspiel der NB III in der Közép csoport gegen Iváncsa hatten. Ich musste hingegen die Gruppe der dritten ungarischen Spielklasse wechseln und so ging es für mich über die Donau zurück nach Buda. Dort hätte der Kelen SC heute ein Heimspiel gegen den Csornai SE in der NB III, Nyugati csoport, also der Westgruppe der dritten Liga.

Ich erreiche das Sportzentrum um 14:12 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 14 Minuten des Spiels absolviert, aber es steht immerhin noch 0:0. Kelen ist in der Tabelle als Fünfzehnter zwar nur drei Plätze vor Csorna, hat aber doppelt so viele Punkte, wie die heutigen Gäste aus dem Győr-Moson-Sopron Megye. Die Favoritenrolle ist daher bei der Mannschaft aus Budapest, die in den ersten 45 Minuten spielerisch dieser auch mehr als gerecht wird. Es gibt zahlreiche gute Chancen für die Gastgeber, doch diese werden allesamt vergeben, sodass vor rund 70 Besucher die Seiten torlos gewechselt werden.

Nach dem Seitenwechsel sollte dann die mehr als verdiente Führung für Kelen durch den eingewechselten Vass erfolgen, der in der 52.Minute eine Flanke per Kopf im Tor Csornas unterbringen kann. Jedoch bringt dieser Treffer keine Sicherheit ins Spiel der Gastgeber. Csorna wird auf einmal viel mutiger und erzielt nur sieben Minuten später den Ausgleich. Nach einem Eckball ist Kelens Szalai der Unglücksrabe, denn er fälscht den Ball ins eigene Tor ab.

In den letzten 30 Minuten des Spiels gibt Csorna auf der Baustelle des Kelen SC Sportteleps, wo eine neue Haupttribüne errichtet wird, den Ton an. Die Gäste sind nun klar besser und haben viel mehr Spielanteile. Ehrlicherweise muss man sagen, dass dieses Spiel auch keine Offenbarung war, aber wenn man sich den Abstiegskampf in der 3.Liga anschaut, dann kann man sich keine fußballerischen Leckerbissen erwarten.

Die Heimfans unterhalten sich in der Schlussphase des Spiels, dann über die Super Bowl und welches Team schmutziger ist als das andere. Da bin ich dann ausgestiegen, denn auf diesem Gebiet bin ich wirklich nicht firm, denn sie reden über einen Schüsselspieler in NFL-Finale, bei dem ich immer dachte, dass er Basketballer wäre. Schuster bleib bei deinen Leisten und das ist bei mir eben der Fußball. Daran halte ich mich auch und ich begebe mich nach dem Schlusspfiff wieder über die Donau zurück nach Pest, in den Stadtteil Angyálföld.

Vasas FC Budapest – Újpest FC Budapest 0:1 (0:0)

Blicke ich in meine Aufzeichnungen zurück, dann sagen mir diese, dass ich an diesem Ort bereits Ende September 1999 gewesen bin und hier das Spiel von Vasas Budapest gegen Zalaegerszeg gesehen habe. Es war damals mein drittes Stadion, das ich in Ungarn im Zuge eines Fußballspiels besucht habe. Fast 24 Jahre und 323 in Ungarn gesehenen Sportplätzen später bin ich erneut bei einem Heimspiel von Vasas. Der Grund dafür ist auch leicht erklärt, denn 2019 wurde das neue Illovszky Rudolf Stadion eröffnet. Die Lage dieses Neubaus ist nicht mehr ganz an der Stelle des alten Stadions, denn das Feld wurde quasi begradigt und dem Straßenverlauf angepasst, sodass es auch keine Zweifel daran gibt, dass man dieses Stadion neu zählen kann.

Während die alte Schüssel im Ostblock-Stil noch 18.000 Zuschauer fasst, passen in das neue Stadion nur mehr knapp über 5.000 Besucher. Die Kapazität ist zwar um einiges geringer als im alten Stadion, aber dennoch mehr als ausreichend für einen Klub, der in Ungarn zwischen erster und zweiter Liga pendelt und im Zuschauerranking der größeren Budapester Vereine gerade einmal MTK hinter sich lassen kann.

Heute sollte es in der NB I, der höchsten ungarischen Spielklasse, zum Budapester Nordderby zwischen dem Vasas FC und dem Újpest FC kommen. Das klingt aber eindeutig besser, als es die Tabellensituation widerspiegelt, denn beide Vereine stecken mittendrin im Abstiegskampf, wo sie sich mit Honvéd und Videoton die beiden Absteiger des heurigen Jahres ausmachen werden.

Aber Derby ist eben Derby und so finden doch 2.980 Zuschauer heute den Weg ins Stadion. Der Gästesektor ist ausverkauft und auf der Gegengerade finde sich auch einige Fans aus dem Budapester Norden ein, die heute die geringste Anreise zu einem Auswärtsspiel haben, um ihre Lila-Weißen zu unterstützen.

Das Gebotene ist in den ersten 45.Minuten auf dem Rasen mehr als dürftig. Da ist auf den Rängen bei Weiten mehr los, wobei es auch zu erwähnen ist, dass beiden Kurven sich gegenseitig supporten. Echte Rivalität sieht da anders aus, man kommt fast schon in Verlegenheit dieses Spiel als „Derby of Love“ zu bezeichnen. Spielerisch hat es jedenfalls zu diesem Zeitpunkt aber noch österreichisches Regionalliganiveau gehabt.

Doch das sollte sich nach dem Seitenwechsel ändern, denn Újpest trifft in der 47.MInute durch Csoboth zur Führung. Gefeiert wird dieser Treffer erst fünf Minuten später, denn er wird VAR überprüft. Vasas weiß auch, dass dieser Spielstand sehr schlecht ist, denn so würde Újpest dem Team aus Angyálföld um fünf Punkte entwischen, was auch so viel bedeutet, dass es zu einer Vorentscheidung im Abstiegskampf kommen könnte. Dementsprechend setzt Vasas alles auf eine Karte und erspielt sich zahlreiche Chancen. Die beste von ihnen vergibt der in der 64.Minute eingewechselte Filip Holender, der freistehend aus weniger als zehn Metern einen Abpraller über das Tor schießt.

In den bangen Minuten der achtminütigen Nachspielzeit kommt Újpests serbischen Trainer Kruscics mehrmals die eine oder andere Unmutsäußerung in seiner Muttersprache aus. Als in der letzten Spielminute dann auch der Ball in die Bank der Újpester fliegt, kommt es zu einer Rangelei mit den Vasas-Spielern, was zu einem kuriosen Platzverweis vom auf der Bank sitzenden Hámori führt. Er wird diese rote Karte aber verschmerzen, denn das Spiel ist wenige Augenblicke später zu Ende.

Vasas hätte heute wohl noch bis Mitternacht spielen können und wohl keinen Treffer erzielt. Doch diese bittere Niederlage, trotz ansprechender Leistung, zementiert den Eisenbahnerverein am Tabellenende der NB I fest. Újpest kann mit diesen drei Punkten etwas durchatmen und steht nach 19 Runden immerhin auf dem neunten Tabellenplatz.

Es folgen einige Impressionen, die sich per Klick vergrößern lassen:

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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