Am Samstag sollte das Fußballprogramm fortgesetzt werden. Leider setzte sich in der Nacht eine Regenfront über Portugal fest. Aber statt der angekündigten Regenschauer gab... Groundhopper’s Diary | Die heiße Schlussphase der EM-Qualifikation in Portugal (2)

Fußball in Portugal - Seitengasse und Rotwein_abseits.atAm Samstag sollte das Fußballprogramm fortgesetzt werden. Leider setzte sich in der Nacht eine Regenfront über Portugal fest. Aber statt der angekündigten Regenschauer gab es Dauerregen und so wurde das Programm ein wenig umgeändert. Zuerst wurde die Kleinstadt Sintra (wo am Nachmittag ebenfalls gespielt wurde) besichtigt, doch da man völlig durchnässt war, wurde dem Palacio Nacional in Queluz, einem Schloss bei Lissabon, ein Besuch abgestattet. Nachdem man sich dort wieder etwas aufwärmen konnte, ging es direkt weiter ins unweit gelegene Stadion von Queluz.

Real Sport Clube Queluz – Atlético Malviera 2:1 (0:0)

Das Campo Desportivo de Real Sport Clube ist die Heimstätte des gleichnamigen Vereins diesem Vorort Lissabons. Der Real Sport Clube Queluz spielt in der Gruppe G des drittklassigen Campeonato Nacional. Diese Liga besteht aus neun regionalgegliederten Zehnerligen, in der sich in einer Hin- und Rückrunde die beiden besten Teams für eine Aufstiegsrunde qualifizieren.

Das Stadion in Queluz bietet 3.500 Zuschauern Platz und gehört somit zu den größeren Spielstätten in dieser Spielklasse. Es gibt eine überdachte Haupttribüne und auf der Gegenseite einen befestigten Stehplatzbereich. Abseits der Großklubs sind in Portugal selbst in der ersten Liga die Zuschauerzahlen eher unterdurchschnittlich, so wundert es niemanden, dass sich zwei Ligen darunter und Dauerregen kaum jemand zu diesem Spiel einfand. Immerhin kamen 150 Unentwegte zum Meisterschaftsspiel gegen Atlético Malviera. In den ersten 45 Minuten bekamen aber alle, die zu Hause geblieben sind Recht, denn es gab eine Halbzeit ohne nennenswerte Höhepunkte.

Nach dem Seitenwechsel wurde es aber spannend. Zuerst gingen die Gastgeber durch einen Doppelschlag in Führung, aber eine rote Karte gegen diese und der Anschlusstreffer Malvieras ließen die sichergeglaubten Punkte noch einmal in Gefahr bringen. Die Gäste belagerten nun den Strafraum Queluz`, doch es schien so, als wollte der Ball nicht ins Tor. Daran änderte auch die zweite rote Karte gegen die Gastgeber in der Nachspielzeit nichts. Queluz verteidigte geschickt und gewann somit dieses Spiel auch verdientermaßen.

SL Benfica U17 – Eléctrico U17 8:0 (3:0)

Auf dem Weg nach Faro und bereits auf der anderen Uferseite des Tejo liegend befindet sich in Seixal das Caixa Futebol Campus, mit vollem Namen auch Centro de Estágios Sport Lisboa e Benfica, das Trainingszentrum des SL Benfica. Auf dessen Hauptplatz, der von einer großen Haupttribüne und einer Hintertortribüne umgeben ist, trägt übrigens auch die zweite Mannschaft Benficas, die in Portugals zweiter Liga kickt, ihre Heimspiele aus.

An diesem Vormittag mussten wir aber mit einem Jugendspiel vorliebnehmen. In der Gruppe D der höchstklassigen Liga Juvenil (= U17-Liga) traf der Tabellenführer SL Benfica auf den Eléctrico FC, der seinerseits das Tabellenende ziert.

Somit war die Favoritenrolle klar vergeben und 150 Zuschauer sahen ein wirklich einseitiges Spiel. Die Jugend Benficas zeigt oftmals mit feiner Technik auf und ließ den Gästen keine Chance. In der Halbzeit waren die Gastgeber noch nicht sehr konsequent beim Verwerten der sich bietenden Möglichkeiten, dennoch stand es bereits 3:0. Nach dem Seitenwechsel fielen weitere fünf Treffer für Benfica, sodass die Jungs von Eléctrico einem schon Leidtun konnten. Nach zwei Mal 40 Minuten hatten sie es dann aber auch überstanden und an einen Punktezuwachs werden sie bei diesem Auswärtsspiel auch nicht wirklich geglaubt haben.

Gibraltar – Schottland 0:6 (0:2)

Nach dem Spiel in Seixal ging es in rund zweieinhalb Stunden Fahrtzeit zur Algarve, in den Süden Portugals. In der Nebensaison wirkt der Küstenstreifen um die Stadt Faro zwar ein wenig ausgestorben, aber zumindest in der Stadt Faro herrschte an diesem Sonntag High-Life, zumal die schottischen Fans ihre Nationalmannschaft im Qualifikationsspiel gegen Gibraltar zahlreich unterstützten. Aber warum trägt Gibraltar seine Heimspiele überhaupt in Portugal aus? Das heimische Victoria Stadium wurde von der UEFA als nicht für die Qualifikationsspiele als tauglich empfunden. Da Spanien aufgrund des noch immer schwelenden Konflikts um die Besetzung Gibraltars durch die Briten ausfällt, stand auf der iberischen Halbinsel nur mehr Portugal als Austragungsland für die fünf Qualifikationsheimspiele zur Verfügung.

Hierbei war das für die EURO 2004 errichtete Estádio do Algarve, das sich in der Nähe der Stadt Faro befindet, konkurrenzlos. Auch wenn es noch immer rund 400 Kilometer von Gibraltar entfernt liegt, ist es noch immer das sich in Portugal am nahesten zu Gibraltar befindliche Stadion und die Portugiesen freuen sich ebenfalls über eine halbwegs vernünftige Nachnutzung dieser Arena.

Bereits vor dem Anpfiff war die Qualifikation für beide Teams bereits gelaufen. Bei Gibraltar war das wenig verwunderlich, zumal man das erste Mal überhaupt an einer Qualifikation teilnahm und man so auch überhaupt erstmals die Möglichkeit hatte, sich über einen längeren Zeitraum mit wirklich starken Nationalteams zu messen. Es hagelte zwar durchwegs hohe Niederlagen, aber immerhin konnten zwei Treffer bejubelt werden. Schottland war lange Zeit im Rennen um einen Platz in Frankreich, aber der späte polnische Ausgleich in Glasgow und der überraschende irische Sieg gegen Deutschland besiegelten am neunten Spieltag das schottische Aus.

Die Fans verarbeiteten dieses Aus auf ihre Weise, in dem sie auf der Reise nach Faro feierten als würde es kein Morgen geben. Unter den 12.401 Besuchern waren wohl 11.000 aus Schottland zu diesem Spiel gekommen und sie sorgten für eine volle Gegentribüne und eine überaus gute Atmosphäre.

Auf dem Rasen verteidigte Gibraltar lange das 0:0, doch in der 24.Minute war Robba, der Torhüter Gibraltars das erste Mal bezwungen. Fünf Minuten vor dem Pausenpfiff führte ein schon abgeschlossener Spielzug der Schotten zum zweiten Treffer. Damit war wohl die Niederlage Gibraltars wohl endgültig besiegelt. Nach dem Seitenwechsel schwanden bei den Gastgebern auch die Kräfte und so zogen die Schotten ziemlich schnell auf 4:0 davon. Danach wurde das Tempo aus dem Spiel genommen, aber in der Schlussphase profilierten sich die eingewechselten Spieler und so wurde das Ergebnis auf 6:0 hinaufgeschraubt.

Somit endete die Qualifikation für Schottland doch noch versöhnlich und Gibraltar wird wohl die Lehren aus diesen Spielen ziehen und versuchen, dass bei der nächsten Qualifikation gepunktet werden kann. Ein schwacher Trost bleibt, dass zumindest zweistellige Niederlagen verhindert werden konnten.

Nach dem Schlusspfiff ging es auch gleich zurück nach Lissabon, von wo aus am nächsten Tag wieder die Flüge in die Heimat gingen. Somit war der Aufenthalt in Portugal, genauso wie die Gruppenspiele der EM-Qualifikation, schon wieder Geschichte.

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Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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