Bei unserem Aufenthalt in Wales war es mittlerweile bereits Freitag geworden und nach drei Spielen in den ersten zwei Tagen stand vorerst einmal Sightseeing...

Premier LeagueBei unserem Aufenthalt in Wales war es mittlerweile bereits Freitag geworden und nach drei Spielen in den ersten zwei Tagen stand vorerst einmal Sightseeing auf dem Programm. Diesmal ging es von Swansea in die Region der walisischen Hauptstadt Cardiff. Den Beginn machte die Besichtigung von Caerphilly Castle, das nach Windsor die zweitgrößte Burg auf der britischen Insel ist. Danach folgte ein Besuch der Innenstadt von Cardiff, ehe am späten Nachmittag unsererseits noch Cardiff Bay, das moderne Hafenviertel der Hauptstadt, unter die Lupe genommen wurde. Mit dem Einbruch der Dunkelheit wurde es für uns nun auch Zeit eines der drei am heutigen Tag stattfindenden Spiele in der Region auszuwählen. Die Wahl fiel dann doch ziemlich eindeutig auf das Spiel von Barry Town. Doch bevor es zum Jenner Park Stadium ging, wurde die verbleibende Zeit in den billigen Spielhöllen von Barry Island verbracht. Man ist schon mit einem 2-Pence-Stück etwa beim automatischen Pferderennen und dem Geldscheffeln dabei.

Barry Town FC – Taff´s Well AFC 0:5 (0:2)

Barry Town liegt aktuell an zweiter Stelle der Welsh League Divison 1, die in der Nomenklatur der Ligen die zweite Liga – Staffel Süd – des Landes ist und hatte an diesem Abend den Tabellenführer Taff´s Well AFC zu Gast. Neben dieser Ausgangsposition ist auch die Geschichte der Gastgeber sehr interessant. Im mittlerweile über 100-jährigen Vereinsbestehen wechselte der Verein mehrmals zwischen dem walisischen und dem englischen Verband. Ein Jahr nach der Gründung der Welsh League kehrt Barry im Jahre 1993 endgültig nach Wales zurück und wurde bis 2003 insgesamt sieben Mal walisischer Meister. Einher gingen auch zahlreiche Europacupauftritte, jedoch musste der Verein 2003 auch Insolvenz anmelden und stieg als amtierender Meister in der Folgesaison sportlich ab. Nach jahrelangem Chaos hat man es mittlerweile zumindest geschafft, dass sich der Verein in der walisischen Zweitklassigkeit stabilisiert konnte.

Architektonisch ist das Jenner Park Stadium für britische Verhältnisse ziemlich atypisch. Neben einer klassischen Tribüne hat es eine Laufbahn und eine hochgezogene Gegengerade, die mit einem Dach gedeckt ist, das man vorwiegend auf dem europäischen Festland vorfindet. Das Fassungsvermögen beträgt übrigens 3.500, jedoch braucht sich niemand ernsthaft Sorgen zu machen, dass er ein Spiel wegen mangelnder Kapazitätsgründe verpasst.

Vor 195 Besuchern hoffte Barry auf Punktezuwachs, um noch einmal ins Titelrennen eingreifen zu können. Die Gäste von Taff´s Well ließen allerdings keine Zweifel an ihrer Überlegenheit aufkommen und gingen schnell mit 2:0 in Führung. Nach dem Seitenwechsel fiel das 3:0 und dieses Ergebnis wurde danach nur mehr verwaltet. Kurz vor den Schlusspfiff erweckten die Gäste die Stadionbesucher dann doch noch aus ihrer Lethargie. Durch einen Doppelschlag konnte Taff´s Well das Ergebnis auf 5:0 erhöhen. Alles in allem war es in verdienter, aber zu hoch ausgefallener Sieg der Gäste, die somit wohl schon die Planungen für die Welsh Premier League in der kommenden Saison aufnehmen können.

Wrexham FC – Stockport County FC 3:1 (1:0)

Am Samstag hieß es von Swansea Abschied zu nehmen. Bereits früh morgens ging es nach Stoke, wo wir uns die bereits bestellten Karten für das Premier League-Spiel gegen Reading abholten. Doch lange dauerte es nicht, bis wir wieder zurück nach Wales kamen. Denn um die Mittagszeit wurde in der Conference Premier (5. Leistungsstufe) das Spiel vom Wrexham FC gegen Stockport County FC angesetzt. Das nordwalisische Aushängeschild wurde im Jahre 1872 gegründet, ist walisischer Rekordcupsieger und seit 1921 ein fixer Bestandteil des englischen Ligasystems. Bis zum Jahre 2008 war man sogar ständiges Mitglied der Football League, ehe man nach einem vorangegangenen Insolvenzverfahren sportlich in die Conference Premier abgestiegen ist. Seither bemüht sich der Verein vergebens um den Wiederaufstieg. Dieser wird auch in der laufenden Saison angestrebt und da man sich derzeit auf dem zweiten Platz befindet, ist er keineswegs unrealistisch.

Diesmal war mit Stockport County ebenfalls ein Traditionsverein am mittlerweile modernisierten Racecourse Ground zu Gast. So wie Wrexham kann auch Stockport auf eine lange Zugehörigkeit in der Football League und einem Absturz in die Fünftklassigkeit zurückblicken. Im Gegensatz zu den Gastgebern ist man von einem Wiederaufstieg weit entfernt und ist bereits damit zufrieden, dass der Klassenerhalt wohl gelingen wird.

Da beide Städte nicht so weit von einander entfernt liegen, hatte das Spiel durchaus Derbycharakter. Unter den 4.206 Zuschauern befanden sich auch gut und gerne 500 Supporter aus Stockport. So flott wie das Maskottchen Wrex, der Drache bei den Zuschauern für Stimmung sorgte, legte auch die eigene Mannschaft los. Wrexham kam in der Anfangsphase zu einigen Chancen und ging in der achten Minute verdient in Führung. In weiterer Folge verflachte die Partie allerdings. Stockport war die meiste Zeit über harmlos und Wrexham scheiterte nach dem Seitenwechsel vor allem mehr an der eigenen Chancenauswertung als an der Gegenwehr der Gäste. In Schlussphase schwanden bei den Gegnern die Kräfte und Wrexham konnte noch auf 3:0 erhöhen. Stockport gelang in der Nachspielzeit allerdings noch der Ehrentreffer in einer insgesamt doch sehr einseitigen Partie.

Stoke City FC – Reading FC 2:1 (0:0)

Auf der Fahrt von Wrexham nach Stoke galt es keine Zeit zu verlieren. Dies klappte auch ganz gut und so erreichten wir nahezu pünktlich das Britannia Stadium, das im Jahre 1997 in Stoke den alten Victoria Ground ersetzte. Für den fußballerischen Abschluss dieser Tour sorgte – wie bereits erwähnt – das Premier League-Spiel von Stoke gegen Reading. Auch an diesem Nachmittag war das Stadion mit 26.373 Zuschauern nahezu ausverkauft. Allerdings gelang Stoke in den ersten 45 Minuten nicht wirklich viel. Da der Aufsteiger aus Reading auch nur auf das Halten des Ergebnisses aus war, waren sich alle Besucher einig, dass es in der zweiten Hälfte eigentlich nur mehr besser werden konnte. Die Zuschauer wurden allerdings noch 20 weitere Minuten auf die Probe gestellt, bis sie vernünftigen Fußball geboten bekommen haben. Denn erst in der 67. Minute war es soweit, dass die Fans der Potters erstmals jubeln konnten. Nach einem Eckball köpfte der aufgerückte, deutsche Innerverteidiger Huth zur 1:0-Führung für Stoke.

In der 81. Minute erzielte der für den an diesem Tag schwach spielenden Crouch eingewechselte Stürmer Jerome mit einem sehenswerten Treffer das 2:0. Stoke sah nun wie der sichere Sieger aus, allerdings kam Reading nach einer vorausgehenden Ecke noch zum Anschlusstreffer durch Mariappa. Bei den Potters setzte nun das Zittern ein, weil Reading in den Schlussminuten alles nach vorne warf. Den Royals blieb jedoch ein weiterer Treffer verwehrt, sodass Stoke den knappen Vorsprung über die Zeit brachte und die drei Punkte in Staffordshire blieben.

Da wir nach dem Spiel noch eine Menge Zeit hatten, blieben wir noch etwas länger beim Britannia Stadium und besuchten auch den Fanshop. Danach besorgten wir uns im nahegelegenen Stafford noch den letzten Reiseproviant und verabschiedeten uns mit einer zünftigen Portion Fish & Chips in Richtung Flughafen und somit auch von der Insel.

Heffridge, abseits.at

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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