Die Bilanz der roten Bullen ist erschreckend. Seit Wochen warten die Salzburger in der Liga auf einen Sieg. Gründe gibt es viele, doch möglicherweise...

Die Bilanz der roten Bullen ist erschreckend. Seit Wochen warten die Salzburger in der Liga auf einen Sieg. Gründe gibt es viele, doch möglicherweise sind diese zu weit hergeholt. Die Philosophiewechsel, die Trainerwechsel, viele Legionäre und so weiter und sofort. Doch liegt das Problem in Wahrheit nicht woanders?

Es wäre doch Ricardo Moniz ein kompletter Vollidiot, wenn er, der die Mannschaft schon seit Anfang Juli 2010 kennt, nicht eine schlagkräftige Truppe auf den Platz bekommen würde. Niko Kovac ist noch viel länger beim Verein und allen oben genannten Wechselspielen zum Trotz sollte es doch funktionieren, die Liga zu dominieren. Doch es steht den Spielern, wie abseits.at aus dem nahen Umfeld des Vereins erfahren hat, etwas anderes im Weg – der eigene Kopf.

Hoher Druck

Seit Jahren erwartet die Fußballöffentlichkeit in Österreich überspitzt formuliert den Sieg der Champions League. Geklappt hat es bis dato noch nicht. Dennoch schieben die Trainer, wenn es um den Meister geht, immer den roten Bullen den „schwarzen Peter“ zu. Im Endeffekt aufgrund dessen, was Jahr für Jahr in den Verein gesteckt wird, mehr als berechtigt. Wohlgemerkt nur in Österreich. Eines darf nämlich nicht vergessen werden: Der kleinste Etat in der deutschen Bundesliga beträgt bei Augsburg um die 30 Millionen Euro, Salzburg soll etwa zehn mehr zur Verfügung haben. Mit dem Budget eines Abstiegskandidaten in einer der großen Ligen soll also der Einzug in die Millionenliga geschafft werden. Ein Schelm, wer Böses denkt. Dabei passt die Performance in Europa im Großen und Ganzen recht gut. Das erste Jahr in der Gruppenphase der Europa League war außergewöhnlich, das zweite hielt doch eine schwere Gruppe bereit, dieses Jahr könnte es sich auch noch ausgehen. Doch die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist vor allem im Kopf der Spieler zu groß.

Auf den Fuß geschaut

Der Eindruck von Heinz Hochhauser, der im Standard Ricardo Moniz den Rücken stärkte, bestätigt sich auch, wenn das Training beobachtet wird. Die Stimmung ist locker, gerade zu gelöst. Die Jungen schauen sich Kniffe von den Alten ab, die Standards werden trainiert und funktionieren gut. Am Training oder an der Hierarchie scheint es nicht zu liegen, die Mixtur zwischen jung und alt ist so gut wie noch nie. Klar, einige Ausfälle sind nicht zu kompensieren, zumindest nicht eins zu eins. Und die Österreicher, die einspringen, sind eigentlich durch die Bank Nationalspieler und haben größtenteils schon bewiesen, dass sie an guten Tagen auch international mehr als zu gebrauchen sind. Trotzdem legt sich mit Anpfiff ein Schalter um.

Die Psychologie als Ratgeber

Genauso, wie Fußballtrainer den einen oder anderen Lauf, welchen so manche Mannschaft an den Tag legt, nicht erklären kann, so finden sich auch bei den Bullen wenig plausible Gründe im Hier und Jetzt, warum es nicht läuft. Es steigt jedenfalls die Verunsicherung. Routiniers wie Ibrahim Sekagya haben einen Bock geschossen und haben Angst vorm nächsten. Stürmer wie Roman Wallner, der in den der vorletzten Saison 19 Tore schoss, in der letzten 18, trifft die leichtesten Bälle nicht mehr. Simon Cziommer, einer der „Typen“, lässt den Kopf hängen. Die Bullen haben ein riesiges, mentales Problem.
Warum diese ganzen Fehler passieren, kann keiner der Spieler schlüssig beantworten. Der Grundtenor ist, dass es in der Mannschaft passt, das Training spitze ist und niemand wisse, was am Feld los sei. Und so müssen sich die Salzburger an die kleinen Strohhalme klammern, die es gibt. Mittlerweile müssen Punkte her, egal wie. Das Potential schlummert in der Mannschaft, jetzt muss Charakter gezeigt werden. Wie das in der Länderspielpause ohne Meisterschaftsspiele gehen soll, bleibt dahin gestellt…

(Georg Sander)

Georg Sander

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