Gestern trafen sich in Mittersill der deutsche und der österreichische Vizemeister zu einem Stelldichein in den Alpen. 2000 Zuseher verfolgten bei Herbstwetter eine sehr... Ein Test, der vor allem Negatives zeigt

Gestern trafen sich in Mittersill der deutsche und der österreichische Vizemeister zu einem Stelldichein in den Alpen. 2000 Zuseher verfolgten bei Herbstwetter eine sehr aufschlussreiche Partie der roten Bullen gegen die Werkself aus Leverkusen.

Während die Deutschen im gewohnten 4-2-3-1 aufliefen, setzten Moniz und Kovac auf das sehr offensive 4-4-2, welches sie schon gegen Ende der Meisterschaft eingesetzt hatten. Die Rollenverteilung vor der hoch stehenden Viererkette war dabei folgende: Leitgeb und Cziommer teilten sich die Rolle der Acht, also fehlte der Staubsauger vor der Abwehr. Jantscher und Zaraté sollten die Außenbahnen im Verbund mit Ulmer und Hierländer bearbeiten, Alan spielte etwas hinter Wallner. Alles in Allem eine sehr offensive Ausrichtung, die sich in den Anfangsminuten bezahlt machte, das Spiel wogte gefällig hin und her. Die Salzburger versuchten gleich ihren Zuspätkommer Gonzalo Zaraté einzusetzen, den ersten Stich machten aber die Leverkusener.

LEVERKUSEN GEHT IN FÜHRUNG

Nach einem Ballverlust im Spielaufbau spielte Renato Augusto einen langen, flachen Diagonalpass hinter die indisponierte, neu formierte Innenverteidigung, Derdiyok lupfte den Ball über Gustafsson in Minute 6 ins Tor. In der Folge spielte weiterhin der deutsche Vizemeister. Vor allem das zentrale Mittelfeld um Cziommer und Leitgeb wirkte durch das aggressive Pressing des Gegners überfordert, auch wenn sie Unterstützung von Alan erhielten, der sich weit zurückfallen ließ. In Minute 11 folgte dann ein kurzes Aufbäumen. Cziommer eroberte den Ball durch einen harten Einstieg, setzte unverzüglich Jantscher ein. Dieser schoss aus halblinker Position aus rund 20 Metern aufs Tor. Aber ein technischer Fehler verhinderte Gefahr, da Jantscher beim Schuss zu viel Rücklage hatte.

Wieder waren es die Leverkusener, die ein Zeichen setzten. Ballack mit einem überraschenden Pass auf Derdiyok, Pasanen warf sich aber in den tollen Pass. Kurz darauf verloren die Bullen wieder den Ball im Spielaufbau, Schürrle setzte Sam ein, der aber an dem im Eishockey-Stil agierenden Gustafsson scheiterte. Im Spielaufbau klappte nach wie vor wenig, einfache Pässe reichten und die Verteidigung war überspielt. Nach einer Viertelstunde folgte die beste Phase der Bullen. Zunächst setzte Hierländer mit einem schon in der letzten Saison gezeigten hohen Wechselpass Jantscher ein, der Ball kam über Cziommer zu Wallner, der Adler anschoss. Den Nachschuss setzte Leitgeb vom Sechzehner aus guter Position über das Tor. Den hätte man schon mal rein machen können, Leitgebs Abschlussschwäche ist aber bekannt. Kurz darauf glänzte Leitgeb dann mit einem intelligenten Pass auf Jantscher, der aber knapp im Abseits stand.

SCHWÄCHEN IN DER DEFENSIVE

Den gemächlichen Spielaufbau der Salzburger konnten die Leverkusener gemütlich unterbrechen, erst, wenn es schnell wurde, konnte der Gegner unter Druck gesetzt werden. Und so ging das: Gustafsson auf Ulmer, der mit einer Berührung auf Jantscher, kurzer Sprint über 20 Meter und eine scharfe Flanke auf den meist unsichtbaren Wallner. Die erste gute Aktion der Bullen nach über 20 Minuten. Gerade als die Gastgeber nach einer halben Stunde Morgenluft witterten und Hinteregger und Pasanen die gelegentlichen schnellen Passes gut antizipierten, zeigten die Leverkusener wieder ihre Klasse und auch, wie einfach Fußball sein kann. Eine flache Flanke von links, Schürrle legte auf Ballack ab, der netzte aus gut zwölf Metern wuchtig ins rechte Eck ein. Die Ordnung war wieder weg, auch wenn die Bullen es nun mit Pressing versuchten, was aber eher dem Leverkusener Spiel entgegen kam. Nach einem Eckball offenbarten die Bullen wiederum große Schwächen in der Defensive. Nach einem Eckball lauerten gleich drei Gegner mutterseelenalleine am Sechzehner auf Abpraller. Aus einem Fehler im Spielaufbau resultierte schließlich der Halbzeitstand: Langer, flacher Pass auf Bender, der legte auf Sam ab, Hierländer wollte ein Elferfoul begehen, Sam ließ sich nicht beeindrucken und bugsierte das Spielgerät über die Linie.

Fazit der ersten Spielhälfte: Zu einfach machten es die Bullen der Werkself, ein Pass reichte und Eddie Gustafsson stand allein vor den Angreifern. Nach vorne war man ideenlos und harmlos, die Offensivaktionen waren Stückwerk. Am auffälligsten agierte Jantscher im Verbund mit Ulmer auf links, Zaraté tauchte alle paar Minuten mal auf. Alan versuchte als Zehner aus der Tiefe zu kommen, tat sich gegen die Doppelsechs aber schwer.

BESSERUNG IN HÄLFTE ZWEI

Das Trainerduo reagierte und baute die Mannschaft auf gleich sieben Positionen um: Walke für Gustafsson, Schwegler, Sekagya und Testspieler Jefferson ersetzten postionsgerecht Hierländer, Hinteregger und Ulmer. Lindgren kam statt Cziommer um mit Leitgeb eine Doppelsechs zu bilden, Svento und Alex kamen für Wallner und Zaraté. Ein 4-2-3-1 sollte dem deutschen Vizemeister die Zähne ziehen. Das funktionierte aber nur kurz. Zwölf Minuten nach Wiederanpfiff – Teigl ersetzte kurz davor Jantscher – reichte ein Pass von Schürrle auf Derdiyok, der wiederum Schürrle intelligent einsetzen konnte, zum 0:4. Auch Walke war geschlagen.

Die Bullen kamen nun etwas besser ins Spiel, vor allem Svento sorgte für viel frischen Wind. Alex und Teigl beschäftigen die deutsche Hintermannschaft ganz gut, holten Eckbälle heraus, die aber stümperhaft vergeben wurden. Bitter war dies vor allem deshalb, weil – alte Fußballerweisheit – man zumindest die Standards nutzen muss, wenn es spielerisch nicht klappt. Dann endlich wieder eine gute Aktion: Pass aus dem Mittelfeld auf Alan, der Ball kommt zu Teigl, der ging in den Strafraum, passte auf Offenbacher, der verstolperte aber etwa sieben Meter vorm Tor. Durch die vielen Wechsel der Leverkusener ab Minute 67 stockte der Spielfluss etwas. Moniz brachte wiederum Meilinger, der für frischen Wind sorgte. Der Einsatz der Juniors in diesem Testmatch war mehr als berechtigt, die Burschen wirkten um einiges agiler als ihre Mitspieler. In Minute 78 passierte dann schließlich wieder etwas. Svento setzte sich auf links durch und zwang Adler zu der ersten Parade am Abend. Der Slowake war es auch, der die letzte Duftnote in einer durch die Wechsel zerfahrenen zweiten Spielhälfte setzte. Er dribbelte sich durch die Abwehr, sein Schussversuch aus etwa sieben Metern halbrechts konnte aber geblockt werden. Mit hängenden Köpfen verschwanden die Bullen in der Kabine.

FAZIT DES ERSTEN RICHTIGEN TESTS

Die Bullen präsentieren sich gegen abgezockte Leverkusener in Halbzeit eins uninspiriert und ungefährlich, lediglich Jantscher und Ulmer setzten Akzente, das Mittelfeld war durch das Pressing überfordert und die Abwehr leicht auszuspielen. Sekagya brachte mit Lindgren einiges an Sicherheit, Teigl und vor allem Svento konnten ebenfalls überzeugen. Testspieler Jefferson konnte Ulmer ebenfalls ansprechend vertreten, Alex hingegen war in der Leverkusener Abwehr gut aufgehoben, wobei man zugeben muss, dass Schwegler seine Rolle als Rechtsverteidiger eher konservativ auslegte. Systemtechnisch war mit dem 4-2-3-1 in Halbzeit zwei einiges mehr los, auch wenn zwei, drei Einzelaktionen sicherlich nicht reichen, um ein Topteam, welches in der letzten Qualirunde für die Europa League warten wird, wirklich zu gefährden. Dennoch war der Test aufschlussreich, da man vor allem gesehen hat, was nicht funktioniert.

Georg Sander, abseits.at

Stefan Karger