Die Meldung geisterte am Donnerstag durch mehrere Medien. HNK Šibenik, NK Karlovac und das große Hajduk Split könnten vom kroatischen Verband HNS auf unbestimmte...

Die Meldung geisterte am Donnerstag durch mehrere Medien. HNK Šibenik, NK Karlovac und das große Hajduk Split könnten vom kroatischen Verband HNS auf unbestimmte Zeit suspendiert werden. In Österreich sind solche Maßnahmen auch vorgesehen.

Zu den nackten Zahlen, die veröffentlicht wurden: Im konkreten Fall des Traditionsvereins Hajduk Split geht es um 3,3 Millionen Kuna. Umgerechnet sind das „lediglich“ zwischen 350.000  und 450.000 Euro, die der Verein  Šibenik schuldet. Es geht dabei um eine Ausbildungsentschädigung für Ante Rukavina, der 2007 zu Hajduk wechselte und im Juli 2010 zu Panathinaikos Athen ging.

Bei den auf den hinteren Rängen der Hrvatska Nogomentna Liga (HNL) liegenden Vereine Karlovac und  Šibenik, 15. bzw. 13. geht es um nicht bezahlte Spielergehälter. Die Hinterbänkler und der 18-fache kroatische/jugoslawische Meister konnten die Ausstände bis Donnerstag um 18 Uhr bzw. 24 Stunden vor Beginn der 24. Runde begleichen, sonst tritt die Suspendierung in Kraft. Dass gerade Split das nicht schaffte, mutet verwirrend an, hat der Verein doch verhältnismäßig großes Potential. Der Präsident von Karlovac nahm bereits am Dienstag den Hut.

 „Aufsichtspflicht wahrnehmen“

Dr. Gerhard Novotny, Geschäftsführer der Vereinigung der Fußballer, hält diese Vorgehensweise für gut.  Das Regulativ des ÖFB sieht auch Strafen bis zur Sperre des Vereins vor, wenn Zahlungen nicht eintreten. So wurden dem GAK im Frühjahr 2007 (zunächst) sechs Punkte abgezogen. Auch hier handelte es sich um eine nicht gezahlte Ausbildungsentschädigung. „Ich finde, dass ein Verband dadurch seine Aufsichtspflicht wahrnimmt“, so Novotny. Die Lizenzierung sollte ja einen fairen Wettbewerb ermöglichen. Habe ein Verein Liquiditätsprobleme, so müsse der Verein überprüft werden. „Man müsste auch Hilfestellungen anbieten, wenn der Hauptsponsor beispielsweise Probleme hat, wie bei Leoben 2009 . Es hat nicht immer der Verein die Hauptschuld.“ Würde sich der Verband nicht kümmern, so würde der Wettbewerb eben verzerrt. Im Fall von nicht gezahlten Gehältern müsse zwischen Gewerkschaft, Verband und Verein besser zusammengearbeitet werden.

Wettbewerbsverzerrung

Das Beispiel des FC Tirol sei ein positives, wie vonseiten der Spielern mit ausstehenden Gehaltszahlungen umgegangen werden könne. Rund um den nunmehrigen Sportdirektor Oliver Prudlo einigten sich die Spieler damals, den Titel auch ohne Zahlungen zu holen. Umgekehrt ginge es aber auch. Laut Novotny zahle „Simmering keine Gehälter. Der Spieler fragt sich, wieso er gewinnen soll, wenn er kein Geld bekommt!“ Dadurch würde der Wettbewerb verzerrt werden. Wenn Horn gegen eine motivierte Simmeringer Elf antritt und gegen Parndorf die Motivation fehlen würde, wäre das hochgradig unfair. Ein Nebeneffekt dessen sei auch, dass Vereine, dann in den Fokus von Manipulationen rücken könnten, da Spieler ja dennoch Geld haben wollen, die Verlockung werde größer. Die Bundesliga schaue ohnehin genau hin, aber: „Ob überall mit der notwendigern Konsequenz vorgegangen wird, ist Auslegungssache.“

Konkreter Fall in Österreich?

Bis 31. März müssen alle Spieler bestätigen, dass sie ihr Gehalt erhalten haben. Im Fall des First Vienna FC deutete Mittelfeldroutinier Matthias Hattenberger in der Krone vom 22. März bereits an, dass es Ausstände gebe: „Es ist nicht der erste Verein, der mir Geld schuldet.“ Allerdings, und da wird das Regulativ zahnlos, gilt dies nur für Unterschriften. Lustenau und Hartberg könnten argumentieren, dass so der Wettbewerb verzerrt wird. Zum Fußball gehört nun mal mehr als nur elf Spieler am Platz.

Ausfall einzelner Spiele besser als nachträglicher Punkteabzug

Den Vereinen würde im Falle einer Suspendierung Zeit verschafft werden. Zeit, Ausstände zu begleichen. Auch würde es ein gutes Signal für die Spieler sein, dass sie nicht nur Schachfiguren der Teams sind. Letzten Endes sind Fußballer auch nur angestellte eines Unternehmens. Ein Wirtschaftsunternehmen kann sich beispielsweise durch Kurzarbeit Liquidität verschaffen. Im Sinne des Bezahlfußballs ist der Ausfall einzelner Spiele wohl besser als langwierige Verfahren im Nachhinein.

Es geht im Großen und Ganzen um eine gute Zusammenarbeit zwischen Spielern, Wettbewerbsausrichtern, sowie Vereinen. Dass zum Fußballsport mehr gehört, als nur elf Mann am Platz, sollte jedem Verein klar sein. Transparenz und Ehrlichkeit wären hier von Nöten.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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