Es ist schon einige Zeit her, aber leider doch irgendwie allzu oft aktuell: Ein Spieler soll einen anderen rassistisch beschimpft haben. Beim Westderby zwischen... Iñaki Bea von Rassismusvorwürfen freigesprochen – Viel Lärm um nichts? Nein!

Es ist schon einige Zeit her, aber leider doch irgendwie allzu oft aktuell: Ein Spieler soll einen anderen rassistisch beschimpft haben. Beim Westderby zwischen Red Bull Salzburg und Wacker Innsbruck am Tivoli ging es in der Schlussphase hoch her. Nun hat die Bundesliga ihr Urteil gefällt.

Das Spiel selbst war nicht allzu spannend. Die Tiroler verstanden es gut, die Offensive der Salzburger zu stören. Erst ein Handelfmeter in Minute 50 brachte die Führung für die Bullen. Wacker drückte in der Folge auf den Ausgleich, Schlussmann Gustafsson sicherte seiner Mannschaft aber den knappen Vorsprung. In der Schlussphase wurde es turbulent, Rasmus Lindgren flog in der Nachspielzeit mit Gelb-Rot vom Platz, nachdem er Marco Kofler gefoult hatte. Aber auch diese Chance machte Salzburg-Goalie Gustafsson zunichte und die Emotionen kochten endgültig. Im Zuge der letzten Wacker-Chance versammelten sich so gut wie alle Spieler vor dem Tor der Gäste und plötzlich ging es rund.

BEA GEHT ZU BODEN

Der Spanier ließ ein paar Tage vor dem Spiel in einem Interview bei laola1.at mit folgender Aussage aufhorchen: „Es ist das Wichtigste, dass du dich anpasst und schnell die Sprache lernst. Außerdem spreche ich viel zu gerne und zu viel. Ich kann nicht neben meinen Nachbarn leben und die Sprache nicht beherrschen. Das halte ich nicht aus“. Genau dieser weltoffene und die neuen Medien gut beherrschende Spieler soll Ibrahim Sekagya rassistisch beschimpft haben, weswegen dieser Bea seine Faust in den Magen rammte. Zunächst beschuldigte Eddie Gustafsson noch Georg Harding, dieser bestritt die Aussage, der Torhüter zog seine Aussage zurück. Der Wacker-Verteidiger betonte in einer Aussendung, dass „alle im Verein entschieden gegen Rassismus auftreten“. Der Abwehrchef der Red Bulls wurde vom Strafsenat der Bundesliga für drei Spiele gesperrt, eine schriftliche Stellungnahme zu den Vorwürfen des Rassismus‘ wurde bei der Bundesliga eingebracht.

BABYLONISCH SPRACH VERWIRRT, DA PSYCHISCH LABIL

Das am 29. Juli eingeleitete Strafverfahren gegen Iñaki Bea wurde nun eingestellt. Mit der Begründung, dass der Dolmetscher festgestellt habe, dass „die vorliegenden Unterlagen und Aussagen offen legen, dass Begriffe verwendet wurden, die durchaus missverstanden werden können, wenn der Gesprächspartner Spanisch nicht als Muttersprache hat“ wurde das Verfahren beendet. Sekagya hatte sich am Montag auf Facebook für seinen Ausrutscher entschuldigt, gab am Tag nach dem Match an, nicht komplett Herr seiner Sinne gewesen zu sein: „Ich kann nicht tolerieren, wenn jemand etwas gegen meine Hautfarbe sagt und schon gar nicht, wenn jemand meine vor zwei Monaten verstorbene Mutter verbal angreift.“ Anscheinend, so der Schluss des Strafsenats, haben sich die zwei Legionäre schlicht missverstanden und der sonst so integere Bulle hat angesichts seiner psychischen Verfassung komplett falsch reagiert.

VIEL LÄRM UM NICHTS?

Anscheinend gibt es in der spanischen Fußballersprache das eine oder andere Wort, das man falsch verstehen kann. So weit, so schlecht, vor allem aber war die Reaktion des ugandischen Nationalspielers komplett daneben. Eine weitere Handhabe hätte Sekagya aber nicht gehabt, selbst wenn Bea – von dem so eine Aussage nicht zu erwarten ist! – ihm das N-Wort und despektierliches über seine Mutter zugeflüstert hätte: Die Nachweisbarkeit wäre nicht gegeben und im Zweifel entscheiden die Richter für den Angeklagten. Eine gute Sache hat diese babylonische Sprachverwirrung aber dennoch an sich. Es ist leider in vielen Kurven bei einigen Suspekten noch immer völlig normal, ausländische Spieler zu beschimpfen. Zuletzt wurde dies im Rahmen des Regionalliga-West-Spiels zwischen Austria Salzburg und den Red Bull Juniors publik. Einige Idioten bedachten Ballkontakte schwarzer Jungbullen immer wieder mit Affenlauten.

IMMER WEITER

Einzelne Fanszenen und Gruppen, die sich klar gegen Rassismus aussprechen, nun hervorzuheben, macht kaum Sinn. Es sind eher Ausrutscher Einzelner, die dieses Problem immer wieder akut werden lassen. Doch letzten Endes ist es gut und sinnvoll, wenn der Breitensport Fußball immer wieder darauf aufmerksam macht, dass Rassismus und andere Diskriminierungen im Stadion wie auch sonst überall komplett fehl am Platz sind. Dass vor allem in Österreich immer wieder darauf hingewiesen werden muss, wird bewusst, wenn die Ergebnisse einer bestimmten Partei in Umfragen beachtet werden. Rassismus und Fremdenhass ist leider auch im Jahr 2011 in Österreich ein Kavaliersdelikt, wenn nicht einfach alltäglich.

Auch wenn sich nun herausgestellt hat, dass laut Urteil Sekagya Beas Spanisch falsch verstanden hat und zuerst Georg Harding angepatzt wurde, ist es doch etwas Gutes, dass in den Schlagzeilen wieder das angesprochen wird, was Rassismus ist: Ein absolutes No-Go!

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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