Im dritten Teil unserer Analyse über Mittel anderer Mannschaften gegen den FC Barcelona betrachten wir das Problem mit der physischen Präsenz des FC Barcelona... Die Saison des FC Barcelona (5) – Taktische Mittel gegen Barcelona, Teil 3

Carles Puyol (Spanien, FC Barcelona)Im dritten Teil unserer Analyse über Mittel anderer Mannschaften gegen den FC Barcelona betrachten wir das Problem mit der physischen Präsenz des FC Barcelona und die Möglichkeit das Spiel der Katalanen konsequent an die Seiten abzudrängen. Dies ist der insgesamt fünfte Teil unserer Analyse über die Saison des FC Barcelona.

Physische Präsenz gegen Barcelona

Es klingt so banal, dass es eigentlich kaum mehr etwas mit Taktik zu tun hat, dennoch hat sich auch diese Saison wieder herausgestellt, dass es kaum ein so effektives Mittel gegen Barcelona gibt, wie die physische Präsenz und das Herausspielen von Chancen durch Standards und Luftduelle.

Kopfballduelle

Die Statistik spricht hier eine klare Sprache. Gezeigt werden die jeweils besten Kopfballspieler ihres jeweiligen Teams aus 5 verschiedenen Ligen. Puyol ist der Beste beim FC Barcelona, die anderen Topvereine haben meist, abgesehen von Manchester United, auf den Plätzen 2 und 3 ähnlich gute Kopfballspieler. Dabei war Puyol noch einen lange Teil der Saison verletzt oder nicht in der Startformation, kein Wunder also, dass Barcelona die anfälligste Mannschaft bei Standards ist.

Doch nicht nur bei Standards wird die physische Überlegenheit gegen Barcelona zur Waffe. Im Offensivspiel ist es gegen kaum eine andere Mannschaft so einfach, die hohen Bälle zu behaupten und auf die nachrückenden Spieler abzulegen. Immer wieder zeigt sich diese Taktik im Verlaufe der Saison, einer der zentralen Stürmer des Gegner sucht bewusst die Luftduelle mit der Verteidigung Barcelonas und behauptet die Bälle solange, bis seine Mitspieler nachrücken können.

Auch defensiv erspielt man sich so einen klaren Vorteil. Der FC Barcelona muss den Ball am Boden halten, um die Verteidigung des Gegners zu schlagen. Weite Bälle sind deswegen ein extrem selten eingesetztes Mittel, die Flanke, meist von der rechten Seite geschlagen, finden auch nur äußerst selten einen Abnehmer. Dies vereinfacht das Verteidigen enorm, was viele Fans dazu bewegt, seit Beginn der Saison einen echten Neuner zu fordern. Laut aktuellen Gerüchten stehen deshalb auch einige Namen auf der Transferliste Barcelonas, die in dieses Profil passen, beispielsweise Gomez, Lukaku oder Negredo.

Abdrängen des Barcelona Spiels zu den Seiten

Der FC Barcelona hatte seit mehreren Jahren in jedem Spiel mehr Ballbesitz als der Gegner, äußerst selten sogar weniger als 65% Ballbesitz. Dass daraus auch mehr Einwürfe resultieren scheint logisch. Barcelona hat mehr Ballbesitz und ist die technisch stärkere Mannschaft, weshalb für schwächere Mannschaften oft nur der Ball ins Seitenaus eine Möglichkeit darstellt, was wiederum in Ballbesitz für Barcelona resultiert. So weit so gut.

Allerdings gibt es verschiedene Spiele in dieser Saison, in denen die Anzahl der Einwürfe geradezu explodiert, bzw. auf beiden Seiten auffällig hoch ist. Gerade unter diesen Spielen finden sich nur wenige vollends überzeugende Auftritte der Vilanova-Elf: ein 0:3 gegen Bayern München, ein knapper 2:3 Sieg gegen Sevilla, ein 1:1 gegen Valencia, eine 0:2 Niederlage gegen den AC Mailand, ein sehr enger 1:2 Sieg in Topbesetzung gegen Betis Sevilla. Bei all diesen Spielen kam Barcelona nicht ein einziges Mal über die 10-Schüsse-auf-das-Tor-des Gegners-Marke. Ebenfalls auffällig: Bei jedem dieser Spiele machte Messi letztendlich den Unterschied, wenn Barcelona überhaupt gewann.

Es scheint also eine sehr effektive Taktik zu sein, den FC Barcelona dazu zu zwingen, sein Spiel über die Flügel aufzubauen. Den Ursprung hat diese Taktik ausgerechnet in einem Sieg Barcelonas gegen Underdog Granada. Barcelona dominierte die Partie sichtlich, hatte aber Probleme bei der Chancenauswertung. Dies war noch nicht das Paradebeispiel – es folgte erst eine Woche später gegen den FC Sevilla. Die Mannschaft von Michel ging dabei sogar mit 2:0 in Führung. Erst eine rote Karte für Gary Medel drehte das Spiel zu Gunsten der Katalanen, die in Folge einiger zumindest fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen das Spiel doch noch auf 2:3 drehen konnten.

Auch hier dominierte Barcelona das Spiel deutlich, allerdings schaffte es Sevilla auch, die Blaugrana immer wieder auf die Seiten zu zwingen, diese hatten letztendlich dreimal so viele Einwürfe wie Sevilla. In der Mitte des Spielfelds ist es für Barcelona deutlich einfach ihr Passspiel aufzuziehen. Durch die 4-3-3 Formation findet sich immer ein Dreieck mit einem anspielbaren Spieler, noch erhöht wird dies durch die Beweglichkeit der Offensivreihe. Drängt man das Spiel nun allerdings Richtung Seitenaus, so gibt es plötzlich deutlich weniger Freiraum, der Ballführende hat immer eine abgeschnittene Seite, womit die Dreiecksbildung und damit auch das Passspiel immer schwerer wird.

Somit schaffte es Sevilla, das Spiel zerfahren zu machen und es im Mittelfeld zu konzentrieren, was ihnen einerseits entgegenkam, da sie so defensiv besser standen, andererseits aber auch in vielen Fouls mündete, da sich alles auf sehr engem Raum abspielte und Barcelona immer wieder versuchte, sich über Dribblings zu befreien. So wurde Barca letztendlich der Ballbesitz überlassen, aber Sevilla machte diesen ungefährlich und Barcelona damit verwundbar. Kein Wunder also, dass viele Vereine danach den gleichen Weg gingen. Die Taktik gipfelte im 2:0-Sieg des AC Mailand im Champions League Achtelfinale, als man die Katalanen über die vollen 90 Minuten neutralisierte.

Ben Pedro, abseits.at

Ben Pedro

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